Fotografie, Nachgedacht

4 Jahre digitale Fotografie – Eine Weiterentwicklung…?

10. November 2012

Ich habe jetzt mal mit Absicht meine knapp zwei Jahre dauernde Phase der analogen Fotografie abgezogen, denn damals gab es hier und da schon längere Pausen sodass ich mich auf die letzten 4 Jahre konzentriere. Das ist auch der Zeitraum, seitdem ich eine Digiknipse besitze, auch wenn ich erst kürzlich wieder eine analoge Kamera gekauft habe. Vier Jahre Fotografie hören sich jetzt nicht unbedingt lang an – für mich aber dennoch Zeit an meine ersten digitalen Ergebnisse zu denken.

Ausschlaggebend für meine Gedanken zu diesem Beitrag war ein Artikel (What I’ve Learned About Photo Gear Over the Past 40 Years) auf petapixel.com. Auch wenn es hier vorwiegend um Kameraequipment geht, so lässt sich das im Entferntesten natürlich auch auf die Aufnahmen selbst übertragen. Natürlich kann ich jetzt nicht 40 Jahre Fotografie vergleichen, denn da hätte ich ja schon vor meiner Geburt anfangen müssen, aber eben meine Anfänge bis jetzt. Ohne mich jetzt selbst zu beweihräuchern, kann ich sagen:“ Ja, ich habe mich verbessert…“ Schaue ich mir Aufnahmen aus Ende 2008 an, sind diese doch eher einfach gestrickt. Meine damaligen Kenntnisse sowohl während der Aufnahme als auch in der anschließenden Bildbearbeitung hielten sich stark in Grenzen. Ich glaub mich zu erinnern, dass ich gerade mal ein wenig an den Kontrast, Helligkeit und Sättigungs-Reglern gedreht hatte. Von der Nutzung der Gradationskurven/Tonwertkorrektur oder dem Zonensystem war ich hier noch weit entfernt. Ich könnte mich jetzt rausreden und sagen, dass es an Photoshop und Co. gelegen hat, aber das mache ich nicht. Es war natürlich die fehlende Erfahrung, die sich erst über die Jahre hinweg angesammelt hat.

Mittlerweile ändert sich mein Workflow oder die Art der Bearbeitung, egal ob S/W oder Farbe nur sehr wenig. In ein paar Jahren kann das aber schon wieder ganz anders sein – wer weiß. Eigentlich möchte ich mit diesem ganzen Blablabla nur sagen, dass jeder sich über die Zeit verbessern kann und wenn man am Ball bleibt auch verbessern wird. Immer wieder erhalte ich Mails, in denen ich lesen muss, dass der- oder diejenige die eigenen Aufnahmen nicht mag und irgendwie die anderen Fotografen immer besser sind…. Meine Standard-Antwort ist darauf – Nicht den Kopf in den Sand stecken, nur die Übung macht den Meister. Natürlich hört sich das abgedroschen an, aber so ist es nun mal. Ich empfehle auch immer sich die Aufnahmen anderer Fotografen anzuschauen und für sich selbst zu entscheiden was denn dieses Bild so viel besser als das eigene macht. Ist es das Motiv, die Art der Bearbeitung oder vielleicht das Fotogenre selbst. Ich bin der Meinung, dass diese Art der Selbstanalyse einem doch sehr viel weiter bringt, als immer nur draufloszuknipsen und zwanghaft irgendwelche Bilder zu machen – nur um im Nachhinein sagen zu können, dass man viel fotografiert.

Die Aufnahmen sind Ende 2008 entstanden und zeigen zum einen meine „schräge Phase“, die glaub ich viele auch von euch selbst kennen oder vielleicht immer noch erfahren und zum anderen meine doch relativ „schwache“ S/W Bearbeitung.

Allerdings darf hier eines nicht vergessen werden. Die Bildwirkung steht und fällt auch mit der Bildbearbeitung. Jeder der in RAW fotografiert weiß, dass die Bilder einfach nur Scheiße ausschauen. Nicht umsonst heißt es beispielsweise in Lightroom „Entwickeln“. Diese Entwicklung macht in meinen Augen letzten Endes das Foto und aus diesem Grund sollte man sich hier genauso gut auskennen, wie auch beim eigentlichen Aufnahmeprozess. Zum Vergleich zeige ich euch hier mal die Original-Aufnahme der ersten beiden Fotografien. Auch wenn es immer wieder Stimmen gibt, dass der Jpeg-Modus der Kamera auch gute Bilder produziert. Ja, vielleicht mag das sein…. aber diese Art der Nachbearbeitung ist dann sicherlich nicht mehr möglich.

Weiterentwicklung bedeutet für mich aber auch, sich auf bestimmte Bereiche der Fotografie zu konzentrieren und nicht versuchen alles und jedes Genre mit seinen Aufnahmen abdecken zu wollen. Diese Entscheidung, in welchen Bereichen man sich weiter entwickeln möchte steht und fällt mir der Zeit je länger man fotografiert. Eine gute Hilfe ist natürlich auch der Besuch von Workshops zu unterschiedlichen Themen. Hier findet man meiner Meinung schnell heraus, ob sich beispielsweise die Porträtfotografie oder Landschaftsfotografie besser für einen eignet. Netter Nebeneffekt, man lernt eigentlich immer etwas dazu…

Ich würde den Beitrag gerne auch dazu nutzen um euch eine Plattform zu bieten. Wenn ihr schon etwas länger fotografiert – habt ihr das Gefühl euch weiterentwickelt zu haben und wenn ja woran merkt ihr das – gerne auch mit „vorher-nachher“ Bild.  Am besten verwendet ihr dafür zwei Kommentare.

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11 Kommentare

  • Antwort Damian 10. November 2012 um 18:19

    Hi,

    bei mir ist es eigentlich nicht anders. Ich habe 2007 mit der ersten „richtigen“ Digitalkamera angefangen, damals noch eine Bridge Kamera.
    Auch ich hatte bzw. haben noch teilweise diese Schräge Phase.
    Anfangs auch mit JPG Only gearbeitet und mit Picasa „optimiert“.

    Je tiefer man in die Fotografie einsteigt, desto besser wird man. Vor allem wenn es um die Technik und Komposition geht.

    Nach wie vor habe ich aber das Gefühl, dass ich gerade bei der Entwicklung noch nicht am Ende bin – einfach weiter machen! 🙂

    Gruß,
    Damian

  • Antwort Manuel 10. November 2012 um 21:14

    …hab ich mich weiterentwickelt? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Wenn ich meine Bilder heute mit den Bildern vergleiche, die ich vor ein paar Jahren gemacht habe, dann fällt mir auf, dass ich mehr bessere Bilder mache. Was meine ich genau damit. Als ich angefangen habe, Konzerte zu fotografieren, da kam ich mit hunderten Bildern heim. In der Regel waren aber davon wenige wirklich geeignet, sie zu „präsentieren“. Heute mache ich deutlich weniger Bilder – diese sind aber qualitätiv besser. Ganz besonders fällt mir die Entwicklung bei Veranstaltungen auf, die ich öfters fotografiert habe – man erkennt hier bei „vergleichbaren“ Bedingungen einen deutlichen Qualitätsunterschied.

    Neulich habe ich mich zum ersten Mal an die Sportfotografie gewagt – Frankfurt Marathon. Das Ergebnis war mit den ersten Konzertbildern sehr vergleichbar – viel geknipst und wenig Brauchbares.

    Grüße Manuel

  • Antwort Werner 11. November 2012 um 17:28

    Der Artikel regt wirklich zum Nachdenken an. Mir geht es beim Betrachten deiner Bilder (gerade beim „Vorher/Nachher-Vergleich“) so, dass ich mein „Sehen“ erstmal wieder in Frage stelle: „Kriege ich soetwas jemals hin?“ – Aber genau das gehört wohl zur eigenen Entwicklung dazu: An Grenzen stoßen, zweifeln, fragen und dann irgendwann doch weiterkommen. Ich bin nach langer, langer Pause erst im Winter 2011 zur Digitalfotografie gestoßen und entdecke nun erst nach und nach die unheimlichen Möglichkeiten. – Sich entwickeln… das hört wohl nie auf.

    • Antwort BlogTimes 11. November 2012 um 18:07

      Der Wechsel zur digitalen Fotografie ist wie ein Neuanfang in der Fotografie. Es geht hier gar nicht so sehr um den Aufnahmeprozess, sondern um die anschließende Bearbeitung. Die unzähligen Möglichkeiten sind gerade am Anfang mehr eine Last als das sie nützlich sind. Mir ging es jedenfalls so.

  • Antwort Holger 11. November 2012 um 19:25

    … und wenn du jetzt noch gut fotografieren lernen würdest, dann bräuchtest du nicht so viel mit Photoshop verändern. Mich stört dass die bearbeiteten Fotos nichts aber auch gar nichts mit der Realität zu tun haben. Du solltest vielleicht vorher schauen ob du das ganze was du mit der Bildbearbeitung machst nicht auch mit der Kamera machen kannst. Vielleicht von vornherein s/w fotografieren. Also für mich ist das ein Artikel zu deinen Fähigkeiten Bilder zu bearbeiten und nicht wie du sie fotografierst.

    • Antwort BlogTimes 11. November 2012 um 19:49

      Naja… um Sie zu bearbeiten bedarf es ja auch das passende Motiv und das muss ja fotografiert werden. Also ich denke schon, dass ich fotografieren kann 🙂

      Du solltest vielleicht vorher schauen ob du das ganze was du mit der Bildbearbeitung machst nicht auch mit der Kamera machen kannst. Vielleicht von vornherein s/w fotografieren..

      Dir ist schon bewusst, dass die Aufnahme in Farbe aufgenommen werden sollte um ein bestmögliches S/W Bild daraus zu erstellen. Ich weiß ja nicht wie lange du schon fotografierst, aber auch zu meinen analogen Zeiten habe ich die Bilder in der Dunkelkammer bearbeitet – in den Lichtstrahl eingriffen, abgewedelt, nachbelichtet. In Photoshop mache ich nichts anderes, nur eben viel genauer und detaillierter.

      Die Fotos haben also nichts mit der Realität zu tun… Nur weil die Kontraste, Helligkeit und Gradadation nicht mit der Original-Aufnahme zusammenpassen, bedeutet das automatisch für dich, dass diese nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Aha, interessante Feststellung.

    • Antwort Peter 11. November 2012 um 20:10

      Sorry Holger, aber deinen Kommentar finde ich vom Ton her völlig daneben und in der Sache falsch. Was bitteschön ist denn der Unterschied in der Realitätsdarstellung wenn ich die Bearbeitung statt sie am Computer selbst zu machen die Kamera direkt bei der Aufnahme machen lasse? Ist das dann „realistischer“???

    • Antwort Matthias Schroeter 12. November 2012 um 20:47

      das argument ist nicht schluessig bezueglich des anspruch auf realitaetsnahme abbildung. schon mal ueberlegt das der mensch i.d.R. nicht mal s/w sieht? mal von bildwinkel, schaerfe usw. abgesehen. das fuehrt also die ganze sache absurdum…

      es laesst weiterhin nur den schluss zu, dass du dir ueber den kuenstlerischen aspekt der fotografie noch keine gedanken gemacht hast.

  • Antwort Martin Hülle - Blog 12. November 2012 um 19:55

    Ronny, ich mag und bewundere Deine Aufnahmen sehr (und bin gespannt auf Dein Buch!), trotzdem habe ich ein paar Anmerkungen:

    Im Text schreibst Du: „Ich glaub mich zu erinnern, dass ich gerade mal ein wenig an den Kontrast, Helligkeit und Sättigungs-Reglern gedreht hatte.“ Das suggeriert irgendwie, dass nur stark nachbearbeitete Bilder gut werden und die, an denen nur wenig „geschraubt“ wurde, nicht so gut sind. Mmh, auf Deine Art der Fotografie mag das zutreffen und ist auch legitim, nur ist es kein Grundsatz. Es können auch Bilder herausragend sein, die nur minimal oder gar nicht nachhbearbeitet wurden.

    Da finde ich dann auch Deine Bemerkung in einem Kommentar zur Digitalfotografie an sich schwierig: „Es geht hier gar nicht so sehr um den Aufnahmeprozess, sondern um die anschließende Bearbeitung.“ Aha?! Das muss ja nicht so sein und ist auch besonders vom eigenen Konzept abhängig, welches hinter den Bildern steht. Es soll ja Fotos geben, die durchs Motiv wirken, seine Aussage, die Geschichte – und sich nicht allein über die Bearbeitung definieren 😉

    Nimmt man z.B. Dein Bild des Grand Central Terminal: die Farbaufnahme ist eigentlich langweilig, erst durch die Bearbeitung wird das Bild interessant. Es geht aber auch anders, wie Dein Lower Manhattan Bild: schon die Farbvariante ist gut, die bearbeitete verstärkt es nur.

    Daher stimmt in erster Linie dieser Satz: „Die Bildwirkung steht und fällt auch mit der Bildbearbeitung.“ Die Betonung sollte auf „auch“ liegen – ja, Bildbearbeitung kann ein ohnehin gutes Motiv in seiner Wirkung verstärken. Aber an sich sollte schon das Bild in roher Form wirken. Tut es das nicht, ist es meines Erachtens meistens ohnehin nicht wirklich gut.

    • Antwort BlogTimes 12. November 2012 um 20:42

      Danke Martin für deinen Kommentar. Es sollte eigentlich nicht suggerieren, dass nur stark bearbeitete Bilder gut werden…. Es sollte vielmehr ausdrücken, dass ich damals einfach keine Erfahrung hatte um das bestmögliche herauszuholen.

  • Antwort Rückblick 2012 - Was dieses Jahr so alles passiert ist... | BlogTimes - Fotografieblog 19. Dezember 2012 um 13:33

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