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4k, 8k, 16k…. und was wird aus dem Print?

10. April 2015

BlogTimes - Prints

Die letzten Tage waren wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Grippe-Impfung hat mich wenigstens davor bewahrt hier komplett auszufallen. Dennoch etliche Tage mit 39 Fieber ist einfach Scheisse. Es geht mir wieder besser, dennoch sind 100 Prozent noch nicht erreicht. Die Viren werden auch immer aggressiver…

4k, 8k, usw… was meine ich damit? Nun, die meisten werden wissen, dass ich damit die Auflösung meine, allerdings in diesem Fall nicht die Kameraauflösung sondern die Darstellung auf einem Monitor. In der letzten Zeit ließt man immer wieder von 4K Monitore, die jetzt mehr und mehr auf dem Markt kommen – kürzlich sogar von Geräten, die zukünftig 8K darstellen können oder zumindest plant man dies. Warum eigentlich? Sind wir alle so von Auflösung und absolutem Detailreichtum und Schärfe besessen, dass wir das benötigen?

Für diesen Beitrag war unter anderem ein Kommentar eines Lesers ausschlaggebend, der auf die Frage ob man 8k für Bildbearbeitung überhaupt benötigt, wenn man es im Print sowieso nicht sehen kann. wie folgt antwortete. Auch wenn es nur die Meinung eines einzelnen ist, so spiegelt dies aktuell mein allgemeines Gefühl mit dem Umgang der Fotografie wieder. „To hell with the prints, it is much more satisfying to see a photo on a high resolution monitor. That’s where all those megapixels really shine…

Sicherlich, 4k Bilder und Videos schauen gut aus und…… genau, damit wars das auch schon. Ich sehe Details, aber eine richtige Wahrnehmung der Fotografie habe ich nicht. Das ist genau so, also ob ich durch meine FB-Timeline scrolle und jedem Bild genau 0/10 Sekunde Aufmerksamkeit schenke. Ich kann es durch Klicken und Scrollen in Sekundenbruchteilen durch ein anderes ersetzen. Kann ich das mit einem Print – Nein! Ich habe das Gefühl, dass Bildqualität imme mehr nur mit Auflösung gleichgestellt wird. Mehr Auflösung und mehr Details, desto geiler die Fotografie! Lassen wir das ganze Equipmentgequatsche mal außen vor. Doch damit, meine oder zumindest empfinde ich,  ist der weitere Wertverfall der Fotografie vorprogrammiert.

Gut, ich kann es auch anders formulieren. Wenn ich über genügend Kohle verfüge, kann ich mir anstatt der Prints ja auch etliche UHD Monitore an die Wand hängen. Dann noch eine Slideshow drüber laufen lassen und fertig. Sobald das kommt, werde ich Slideshows meiner Aufnahmen in 8k verkaufen, die sich der Kunde via SD Karte in den Monitor laden kann. Die Wertschätzung eines Prints ist dann komplett vorbei. Ich weiß, dass ich hier vielleicht zu sehr pauschalisiere, aber ich denke ihr versteht was ich meine.

Machen wir uns nichts vor, Fotografien werden doch schon jetzt nicht mehr als das gesehen, was sie noch vor ein paar Jahren war. Nur wenige geben der Fotografie die Wertschöpfung, die sie eigentlich verdient. Sie ist eine Kunst wie jede andere auch und was machen wir? Wir treten sie seit geraumer Zeit mit Füssen – durch ständiges Hochladen von irgendwelchen Mist Fotos, die keinem wirklich interessieren. Ich selbst setze  versuche dem ganzen schon seit geraumer Zeit entgegen zu setzen. Wie? Nun, ich vermeide, dass ich jeden Tag eine meiner Aufnahmen poste – egal ob auf der eigenen Seite oder auf FB. Auch habe ich eh nicht soviele auf der Platte rumliegen. So kann ich wenigstens meinen eigenen Bildern mehr Wertschätzung einräumen und wisst ihr was?! Das genau schätzen meine Käufer. Die müssen sich nicht durch aberhunderte Fotos im Portfolio wühlen um letzten Endes überfordert aufzugeben. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich mehr Kunden damit gewonnen habe, als noch vor zwei Jahren.

Versteht mich nicht falsch. Ich mag Details und auch Schärfe, doch für mich zählt am Ende was hinten raus kommt und das sind sicherlich keine sichdurchmeinportolioklickenden FB Fans, die mir zwar durch ein like signalisieren, dass sie es gut finden – sondern die fertigen Prints, die ich meinen Kunden überreichen kann.

Vielleicht interpretiere ich auch hier zuviel hinein, aber irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, dass die Fotografie den Stellenwert in der Kunst so langsam verliert. Es ist schwieriger den je Fotografie zu verkaufen…

Eure Erfahrungen und Gedanken zum Thema würden mich interessen. Schreibt sie auf und lasst alle daran teilnehmen…

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10 Kommentare

  • Antwort Olli 10. April 2015 um 14:56

    Das eine schließt das andere doch nicht aus.
    4K hin oder her. Druck bleibt druck. So ist es halt mit der Technik. Braucht man’s? Wahrscheinlich nicht.
    Die, ich nenn es mal Bilderflut, kann man nur stoppen wenn man jegliche Monitore und das Internet verbannt.
    Das hat ja nicht wirklich was mit der Auflösung des monitors zu tun.
    Deine Einwände, Auflösung aussen vor, kann ich dennoch unterschreiben.

    • Antwort BlogTimes 10. April 2015 um 15:40

      Natürlich, Druck bleibt Druck! Doch wenn man der Meinung ist, dass alles besser auf Superultrahigh Displays ausschaut, verliert sich ein Gedanke nach ein ausgedruckten Bild. Ist doch jetzt schon so! Die meisten Aufnahmen verschwinden in irgendeinem Ordner auf der Festplatte und werden nie das Tageslicht sehen.

      • Antwort Olli 10. April 2015 um 23:30

        Das liegt aber an jedem einzelnen selbst. Und jeder kann was dagegen tun. Klar, möchte man das sich Menschen mit den eigenen Bildern beschäftigen oder zumindest nicht direkt weiterscrollen. Ich sehe das jedoch lockerer. Gucken se nicht, gucken se halt nicht 😉 so lange ich mich monatlich mit Prints belohne ist mir das auch egal 😉

  • Antwort Jürgen 10. April 2015 um 15:47

    Hi Ronny,

    Du sprichst mir aus der Seele, die ‚Fotografie‘ im klassischen Sinne verliert immer mehr an Wert, Bildinhalte werden zur Nebensache, Hauptsache High-Iso und 50MP, ein kurzer Blick ob es auch scharf ist und ab zum nächstem Bild. Was irgend wie aber auch wieder egal ist, weil in den meisten Fällen glänzen die Bilder heutzutage nur noch durch ihre technischen Eigenschaften auf dem hochauflösenden Monitor. Das Resultat sind dann inhaltslose digitale Dateien, eine willkürliche Ansammlung von Nullen und Einsen, aber scharf, Hauptsache die schwarze Katze ist in einer mondlosen Nacht vor der schwarzen Mauer zu sehen, natürlich schön freigestellt weil mit Blende f1.0 festgehalten. Interessiert zwar keinen, rechtfertigt aber dann zumindest die Investitionen in das neueste Hightechspielzeug. Und genau da fängt das Problem vom Print oder Druck an, ein Großteil dieser technischen Eigenschaften ist auf diesem Medium nicht anwendbar. Ein Print verlangt Aufmerksamkeit, hervorgerufen durch Inhalte und nicht durch Megapixel, und in diesem Moment trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen oder anders ausgedrückt das digitale Wettrüsten von der Fotografie. Ok, alles etwas überspitzt dargestellt, aber wenn man sich, Entschuldigung, den ganzen inhaltslosen Schrott auf den diversen Internet-Plattformen ansieht die mit Equipment von +-10K € verbrochen wurden, weiß man wohin der Zug fährt. Die Technik steht dieser Tage im Vordergrund, der Inhalt spielt nur noch eine Nebenrolle.

    Für mich persönlich ist Fotografie untrennbar mit dem Print verbunden (egal ob jetzt digital oder analog), erst im Print gewinnt ein Foto für mich irgendwie an Wert und entfaltet gedruckt mitunter auch oft eine andere Wirkung als am Bildschirm, wer mal die ein oder andere Foto-Ausstellung besucht hat und vorher nur die Bilder am heimischen Bildschirm gesehen hat wird wissen was ich meine. Ich drucke seitdem deutlich mehr Bilder und entscheide dann anhand des Prints ob sie meinen Ansprüchen gerecht werden oder nicht. Habe da schon die eine oder andere Überraschung erlebt (in beide Richtungen).

    Jürgen

    • Antwort Jens 11. April 2015 um 00:04

      Genau so ….gut geschrieben.
      VG Jens

  • Antwort Karlis 10. April 2015 um 19:48

    Ronny, ich stimme dir in allen Punkten zu. Die Menschheit wird bald keine Erinnerungen mehr haben, wenn alles wichtige (und unwichtige) nur in digitaler Form irgendwo rumliegt, bis das iPhone voll oder „alt“ ist… oder die Daten schlicht und ergreifend einfach verschwinden, weil die wenigsten nur Backups machen.

    Das ist auch einer der Gründe, weshalb meine Hochzeitspaare IMMER ein großes Fotobuch und ordentliche Prints zu den Daten bekommen. Und sich meine Regale monatlich mit Bildbänden füllen 🙂

    Liebe Grüße
    Karlis

  • Antwort Jörg 11. April 2015 um 01:00

    Hey Ronny, ein interessanter Artikel und ich bin froh, dass wieder jemand über „print“ schreibt. Einer der Top-Google Leute hat das ja vor einigen Wochen bereits getan und auch auf PetaPixel war ein Artikel, der in diese Richtung geht. Persönlich sehe ich es ähnlich, anspruchsvolle Fotografie wird erst durch den „Print“ wahrhaftig.

    Aber ich glaube wir sollten uns klarmachen was ein Bild auf dem Monitor ist und was ein Bild auf einem Ausdruck darstellt. Ein Bild auf einem Monitor (und dabei spielt es keine Rolle ob die Auflösung bei 4k, 8k oder demnächst 16 K liegt) ist IMMER beliebig. Es kann weggeklickt werden, es kann in sämtlichen Parametern verändert werden und es kann gelöscht werden. Ein Ausdruck, ein echter „Print“ ist immer präsent und zwar so, wie der Fotograf ihn gewollt angefertigt hat. Die Parameter können eben nicht mehr verändert werden (ok, UV Stabilität aussen vor 😉 ). So wie der Fotograf sein Bild gesehen hat, so gibt er es auch weiter an Dritte. Ein „Print“ wird auch nicht so schnell zur Seite gelegt und kann immer ohne weitere Hilfsmittel betrachtet werden. Eine Datei von Ronny Ritschel ist „nice to have“, ein „Print“ von Ronny Ritschel trägt jedoch seine ganz persönliche Handschrift und ist daher für den Kunstsammler doch wohl ein „must have“.

    Ich persönlich vertrete daher die Meinung, alles was auf analoges Material gebracht wird ist gut! Egal ob Print, Buch, Karte, 9×13 Abzüge, egal. Es bewahrt unsere Erinnerung und zwingt die meisten Fotografen zu einem Auswahlprozeß, der ihnen gut tut. Denn die „wichtigen“ Bilder werden gedruckt und die scheuen wir uns auch noch mit der Familie oder Freunden in 20 Jahren an. Die Festplatte ist dann meistens schon lange abgetaucht.

  • Antwort Helmut Luttenberger 11. April 2015 um 10:50

    1:1 deiner Meinung. Es ist immer wieder lustig mitzuverfolgen wie z.B. auf Facebook irgendein (Mist)-Foto von z.B. einem fotografierten Essen in einem Gasthaus mit dem Handy 100 Likes und noch mehr hat, während wirklich „geile“ fotografisch tolle Aufnahmen oft gar keinen Like oder kümmerliche 3-5 Likes erzielen – echt arm und seicht unsere Gesellschaft. Die „wahre“ Fotografie geht leider total im „Selbstdarstellungswahn“ unserer oberflächlichen Soap-Gesellschaft unter und dies wird sich nicht mehr aufhalten lassen zum Nachteil aller wirklich guten und tollen Fotografen auf diesem Planeten. Man verkauft nicht über Qualität sondern über sein Geschick sich bestens zu vermarkten!

  • Antwort Timon 11. April 2015 um 11:42

    Meiner Meinung nach hat beides seine Berechtigung. Zum einen muss ich meine Bilder bearbeiten. Ich will meine Bilder bearbeiten ohne Pixel sehen, die ja nur aufgrund einer schlechten Auflösung des Monitors zu sehen sind.
    Ich bin aber gegen den aktuellen Trend – siehe 5″ Smartphone mit 1080p Auflösung, also 440dpi, was das menschliche Auge gar nicht mehr aufnehmen kann. Ich sehe da Apple mit seinem Retina Display (220dpi), das ich auch in Benutzung habe, als Mittelweg zwischen dem extremen „immer mehr dpi“ und dem Pixelmonitor mit 1080p. Genau dieses Retina Display hilft mir das Bild auch als Print zu bekommen.

    Ich kann mir vorstellen das zukünftig nur noch Personen die die Fotografie lieben oder professionell betreiben weiter auf Prints setzen. Ich denke das Leute die ausschließlich digital fotografieren bald gar nicht mehr drucken können, weil sie dinge wie „Proofing“ nicht mehr kennen. Das wird womöglich zukünftig sogar den Fotoprint-Markt zum Positiven beeinflussen, da Prints mit Liebe zu seinen Werken und Professionalität verbunden wird.

    Gruß Timon

  • Antwort Lesenswert: BlogTimes zum Thema “Print” | 365photo.de 12. April 2015 um 21:30

    […] von mir sehr geschätzte Ronny Ritschel hat auf seinem Blog BlogTimes einen schönen Artikel zum Thema “Print” gepostet. Von meiner Seite bekommt der Artikel eine Dicke Empfehlung, da er mich zum Nachdenken anregt hat, […]

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