Fotografie

Beach of Jökulsarlon – Making of

19. Juni 2011

Immer wieder erreichen mich Mails von Lesern, die  mich bitten etwas zu meinen Bildern und deren Bearbeitung zu schreiben. Dem möchte ich heute mit einer Aufnahme aus Island nachkommen.

Das Bild entstand im Mai diesen Jahres auf Island. Aufgrund der teilweisen extremen Wetterbedingungen (Sandsturm und stark aufschäumende Gischt) waren mehrere Anläufe für diese Aufnahme notwendig. Hinzu kommt, dass hier nicht immer das Gletschereis des Jökulsarlon an den Strand gespült wird und man die Wellenbewegung ebensowenig voraussagen kann. Ein bisschen Glück in der Fotografie gehört also für mich genauso dazu, wie der Auslöser zur Kamera.

Verwendete Technik:

Bevor ich zum Eigentlichen, der Bildbearbeitung komme, gibt es für die „Techniker“ unter uns noch ein paar Daten. Die Aufnahme wurde mit einer Nikon D300 und dem Nikon Objektiv 17-55mm f2,8 realisiert. Die Brennweite betrug 19mm bei einer Belichtungszeit von 1,6 Sekunden @ f 3,2. Um auf diese Zeiten zu kommen, verwendete ich zudem einen Graufilter der Stärke 3 (Verlängerung: 10 Blendenstufen). Vorrang hatte für mich hauptsächlich die Belichtungszeit von 1,6 Sekunden um die Dynamik der Wellenbewegung, wenn diese über den Strand rollen, einzufangen.  Um die gewünschte Tiefe ins Bild zu bringen, war die Brennweite von 19mm notwenig. Eine längere Brennweite hätte nicht zum gewünschten Ergebnis geführt.

Bildbearbeitung:

Das usprüngliche Foto ist natürlich in Farbe fotografiert und anschließend in S/W umgewandelt. Als Bearbeitungsprogramm kam Photoshop (Tonwertkorrektur, Gradationskurve, Vignettierung, Tonung) und Silver Efex zum Einsatz. Letzteres dient mir haupsächlich der Überprüfung der einzelnen Tonwerte mit Hilfe des integrierten Zonensystems. Natürlich kann man das auch mit Photoshop machen, allerdings finde ich die Benutzersteuerung übersichtlicher und intuitiver. Das schöne am Zonensystem ist, dass die Helligkeitsbereiche unabhängig von der eingestellten Monitorhelligkeit angezeigt werden. Das erlaubt mir einfach eine bessere Differenzierung der verschiedenen Tonwerte und somit ein nach meinem Empfinden besseres Endergebnis.

[tabs slidertype=“top tabs“] [tabcontainer] [tabtext]Tab 1[/tabtext] [tabtext]Tab 2[/tabtext] [tabtext]Tab 3[/tabtext] [tabtext]Tab 4[/tabtext] [tabtext]Tab 5[/tabtext] [tabtext]Tab 6[/tabtext] [/tabcontainer] [tabcontent] [tab]Auf dem ersten Bild seht ihr die Aufnahme als RAW-Format in ihrem unbearbeitet Zustand. Der Horizont ist schief und das Bild wirkt natürlich kontrastarm. [/tab] [tab]

Der Horizont wurde mit dem „frei transformieren“ Werkzeug in die richtige Position gezogen. Normalweise kann man das auch mit dem Distorsions-Filter erledigen, dieser schneidet mir allerdings teilweise einfach zu viel vom Bild weg.

Außerdem kann ich das Bild durch transformieren ein wenig strecken oder stauchen um so eventuell den Himmel und/oder den Vordergrund dominanter zu gestalten. Letzteres kam allerdings bei diesem Bild nicht zum Einsatz. Mit Hilfe der Funktion in S/W umwandeln wurde der erste Schritt in Richtung schwarzweiß getan. Dieser erste Schritte dient mir im Übrigen nur als grober Anhaltspunkt.

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Im ersten eigentlichen Schritt der Bildbearbeitung habe ich mich um den Vordergrund, die Wellen und den Himmel gekümmert. Mit Hilfe der Tonwertkorrektur werden alle drei Bereiche getrennt bearbeitet. Dabei fällt die Bearbeitung eher marginal aus, denn ich versuche immer durch weniger radikale Bearbeitungschritte ans Ziel zu kommen. Die Anzahl der Schritte ist mir hierbei völlig egal. Ich beschrifte die einzelnen Ebenen auch nicht. Das ist mir viel zu umständlich, zumal ich bereits nach einem fertigen Schritt alles auf eine Ebene reduziere.

Um zum gewünschten Ergebnis zu kommen, konzentriere ich mich nur auf einen einzelnen Bereich und stelle die Regler des Menüs nach meinen Wünschen ein. Danach erstelle ich eine Füllebene (schwarz) und bearbeite die Stellen (z.B. Vordergrund, Himmel und Wellen) mit einem Pinsel. Das dauert zwar immer ein wenig, aber so kann ich die Bereiche genauer gestalten.

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Kontraststeigerung des Himmels, der Wellen und des Vordergrunds mit Hilfe der Gradationskurve. Wie auch schon bei der Tonwertkorrektur, werden alle drei Bereiche getrennt bearbeitet.

Diese weitere Kontraststeigerung dient der Strukturverstärkung der Linien im Vordergrund. Um keine ausfressenden „Lichter“ zu erhalten, habe ich mit dem Zonensystem von Silver Efex die Helligkeitsverteilung überprüft und weiter angepasst. [/tab] [tab]

Über den Beschnitt eines Fotos lässt sich immer streiten. Selbst ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt das 1:1 Format wählen, oder es lieber so belassen sollte. Da es sich aber um eine Serie handelt, wurde schließlich gecropt. [/tab] [tab]

Im letzten Schritt wurden die größten Änderungen gemacht. Es wurde nochmals am Kontrast geschraubt und die Helligkeit mit Hilfe der Tonwertkorrektur und der Gradationkurve verändert. Die Überprüfung der Helligkeitsbereiche fand erneut mit Silver Efex statt. Auch hier wurde nochmals mit den Reglern „Belichtung/Konstrast“ gepielt. Anschließend wurde in Photoshop eine leichte Vignettierung erstellt und über die Aufnahme gelegt. Wie genau, erkläre ich mal in einem extra Beitrag. Das würde hier den Rahmen sprengen. Natürlich lässt sich die Vignettierung auch mit Hilfe von Silver Efex erzeugen, aber durch die manuelle Geschichte, habe ich vielmehr Einfluss auf Stärke und Lage der Vignettierung. Schließlich habe ich dem Bild noch meine übliche Tonung gegeben. Dazu wird der Farbbalance Regler (Lichter) um wenige Werte in Richtung gelb und rot verschoben. Wie stark, dass hängt immer vom subjektiven Eindruck ab. Hier kann man ruhig ein wenig experimentieren. Ein wenig blau darf natürlich auch nicht fehlen, sonst wird das Bild zu warm. Dieser Regler wird allerdings nur in den „Schatten“ verschoben. Stärke ist natürlich wieder abhängig vom Eindruck. [/tab] [/tabcontent] [/tabs]

Das wars eigentlich schon in Sachen Bearbeitung, zumindest für dieses Bild. Im Großen und Ganzen habe ich einen einheitlichen Workflow, nur die Anzahl der Schritte variiert ja nach Bildmotiv. Ich hoffe, dass dieses kurze Making of für den einen oder anderen von euch interessant war. Wer Fragen hat, nur zu!

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10 Kommentare

  • Antwort hiacynta jelen 20. Juni 2011 um 14:09

    Sehr interessanter Bericht, Danke!
    Ich persönlich hätte das Bild ohne den Schnitt so gelassen, aber das empfindet jeder natürlich etwas anders. Im quadratischen Schnitt sind mir die Eisberge zu dicht zusammen, ich hätte da gerne etwas mehr Luft.

  • Antwort Thomas Brotzler 20. Juni 2011 um 20:20

    Hallo Ronny, ein schöner Bericht über einen beispielhaftes Workflow. Folgendes möchte ich aber anmerken:

    [1] Auch ich schätze Silver Efex Pro sehr als Instrument der Schwarzweißkonvertierung. Auf die Idee einer mehrfachen Rückkehr zur Kontrolle bin ich allerdings noch nicht verfallen. Die Beschnittkontrolle ist über das Histogramm mit gedrückter Alt-Taste und Mausziehen der Pfeile links und rechts wunderbar möglich. Insofern frage ich mich, ob Du es Dir schwerer wie nötig machst.

    [2] Weißt Du, daß in Silver Efex Pro nicht nur die Ausdehnung, sondern auch die Positionierung (also auch die exzentrische) wunderbar steuerbar ist?

    [3] Im Bericht vermißte ich ein wenig Deine Befassung des Mitteltonkontrastes, der Eingang-, Bearbeitungs- und Ausdruckschärfung sowie der Filmkornsimulation / „Kornschärfung“.

    [4] Deinen Ansatz zur subtilen Bearbeitung will ich uneingeschränkt gutheißen. Allerdings scheinen die Schritte derart subtil, daß sie im gezeigten Beispiel ohne Danebenstellung des Histogramms nicht recht deutlich werden.

    • Antwort BlogTimes 21. Juni 2011 um 07:00

      Meinst Du mit Beschnittkontrolle, die Überprüfung der Tonwerte? In der Tat könnte man sich noch mit dem Mittelkontrast usw.. befassen. Werde das in einem meiner nächsten Making of mit einbeziehen. Das war ja mein erster Beitrag zum Thema Bildbearbeitung. Hier besteht natürlich noch Verbesserungsbedarf. Insofern, danke für dieses Tipp.

      Was die subtile Bearbeitung betrifft. Stimmt, die Unterschiede zwischen den einzelnen Aufnahmen sind nicht gerade groß. Das mit der Danebenstellung des Histogramms ist daher eine gute Idee, wenn die Zwischenschritte derart subtil erscheinen.

      • Antwort Thomas Brotzler 21. Juni 2011 um 19:32

        Zitat: „Meinst Du mit Beschnittkontrolle die Überprüfung der Tonwerte?“

        Siehe Abbildung, entweder Pfeil 1 für die statische oder Pfeil 2 für die dynamische Anzeige mit Alt-Tast und Mausklick. Das Ergebnis (also den Tonwertbeschnitt bzw. -abbruch) sieht man dann bei den Lichtern an den hellen Flächen auf schwarzem Hintergrund und vice versa bei den Schatten. Einfacher geht es wirklich nicht …

  • Antwort Jo 20. Juni 2011 um 20:32

    Ganz groß… Gefällt mir unheimlich gut!

    Das Bild ist einfach aufgebaut, enthält aber doch so viele spannende Details, dass man seinen Blick nicht abwenden kann. Und die Konvertierung nach Schwarz/Weiß gibt ihm das gewisse Etwas.

    Das (originale) Querformat würde ich wahrscheinlich präferierne, weil dort die Dynamik des Sandsturms noch besser zur Geltung kommt. Ist aber, wie Du eh schreibst, vor allem auch Geschmackssache.

  • Antwort Nils 22. Juni 2011 um 09:10

    Das schöne Blau aus den Eisstücken, kann man doch nicht in SW umwandeln.

    • Antwort BlogTimes 22. Juni 2011 um 12:01

      Ich weiß, aber ein colorkey schaut doch doof aus… 🙂

      • Antwort Thomas Brotzler 22. Juni 2011 um 12:19

        Aha, eine kleine ideologische Diskussion über die „Stichhaltigkeit der Schwarzweißfotografie in heutiger Zeit“?! Na, dann mal los …

  • Antwort Juliane 25. Juni 2011 um 23:15

    Sehr gut gelungen, tolle dynamik, irgendwie auch etwas beängstigend. Wie lange hast du denn für die Nachbearbeitung mit Photoshop gebraucht?

    • Antwort BlogTimes 26. Juni 2011 um 10:53

      Beängstigend?! Das musst du mir mal genauer erklären… Was macht dir denn Angst? Ist doch immer wieder interessant, was andere über den Bildinhalt denken.

      Die Bearbeitungszeit betrug ungefähr 30-45Min.

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