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Bye bye SEEN.by und der Wert der Fotografie

30. Juni 2015

[Joshua Tree - Death Valley],4x5-010 - USA 2013-2

Die seen.by Galerie lebt von ihren Künstlern. Das ist der Leitspruch, den man aktuell bei der Künstlerprovision auf seen.by findet. Das war einmal, denn mit den neuen AGB wird sich der Honorsatz ändern!

Geht’s noch! Das war mein erster Gedanke nachdem ich die Änderungsankündigung des Honorarsatzes von Seen.by in meinem Postfach hatte.

…„Die Änderungen der AGB betreffen das Honorar-Abrechnungsmodell. seen.by wird den Honorarsatz mit den veränderten AGB auf 20% setzen und sich somit anderen Mitbewerbern auf dem Markt annähern, die jetzt schon einen weitaus geringeren Honorarsatz haben. Hinzu kommt, dass sich der Abrechnungspreis ab dem kommenden Quartal am endgültigen netto Verkaufspreis bemisst. Aufgrund der wachsenden Konkurrenz, sowie der notwendigen Rabattierung verschiedener Produkte zu unterschiedlichen Zeiten, wird sich seen.by weiter verstärkt auf seine Angebotsvielfältigkeit für den Kunden konzentrieren.“…

Soso, aufgrund der wachsenden Konkurrenz, sowie einer notwendigen Rabattierung zu unterschiedlichen Zeiten kürzt ihr also das Fotografen-Honorar. Zudem wird sich quasi noch gelobt, dass man mit 20 Prozent immer noch einen höhere Künstlerprovision zahlt als die anderen Mitbewerber. Na, danke schön, dass ich aber nett von euch! Demnächst kommen dann nochmals neue AGB, weil man sich noch einen Schritt weiter an die Mitbewerber annähern möchte?!

Bisher wurden den Fotografen 25 Prozent Provision für verkaufte Werke über seen.by bezahlt. Betrachtet zur Konkurrenz ist das fast doppelt so hoch, doch immer noch vergleichsweise niedrig was „richtige“ Galerien an ihre Künstler ausschütten. Ich weiß, ich muss das ein wenig relativieren, denn immerhin übernehmen Dienste wie seen.by die Produktion und Versand der verkauften Aufnahmen. Der Künstler selbst stellt ja nur die Aufnahme zur Verfügung! Ich frage mich allerdings, ob Seen.by bewusst ist, dass eben jenen Fotografen Hauptgrundlage ihres Onlines Business sind. Ohne Fotografen – keine Bilder, ohne Bilder – keine Verkäufe, ohne Verkäufe – kein Kohle usw…

Ich bin ehrlich, ob nun 25 Prozent oder 20 Prozent ist mir eigentlich egal. Ich wollte dort schon länger meinen Account löschen. Ihr fragt euch vielleicht, wenn es nicht die Herabstufung der Provision ist, was ist der Grund? Wer zwischen den Zeilen ließt wird schnell feststellen, dass egal für welchen Online-Bildvermarkter die Fotografie eigentlich nur ein Produkt ist. Nach außen wird dass selbstverständlich nicht so vertreten und man stellt sich unter anderem als kuratierte Plattform für Künstler/Fotografen dar und/oder würdigt vielleicht noch die besondere Beziehung zu den Fotografen. Alles Bullshit in meinen Augen! Mit der Änderung der Honorasatzes hat es Seen.by mir praktisch schriftlich gegeben, was im Grunde auch für alle anderen Anbietern gilt. Hier wird von Rabattierung verschiedener Produkte zu unterschiedlichen Zeiten gesprochen. Fotografie ist also ein Produkt, was wie im Supermarkt ab und an als reduzierte Ware angeboten wird, weil man es ansonsten nicht verkaufen kann – ein Massenprodukt also! So interpretiere ich diese Zeilen.

Fotografie ist doch kein Produkt, liebe Online-Galerien. Der „Wert der Fotografie“ ändert sich doch nicht, nur weil diese auf verschiedene Materialen gedruckt werden. Natürlich hat man Preisstrukturen für unterschiedliche Medien, aber die Rabattierung auf die Fotografen, – also auf das Grundgerüst umzulegen, ist doch keine Lösung. Wenn ich als Anbieter unbedingt bis zu 30 Prozent Rabatt geben möchte (was prozentual gesehen mehr Nachlass für den Käufer ist, als der Künstler an Provision verdient), dann müssen beispielsweise andere/günstige Materialanbieter gefunden werden um den Profitverlust zu minimieren. Mit der Reduzierung des Honorars wird sich dies in meinen Augen etwas zu leicht gemacht.

Natürlich ist es nicht einfach, sich auf dem heutigen Fotomarkt zu behaupten und sicherlich ist meine Sichtweise sehr persönlich, dennoch werde dieses und ähnliche Geschäftsmodelle nicht weiter unterstützen und habe daher meinen Account gelöscht! Fotografie ist eine Kunst und Kunst sollte man nicht mit Rabatt anbieten!

Übertreibe ich oder seht ihr das genauso?

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19 Kommentare

  • Antwort Frank Weber 30. Juni 2015 um 17:13

    Hallo Ronny,

    du hast mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen. Entweder es ist Masse oder es ist Kunst. Mir gehen diese ganzen Onlineverschenkeläden auch gegen den Strich. Ich mach zwar noch nicht viel aber bei mir gibt es meine Fotos nur über mich direkt oder gar nicht.

    Liebe Grüße Frank

  • Antwort Jens 30. Juni 2015 um 23:40

    Seit das Teilen von Fotos,oder sollte man lieber Selfie sagen,durch soziale Netzwerke publiziert wird,denkt alle Welt man kann mit jeder Fotografie so umgehen. Geld für Fotos?….vergiss es und schon gar nicht im oder über das Internet. Nur schlimm das dann solche Plattformen mit auf diesen Zug aufspringen,anstatt mal gegensteuern. Aber da sehen sie ihre Gewinne schwinden,denn das sind die Einzigen,die bei So einer Sache verdienen.Mir fehlt da die Leidenschaft solcher Plattformen für die Fotografie. Es zählt nur noch der eigne Gewinn. Ist der in Gefahr,kommen dann solche Mails. Fotografie und Internet passen für mich schon seit einiger Zeit nicht mehr richtig zusammen. Die Wertschätzung der Fotografie im Internet geht gegen Null.

    VG Jens

  • Antwort volvox 1. Juli 2015 um 09:20

    Sehr ich anders. Kunst ist ein Produkt, die auf Messen, Versteigerungen und durch die Mafia der Galeristen und Museen vertrieben wird. Da ist das Internet noch das demokratischte Mittel der Präsentation. 20% Provision statt 25% Ronny, dass kann es doch nicht sein, dass du dein Account löschst! Wer bestimmt den Preis eines Kunstwerks? Angebot und Nachfrage, die Protektion der Galeristen oder Mäzene? Im Internet ist es sicher Angebot und Nachfrage. Ich denke an J. Beuys, Kunstprof. der sagte, jeder ist ein Künstler. Nun gibt es sicher eine Milliarde „Fotografen“, ich denke da an alle Smartphonebesitzer die fotografieren und ihre Werke im Internet den unzählig verschiedenen Stockanbietern ,Onlinegalerien zu verfügung stellen. Was davon ist ein Kunstwerk und was ist Schrott? Seenby trifft eine Vorauswahl, jeder kann nicht veröffentlichen. Sie machen Werbung mit potenten Partnern usw., stehen aber auch in Konkurrenz zueinander. Der Markt diktiert den Preis, zumindet im Internet.Ist leider so!
    Und wenn jetzt alle schreiben:Die Wertschätzung der Fotografie im Internet geht gegen Null, dann frage ich mich, warum habt ihr eine eigene Homepage?
    Grüße volvox

    • Antwort BlogTimes 1. Juli 2015 um 19:55

      Hmm, was hat den die eigene Webpräsenz mit der Wertschätzung der Fotografie zu tun? Eine Webseite hat man um sich vorzustellen und ich bin mir sicher, dass die meisten Ihre Aufnahmen sorgfältig auswählen um eben der Wertschätzung gerecht zu werden.

    • Antwort Jens 2. Juli 2015 um 11:13

      Und wenn jetzt alle schreiben:Die Wertschätzung der Fotografie im Internet geht gegen Null, dann frage ich mich, warum habt ihr eine eigene Homepage?

      Das frag ich mich auch manchmal. Du schreibst es gibt Milliarden Fotografen und genau soviel Webseiten wahrscheinlich dazu. Es ist einfach zuviel geworden in diesem Netz. Der gewillte User findet sich nicht mehr zurecht und irrt durch die digitale Fotowelt bis er nicht mehr kann und aufgibt. Ich freunde mich immer mehr mit dem Weg außerhalb des Internets an,auch wenn er bisweilen schwieriger ist…..aber auf jedenfall ehrlicher. Meine Webseite ist ein Überbleibsel aus einer aktiven Internetpräsenz (Communitys,Foren,soziale Netzwerke,Verkaufsportale usw. überall abgemeldet) und dient rein zur Präsentation.
      Ach ja….und ich bin so froh,das ich die Fotografie nur als Hobby betreibe.
      VG Jens

  • Antwort Udo 1. Juli 2015 um 15:46

    Hey Ronny,

    Du sagst und lebst es ja auch selber, die richtige Wertschätzung für die Werke gibt es eindeutig offline, wenn man seine Bilder schön und passend präsentiert. man erreicht ein anderes Publikum (zumindest teilweise) und vor allem auf eine andere Art und Weise.

    Ich glaube nicht, dass Du da übertreibst und verstehe Deine Reaktion gut! Der Bildermassenmarkt Internet läuft so eben einfach nicht!

    By the way: Starkes Wüsten-Bild oben, die Farben sind der Knaller und die Stimmung eindrucksvoll! Erst erblickt man die Wüste, aber durch die kühle Farbgebung geht einem ein kalter Schauer durch den Körper (geht zumindest mir so). Cool!

    Greets, der Udo

  • Antwort hannes 1. Juli 2015 um 18:24

    Bei allen gleich. Seenby,….
    Es gibt aber auch Ausnahmen bei denen man seine eigene Provisions verlangen kann.
    Wenn jedoch Bilder über fotolia und Co. angeboten werden und die selben Bilder dann über BilderDruckXY
    als Druck erwerbbar sind, dann drückt dies eben den Preis.
    Am Ende sind wir selber Schuld.
    Zu Beginn freut man sich über jeden Verkauf, über die Anerkennung das jemand sich ein Bild von MIR an die Wand hängt.
    Da spielt die Höhe der Provision nur eine geringe Rolle. Dies ändert sich mit der Zeit.
    Und dann steht man in Konkurrenz mit den „NEUEN“ die auch nur mal ihre Bilder anbieten wollen, egal wie hoch die Provision ist.

    Am Ende zählt nur eins „Qualität“ und jemand der das erkennt und der bereit ist dafür zu bezahlen.
    Doch bis dahin ist es kein einfacher Weg.
    Und ich bin froh nicht vom Verkauf von Bilder leben zu müssen. 😉

    • Antwort BlogTimes 1. Juli 2015 um 19:55

      Und ich bin froh nicht vom Verkauf von Bilder leben zu müssen

      Ich auch nicht – nicht nur jedenfalls 😉

  • Antwort Jürgen K. 3. Juli 2015 um 14:32

    Den letzten Abschnitt haben Sie äußerst gut formuliert. Was die AGB’s betrifft ändern die sich ständig und meistens bzw. oft für die Nutzer nicht zur positiven Seite. Um auf die Kunst zurückzukommen, haben Sie mit Ihrem Standpuntk auf jeden Fall recht. Aber für viele ist Kunst ein dehnbarer Begriff -leider.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft!

  • Antwort Dominik 6. Juli 2015 um 13:31

    Mir ging es genauso wie Dir, als ich diese Email von seen.by erhalten habe, und ich frage mich ernsthaft, wie unsere Gesellschaft mit dem Werteverfall für so viele Künste, handwerkliche Fähigkeiten, Leidenschaften, Qualität, weiterkommen möchte.
    Fotografie ist ein ehrenhafter Beruf (ich bin KEIN Berufsfotograf). Der Wert von guten Bildern ist unbestritten und man muss sich doch die Frage stellen, welchen Respekt Personen, die von der Fotografie leben müssen, noch entgegengebracht wird. Besorgniserregend…

  • Antwort volvox 14. Juli 2015 um 10:24

    Gerade bei einem Discounter entdeckt:
    Dekoratives Glasbild. Hochwertiges Floatglas (3 mm), geschliffene Kanten, mit Aufhängevorrichtung:
    Jetzt kommts: Maße ca. 50 x50 cm bzw. 30 x 80 cm mit Bild. Und die Bilder haben haben künstlerisches Niveau.
    Da frage ich mich:“ Was bekam der Fotograf pro Foto, bzw für den Verkauf der Druckrechte“?
    Hat jemand eine Ahnung?
    Gruß volvox

    • Antwort BlogTimes 16. Juli 2015 um 14:22

      Sind bestimmt Bilder von einer Stockagentur!

  • Antwort Holger Reich 28. Juli 2015 um 07:07

    Das ist doch eine Frage von Angebot und nachfrage, oder? Will ein Fotograf mit seinen Bilder den Massenmarkt bedienen und seine beliebigen Bilder im Baumarkt sehen, dann ist es doch seine Entscheidung. Sieht es seine Bilder als Kunstwerk an und will dies auch durch die Vermarktung ausdrücken, dann macht er seine Bilder rar. Ich selbst vermarkte meine Fotos (überwiegend Landschaftsfotografie) ausschließlich über meinen eigenen Shop oder ebay und biete diese als „Limited Edidion“ an. Jedes Exemplar wird nummeriert und bekommt (auf Wunsch) auch eine Signatur.

    Damit ist gesichert, daß nicht in jeder Kanzlei, Praxis oder Wohnzimmer derselbe IKEA/OBI etc.-Müll hängt und der Kunde empfindet den Wert meiner Arbeiten direkt.

    Warum also sollte man die o.g. Plattformen wählen? Das ist doch ein reines Rechenbeispiel. Jeder Rabattpunkt muß an anderer Stelle extra verkauft werden und macht zusätzliche Arbeit. Wenn ich andere reich machen will, ist es meine Entscheidung.
    gutes Licht wünscht

    Holger Reich, Der Wupperfotograf 😉

  • Antwort Rafael 28. Juli 2015 um 14:29

    Man könnte Denken die Internet-Gemeinschaft hat langsam begriffen, dass man nichts umsonst bekommt. Aber der Druck ist immer noch enorm und wenn man Bilder (oder auch anderes Gut) woanders günstiger oder gar ganz umsonst bekommt, werden wohl die meisten zu Konkurrenz gehen. Da müssten alle an einem Strang ziehen.

  • Antwort Jürgen B. 1. August 2015 um 10:54

    Sobald ich meine Bilder zum Verlauf anbiete, mich mit ihnen also auf den Markt begebe, unterliege ich den Gegebenheiten dieses Marktes und mache mein Bild zur Ware. Das kann ich bedauern, aber nicht ändern. Wenn mir die Marktgesetze nicht gefallen, muss ich auf die Marktteilnahme verzichten.
    Ich unterscheide zwischen dem künstlerischen Wert meiner Bilder und ihrem Marktwert. Letzterer entspricht nicht ihrem Marktwert – ich wäre naiv, wenn mich das überraschen sollte.
    Konsequenz: Ich stelle meine Bilder aus, ich schicke sie zu Wettbewerben, aber ich verkaufe sie ngrundsätzlich nicht. Das enthebt mich auch der Notwendigkeit, auf Verkaufschancen achten zu müssen. Allenfalls verschenke ich sie an Freunde und gute Bekannte, deren Wertschätzung mir mehr bedeutet als ein anonymer Verkauf.

  • Antwort Jens Uhlig 13. August 2015 um 21:15

    Hallo,
    für meinen Begriff machen solche Bildvermarktungsportale, seit dem es sie gibt, den Markt kaputt. Und die Fotografen verkaufen sich unter Wert! Welcher Fotograf hätte zu Zeiten, als Bildvermarktung noch eigene Sache war, seine Bilder „verramscht“? Das toppen nur noch die ollen tollen Stockagenturen!

  • Antwort volvox 16. August 2015 um 08:34

    Was ist von Calvendo.de (Wandkalender-Verlag) zu halten? Letzten Endes läuft es wohl auf Eigenvermarktung heraus bei 20% Gewinn.
    Grüsse volvox

    • Antwort BlogTimes 17. August 2015 um 14:34

      Habe ich keine Erfahrung.Soweit ich weiß werden die Kalender auch auf Amazon angeboten. Der Rest läuft über Eigenvermarktung, was auch bedeutet, dass man bei Buchhandlungen Klingen putzen geht. Hmm, viel Aufwand finde ich!

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