Fotografie, Großformat, Nachgedacht

Croppen – Ja oder Nein?

23. April 2013

In der Regel setze ich meine Aufnahmen in das 1:1 Format, da mir dieses einfach am Besten gefällt. Im Grunde ist sogar mein Aufnahmeprozess in der digitalen Fotografie auf das 1:1 Format ausgelegt, sodass ich selbst unwichtige Bildbestandteile mitfotografiere, nur um anschließend ein besseres Bild für den Beschnitt zu erhalten.

Nun, wie ihr wisst beschäftige ich mich seit Ende letzten Jahres mit dem analogen Großformat und da ich hier so puristisch wie möglich sein will/wollte, beließ ich alle meine bisherigen Aufnahmen im Ursprungsformat – also im Seitenverhältnis von 4×5! Der Vorteil ist, dass ich den gesamten Bildinhalt verwenden kann, der „Nachteil“ ich muss viel genauer den Bildausschnitt vor der eigentlich Aufnahme bestimmen. Naja, eigentlich ist das ja kein Nachteil, vielmehr schult es eigentlich den fotografischen Blick.

Fotografischer Blick hin oder her… wenn ich nun die analogen Aufnahmen in mein favorisiertes Aufnahmeformat setze, zerstöre ich dann eigentlich die analoge Charakteristik!!? Genau das, was ich eigentlich erhalten wollte. Ich denke ja?! Dennoch bin ich formattechnisch gesehen in der Zwickmühle und im Grunde ist auch nicht das Format, sondern dessen Inhalt und Wirkung welche entscheidend ist, oder nicht? Was bringt es mir am 4×5 festzuklammern, wenn es mir persönlich nicht 100 prozentig zusagt. Man könnte jetzt sagen, dass ich doch gleich im Mittelformat fotografieren könnte,  dann hätte ich mein doch mein 1:1 Bildformat. Natürlich könnte man… allerdings ist das Großformat-Negativ nochmals deutlich eine Spur größer und enthält vielmehr Details. Dieses Argument scheidet demnach für mich aus.

Ihr seht schon, ich bin ein wenig hin und her gerissen zwischen den Formaten, vielleicht auch deswegen da 4×5 ziemlich nah am quadratischen Seitenverhältnis liegt. Für den visuellen Vergleich habe ich einen Teil der Großformate beschnitten um es mir besser vorstellen zu können. Während es bei der Nachtaufnahme (Vegas Schild), beim Zion National Park und auch bei der Montreal Fotografie passen würde… so richtig! Hmm…. Ich frage einfach mal die Runde. Was würdet Ihr denn machen speziell mit dem Großformat machen? Croppen oder allein für den Wiedererkennungswert im 4×5 Format belassen. Meine digitalen Aufnahmen werde ich auch weiterhin ins 1:1 setzen.

Grundsätzlich würde mich auch mal eure Einstellung gegenüber den Formaten interessieren. Wie handhabt ihr eure eigenen Fotografien?

[Zion National Park - Utah]*,4x5 - USA

[Zion National Park - Utah]*,4x5 - USA

[Las Vegas - Welcome],4x5-007 - USA 2013

[Las Vegas - Welcome],4x5-007 - USA- q

[Montreal]*,4x5 - CAN

[Montreal]*,4x5 - CAN

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18 Kommentare

  • Antwort Marcel 23. April 2013 um 13:36

    Hallo Ronny,
    ich würde das Format auf 4×5 belassen und nicht in 1:1 setzen.
    Man sieht den Effekt sehr gut bei dem Las Vegas Schild. Hier würde unter dem Schild der Lichtfleck beschnitten werden und man hätte nicht mehr das Zusammenspiel zwischen Schild und Lichtkegel darunter. Das nimmt dem Bild die Dynamik.
    Auch beim letzten Bild fehlt irgendwie die Dynamik und Spannung im 1:1 Format. Auf mich wirkt das quadratisch Bild leicht langweilig.
    Im ersten Bild hingegen bin ich unentschlossen, da passt für mich persönlich beides. Das 1:1 Format wirkt hier sogar etwas spannender.

  • Antwort Thomas 23. April 2013 um 16:33

    Früher bin ich ach recht dogmatisch an das Beschneiden herangegangen. D.h. nur im Originalseitenverhältnis (3:2) beschnitten. Danach kam nach der Beschäftigung mit dem Mittelformat das Quadrat auch bei den Digitalaufnahmen dazu.

    Jetzt schneide ich passend für den Bildausdruck zu. Beschränke mich aber auf gängige Filmformate (1:1, 6×7, 4×5, 3:2) um bei einer überschaubaren Anzahl Passepartouts für die Ausdrucke zu bleiben.

  • Antwort Henning 23. April 2013 um 20:14

    Nicht beschneiden! Mir gefallen alle Bilder im 4×5 Format besser. Ich würde auch überlegen digital auf 4×5 zu gehen…

    Selber belasse ich immer öfter die Bilder in dem Format des Sensors – 3×2 oder 4×3 in meinem Fall. Selten wenn es für das Motiv wichtig bzw richtig ist wähle ich im Einzelfall 1×1.

  • Antwort Stefan Senf 24. April 2013 um 00:08

    Was für das Originalformat spricht: Es ist das Originalformat. Authentisch. Bei der Aufnahme bereits planbar. Bei einer planvollen Aufnahme beherrschbar.

    Und für den Crop: Es wurde immer geschnitten. Für Bücher, von Zeitschriften, von den Fotografen selbst. Vom Aufnahmeformat ist das nicht zwingend abhängig. Abgesehen davon, dass die Auflösung Grenzen setzt. Auch schon immer. Einer der Vorteile des Großformats. Wenn man mal den Ballast des vermeintlich ‚moralischen‘ beiseite lässt, spricht wenig dagegen, einen Bildausschnitt an das Motiv anzupassen.

    Dogmen allerdings halte ich für verzichtbar. Auch das Dogma des quadratischen Bildes. Außer es gehört zum Konzept eines Bildes oder einer Serie.

    • Antwort BlogTimes 24. April 2013 um 00:21

      Wahre Worte…. 🙂

    • Antwort Marcel 24. April 2013 um 09:52

      Hallo Stefan,
      „Und für den Crop: Es wurde immer geschnitten.“ Da musste ich etwas schmunzeln, auch im Job höre ich öfters „weil wir das schon immer so gemacht haben“. Für mich persönlich ist das kein Argument. Stillstand ist der Tod, also einfach mal selbst was neues ausprobieren. Aber das soll nur am Rande erwähnt sein, weil ich das mit den Aussagen im Job verbinde und schmunzeln musste.
      Ansonsten gute Antwort! Ich denke auch, man sollte sehen, was man aussagen möchte und welches Format für diese Aussage am Besten geeignet ist.

      • Antwort Stefan Senf 24. April 2013 um 19:50

        Marcel, Du hinterfragst das Hergebrachte. Das muss man nicht nur bei Dir im Marketing sondern das muss auch ich als Architekt jeden Tag tun! Gleichzeitig ist es so, dass die Frage eines Bildbeschnitts sich kaum mit dem Aufrechterhalten oder dem Brechen einer Konvention begründen lässt. Einfach weil es keine Konvention gibt. Und nur das wollte ich ausdrücken. Ist diese kleine Klarstellung OK für Dich? 😉

        Lieben Gruß vom gegenüberliegenden Ende der Republik: Steff

      • Antwort Marcel 26. April 2013 um 09:16

        Hi Stefan,
        sehr schöne Aufführung. Deine erste Antwort war ja schon absolut klar und gut für mich 🙂
        Viele Grüße aus dem grauen Norden
        Marcel

  • Antwort Rob 24. April 2013 um 09:33

    Ich finde beschneiden immer legitim, insbesondere wenn man beim Fotografieren bereits dran gedacht hat! Wenn du bereits vor Ort das 1:1 Foto im Kopf hast, spricht doch nichts dagegen später auch etwas wegzuschneiden. Persönlich finde ich das 1:1 Format allerdings auch nur bei dem Las Vegas Schild passend, aber das ist ja Geschmackssache…

    Rob

  • Antwort Flo 24. April 2013 um 12:08

    Ich finde bei allen drei Beispielen das Original besser als den Crop, wobei ich denke, dass es kein Patentrezept dafür gibt, wann man Croppen sollte oder nicht. Ich selbst croppe recht wenig. Und wenn, dann auch nur in den Standardformaten. 1×1 ist dabei recht selten.
    Es kommt immer auf das eigene Gefühl drauf an, wie es einem am besten gefällt dabei und wie es im Kontext steht. Ist es für ein Print (Magazin, Buch, Album, etc.), dann tut es auch mal ein Crop. Aber die Gesamtwirkung bleibt beim Original meistens am besten erhalten, finde ich. Aber das bleibt alles recht subjektiv 😉

  • Antwort Olli 25. April 2013 um 18:29

    Ich bin auch ein absoluter 1:1-Fan und halte es so:
    Meine Aufnahmen werden gecroppt, bei Aufträgen entscheidet der Kunde bzw. das Ausgabemedium.
    Ich mache viel Architektur und beschneide trotzdem 1:1, da ich mir einbilde, dass sich damit das Auge des Betrachters noch besser lenken lässt. So ignoriere ich auch häufig den goldenen Schnitt und setzte die Blickrichtung direkt mittig.
    Das empfinde ich heutzutage als äusserst angenehm: War noch nie so einfach eigenen Regeln zu folgen und konservative Betrachtungen über Bord zu schmeissen.
    Bei Deinen letzten beiden Cityaufnahmen hätte ich z.B. auch direkt 1:1 gecroppt, aber den Himmel in gleicher Grösse wie die City abgebildet. Ich stehe total auf Proportionen, aber das muss ja nicht jedem gefallen 😉
    LG
    Olli

  • Antwort Chris 26. April 2013 um 22:46

    Ich würde sagen, das es darauf ankommt. Ich versuche möglichst nicht zu beschneiden. Im GF mache (und auch mit der 6×17) mache ich überwiegend Dias, so das man sich das Endprodukt direkt ansehen kann. Und da schnippelt es sich schlecht (ausser man macht digital weiter). Allerdings habe ich kein Problem damit, aus Bildern Dinger abzuschneiden, wo man die Komposition nicht optimal machen konnte, sei es weil ein Standort auf einer vielbefahrenen Strasse nicht gesund für den Fotografen ist oder weil es Städte üblicherweise sehr ungerne sehen, wenn man ihre Strassenlaternen für ein Foto umlegt.

  • Antwort Thomas 27. April 2013 um 13:50

    Hallo Ronny,

    Der Fotograf macht das Bild. Und dazu gehört auch das Format. Du musst festlegen, wie Du das Bild haben willst. Du bestimmt doch auch, welches Bild veröffentlicht wird und welches im Archiv verschwindet.
    Weiter sagst Du, dass Du bei der digitalen Fotografie das Bild schon fast automatisch croppst. Da gibt es aber auch ein vordefiniertes Bildformat. Und scannst Du die analogen Bilder nicht ein und bearbeitet sie digital? Also benutzt Du nur ein anderes Ausgangsmaterial für deinen digitalen Prozess.
    Zugegeben, ich will Dich provozieren. Aber nur, um Dir bewusst zu machen, dass es um das Bild geht, das Dir gefallen muss. Ob analog oder digital spielt doch bei der Betrachtung keine Rolle. Es ist ein Foto.

    Thomas

    • Antwort BlogTimes 27. April 2013 um 13:52

      …da hast du nicht ganz unrecht…. 🙂

  • Antwort Rheinlaender 29. April 2013 um 17:48

    mittlerweile präsentiere ich Bilder häufiger im 1:1 Look, es macht mir zudem recht viel Spass, den bildwichtigen Ausschnitt aus einer 4:3 Aufnahme zu finden und meistens passt es auch. ein bisschen Polaroid Feeling für den Fotoblog, ich persönlich finde quadratische Formate ästhetischer und sie fügen sich harmonischer in diverse Bloglayouts ein, als die aktuellen HD-Formate, mit denen ich mich kaum anfreunden kann, gut, ist alles Geschmacksache;-)

    gibt es eigentlich noch Kamera Hersteller im Consumer Sektor, die 1:1 Cuts ohne Umwege ermöglichen? von Kodak gab es mal so ein (5 Megapixel) Modell.

    Gruss, Juergen.

    • Antwort BlogTimes 30. April 2013 um 00:15

      Einige Kompaktkameras können ins 1:1 Format umschalten. Ricoh zum Beispiel. Allerdings finde ich das nicht so eine gute Idee. Nachträglich lässt sich der Ausschnitt vielleicht noch nach links, rechts oder bei Hochformataufnahmen nach oben und unten verschieben. Wenn es bereits im 1:1 Format aufgenommen wird, ist das nicht mehr möglich. Ich denke man schränkt sich nur unnötig damit ein.

  • Antwort Rheinlaender 30. April 2013 um 08:31

    ## Ich denke man schränkt sich nur unnötig damit ein.

    bei mehreren Dutzend Aufnahmen und wenn ich vorhabe, umfangreiche Online Galerien in meinem Blog im 1:1 Format zu präsentieren, wäre das quadratische Aufnahmeformat für mich eine erhebliche Arbeits- bzw Zeitersparnis, die Bilder durchlaufen dann nur noch das Finetuning;-)

    das funktioniert dann aber nur, wenn der elektronische Sucher exakt den Ausschnitt zeigt, wie er sich auf der Speicherkarte wieder findet, ich persönlich finde die quadratische Sichtweise vor der Aufnahme schon interessant, das Fotografieren in kompakten Bildformaten fördert imho die Bildgestaltung schon vor der Aufnahme, für Collagen und für’s Layouten generell sind 1:1 Cuts m.E. dankbare Elemente für interessante Projekte;-)

  • Antwort Jens Berlin 2. Mai 2013 um 14:21

    Interessante Diskussion, ich selber versuche immmer, schon bei der Aufnahme dem Motiv den besten Bildausschnitt zu geben, oftmals geht man mit dem Wissen des „sowieso-nachher-beschneidens“ laxer ran. Andererseits geben Beschnitte oft nochmal den nötigen Drive, ich handhabe es dann aber wie Thomas und beschränke mich auf die normierten Formate, auch der besseren Nachbearbeitung wegen.

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