Letztes Jahr gab es hin und wieder ein paar Anfragen von BlogTimes-Lesern, wie ich denn meine Bilder so bearbeite oder ob ich hieraus ein Geheimnis mache.  Erst einmal vielen Dank dafür, denn bestätigt es mich doch, dass euch meine Aufnahmen gefallen und nein, ich mache daraus kein Geheimnis.

Da ich selbst keine Lust habe ellenlange Tutorials zu lesen, werde ich meine Bildbearbeitungsschritte nicht einzeln aufschreiben, denn jedes gepinsel muß ja nicht erwähnt werden. Aus diesem Grund habe ich mir überlegt nur die wichtigsten, zielführendsten Schritte zu nennen. Für individuelle Fragen könnt ihr gerne die Kommentarfunktion nutzen.  Da es in dieser Art und Weise mein erstes Tutorial (wenn man es denn überhaupt so nennen kann) in Bezug auf die Bildbearbeitung ist, gibt es hier und da bestimmt Verbesserungen. Wenn ihr welche habt, dann nur her damit! Werde versuchen, diese beim nächsten Mal zu berücksichtigen.

So genug gelabert – fangen wir an. Für die Bearbeitung habe ich übrigens das Bild “Dubai Marina II,#575 U.A.E 2011″ ausgewählt. Ich stehe total auf Cross Processing sowie auf reduzierte Farben in den Nachbearbeitungen meiner Aufnahmen. Letztes dürfte ja klar sein, aber was Cross Proccessing (neudeutsch für Crossentwicklung) bedeutet, vielleicht nicht jedem. Im Grunde ist es eine Umkehrentwicklung eines Farbnegativfilms, welche zu analogen Zeiten angewendet wurde um bestimmte Farben und Tonungen zu erzeugen. Wer mehr darüber wissen möchte, für den hält Wikipedia auch einen kurzen Beitrag parat.

Wie viele andere analoge Nachbearbeitungen, können auch diese digital in Lightroom und Photoshop erzeugt werden, wobei hier der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind.  Obgleich es sich mit dem Plugin Color Efex Pro von Nik Software (Amazon Link zur Software) leichter gestalten lässt, so habe ich mich dennoch entschieden die Bearbeitung ohne Plugin umzusetzen.  Als erstes habe ich mir ein Preset (BlogTimes Cross-L01) als Grundlage geschaffen. Ich spare mir hier, euch die ganzen Schritte zu erklären, wie ich das Preset erstellt habe, sondern biete es euch einfach als Download an. So könnt ihr gleich damit starten.

Zunächst habe ich die Aufnahme in 1:1 Format gesetzt um es besser in mein bestehendes Portfolio einzufügen. Das original Hochformat hätte sich bestimmt auch gut gemacht. Allerdings versuche ich bereits während der Aufnahme das Endformat zu bestimmen. So verliere ich durch drehen, transformieren usw. nicht weitere Megapixel, die mir beim Großformatdruck fehlen würden. Ich habe also das Preset über das Bild gelegt  und anhand der Tonung könnt ihr sehen, dass sich vorwiegend alles in Gelb-, Blau- und Grüntönen abspielt. Natürlich könnt ihr die Stärke und Farbe variieren, aber seit gewarnt, ihr müsst dann auch die anderen Parameter verstellen, denn sonst gibt es unschöne Farbverschiebungen und der Cross-Lock ist dahin.

Da mir der lokale Kontrast im Bild (Hochhäuser auf der rechten Bildhälfte) nicht gefällt oder vielmehr zu wenig ist, denn ich stehe auch auf kontrastreiche Bilder, nehme ich das Pinselwerkzeug in Lightroom und setzte den Regler für Kontrast auf 100 Prozent und die Helligkeit auf die Stufe 5. Während ich die Dichte auf den Wert  100 belasse, fahre ich den Fluss auf 9 herunter. Diese letzte Einstellung gewährleistet mir, dass ich mit einem Mal nicht zu viel auftrage, mich aber dennoch in Richtung 100 Prozent Deckkraft vorarbeiten kann. Mit diesen Einstellungen und einer sehr weichen Pinselspitze zeichne ich über die gesamten Hochhäuser bis hin zur Bildmitte. Lasse aber den bereits sehr hellen Hintergrund zwischen den Gebäuden außen vor. Auch wenn es jetzt nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, so ist in der Vergrößerung der Kontrastunterschied deutlichen zu sehen.

Weniger ist bekanntlich mehr und bei dieser Aufnahme bietet es sich an, die Farben weiter zu reduzieren um den Cross-Lock einerseits zu behalten, ihn aber nicht in den Vordergrund zu stellen. Durch den leicht erhöhten Gesamtkontrast im Bild erreiche ich so mehr Plastizität in der Häuserstruktur. Dazu fahre ich die Sättigung in den für mich relevanten Farbtönen herunter und verringere noch die Stärke der Cross-Tonung ein wenig. Letzten Endes lege ich noch eine leichte Vignettierung über die Aufnahme, allerdings mit Farbpriorität um die Ränder nicht so stark abzudunkeln. Das würde nämlich passieren, wenn man die Lichterpriorität wählen würde. Ziel ist es, den Blick des Betrachters mit Hilfe der leichten Randabdunkelung im Bild zu behalten.

Et voila, die Aufnahme ist fertig. Die Hauptarbeit liegt in diesem Fall natürlich im Preset. Die weiteren Einstellungen/Veränderungen geben dem finalen Bild eigentlich nur noch den nötigen Feinschliff.

Anwendungsgebiete:
Das Preset mit seinen vorherrschenden Farbtönen Gelb, Blau und Grün ist nicht unbedingt für jedes Foto gleich gut geeignet. Es steht euch natürlich frei, aber ich würde empfehlen, das Preset für Architektur-, und Landschaftsaufnahmen zu verwenden, die bei Sonnenschein und wenn möglich blauem Himmel aufgenommen wurden. Denn so ergibt die Farbverschiebung/Tonung eine homogene Fläche, die in meinen Augen ruhiger auf das Bild wirken. Bei Wolken würde die Bildwirkung und auch die Verteilung der Farben sicherlich eine ganz andere sein. Vielleicht aber auch interessant – könnt ihr selbst gerne ausprobieren.

Importieren des Preset in Lightroom:
Zunächst öffnet ihr Lightroom und geht in den Entwickeln-Modus. Auf der linken Seite unter Vorgaben klickt ihr einfach mit der linken Maustaste in das graue Feld. Dann öffnet sich dieses Dialogfenster. Hier entweder erst einen neuen Ordner erstellen oder gleich auf importieren gehen. (vorher natürlich die Zip-Datei entzippen)

So, ich hoffe, das kleine Tutorial hat euch gefallen und ihr habt viel Spaß mit dem Preset. Wenn ihr wollt, könnt ihr gerne eure Bildkreationen, die ihr mit diesem Preset gemacht habt, in Form eines Bildkommentar zum Beitrag posten. Ansonsten freue ich mich natürlich auch über Anregungen, Kritik und Lob.

Hier noch der direkte Vergleich zwischen originaler und finaler Version:

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  6. Lightroom, Aperture, Photoshop, Gimp usw… … kennt ja jeder von euch, denn es sind Bildbearbeitungsprogramme. Für alle,...

21 Antworten : “Cross Processing und reduzierte Farben – Weniger ist manchmal mehr”

  1. Danke für den Einblick in deine Vorgehensweise, man bekommt gleich Lust selbst etwas zu experimentieren.

  2. Schöner und interessanter Artikel. Danke dafür. ;-)

  3. Merci,

    gute geschrieben und gibt mir eine sehr gute :lol Anregung. Wie nobsta sagt, werde ich heute Abend mal probieren. Foto finde ich super, Gestaltung und Komposition find eich sehr :love gelungen. Der weiche Verlauf der Straße führt direkt zum Turm, unterstützt durch den Helligkeitsverlauf.

    Grüße
    Anton

  4. So, der Link zum Preset im Text funktioniert jetzt auch…. :8

  5. Danke für den tollen Beitrag!!! Schön, dass Du uns an Deiner Arbeitsweise teilhaben lässt. Super, was aus dem Ursprungsfoto geworden ist.

    Hast Du schon einmal daran gedacht, ein kleines Video von diesem Beitrag zu erstellen? Der Paddy von neunzehn72 macht das auch regelmäßig. Das fände ich ganz besonders interessant, weil man Dir dann auch direkt über die Schulter schauen könnte.

    Vielleicht finde ich noch ein brauchbares Foto, das sich Deines Presets würdig erweist. Meine ersten Versuche waren nicht so überzeugend. Es ist eben schwierig ohne erstklassiges Ausgangsmaterial… -19-

    • Hatte schon mal überlegt eine Videotutorial anzufertigen. Da ich aber jede Aufnahme individuell bearbeite und auch einzelne Bearbeitungsschritte immer wieder lösche, wäre das nicht gerade von Vorteil für den Leser, wenn etliche Tutorial Minuten quasi umsonst wären….

      Was wolltest du denn mit dem Preset bearbeiten, oder wo hatte es denn nicht gepasst!?

  6. Hi,
    erstmal echt gut bearbeitet. Viel aus dem Original geholt, schön klar und strahlend gemacht, was zu Dubai ja sehr gut passt.

    Ich persönlich hätte noch etwas die Sättigung aus dem Gebäude links geholt, da mich das Braun darin irgendwie ablenkt von dem Highlight Turm in der Mitte.

  7. Du sagst: “Obgleich es sich mit dem Plugin Color Efex Pro von Nik Software leichter gestalten lässt, so habe ich mich dennoch entschieden die Bearbeitung ohne Plugin umzusetzen.”
    Es interessiert mich, warum Du Dich so entschieden hast.

    • Ich hab mich dagegen entschieden, weil nicht jeder soviel Geld für ein Plugin ausgeben möchte und weil Lightroom diese Möglichkeit, wenn auch etwas umständlich und nicht ganz 100 prozentig, auch bietet.
      Kurzum ich wollte es ein wenig benutzerfreundlich gestalten und nicht schreiben… Hey Leute, die Bearbeitung kriegt ihr nur so hin, wenn ihr noch mal ein Paar 150 Euro für ein Plugin ausgebt.
      :8

  8. Vielen Dank! Sehr schöner Artikel! Danke für das Preset!

  9. Danke das zum einen, ich mag solche Bearbeitungen denn sie regen an selbst aktiv zu werden. Ein Video Tut benötige ich nicht, so hat man viel mehr davon und bleibt aktiv. Das halte ich für sehr wichtig – jeder der mich kennt weis warum.

    So noch einen Gruß vom Frank

  10. Moin,

    interessanter Artikel. Schade nur, dass du mit Lightroom das “falsche” Programm verwendest. Mal schauen, ob sich das mit Aperture nachbauen lässt.

    Morgengrüße aus Hamburg

    Jörn

    • Moin,
      Ich weiß zwar nicht, ob es dir beim “Nachbau” nützlich ist, aber ich könnte noch die einzelnen Einstellungen der finalen Version als Screenshot posten?!

  11. Hier mal ein Foto mit Deinem Preset. Ich musste es nur leicht an das Foto anpassen.

  12. Besten Dank!
    Lehrreich, interessant und sehr zuvorkommend!

    Gruß,
    Peter

  13. Toller Artikel, das Wesentliche schön erklärt. Sobald mal ein bisschen Zeit ist, werde ich das Preset mal testen. Klasse…

    LG, Sven

  14. Hi, interessanter Artikel gefällt mir sehr. Mag so eine Art tönnungen. Wirklich toll.. hat ja auch zum Teil einen Retro-Look, verwende das auch bei Portrait-Aufnahmen.

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