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Der Kreativ-Burnout lässt sich vermeiden!

9. Juli 2015

[Freemont - Vegas],4x5-008 - USA 2013

Auf Teufel komm raus irgendwas fotografieren, jeden Tag seine Aufnahmen auf Facebook und Co. posten um im Sekundentakt die Timeline nach der Gefällt mir Anzahl zu aktualisieren. Yep, das ist das beste Rezept für den schnellen Kreativ-Burnout. Nach einer gewissen Zeitspanne wird es nicht nur langweilig, sondern uninteressant. Die Gefällt mir Angaben interessieren nur noch, wenn sie eine gewisse Höhe erreicht haben. Bleiben auch die Kommentare aus – und hier ist es egal ob es nur solche wie Toll, super usw… sind, wird’s noch schlimmer. Man denkt, dass die „anderen“ die eigenen Aufnahmen nicht mehr mögen, dass man keine „neuen“ Bildideen mehr entwickeln kann. Man ist nicht mehr kreativ genug für die Welt da draußen…

Natürlich hat der Kreativ-Burnout nicht unbedingt oder ausschließlich mit Social Media zu tun, doch ich denke er hat einen nicht unheblichen Anteil daran. Machen wir uns nichts vor, wenn wir eine Tätigkeit für längere Zeit verfolgen, dann wird sie zwangsläufig monoton. Das ist schon immer so gewesen und daran wird sich auch nichts ändern….. es sei denn, ja es sei denn man bringt ein wenig Abwechslung ins Spiel!

Leg die Kamera weg

Ganz genau, es bringt einfach nichts durch die Gegend zu ziehen oder im Umkreis von ein paar Kilometern Blumen und Bäume zu fotografieren. Ich lege die Kamera lieber komplett aus der Hand und betrachte meine Umgebung mit den bloßen Augen. Im Ergebnis nehme ich meine Außenwelt viel intensiver war und trainiere so mein Unterbewusstsein für die Fotografie. Ihr kennt das bestimmt, wenn ihr mal ohne Kamera unterwegs seid und Fotomöglichkeiten entdeckt und euch ärgert keine Kamera zu haben. Genau das ist jenes Gefühl! Ihr glaubt gar nicht wie erfrischend das ist, mal keine Kamera zu haben um auf der Jagd nach dem nächsten Bild zu sein. Wenn ich nicht auf Fototouren bin, habe ich nebem meinem iPhone keine Kamera dabei.

Porträts anstatt Landschaft 

Sich auf ein einziges Genre festzulegen kann mit der Zeit ebenso langweilig werden. Wer sich beispielsweise ausschließlich der Straßen- und/oder Landschaftsfotografie widmet, dem werden auch hier über kurz oder lang die Bildideen ausgehen. Oft findet man sich in dem Gedanken wieder, dass schon alles einmal fotografiert wurde und man selbst keine neuen Ansätze für eigene Ideen findet. Schaut euch doch mal die persönliche Arbeiten von Fotografen an, abseits ihrer eigentlichen Fotografie. Ihr werdet feststellen, wie unterschiedlich diese zum Rest des Portfolios ausfallen wird. Ich selbst habe auch ein Porträt-Portfolio, wenn auch nur ein sehr kleines (aktuell nicht online). Das hilft mir meinen Fokus auf ein anderes Genre zu lenken um vielleicht so später eine Kombination aus beiden Bereichen zu erhalten.

Druckt eure Aufnahmen

Drucken bereichert das Fotografenherz ungemein. Ihr seht auf einmal Bildinhalte, die euch beim Blick auf den Monitor bisher nicht aufgefallen sind. Der Grund ist, dass wir den Print sehr viel intensiver und genauer betrachten als das digitale Pendant auf dem Bildschirm – Hat auch etwas mit der „Fehlersuche“ zu tun. Ein Print ist das letzte Medium, es ist nicht mehr änderbar. Allein die Vorauswahl für den Druck führt zu einer stärkeren Auseinandersetzung des eigenen Portfolios und somit zu einer intensiveren Wahrnehmung. Probiert es aus…

Fotografiere analog

Bevor es jetzt zu einer Welle an AchneenichtschonwiederdieserMist – Kommentaren kommt, lasst mich kurz erklären warum. Es geht mir nicht um besser/schlechter Analog, Digital, sondern allein um das Medium. Wir leben in einer digitalen Welt und wenn ich das analoge Aufnahmemedium wähle, ändert sich automatisch meine die Herangehensweise und somit auch die Auseinandersetzung mit der Fotografie. Allein die Wahl allestester des Filmes, bringt mich zur Überlegungen hinsichtlich der Einstellungen, Format, Ausschnitt, was ich bei der digitalen Fotografie in diesem Umfang einfach nicht machen muss. Das ist einfach eine Tatsache und kann nicht wegdiskutiert werden. Ich sage nicht, dass eure Bilder besser oder schlechter werden, ihr erfahrt einfach eine ganz andere Sichtweise. Diejenigen, die analog fotografieren wissen wovon ich spreche. Die anderen sollte es unbedingt ausprobieren….

Mache etwas ganz anderes (es sollte aber kreativ sein)

Auch das kann euch vor dem kreativen Burnout bewahren. Ich habe beispielsweise mit dem Siebdruck angefangen, unter anderem weil ich keine Alternative (andere Geschichte) gefunden habe. Wisst ihr was, es ist super. Es ist irgendwie mit Fotografie verbunden, aber  auch eine völlig unabhängige künstlerische Tätigkeit. Zwar beschäftige ich mich mehr mit Illustrator anstatt mit Photoshop, dennoch kann ich ersteres auch für meine fotografische Arbeit nutzen.  Zudem konnte ich mehr Erfahrung mit dem Umgang von Papier, Textilien und dem Druck erfahren.

Schlusswort

Eines was ich über mich und meine kreativen Freunde und Bekannte gelernt habe, ist dass unbedingte Wollen immer kreativ zu sein zu einer wirklichen Gefahr und auch Selbstzerstörung führen kann. Wir allen kennen die Workaholics, die bis spät in die Nacht schufften und sich von niemanden einreden lassen,  dass dies nicht gut für die Gesundheit sei. Geschweige denn das Vernächlassigen von Freunden und Freizeitaktivitäten. Das gleiche gilt für die Kreativität. Man kann sie nicht erzwingen. Sie kommt und geht nach Lust und Laune. Natürlich bewahrt euch dieser Beitrag nicht vor dem Kreativloch, aber er macht es vielleicht leichter es zu überbrücken oder gar nicht etwa entstehen zu lassen. Inspiration und Kreativität lassen sich nicht erzwingen….

Es gibt bestimmt noch andere Möglichkeiten dem Kreativ-Burnout entgegen zu wirken. Was macht ihr denn so?

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16 Kommentare

  • Antwort Udo 9. Juli 2015 um 08:51

    Hey Ronny,

    sehr schöne Anregungen und viel Wahres drin!

    Persönlich erhalte ich mir meine Kreativität a) durch Vielfalt und b) dadurch, dass ich recht „wenig“ fotografiere.

    Vielfalt: In meinem normalen Job fotografiere ich natürlich rauf und runter und im Endeffekt immer ähnliche Dinge (Fotografie in einem Kunstauktionshaus für Kataloge und Werbung). In meiner Freizeit enge ich mich dagegen wenig ein. Mal die Besichtigung eines Lost Place, mal ein Pärchenshooting oder Aufnahmen von Musikern, mal etwas Street oder Landschaft, letztens Mitzieher gemeinsam mit einem Kumpel (gemeinsames Fotografieren bringt auch viele neue Ideen und Input) ausprobiert, dann ein paar Langzeitbelichtungen am Abend, …
    Ich mag die Vielfalt, denn tolle Motive können überall lauern und auch Anfragen sind sehr sehr unterschiedlich. Alleine das Ausprobieren macht jede Menge Spaß, selbst wenn des öfteren kein gutes Bild dabei herauskommt. Who cares, Hauptsache, et macht Spaß! 🙂

    „Wenig“: Den Beruf mal außen vor gelassen, habe ich dennoch immer meine SLR in der Umhängetasche. Ziemlich schwerer Klotz, aber noch macht der Rücken mit 😉 Dort bleibt sie aber auch meistens. Bei Fahrradausflügen liebe ich es, mir die Stadt oder Landschaft oder eine spezielle Location einfach mal anzuschauen, zu umkreisen, zu erkunden. Aber nur ganz selten, wenn ich etwas sehr bestimmtes sehe oder mich ein Detail oder eine Szene völlig begeistert, hole ich die Kamera wirklich raus. Die eigentliche Motivsuche passiert nur durch die Augen und Gedanken. Es kann also gut passieren, dass ich zweieinhalb Stunden mit dem Fahrrad unterwegs bin und die Kamera unbeachtet in der Tasche verweilt. Dann habe ich dennoch viele tolle Orte, Begebenheiten oder Menschen gesehen und die Fahrerei mag ich sowieso. Manchmal aber macht es klick – erst im Kopf, dann in der Kamera.

    Mir persönlich hilft es viel, den Geist offen zu halten und nur vergleichsweise selten Motive einzufangen – mal Digital, mal mit meiner Lochkamera.

    Ein letzter Punkt ist vielleicht noch die Reduktion der Ausrüstung. Fast immer, egal ob Shooting oder spontaner Ausflug, habe ich lediglich eine Festbrennweite an Bord. Das macht es mir persönlich leichter, mich auf die Motive zu konzentrieren, meinen Blick zu fokussieren. Aber da tickt jeder anders. Mir hilft es und es kommt ganz unglaublich selten vor, dass ich in einer Situation eine andere Brennweite vermisse. Ist doch bei Dir ähnlich, oder, Ronny?

    Ich bin gespannt, wie andere das Thema angehen und sehen!

    Greets und frohes Siebdrucken! 🙂
    Der Udo

    • Antwort BlogTimes 9. Juli 2015 um 12:11

      Die Festbrennweite ist ne gute Sache. Ich selbst habe überwiegend nur ein 16-35mm drauf.

  • Antwort lichtbildwerkerin 9. Juli 2015 um 10:35

    Bravo Ronny, ein super Artikel und ich stimme jedem einzelnen Satz zu. Ergänzen würde ich noch, dass die tägliche Bilderflut anderer, die auf einen einprasselt, auch zu einer visuellen Übersättigung führt, die irgendwann keinen Raum mehr für die eigene Kreativität lässt.

    Ich ziehe mich von Zeit zu Zeit etwas aus dem Internet zurück und besinne mich auf das echte Leben, außerdem habe ich wieder angefangen zu zeichnen, was im Gegensatz zur Fotografie „Slow Motion“ ist :-). Ausstellungen besuchen, Konzerte, einen tollen Film gucken, sich mit Bildbänden oder ähnlichem zu befassen, tut mir gut und regt mich mehr an, als online ständig Fotos anderer im Sekundentakt zu betrachten.
    Last but not least finde ich Ortswechsel sehr inspirierend und erfrischend, ob mit oder ohne Kamera.

    Das Foto ist klasse! Die Ferment-Street hat auch in s/w ihren Reiz, obwohl sie doch einer der buntesten Orte ist :-).

    • Antwort lichtbildwerkerin 9. Juli 2015 um 10:36

      Fremont sollte das natürlich heißen 😉

      • Antwort Udo 9. Juli 2015 um 13:01

        Stimmt, Bilderflut ist sicher auch ein großer Punkt! Für viele Fotografen oder Fotografierende steigt ddadurch garantiert auch der innere Druck, stetig besser und besser werden zu wollen, anstatt einfach zu fotografieren und sich in der Entwicklung Zeit zu lassen. Ich kann mir vorstellen, dass dies zu großer Frustration führen kann…

  • Antwort Stefan Senf 10. Juli 2015 um 06:46

    Nichts.

    Ich mache auch phasenweise einfach nichts. Genauer gesagt: nichts, das ich veröffentliche. Ich schreibe, zeichne oder laufe, zum Beispiel.

    Zur Zeit laufe ich. Mit Stöcken durch den Wald zur Arbeit. Sieben Kilometer, drei Mal wöchentlich. Und sauge jede Veränderung auf. Heute ist der Wald hellgrün, morgen dunkel, an einem Tag tropft er am anderen glitzert er eher. Heute riecht er moderig, morgen nach Pilz, übermorgen schmeckt er nach Sturm und danach liegt ein Baum in meinem Weg.

    Guter Artikel, danke!

  • Antwort 10. Juli 2015 › kwerfeldein - Fotografie Magazin | Fotocommunity 10. Juli 2015 um 18:00

    […] 2. Kreativ-Burnout […]

  • Antwort Volker 10. Juli 2015 um 19:47

    Ich bin auch gerade an so einem Punkt. Lange habe ich Nahaufnahmen gemachten, von Blüten, von Bienen, im Winter etc. Nun habe ich das Gefühl alles schonmal gemacht zuhaben. Für mich ein Punkt wiedermal ein Buch übrer Fotografie zu lesen und malmwas anderes auszuprobieren.

    Bezgl. der Bilderflut hoffe ich das es der Fotografie wie dem Essen geht. Da ist ja auch der Trend weg vom Fastfood, von der Masse hin zur Qualität.

  • Antwort Christian Ahrens 10. Juli 2015 um 21:41

    Hi,

    Fotografie, für die niemand Mühe, Arbeit oder Geld aufzubringen bereit ist – ist wertlos. „Gefällt mir“ und „Likes“ in irgendwelchen Online-Plattformen sind ohne Mühe gemacht und daher ohne jede Bedeutung. Arbeit ist Energie, die man aufbringt. Wertschätzung ist auch Energie, die jemand aufbringen muss. Bilder, die kaum Energie erfordern, sind – egal wie gut oder wie schlecht sie sind – ohne Wert.

    Wer bereit ist, in eine Ausstellung zu gehen, ein Buch zu kaufen, das Ticket für einen Vortrag zu lösen oder einen Print zu erwerben – der wendet Werte auf. Zeit, Geld, Arbeit. Wer in flickr schnell mal auf einen Button klickt, tut das nicht.

    Mit anderen Worten: die freundliche Aufmerksamkeit, die man in online-Median-Zusammenhängen bekommen mag – sie ist die Arbeit nicht wert. Es ist sinnlos, nach wertloser Anerkennung zu streben. Dann lieber für sich arbeiten und die Ergebnisse einigen wenigen Menschen zeigen, auf deren Urteil man „Wert“ legt. Ich habe in meiner analogen Zeit ausschließlich für mich und einen ganz kleinen Kreis von Freunden gearbeitet. Das hat mir genügt.

    In der digitalen Zeit erwarte ich eine hochpreisige Honorierung meiner fotografischen Arbeit. Meine privaten Fotoserien mache ich nach wie vor fast ausschließlich für mich selbst. Vielleicht – eines Tages – werde ich ihnen ein „wertiges“ Erscheinungsbild geben. Und es wird sich zeigen, ob jemand dafür echte Werte in die Hand zu nehmen bereit ist: Aufmerksamkeit, Zeit, Energie und Geld.

    So sehe ich die Dinge.

    Viele Grüße
    Christian Ahrens
    http://www.ahrens-steinbach-projekte.de

    • Antwort Reinhard 21. Juli 2015 um 23:37

      Genau so… auf den Punkt gebracht…

  • Antwort Jens 11. Juli 2015 um 01:00

    Guter Beitrag und sehr interessante Kommentare.
    Mir ging und geht es genau so mit der lieben Kreativität. Als das Digitale Bornout drohte,fing ich an analog zu fotografieren. Nun habe ich mich erwischt,wie ich das selbe fotografiere. Ich sollte analog einen anderen Weg/Stil einschlagen. Im Kopf ist es angekommen,nur umsetzen muss ich es noch. Sich bei der Ausrüstung auf nur eine Festbrennweite zu reduzieren,ist da sicherlich ein guter Ansatz. Aber auch mal komplett darauf zu verzichten,hilft….mir zumindest. Die ständige und überall im Internetpräzenz habe ich schon vor einiger Zeit abgelegt. Ich fotografiere nicht für irgendwelche Follower oder Gefällt mir-Klicker. Ich fotografiere was mir gefällt und die Resonanz aus meinen persönlich Umfeld,ist mehr Wert,wie diese ganze Klickerei.
    VG Jens

  • Antwort werner drechsler 11. Juli 2015 um 08:50

    hello….
    ……ein feines forum hab ich da entdeckt.
    werde es auf meinen blog verlinken.
    was kreativitäts_nöte anlangt:
    ich hab einen wohl eher unorthodoxen zugang: ich sammle und hege alte digitalkameras, die allesamt voll funktionsfähig sind.
    es sind so an die 7 stück.
    ich wähle so jeden zweiten tag eine davon aus und versuche, motive zu sehen, die ganz speziell dem funktionsumfang eben dieser „2-tages-kamera“ gerecht werden.
    das ergibt für mich ergebnissse, die mich weiter ermuntern, geist, auge und objektiv parat zu halten.
    werner aus der hochsteiermark

  • Antwort volvox 11. Juli 2015 um 11:27

    Sehr produktive Beiträge, meine ich. Hier fällt mir die Regel von E. Kästner ein:

    Man tut nichts Gutes, außer man tut es.
    Deshalb:
    Laßt uns rausgehen und fotografieren, jeder mit viel Freude!

    Gruß volvox

  • Antwort Matthias Haltenhof 11. Juli 2015 um 19:04

    Zum Glück bin ich nicht der Einzige mit dem Problem =)

    Ich weiß in solchen Momenten auch, dass ich dann lieber mal die Füß still halten sollte und für einige Monate keine Kamera in die Hand nehmen sollte, aber wenn man so dran gewöhnt ist fällt einem das echt schwer. Ich bin in der Tat grad dabei mich mit Malerei zu beschäftigen. Das Schöne daran ist, dass man dort völlig frei ist, man hat keine „Vorlage(aka Realität)“ an die man sich halten muss.

  • Antwort Jörg Siegwarth 16. Juli 2015 um 12:40

    Sehr interessanter Artikel, den ich uneingeschränkt unterstreichen kann. Kreative Blockaden kennt wohl jeder, zu einem Burnout sollte es nicht kommen. Leider gibt es immer weniger Menschen, die in der Lage sind sich selbst zu beobachten. Da tut eine Auszeit, wie geraten, gut und öffnet die Sicht.

  • Antwort Jürgen 16. August 2015 um 12:13

    Toller Artikel! Ich stimme wirklich zu. Kreativ-Burnout ist eine Folge von täglichem Posten. Eine andere, dass die Fans schnell genervt werden und wie du selbst sagst irgendwann auch Likes und Kommentare ausbleiben.

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