Testberichte

Der Lee BIG STOPPER im Test

9. August 2011

Im Grund genommen gibt es zwar nicht viel zum Big Stopper zu schreiben und es ist auch schon ein paar Tage her, als ich den Big Stopper vom britischen Filterhersteller Lee testen konnte, dennoch möchte ich euch meinen persönlichen Eindruck mitteilen. 

Der Lee Big Stopper ist ein Neutraldichtefilter (allg. Graufilter) mit einem Verlängerungsfaktor von 10 Blendenstufen. Das bedeutet, dass sich die Belichtungszeit durch den Einsatz des Filters um das 1000fache verlängert. Aus diesem Grund wird er hauptsächlich bei Langzeitbelichtungen zum Einsatz kommen. Im Gegensatz zu den herkömmlichen ND3 (10 Blendenstufen) Einschraubfilter für das Objektivgewinde, die man vor jeder Aufnahme abschrauben muss, um den Bildausschnitt, Belichtungszeit und Fokus zu ermitteln, bedient sich dieser Filter eines anderen, viel funktionelleren Systems. Mit Hilfe eines Objektivadapters wird der Filterhalter auf das Objektiv befestigt. Hier hält der Filterhersteller für jeden gängigen Objektivdurchmesser diverse Adapter bereit. Der eigentliche Filter besteht aus einer dicken, stabilen Glasscheibe mit einer entsprechend starken Graufärbung um auf einen Verlängerungsfaktor von 10 Blendenstufen zu kommen. Zudem besitzt er auf der einen Seite eine schaumstoffartige Dichtung, die eine völlige Abdunkelung zwischen Halterung und Glassscheibe schafft. So werden potentielle Streulichter eliminiert.

Der Filter sowie der Filterhalter fühlen sich sehr wertig an und rechtfertigen somit auch den höheren Preis gegenüber vergleichbare Einschraubfilter. Den Vorteil des Filters sehe ich klar in seiner Funktionalität. So muss ich nicht ständig den Filter an- und abschrauben um mich auf die unterschiedlichen Motive, Lichtsituationen usw. zu konzentrieren. Dafür schieb ich den Big Stopper einfach in seiner Halterung nach oben, nach unten oder nehme ihn komplett heraus. Den weiteren Vorteil sehe ich im Filterhaltersystem. So lassen sich je nach erworbenen Filterkit mehrere Filter miteinander kombinieren und unterschiedliche Effekte erzielen.

Einen Wermutstropfen gibt es dennoch und das ist nicht der hohe Preis, sondern die sehr lange Lieferzeit von derzeit 6 Monaten. Das Problem ist, dass alle Lee Filter in Handarbeit hergestellt werden. Selbst der Grauverlauf bei den Verlaufsfiltern wird per Hand realisiert. Aus diesem Grund und der ernorm hohen Nachfrage sind derzeit Lieferzeiten von einem halben Jahr keine Seltenheit. Wer sich davon nicht abschrecken läßt, kann gerne ein Pre-Order abgeben und sich auf die Wartelistensetzen lassen.

Als Bezugsquelle kann ich euch robert white empfehlen, einen britischen Online Fotozubehör Anbieter. Soweit ich weiß, gibt es auch einige deutsche Händler. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass diese sicherlich nicht bei Verfügbarkeit zuerst beliefert werden.

Zum Zeitpunkt des Tests habe ich natürlich auch Beispielaufnahmen gemacht. Leider sind diese aufgrund eines Dateifehlers nicht lesbar. Ich kann euch aber schon soviel sagen, dass sie sich von anderen Langzeibelichtungen nicht unterscheiden. Einzig die Handhabung und die Funktion des Filters steht hier im Vordergrund.

PS: Danke an Nils für die zur Verfügungstellung des Filters.

Hier noch ein Video, dass die Handarbeit in der „Filterfabrik“ von Lee zeigt. Fotograf Mike Browne hat sich besucht…

Hat einer von Euch den Filter im Einsatz? Wenn ja, dann könnt ihr in den Kommentaren gerne ein paar Beispielaufnahmen posten.

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20 Kommentare

  • Antwort wecand 10. August 2011 um 00:13

    Wieder ein Artikel, der bei mir hochgradig aktuelles Thema behandelt. So sehr ich Langzeitbelichtungen liebe, so sehr hasse ich es, den Filter vor jeder neuen Komposition abschrauben und danach wieder aufschrauben zu müssen. Dabei kommt es schon häufig vor, dass ich das Gewinde nicht gleich treffe und ziemlich lang rumfummeln muss bis es endlich genau passt. Das nervt. Auch habe ich permanent Schiss, dass mir der Filter aus der Hand rutscht und ich ihn somit in vielen kleinen Teilen auf dem Boden wiederfinde.
    Ein weiterer Nachteil bei der Verwendung von Einschraubfiltern ist ja die Randabdunklung. Wie sieht es mit den Lee Filtern aus? Ich schätze diese sind deutlich geringer, wenn es sie denn überhaupt gibt. Kannst du dazu was sagen? Dann habe ich noch eine Frage: wieviele Filter passen denn auf die Halterung gleichzeitig?

    Besten Dank für den Artikel und schon mal für die Antworten.

    • Antwort BlogTimes 10. August 2011 um 00:29

      Der Randabdunklung bei Einschraubfilter kann man entgegen wirken, wenn man die SLIM Versionen nimmt – abhängig natürlich wie groß das Weitwinkel ist. Aufgrund der Filtergröße von 100x100mm konnte ich keine Randabdunklung feststellen. Je nach Filterhalter-Kit passen glaub ich bis zu 4 Filterscheiben hinein. Der Filterhalter auf dem Foto ist das Foundation-Kit. Dieser kann bis zu 2 Filter aufnehmen, was meiner Meinung völlig ausreicht.

      • Antwort wecand 10. August 2011 um 00:48

        Ok, danke für die Antwort. Ich nutze zwar Slim Filter, allerdings auch sehr gerne bei 10mm und dann auch noch zwei Filter übereinander geschraubt. Daher ist die Abdunklung schon relativ stark, aber noch ganz gut in den Griff zu kriegen. Aber allein schon wegen der Unabhängigkeit von Filtergewindedurchmesser ist das Lee System sehr interessant.

        • Antwort BlogTimes 10. August 2011 um 00:56

          Wenn nur die lange Wartezeit nicht wäre….

    • Antwort Steffen C. 16. August 2011 um 16:37

      Ich habe das Lee Filtersystem schon eine Weile. Einzig der Preis und die Lieferzeiten können einen abschrecken…, aber sonst ist alles super. Mit Randabdunklung hatte ich noch keine Probleme, auch nicht bei 10mm. Nur der Polfilter dunkelt bei <12mm deutlich ab, aber bei diesen Brennweiten erzeugt ein Polfilter sowieso nur einen dunklen Fleck am Himmel. Den Filteradapter kann man übrigens individuell zusammenstellen. Ich habe bei mir Platz für 2 Filter + Polfilter. Man kann aber auch bis zu 4 Slots einbauen und zusätzlich einen 2. Adapter, den man dann auch verdrehen kann. Theoretisch also bis zu 8 Filter!!! Als Zubehör kann ich die S&F Filter Pouch 100 von Lowepro empfehlen. Da passt alles rein und man kann super schnell im Feld auf alles zugreifen. Den Big Stopper hab ich zwar noch nicht, werde ihn aber wohl demnächst bestellen.

  • Antwort Felix 10. August 2011 um 01:18

    Danke für den Test. Hast du vielleicht auch ein paar Bilder mit dem Filter gemacht, die du uns zeigen könntest?

    Viele Grüße

    • Antwort BlogTimes 10. August 2011 um 06:24

      Ja, ich hatte wie gesagt Testaufnahmen gemacht, allerdings sind diese wegen einem Dateifehler nicht lesbar. Ich muss da mal ein Recovery Programm drüber jagen. Im Grunde genommen, gibt es aber keine Unterschiede zu Aufnahmen, die mit herkömmlichen Einschraubfiltern gemacht wurden.

  • Antwort Bodo 10. August 2011 um 08:38

    Hallo,
    bei einem ND3 verlängert sich die Belichtungszeit um den Fakter 1000, nicht 10. 10 Blendenstufen verlängern die BelZ um das 1000 fache sofern ich mich richtig erinnere.

    Grüsse

    • Antwort BlogTimes 10. August 2011 um 10:22

      Stimmt natürlich….hab zwei Nullen vergessen! Schön, dass es aufmerksame Leser gibt.

  • Antwort Till 10. August 2011 um 21:56

    Hey Ronny,

    schöner Bericht. Ich bin mal gespannt wann meiner bei mir eintrifft. Ich habe ihn übrigens bei wexcameras.de vorbestellt. Ein Datum konnte mir bei keinem Anbieter gesagt werden. Deshalb eher ein Glücksspiel 😉
    Freue mich aber schon auf das neue Teil!

    Grüße
    Till

  • Antwort Nils 11. August 2011 um 12:19

    Hi,

    ich kann hier einige Beispiel Bilder vom letzten Strand Spaziergang zeigen.
    Alle mit den Big Stopper von 30 Sek. bis über 2 Min.

    http://www.nilsz.com/trave/

    • Antwort BlogTimes 11. August 2011 um 12:59

      Vielen Dank Nils!

    • Antwort Frank 15. August 2011 um 01:04

      @ Ronny, danke für den Bericht, ich hadere immer noch, obwohl schon früher das Cokin P-System eingesetzt habe und die genialität der Haltersysteme zu schätzen gelernt habe.
      Was mich immer noch ein wenig stört, das ist die fehlende Sonnenblende ( die bei mir IMMER drauf ist), aber jucken tuts schon verlucht stark. :lol
      @ Nils, sehr schöne „Strandstücke“ !!

      Gruß Frank

      • Antwort BlogTimes 15. August 2011 um 01:06

        Ich selber arbeite fast zu 90 Prozent mit Graufiltern und habe eine Sonnenblende noch nie vermisst.

        • Antwort Frank 15. August 2011 um 01:13

          Bei Landschaftsfotos arbeite ich teilweise schon mit sehr grenzwertigen „Sonnenständen“, da hätte ich schon bedenken das auf der großen Glasfläche Reflexe auftreten, aber ich habe gesehen das man bei Lee auch eine Profi Lens Hood bekommt …… aber der Preis. :cry

  • Antwort Dragan 12. August 2014 um 10:37

    Glaubst du würde für ein 67mm Filtergewinde auch ein Lee Big Stopper aus der Seven5 Serie reichen? (75x90mm).

    Ich denke da vor allem an Objektive für 4×5 Großformat, wie du sie ja schon verwendest. Ich würde mit 75mm Brennweite anfangen.

    • Antwort BlogTimes 12. August 2014 um 23:37

      Es würde schon funktionieren, aber warum willst du dich so beschränken. Gerade Objektiv mit einem größeren Durchmesser lassen sich nicht mehr verwenden.

      • Antwort Dragan 22. August 2014 um 14:23

        P.S.
        während ich die großformat-ausrüstung langsam zusammenkaufe übe ich schon mal langzeitbelichtungen mit der Olympus e-m5. ich hatte heute einen ND3 Filter+Polfilter drauf, und man sieht noch immer ein Bild auf dem Liveview-Bildschirm. Fokussieren mit Filtern geht auch!

        Das beste ist aber der Live Bulb-Modus, man sieht alle paar sekunden, wie sich das bild „entwickelt“ auf dem Sensor, man sieht ein immer heller werdendes bild und kann die aufnahme beim gewünschten punkt beenden. hast du das schon mal probiert, tolle funktion im hinblick auf langzeitbelichtung!

        • Antwort BlogTimes 22. August 2014 um 17:12

          Ja, ein Teilnehmer meiner Workhops hatte mir letztes Jahr diese Funktion an seiner Olympus gezeigt.

  • Antwort Dragan 13. August 2014 um 10:10

    Ich habe auch eine Olympus OMD E-M5, zu der passt das kleinere LEE-System sehr gut dazu, billiger ist es auch.

    P.S: je mehr ich über 4×5 und analoge Fotografie recherchiere, desto mehr muß ich dich loben – deine Beiträge sind immer sehr verständlich und auf den Punkt gebracht.
    vg dragan

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