SilenceEinen großen Teil meiner derzeitigen Aufnahmen realisiere ich mit einem Neutraldichtefilter (ND-Filter), auch bekannt als “Graufilter”. Da ich oft gefragt werde, ob ich denn die Dynamik der Wolken oder den “Nebeleffekt” bei Wasser in meinen Fotografien mit Hilfe der Bildbearbeitung erstelle und ich dann antworte: “Das ist so fotografiert”, ernte ich erste einmal verwunderte und fragende Blicke.

Mit diesem kleinen Beitrag möchte ich Euch über die Verwendung eines Neutraldichtefilters informieren und meine daraus entstandenen Erfahrungen mitteilen.

Was ist ein ND-Filter und wofür verwendet man ihn?

Ein ND-Filter reduziert die einfallende Lichtmenge in das Objektiv. Die daraus resultierenden veränderten Verschlusszeiten erlauben größere Blendenwerte (> f32), die ohne Filter für Langzeitbelichtungen am Tag nicht zu erreichen wären. Der Filter spielt uns also eine veränderte Lichtsituation vor. Je nach Stärke des Filters (ND-Werte von 0,3 -4,0) können bei verschiedenen Tageszeiten unterschiedliche “Effekte” ohne Bildbearbeitung erzeugt werden.

Durch die Verwendung eines ND-Filters entsteht der Effekt der schnell ziehenden Wolken oder fließendes oder nebelartiges Wasser bei Flüssen, Seen und Wasserfällen.

Welche Stärken von ND-Filter gibt es?

Unterschiedliche Lichtsituationen brauchen verschiedene Filterstärken. Möchte man die Bewegungsunschärfe eines Wasserfalls erzeugen, bringt überhaupt nichts mit einem Filter ND 0,3 zu fotografieren. Hier wird man es sehr schwer haben, dem Fluss das “Fliessen” beizubringen. Man braucht also mindestens eine  Stärke ab ND 2,0.  Bei Verwendung dieser Filter muss man allerdings die Belichtungszeit manuell errechnen, denn die starke Graufärbung des Filters lässt hier keine von den Sensoren richtig ermittelte Belichtung mehr zu.  Die einfallende Lichtmenge reicht einfach nicht mehr aus.

 

Stärke des ND-Filter Verlängerungsfaktor Blendenstufen
0,3 2x 1
0,6 4x 2
0,9 8x 3
1,2 16x 4
1,8 64x 6
2,0 100x 6,66
3,0 1000x 10
4,0 10.000x

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Tabelle zur Berechnung der Belichtungskorrekturen

 

Wie verwende ich einen ND-Filter richtig?

ND-Filter entfalten ihre Stärke bei schwachen bis starken oder sehr starken Tages,- oder Kunstlicht. Bei Nachtaufnahmen habe diese Filter sehr wenig bis keinerlei Wirkung. Das liegt wohl daran, dass Nachts nicht so viel Licht zur Verfügung steht. :-) Bei Verwendung der Filter ab einer Stärke von ND 2,0 ist wie oben beschrieben nur noch eine manuelle Einstellung der Belichtungszeit möglich. Auch ist hier dringend die Verwendung eines Stativ empfohlen (gerade beim Erzielen von Bewegungsunschärfen).

Folgende Schritte sind hierbei zu beachten:

La Tour Eiffe

1. Motiv auswählen und ohne Filter mit Hilfe des AF fokussieren.
2. Die ermittelte Belichtungszeit merken oder aufschreiben
3. Den AF der Kamera ausschalten
4. Filter aufschrauben
5. Fernauslöser anbringen oder die Zeit des Selbstauslösers einstellen.
6. Spiegelvorauslösung einstellen – Bei manchen Kameras kann bereits das Hochklappen des Spiegels bei der Aufnahme zu ungewollten Unschärfe führen.
7. Veränderte Belichtungszeit berechnen
8. Auslösen und Freuen auf eine gelungene Langzeitbelichtung.

 

Kleiner Tipp:
Bei sehr starkten ND-Filter und sehr langen Belichtungszeiten lassen sich keine helleren Aufnahmen erzielen – Belichtungszeit und zunehmende Dunkelheit heben sich dann nämlich auf.


Stärke Ohne Filter Filter ND0,3 Filter ND0,9 Filter ND1,8 Filter ND2,0 Filter ND3,0
Blendenfaktor 0 -1 -3 -6 -6,66 -10

Verlängerungs-
faktor

0 2x 8x 64x 100x 1000x
Belichtungszeit 1/4000 s 1/2000 s 1/500 s 1/60 s 1/40 s 1/4 s
-ll- 1/2000 s 1/1000 s 1/250 s 1/30 s 1/20 s 1/2 s
-ll- 1/1000 s 1/500 s 1/125 s 1/15 s 1/10 s 1 s
-ll- 1/500 s 1/250 s 1/60 s 1/8 s 1/5 s 2 s
-ll- 1/250 s 1/125 s 1/30 s 1/4 s 1/2 s 4 s
-ll- 1/125 s 1/60 s 1/15 s 1/2 s 1 s 8 s
-ll- 1/60 s 1/30 s 1/8 s 1 s 2 s 16 s
-ll- 1/30 s 1/15 s 1/4 s 2 s 3 s 33 s
-ll- 1/15 s 1/8  s 1/2 s 4 s 7 s 1 min 6 sek
-ll- 1/8 s 1/4 s 1 8 s 13 s 2 min 12 sek
-ll- 1/4 s 1/2 s 2 16 s 25 s 4 min 24 sek
-ll- 1/2 s 1 s 4 30 s 50s 8 min 48 sek
-ll- 1 s 2 s 8 1 min 4 sek 1 min 40 sek 17 min
-ll- 2 s 4 s 16 2 min 8 sek 3 min 20 sek 34 min
-ll- 4 s 8 s 30 4 min 16 sek 6 min 40 sek 1 std 10 min
-ll- 8 s 16 s 1 min 4 sek 8 min 32 sek 13 min 20 sek 2 std 20 min
-ll- 16 s 30 s 2 min 8 sek

17 min

27 min 4 std 40 min

Tabelle mit veränderten Belichtungszeiten (ca. Angabe)

 

Tipps zur Verwendung eines Graufilter:

  • Es ist wichtig die Belichtungszeit bereits bei der ersten Aufnahme richtig zu errechnen – es könnte sein, dass man sonst das gewünschte Motiv nicht mehr fotografieren kann.
  • Es ist darauf zu achten, dass die Blendenwerte (> f 16) nicht zu hoch eingestellt werden. Je nach Qualität des Objektivs führt das zu einer minderwertigen Auflösung und Schärfe.
  • Nur hochwertige Filter benutzen und keine billigen “Glasscherben”. Empfohlene Anbieter sind B+W, Heliopan, Hoya und Filterscheiben von Cokin und Singh-ray (spezieller Adapter notwendig)
  • Langzeitbelichtungen erfordern Geduld und Übung – nicht bereits bei den ersten Aufnahmen verzagen.

La Defense - study 9

In meinem Portfolio findet Ihr einige Bildbeispiele zum Thema Langzeitbelichtungen. Solltet Ihr Fragen zum Thema haben – nur zu!

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