Mitgemacht, Nachgedacht

Die Bildrechte – ein Schlag ins Gesicht

19. Dezember 2010

Wenn man sich den aktuellen Fotowettwerb vom Objektivhersteller Carl Zeiss anschaut, könnte die gewählte Überschrift meiner Meinung nach nicht passender gewählt sein.

Mit diesem aktuellen Beitrag zum Thema Bildrechte möchte ich Euch Fotografen einmal mehr für das Lesen der Teilnahmebedingungen bei Fotowettbewerben sensibilisieren.

Unter dem Motto „Licht ist meine Sprache“ veranstaltet die Carl Zeiss AG ihren diesjährigen weltweiten Fotowettbewerb, bei dem Fotografen und Fotobegeisterte ihre Aufnahmen einreichen können. Mitmachen können alle, die ihr Teilnahmebild mit einem ZEISS Objektiv aufgenommen haben. Hierbei spielt es keine Rolle, ob das Bild mit einer Spiegelreflexkamera, Kompaktkamera oder Handykamera mit einer ZEISS Optik aufgenommen wurde.

Folgende Preise erwarten die Gewinner

  • Der erste Preis ist ein ZEISS SLR-Objektiv nach Wahl.
  • Der zweite Platz wird mit einer cinemizer Plus Videobrille inklusive einem Nokia N8 belohnt.
  • Der oder die Drittplatzierte erhält eine Sony DSC-TX9 Kompaktkamera mit ZEISS Optik.

Soweit so gut. Abgesehen davon, dass die Preise für einen weltweiten Fotowettbewerb nicht gerade üppig ausfallen und für einige Teilnehmer aufgrund fehlender Ausrüstung gar nicht in Frage kommen (Teilnehmen kann man unter anderem mit einer Handykamera und was soll ich dann mit einem SLR Objektiv?), sind die Teilnahmebedingungen in Sachen Bildrechte für den Fotografen ein Schlag ins Gesicht.

Auszug aus den Teilnahmebedingungen:

Wenn Sie mit Ihrem Bild in die Platzierungsrunde kommen, erklären Sie sich bereit, der Carl Zeiss AG am eingereichten Bild das unwiderrufliche, nicht ausschließliche, unterlizenzierbare, zeitlich, örtlich und inhaltlich unbegrenzte Recht einzuräumen, das Bild in allen Nutzungsarten beliebig zu nutzen, insbesondere zu vervielfältigen, zu verbreiten, auszustellen, öffentlich wiederzugeben, weiterzuentwickeln und die hierbei entstehenden Ergebnisse im vorgenannten Umfang zu nutzen. Die Carl Zeiss AG wird mit den Gewinnern hierzu nach der Entscheidung eine separate Nutzungsvereinbarung abschließen.“ Quelle www.zeiss.de

Von einem Fotozubehör Hersteller hätte ich im Hinblick auf die  Teilnahmebedingungen etwas anderes erwartet. Zwar gilt das ausschließliche … Nutzungsrecht nur für die 10 besten Aufnahmen und die anderen Bilder bleiben davon unberührt, aber bitte was hat es mit der „separaten Nutzungsvereinbarung“ auf sich und wo kann ich diese nachlesen und kann ich später gegen diese widersprechen. Wenn mir die Vereinbarung nicht passt, wird dann mein Bild aus der Platzierungsrunde genommen? Mir fehlt hier eindeutig die Transparenz der Teilnahmebedingungen bei diesem Fotowettbewerb.

Ich habe schon lange von dieser Art von Wettbewerben Abstand genommen. Warum, weil die Veranstalter quasi umsonst an hervorragende Aufnahmen gelangen und der eigentliche Rechteinhaber nur in den seltensten Fällen Lizenzgebühren bekommt.

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13 Kommentare

  • Antwort Christian Rohweder 19. Dezember 2010 um 14:48

    Immerhin gibt es Teilnahmebedingungen. Ich habe schon Wettbewerbe gesehen, da waren die Bedingungen im Vorfeld nicht einsehbar. *kopfschüttel*

    • Antwort BlogTimes 19. Dezember 2010 um 15:01

      Immerhin gibt es Teilnahmebedingungen. Ich habe schon Wettbewerbe gesehen, da waren die Bedingungen im Vorfeld nicht einsehbar. *kopfschüttel*

      Da kann ich auch nur den Kopf schütteln! Im Übrigen sollten die Veranstalter auch dafür bezahlen, wenn sie hochwertiges Bildmaterial wollen…

  • Antwort Michael 19. Dezember 2010 um 15:56

    Das ist wirklich ein Schlag ins Gesicht, jedes Fotografen. Damit gibst Du ja mal jedes Recht an deinem Bild ab und hast noch nicht mal im Nachhinein das Recht wieder einzuklagen. Da will sich wieder mal eine eigentlich renomierte Firma am Werk des anderen umsonst bereichern. Und mal ehrlich, Weltweiter Fotowettbewerb? Was sind das denn dann für lächerliche Preise?

    In Zukunft werde ich die Teilnahmebedinungen auch wieder intensiver durchlesen. Danke für den Denkanstoß.

    Micha

  • Antwort Bodo 19. Dezember 2010 um 16:04

    Hallo,
    danke für diesen Beitrag und der dbzgl. Sensibilisierung der Bildrechte eines Fotografen bei der Teilnahme an einem Fotowettbewerb. Ich selbst würde zwar bei einem so großen Fotocontest niemals teilnehmen was an der Qualität meiner Fotos liegt, trotzdem finde ich es interessant zu wissen auf was der Fotograf sich da einlässt bzw. welche Rechte er an seinem Foto verliert. Mir wäre es lieber sie würden klar und deutlich schreiben was mir noch für Rechte bleiben, ich denke das würde ich dann eher verstehen als dieses Kauderwelsch.

    Außerdem hat das Image von Zeiss für mich nicht mehr das Gleiche wie vorher, haben die das wirklich nötig?

    Gruss
    Bodo

  • Antwort Martin 19. Dezember 2010 um 17:06

    Naja, wenigstens gibt es auch noch etwas zu gewinnen.
    Aber das ist ja nix neues, da man sich ja auch schon bei der Anmeldung bei Facebook von seinen Rechten an den eingestellten Inhalten und hoch geladenen Fotos verabschiedet. Steht im kleingedrucktem, welches niemand liest. 🙂

    Wieso soll das bei anderen Firmen anders sein. Heutzutage ist dies doch normal. So spart man sich teure Fotografen. 🙂

    Gruß Martin

    • Antwort BlogTimes 19. Dezember 2010 um 20:01

      Wie Facebook mit den Bildrechten umgeht, finde ich auch nicht in Ordnung. Ich habe dort zwar auch einige Fotos hochgeladen, allerdings in sehr geringer Auflösung (72dpi bei max. 800px Seitenlänge). So können sie wenigstens nicht gedruckt werden…

  • Antwort Bernd 19. Dezember 2010 um 18:51

    Ja, leider sind inzwischen über 99% der Fotowettbewerb mit solchen Klauseln.
    Vereinfacht gesagt dienen solche Fotowettbewerbe lediglich dazu, um billigst an viel Bildmaterial zu kommen.
    Ein paar Sachpreise sind da wesentlich günstiger als einen Berufsfotografen zu beauftragen.
    Ich mache beteilige mich seit gut 10 Jahren nicht mehr an Fotowettbewerben, wegen solcher Klauseln.
    Leider reduziert sich dadurch die Möglichkeit zu einer Fotowettbewerb-Teilnahme spürbar.

    • Antwort BlogTimes 19. Dezember 2010 um 20:04

      Da gebe ich Dir Recht mit 99%…
      So manch ein Fotowettbewerb würde sich sicherlich gut in den Referenzen machen, wenn da nicht das Problem mit den Teilnahmebedingungen wäre. Natürlich gibt es auch zahlreiche Fotowettbewerbe mit „normalen“ Teilnahmebedingungen. Die sind meistens aber auch mit einer Teilnahmegebühr versehen.

  • Antwort Peter 20. Dezember 2010 um 19:44

    Ich setze mich ja durchaus auch immer mal wieder ganz kritisch mit den Teilnahmebedingungen von Fotowettbewerbe auseinander. Aber die Aufregung gerade bei diesem Wettbewerb kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz verstehen. Ich bin ja kein Jurist, aber wenn ich das richtig verstehe sollen nur die Bilder genutzt werden dürfen, die auch tatsächlich etwas gewonnen haben. Und mit diesen Bildern soll dann auch noch eine separate Nutzungsvereinbarung geschlossen werden. Hast Du mal bei Zeiss angefragt, was in dieser Nutzungsvereinbarung genau stehen soll? In manchen Nutzungsvereinbarungen nach so einem Wettbewerb wird z.B. ein Honorar vereinbart, falls das Bild werblich genutzt wird. Im Vergleich mit vielen anderen Sponsoren-Wettbewerben finde ich diese Wettbewerbsbedingungen sicher besser als 90% aller dieser Wettbewerbe. Und das Argument, dass ausgerechnet Zeiss mit solchen Wettbewerben billigst an viel nutzbares Bildmaterial (10 Bilder!?!) kommen will halte ich für gelinde gesagt etwas übertrieben.
    Auch ich werde mich an diesem Wettbewerb nicht beteiligen, aber das hat einen ganz anderen Grund: Die Platzierung der Gewinnerbilder wird ausschließlich per Internet-Voting ermittelt. Wer so etwas jemals mitgemacht hat, weiß dass da ganz sicher nicht die besten Bilder vorne landen werden, sondern die, die am meisten Unterstützer mobilisieren können.

    • Antwort BlogTimes 20. Dezember 2010 um 21:24

      Hallo Peter,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich nehme den aktuellen Fotowettbewerb von Zeiss nur zum Anlass die potenziellen Teilnehmer im Hinblick auf die Wettbewerbsbedingungen zu sensibilisieren. Sie erscheinen mir nicht Transparent genug. Wenn man schon auf spezielle Nutzungsvereinbarungen hinweist, dann sollte man diese auch mit aufführen. Ich hatte in der Tat vor, Zeiss anzuschreiben – habe das allerdings noch nicht gemacht.

  • Antwort mac 21. Dezember 2010 um 08:17

    Da heißt es wohl dann ab jetzt bei den Gewinnspielen mal wieder etwas genauer das Kleingedruckte lesen!

    Danke für den Hinweis, aber eine Frechheit finde ich das schon! Klar macht Zeiss so etwas nicht umsonst, aber es ist ein Hohn, wenn Zeiss dein Bild in der Werbung auslegt und du bekommst ein Objektiv.

    Und der Oberknaller, die brauche noch nicht mal deinen Namen anzugeben! Echt so schlau muss man erst mal sein!
    :-

    • Antwort BlogTimes 21. Dezember 2010 um 18:15

      Vielleicht steht ja etwas von Namensnennung in den speziellen Nutzungsvereinbarungen, selbstverständlich nachdem Du Dein Bild bereits in Flickr veröffentlicht hast!

  • Antwort bratapfel 21. Dezember 2010 um 11:43

    Na dann bin ich schon einmal neugierig, wie viele Teilnehmer daran wohl teilnehmen werden. Es stimmt, man muss die Teilnahmebedingungen wirklich genau lesen.

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