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Die Zukunft der Strassenfotografie..

4. Februar 2015

[Runner - Montreal]600 - CAN 2012

Klammheimlich hat es der Bundestag getan. Im neuen (seit dem 27. Januar) geltenden Gesetz gegen Kinder- und Jugendpornofotografie ist bereits das Auslösen in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum strafbar und kann mit Geld- oder Freiheitstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden.

Mit bestimmten Situationen sind Fotos oder Filme von Menschen in hilflosen Situationen gemeint. Das kann vom Obdachlosen bis hin zu Unfällen reichen. Was genau jedoch hilflos bedeutet kann aktuell noch nicht gesagt werden. Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass man sich in der Gesetzgebung enormen Spielraum gelassen hat.  Hilflos kann ja schon sein, wenn jemand im Winterwetter auf Glatteis ausrutscht und hinfällt – dies wird anschließend veröffentlicht usw…. Hier sind ja unzählige Szenarien möglich!

Jetzt kann man sagen, dann verzichte ich eben auf diese Art von Aufnahmen. Für mich selbst kein Problem, denn ich war noch nie Fan von Aufnahmen, die Obdachlose oder hilflose Menschen zeigen. Doch das allein behebt das Problemkind Strassenfotografie in Deutschland nicht. Ärger droht nämlich auch von den deutschen Gerichten. Wie die meisten von euch wissen, läuft aktuell ein Zivilprozess gegen den Fotografen Espen Eichhöfer, der eine Passantin fotografiert und in einer Ausstellung gezeigt hat.
Das Landgericht Berlin stimmte der Persönlichkeitsverletzung zu. Doch nicht nur das, die Klägerin will zudem noch Schmerzensgeld. Wenn ihr wollt, könnt ihr den Fotografen für die zweite Instanz unterstützen. Auf Startnext sammelt der Fotograf die finanziellen Mittel, die bei einer Niederlage notwendig werden. Wird die Klage abgewiesen werden die Gelder für ein Symposium zum Thema Streetphotography verwendet. Eine gute Sache, wie ich finde.

Die einen oder anderen von Euch werden sich fragen, warum er sich keine Einverständniserklärung eingeholt hat?  Immerhin kann schon das bloße Nicken des Fotografierten als Zustimmung für die Veröffentlichung gewertet werden. Doch so einfach funktioniert die Strassenfotografie leider nicht. Sie lebt vom Moment und dieser ist in den meisten Fällen so schnell vorbei wie er gekommen ist. Hier bleibt einfach keine Zeit zu fragen. Vor der Aufnahme ist das sowieso nicht möglich, das würde die Situation vollständig zerstören.

Doch was bleibt uns übrig? Fotografie ala Bruce Gilden, Robert Frank, Vivian Maier oder gar Henri Cartier-Bresson wird nicht mehr möglich sein. Gut, ein Teil dieser Fotografie greift meiner Meinung auch für das 21. Jahrhundert nicht mehr. Wie auch die Technik, so haben sich auch die Bildstile weiterentwickelt. Dennoch wird auch deren pure Ansatz, also der Grundgedanke der Strassenfotografie ebenso nicht mehr möglich sein, zumindest sehe ich das nicht in Deutschland. In anderen Ländern, beispielsweise im Nordamerikanischen Raum ist Streetfotografie kein Problem – solange man nicht Personen in intimen und illegalen Situationen fotografiert.

Was bedeutet das nur für die Zukunft der Strassenfotografie. Nun, sie steht definitiv auf dem Spiel. Da dieses Gesetz bereits verabschiedet wurde, sollte der Fotograf vor Auslösen und/oder auch vor der Veröffentlichung der Fotos mögliche Rechtsriskiken abwägen ansonsten kann es eng werden. Ich kann nur hoffen, dass sich im besagten Fall die Richter für Kunst entscheiden. Armes Deutschland sage ich dazu…

Wie seht ihr die ganze Geschichte? Eher gelassen oder macht sie euch nachdenklich?

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22 Kommentare

  • Antwort Fabian S. 4. Februar 2015 um 12:57

    Ganz gelassen. Eine Abwägung im Einzelfall war schon bisher immer vorzunehmen, auch wenn das manchem nicht bewusst war. Der fotografische Freifahrtsschein, der sich auf Kunstfreiheit oder ähnlichem begründet, war nie wirklich existent. Jetzt wird eine Konkretisierung vorgenommen und man darf wohl kritisieren, dass sie nicht besonders „konkret“ ist. Vielleicht werden uns ein paar Kriterien (Rechtsprechung) erwarten, wobei ich mit „uns“ mich nicht einschließe – komme schließlich aus Österreich. Hier gab es erst unlänst eine Entscheidung, die sich an die gängige deutsche Rechtsprechung anschließt, die die Möglichkeit einer Unzulässigkeit der Aufnahme nicht erst seit gestern bejaht!

    Der Wirbel ist für mich daher nicht nachvollziehbar. Selbst wenn die Straßenfotografie umfangreich zulässig wäre, es könnte immer noch eine Einzelperson herkommen und einen Streit vom Zaun brechen. Absolute Rechtssicherheit wird es auf dem Gebiet kaum geben. Zumindest nicht in absehbarer Zeit.

    • Antwort BlogTimes 4. Februar 2015 um 13:00

      Ja, eine Abwägung war natürlich schon immer vorzunehmen, doch das bloße betätigen des Auslöser?! Das ist neu! Auf nach Österreich für die Stassenfotografie 🙂

      • Antwort Fabian S. 4. Februar 2015 um 13:10

        Ja. Schon das Anfertigen der Aufnahme. Liest sich auch in Österreich nicht derart im Gesetz, wird aber im Sinne der heutigen Zeit interpretiert, in der eine Verwertung dank Internet in Kameras praktisch sofort möglich ist. Und nicht erst wie in Analogzeiten, nach der Entwicklung. Die Idee ist also nicht neu und wird nach meinem Kenntnisstand auch in deutscher Lehre und Rechtsprechung so gesehen. Kann mich natürlich irren, ich glaube aber nicht. 😉

  • Antwort fotograf 4. Februar 2015 um 15:34

    Dazu gibt es hier – gerade gefunden- einen passenden Link:

    http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/strassenfotografie-rechtsfragen-wen-man-knipsen-darf-a-1016555.html

    Grüße

    • Antwort BlogTimes 4. Februar 2015 um 19:44

      Der Artikel ist zwar neu, geht aber leider nicht auf das gerade beschlossene Gesetz ein. Schade!

  • Antwort Fotograf 4. Februar 2015 um 20:57

    Zitat: In anderen Ländern, beispielsweise im Nordamerikanischen Raum ist Streetfotografie kein Problem – solange man nicht Personen in intimen und illegalen Situationen fotografiert.

    Na ja, seit Mr. Snowden weiß wohl jeder was Sache ist.

    In Deutschland ist die Privatsphäre zumindest vom Gesetzgeber noch höher bewertet als bei Euch, was gut ist.
    Fotografisch gebe ich Dir Recht, es ist heute deutlich schwieriger geworden. Meine Streetaufnahmen stelle ich nicht ins Netz, es sei denn, es gibt eine Zustimmung der abgelichteten Personen, zumindest durch Kopfnicken nach der Aufnahme bzw. die im Spiegelartikel genannten Zustände treffen zu.
    Grüße

  • Antwort Stefan Senf 4. Februar 2015 um 23:39

    Der Sündenfall dieses Gesetzes ist in meinen Augen die Tatsache, dass es sich um ein Strafgesetz handelt. Nicht um Privatrecht. Hier geht es nicht darum, von irgendjemand wegen des Rechtes am eigenen Bild verklagt zu werden. Hier geht es darum, für das falsche Bild beim Staatsanwalt zu landen. Evetuell in Haft. Hier geht es um die Existenz. Das ist ein fundamentaler Unterschied zum alten Recht (das parallel weiter gilt).

    Und der Weg dorthin kann – nach den Buchstaben dieses Gesetzes – kürzer sein, als man glauben mag. Was ist ‚ein Bild, das geeignet ist, dem Ansehen der abgebildeten Person zu schaden‘? Was kann ich dafür, wenn auf dem Volksfest Betrunkene durchs Bild laufen? Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen Vordergrund und Hintergrund.

    Nun kann man sagen: Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Aber das ist eine feige Beschwichtigung. Das Gesetz ist für mich eine Waffe, von der man nur hoffen kann, dass sie nicht in falsche Hände gerät. Und dass man selbst nicht versehentlich daran verletzt. Ich habe an anderer Stelle schon geschieben: Wenn ich aus einem Laden eine Schokolade mitnehme, weiss ich was ich getan habe. Wenn ich im öffentlichen Raum unbewusst das falsche Foto mache, merke ich das eventuell gar nicht. Das ist für mich absurd.

    Und dann gibt es da noch die Schutzklauseln für die Kunst und den Journalismus. Aber wer entscheidet nun, welche Straßenfotos Kunst sind? Wer entscheidet, welcher Blog Journalismus ist? Das Gesetz schafft Rechtsunsicherheit und fördert die Schere im Kopf. Auch bei mir. Ich kenne mich. Und das tut es mit der ganz großen Keule, dem Strafgesetz. Mich lässt das schaudern.

  • Antwort André Weigel 5. Februar 2015 um 02:21

    „Immerhin kann schon das bloße Nicken des Fotografierten als Zustimmung für die Veröffentlichung gewertet werden.“ – Absolut falsch !

    Nach wie vor gilt, dass in dem bloßen „Dulden! der Fotografie“ noch „keine!!! Einwilligung zur Veröffentlichung“ gesehen werden kann.
    Das betagte Kunsturhebergesetz geht in seinem Wortlaut nur von der Verbreitung (§ 22) der Fotos aus, das Fotografieren selbst ist nicht Regelungsinhalt. Genau dieses Manko wurde im Laufe der Zeit durch die Rechtsprechung (Persönlichkeitsrecht) ausgefüllt und wird damit begründet, dass dem Betroffenen die Kontrolle und Verfügungsgewalt über die von ihm angefertigten Fotos entzogen wird.

    Die allermeisten werden niemals ein Lichtbild erstellen, welches als Ereignis von zeitgeschichtlicher Bedeutung eingestuft werden kann bzw. an diesem ein überwiegendes Interesse der Öffentlichkeit besteht oder auch nur ansatzweise als „Kunst“ durchgeht. Von daher ist die Rechtssprechung ziemlich eindeutig… kein Fotografieren ohne Einwilligung, keine Veröffentlichung ohne Erlaubnis.

    „Sie lebt vom Moment und dieser ist in den meisten Fällen so schnell vorbei wie er gekommen ist. Hier bleibt einfach keine Zeit zu fragen. Vor der Aufnahme ist das sowieso nicht möglich, das würde die Situation vollständig zerstören.“

    Das sind so typische “Argumente”, welche immer wieder von “Street-Photography-Fans” ausgegraben werden. Fakt ist allerdings, dass durch die Beobachtung eine Reaktion auf den Beobachter erfolgt. Die Rolle des neutralen Beobachters kann daher gar nicht eingenommen werden. Die notwendige Zurückhaltung ist allerdings von Nöten, denn das unterscheidet Beobachterverhalten von Alltagsverhalten. Grundlagen in jedem Soziologie-Studium. Das selbst nach dem ein Foto geschossen wurde, die abgelichtete Person bzgl. einer Veröffentlichung nicht gefragt wird, hat mehr etwas mit purer Ignoranz und Bequemlichkeit zu tun.

    • Antwort BlogTimes 5. Februar 2015 um 04:55

      Dulden ist ja auch keine Zustimmung. Dagegen ist Nicken vielmehr eine bejahende Geste!

      Nicht immer erfolgt eine Reaktion des Fotografierten in Richtung des Beobachters. Es gibt unzählige Situationen (hier reicht schon ein Fahrradfahrer) und eine nachträgliche Einverständniserkärung ist nicht möglich. Sorry, aber da muss ich dir wiedersprechen. Das hat nichts mir purer Ignoranz oder Bequemlichtkeit zu tun!

    • Antwort Florian R. 19. April 2015 um 19:23

      Ich kann diese Kritik an diesem Genre nicht nachvollziehen. Klar – die Straßenfotografie ist relativ speziell und ist deutlich unpopulärer als beispielsweise die Landschaftsfotografie. Aber warum dann diese Unverständnis und Abneigung gegen diese Art der Fotografie? Es ist nun einmal so, das bei authentischer Straßenfotografie in den wenigsten Fällen eine Erlaubnis eingeholt werden könnte – zumal streng genommen die Aufnahme bereits einer Erlaubnis bedarf. Der Kern und das wesentliche Merkmal einer ungestellten und authentischen Aufnahme wäre so nicht möglich. Das hat mit „purer Ignoranz“ und „Bequemlichkeit“ nichts zu tun.

      In einer Zeit, in der bedenkenlos persönlichste Details im Rahmen von Statusmeldungen oder Bilder in sozialen Netzwerken weitergegeben werden, wird sich über eine Streetaufnahme moniert, die im öffentlichen Raum aufgenommen wird? Warum? Klar ist, dass eine herablassende oder peinliche Situation davon ausgenommen ist. So etwas fotografiert man nicht. Aber sobald man öffentlichen Raum betritt, wird man von anderen Menschen wahrgenommen, beurteilt und beobachtet. Dem ist sich jeder Mensch bewusst. Warum hat er da Angst, in einem solchen Moment fotografiert zu werden? Welcher Nachteil könnte hier entstehen?

      Bedenklicher halte ich beispielsweise die Regelung, dass Bildnisse von Demonstrationen usw. legal aufgenommen werden dürfen. Derartige Aufnahmen könnten negative Auswirkungen auf die abgebildete Person haben – trotz Legalität der Aufnahme.

  • Antwort Jürgen 5. Februar 2015 um 08:44

    Armes Deutschland! Es gibt offensichtlich nichts mehr in dem Land was nicht irgendwie gesetzlich geregelt werden muss, dann allerdings so schwammig, dass im Endeffekt noch mehr Rechtsunsicherheit da ist als vorher. Konnte ich das mit dem Einverständnis vor der Veröffentlichung noch einigermaßen nachvollziehen (wenngleich auch in vielen Fällen unmöglich), aber das man jetzt strafrechtlich selbst für das Fotografieren ohne Veröffentlichung belangt werden kann ist mehr als lächerlich. Zeigt mal wieder wie sehr die deutsche Politiker dem durchschnittlichem gesunden Menschenverstand und moralischen Ansprüchen der Deutschen traut. Aber was rege ich mich auf, wohne ja seit 5 Jahren nicht mehr in diesem Bürokratiemonster 🙂 und gehe jetzt erstmal wildfremde Menschen auf der Straße fotografieren, mit Ausnahme natürlich von gebrechlichen, armen oder sonst wie gehandikapten Menschen, dafür brauch ich aber kein Gesetz.

  • Antwort André Weigel 5. Februar 2015 um 10:21

    „Dulden ist ja auch keine Zustimmung. Dagegen ist Nicken vielmehr eine bejahende Geste!“
    Noch einmal, wenn Du jemanden fotografierst und diese Person wie auch immer gestikuliert das sie damit einverstanden ist fotografiert zu werden, dann ist das KEINE Erlaubnis für eine Veröffentlichung. Warum zwischen „Fotografieren“ und „Veröffentlichen“ ein großer Unterschied existiert und wie sich die Rechtssprechung in den letzten Jahren geändert hat, was schon das alleinige Fotografieren angeht, hatte ich ja bereits beschrieben. Das mit dem „Zunicken“ der fotografierten Person ein konkludentes Verhalten vorliegt, welches als eine Erlaubnis zur Veröffentlichung von Fotos angesehen werden kann, ist eine urban legend.
    Stehe ich mit einer Kamera auf der Strasse und fotografiere Leute, dann erfolgt eine Reaktion. Jedenfalls wenn man die klassischen Brennweiten zwischen 24 und 35mm verwendet. Außer man tarnt sich als Mülleimer oder fotografiert durch’s Knopfloch 😉 Jeder der einen sieht und sich dadurch anders verhält, ändert die aktuelle Situation. Zu glauben, man kann nur „stiller und heimlicher Beobachter“ sein, ist absoluter Kappes.

    „Es gibt unzählige Situationen (hier reicht schon ein Fahrradfahrer) und eine nachträgliche Einverständniserkärung ist nicht möglich. Sorry, aber da muss ich dir wiedersprechen. Das hat nichts mir purer Ignoranz oder Bequemlichtkeit zu tun!“
    Das sind infantile Ausreden und wer meint die Rechte von anderen Leuten zu ignorieren, der muß sich nachher nicht als wehleidiges Würstchen ohne Rückgrat hinstellen und sollte sich auch das denunziatorische Gebaren gegenüber den Leuten deren Rechte verletzt wurden tunlichst verkneifen.

    Um bei dem Beispiel „Fahrradfahrer“ zu bleiben… einen solchen in New York, Berlin oder von mir auch irgendwo auf einem Dorf, abzulichten ist also auf jeden Fall „Kunst“ und muß unbedingt für die nachfolgenden Generationen festgehalten werden… ernsthaft !?

  • Antwort Michael 5. Februar 2015 um 17:43

    Sehe nicht, wo hier das Problem sein soll. Lieber hilflosen Personen helfen statt sie abzuknipsen sollte wohl doch für jeden mit einer vernünftigen Grunderziehung die Devise sein.
    Und wenn jemand mit Aufnahmen meiner Person ungefragt Geld verdient…selbst Schuld wenn’s Ärger gibt. In Zeiten automatischer Gesichtserkennung und einer völlig unkontrollierbaren Verbreitung muss man da wohl Regelungen treffen…

    • Antwort BlogTimes 5. Februar 2015 um 17:55

      Es dreht sich gar nicht um hilflose Menschen… Es geht ums Gesetz und der grundlegenden Frage der Strassenfotografie in Deutschland.

  • Antwort Christian 6. Februar 2015 um 17:38

    Seit Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Straßenfotografie – und komme bei manchen Kommentatoren immer wieder zu folgendem Schluss:
    Wer Angst hat bei Fremden auf den Auslöser zu drücken, der hat diese Art der Fotografie schon immer verteufelt. Motto: Was ich nicht kann – das dürfen dann andere auch nicht – Punkt.
    Man kann sich sehr wohl eine mündliche Einverständniserklärung einholen – sofern man mit dem Porträtierten vorher intensiven Gesprächskontakt hatte und erklärt, was man mit den Fotos vor hat. Allerdings liegt die Beweislast beim Fotografen. So reicht es u.U. nicht, dass das Foto einen in die Kamera lächelnden Menschen zeigt. Allerdings: wo kein Kläger ist – ist auch kein Richter. Oder man hat einen Zeugen dabei 😉
    Man sollte auch erwähnen, dass man auch auf andere Art Straßenfotografie betreiben kann – ohne Angst haben zu müssen mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Es ist durchaus erlaubt Personen zu fotografieren, wenn sie nicht erkennbar sind – z. Bsp. der Schatten – eine Silhouette, die Beine, Füsse, auf öffentlichen Protestveranstaltungen, usw. Sind sie als Individuum nicht erkennbar, kann ich so oft auf den Auslöser drücken wie es mir Freude macht. Zum freien Fotografieren im öffentlichen Raum gehört auch die Panoramafreiheit. Keiner kann mir verbieten vor einer Sehenswürdigkeit Fotos zu machen – sofern diese im Mittelpunkt der Aufnahmen steht. Personen der Zeitgeschichte und des öffentlichen Lebens darf man ebenso ablichten. Und wer sagt, dass man nur immer Menschen fotografieren muss ? Auch andere Dinge gehören zum Straßenbild. Vielleicht sollte sich mancher, der Angst vor der direkten Art Menschen zu fotografieren hat mal überlegen, ob er das nicht mal ausprobieren sollte, bevor man alles verteufelt.
    Straßenfotografie ist, wie bei anderen Foto-Genres auch, einem ständigen Wandel unterlegen. Wer glaubt heute noch mit der Bruce Gilden-Methode die Menschen hinter dem Ofen vorlocken zu wollen, der irrt sich gewaltig. Straßenfotografie soll das Leben im urbanen Raum zeigen – mit all seinen Facetten. Doch auch ein Bruce Gilden hat die Zeichen der Zeit erkannt und fotografiert fast nur noch außerhalb New Yorks – weil die Menschen nicht mehr nach oben sehen – sie schauen lieber in ihre Smartphones.
    Die Straßenfotografie der 40er bis 90er Jahre gibt es nicht mehr – sie hat sich stark gewandelt.
    Natürlich kann man nun trefflich streiten, ob der x-te Radfahrer, der mit Wischeffekt abgelichtet wird, nun ein Kunstobjekt darstellt. Wahrscheinlich eher nicht. Auch beim Begriff ‚Kunst‘ sollte man vorsichtig sein – das muss wohl immer der Einzelfall entscheiden.
    Ein Fotograf hat kürzlich erst einen Prozess verloren. Hier ging es um eine abgebildete Frau, deren Konterfei in einer Galerie ausgestellt wurde. Allerdings steht auch hier noch die nächste Instanz im Raum – ein Ende ist in diesem Streit erst einmal nicht in Sicht.
    Übrigens muss ich als Fotograf auch kein Bild löschen – man kann als Fotografierter lediglich verlangen, dass das Foto nicht veröffentlicht werden darf. Das macht aber m.E. keinen Sinn so ein Foto zu behalten. Ich lösche grundsätzlich solche Fotos – sie bringen mich eh nicht weiter.
    Mir fällt nur die sehr aggressive Haltung der Personen auf, denen ich mitunter begegne. Das geht dann bis zur Drohung von körperlicher Gewalt – das wäre dann in jedem Fall strafbar ! Man sollte also als Fotografierter auch die Kirche im Dorf lassen – der Fotograf hat schließlich niemanden mit seiner Kamera umgebracht !
    Die Straßenfotografie, wie von einigen befürchtet, ist nicht tot ! Man muss nur die Zeichen der Zeit erkennen und ihr Rechnung tragen – der Rest ist eigene Risikoabwägung. Vor allem für diejenigen, die Ausstellungen und Bücher veröffentlichen. Von Facebook ganz zu schweigen. Ich hatte mal jemanden fotografiert – mit seiner Erlaubnis zur Veröffentlichung. Das Foto hatte ich in FB eingestellt. Man wird’s kaum glauben – der Typ wurde von jemandem aus meiner Freundschaftsliste wiedererkannt. Doch ich konnte mich – trotz fehlender schriftlicher Einverständniserklärung – locker zurücklehnen.
    Zum Schluss noch ein Link zu dem Thema: das Netz ist übrigens voll davon ! Ich lasse mich davon nicht abschrecken – denn dann ist die Straßenfotografie wirklich tot !
    http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/strassenfotografie-rechtsfragen-wen-man-knipsen-darf-a-1016555.html

  • Antwort Meike 12. Februar 2015 um 10:07

    Also ich muss sagen, deine Bilder haben es immer total in sich. Sieht super aus!

  • Antwort 17. Februar 2015 um 11:08

    Ich denke gelassen sehen ist der richtige Weg. Da stimme ich Fabian S. zu
    Bei der Disskussion zu dem Thema werden immer Namen wie: „Bruce Gilden, Robert Frank, Vivian Maier oder gar Henri Cartier-Bresson“ genannt.
    Man sollte sich nur mal klar machen, das heutzutage quasi jeder, der mit seinem Smartphone mal eben Straßenfotografie macht von den Gesetzlichen Änderungen betroffen ist.
    Nicht jeder Snapschuß eines gelegenheitsknipsers sollte gleich mit einem Henri Cartier-Bresson verglichen werden.
    Die Gefahr sehe ich nämlich.
    Das Strafgesetz um das es geht, der § 201a I Nr. 2 StGB hat einen Absatz 4. Der wird bei dem Thema meistens nicht ausführlich genannt. Da steht etwas von Straffreiheit, bei „überwiegender berechtigter Interessen […} namentlich der Kunst oder der Wissenschaft“.
    Klar, das ist schwammig formuliert.
    Aber man sollte nicht gleich an Gefängnisstrafe denken, wenn man ein Foto macht. Ein Arzt denkt ja auch nicht daran, dass er eine Körperverletzung begehen könnte, wenn er operiert.

    Was aus der Crowdfunding-Aktion von Espen Eichhöfer werden wird, darauf bin ich auch gespannt.

    Beste Grüße

  • Antwort Sneza 3. März 2015 um 15:35

    Schließe mich dem Grundsatz nach dem Kommentar von Fabian S. an; komme aber aus Deutschland. Es ist tatsächlich hierzulande schwierig, die Streetfotografie umzusetzen. Gerade als Anfänger macht man da so seine Erfahrungen. Generell finde ich es schade, dass im Zuge dieser Diskussionen sich die Lage immer weiter hochschaukelt statt ruhiger zu werden. Was mich aber nicht davon abhalten wird, weiter Street zu fotografieren.

  • Antwort Johann 2. Februar 2016 um 20:53

    Hallo, ich finde diese Thematik sehr heikel und für uns Fotografen bietet sie die unerfreuliche Gelegenheit, in bislang unbekannte juristische Fallgruben zu stürzen. Ich habe mich nach einem eigenen Erlebnis dieser Art heute Morgen daheim im Internet schlau gemacht und bin so erst auf diese für mich überraschend heikle Problematik aufmerksam geworden.
    Mein Erlebnis: In einer grösseren Stadt am deutschen Bodenseeufer machte ich vom belebten Gelände einer Schule aus mehrere Tele-Aufnahmen des nahen Kirchturms und von einigen Häuserzeilen ca. 100 m entfernt. Als ich mich schon wieder entfernt hatte, sprach mich beim Weggehen wenige Minuten später ein Herr an, der sich höflich als Rektor dieser Schule vorstellte, mir mitteilte, ich dürfe keine Kinder fotografieren, er wolle die Aufnahmen auf meiner Kamera sehen und er bat mich sodann, mitzukommen. Ich erklärte ihm wahrheitsgemäss, dass man bei meiner analogen NIKON F3 keine Bilder auf einem Display sehen könne und dass ich gewiss keine Kinder auf dem Pausenhof abgelichtet hätte. Da ich selbst Lehrer bin, hatte ich Verständnis für seine Reaktion, was ich ihm auch mitteilte, und so entspannte sich die Situation sehr rasch und wir gingen freundlich auseinander. Ich meine, wir Fotografen müssen bedenken, dass durch die Diskussion über Pädophilie zahlreiche Menschen, gerade Lehrpersonen und Beschäftigte im Kindergartenpersonal, verunsichert sind und (vielleicht aus einem beruflich richtigen Schutzreflex heraus) manchmal übersensibel reagieren. Ich persönlich werde künftig solche Orte besser meiden, wenn ich fotografiere, denn unangebrachte Verdächtigungen können einem die Freude verleiden – auch wenn man sich in rechtlicher Hinsicht durchaus nicht falsch verhalten hat. Ich bin gespannt auf eure Resonanz. Gruss J.R.

    • Antwort BlogTimes 4. Februar 2016 um 14:03

      Ja, leider ist der von dir beschriebene kein Einzelfall. Reines Unwissen gepaart mit vermeintlicher Besserwisserei 🙁

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