Ein paar Tage war ich nun mit der Pentax 645D unterwegs und bin restlos begeistert. Wie ihr wisst, hatte ich die Pentax leihweise von IPS Hamburg bekommen um sie für ein Fotoprojekt zu verwenden. Trauriger Weise musste ich sie wieder abgeben…
Mein erster Eindruck ist – Hammer! Mein zweiter Eindruck – Hammer! Mein dritter Eindruck – na ihr wisst schon. Es ist einfach ne völlig andere Klasse. Ok, normalerweise fotografiere ich mit einem Crop Sensor und daher ist der Sprung natürlich noch gewaltiger als von FX auf die Pentax Sensorgröße von 33x44mm. Eine der ersten (Test) Aufnahmen habe ich noch am gleichen Tag gemacht und bereits auf dem 3″ Kameradisplay, welches in meinen Augen völlig ausreichend, konnte ich mich an den Details gar nicht satt sehen. Die Kamera wiegt schon einiges. Mit ihren knapp 1.5kg ist sie dennoch durch ihre ergonomische Bauform leicht und handlich zu bedienen. Im Grunde findet man alle Funktionen, die man auch von einer normalen DSLR kennt.
Die großer Überraschung kam dann allerdings bei der Bildbearbeitung. Sowohl in Lightroom als auch in Photoshop reagierten die Regler und Einstellungsebenen viel sensibler und ließen sich gefühlt bis ins unendliche verändern, ohne dass irgendwelche Farbverläufe abrissen oder die Lichter überstrahlten. Das kenne ich so gar nicht von meiner D300. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wo die Kamera diese Reserven her nimmt. Es war jedoch ein völlig neues Bearbeitungsgefühl. Über die Bildqualität brauchen wir eigentlich gar nicht sprechen – 40MP sagen schon alles. Eine 100 Prozent Ansicht wirkt ungefähr so, als wenn ich bei meiner Crop Kamera auf 25 Prozent gehe! Details, Details und noch mehr Details.
Dennoch gibt es auch an dieser über 10.000 Euro Kamera etwas zu meckern. Die geringe Anzahl an Autofokus Punkte ist gewöhnungsbedürftig und mir sofort aufgefallen. Obgleich andere Mittelformat-Hersteller noch weniger AF-Sensoren ihren Kamera spendieren, finde ich elf Punkte viel zu wenig, vorallem bei dieser Sensorgröße. Apropo Größe – kurze positiver Einschub – der 98 Prozent-Sucher ähnelt eigentlich einer Panoramafensterscheibe und ist sowas von rießig. Der zweite Punkt ist die Vorschaufunktion der aufgenommen Bilder. Während es bereits bei üblichen Belichtungszeiten (z.b 0/250sek) ungefähr 2-3Sekunden dauert bis das Bild erscheint, dauert es bei Langzeitbelichtungen ab ca. 1 Minute immer knapp die doppelte Zeit bis die Aufnahmen letzten Endes auf dem Display zu sehen sind. Ok, in Anbetracht der ernormen Speichermenge sage ich ja nichts über die 2-3 Sekunden, aber die Speicherzeiten bei Langzeitbelichtungen sind gerade bei sich schnell wechselnden Licht/Wetterbedingungen einfach zu lange. Das hat mich in England um so manches Foto gebracht.
Von meiner Nikon kenne ich das Problem wenn man die Funktion “Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen” eingeschaltet hat. Auch die Pentax verfügt über diesen Menüpunkt, dennoch konnte ich selbst bei ausgeschalteter Funktion keine Veränderung der Speicherzeiten feststellen. Das ist wirklich sehr schade, denn die Kamera ist in Sachen Bildqualität über jeden Zweifel erhaben.
Ach, da fällt mir gerade etwas ein. Als ich letztens auf BlogTimes meine Englandreise und das verwendete Equipment vorgestellt hatte, schrieb ein BlogTimes Leser folgendes: “ Hallo,wenn ich Dir nen Tipp geben darf: Nimm ein ordentliches Stativ mit. Damit meine ich eines, welches für 18kg oder mehr ausgelegt ist. Da ist mit Kugelkopf nix mehr zu machen.Fotografiere selbst digitales MF. Aufgrund der extremen Auflösung, der Detailgenauigkeit, dem großen Sensor und dem etwas anderen mechanischen Verhalten einer MF-Kamera, fallen Verwackelungsunschärfen ungleich stärker auf, selbst bei SVA. Outdoor muss das Stativ stehen wie ein Felsen. Gerade an der Küste fängt bei Wind alles schnell an zu schwingen… Viel Spaß! “
Lieber Eric, leider konnte ich in Anbetracht der kurzen Zeit weder ein neues Stativ, noch einen neuen Stativkopf besorgen. Zudem war ich guter Dinge, dass es auch so funktionieren sollte. Obgleich des sehr rauen Klimas an der Südküste Englands um diese Jahreszeit, wurde ich von meinem Equipment nicht im Stich gelassen. Der Kugelkopf (Vanguard SBH-100 - max 10kg) hat wunderbar gehalten und auch das Stativ (Vanguard Alta Pro 283CT
- max 8kg) hat keine Zicken gemacht. Es kommt ja auch immer auf den Untergrund an und natürlich gab es Situationen, aber hier hätte selbst ein stabileres Stativ nichts mehr genützt.
Die meisten von Euch werden die hier gezeigten Aufnahmen schon kennen, aber ich komme derzeit einfach nicht zum Bearbeiten der restlichen Aufnahmen. Verzeiht es mir….
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13 Antworten : “Digitales Mittelformat Pentax 645D – Mehr ist mehr….”
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Sehr schöne Fotos! Ist echt eine super Kamera. Ich finde vorallem auch die Perspektive ganz anders als bei Kleinbind Kameras. Durch die längere brennweite bekommt man einfach mehr “Enfernung” und Ruhe in das Bild, als wenn man mit 14mm “drinsitzt”. Tut deinen auch ja eher ruhigen Bildern sehr gut.
Klingt sehr interessant und vielversprechend, was Du – mit Ausnahme der behäbigen Speichergeschwindigkeit – von der Pentax berichtest. Auch in meinem fotografischen Umfeld liebäugeln manche mit dieser. Ich müßte (und werde) sie gewiß einmal ausprobieren, bin momentan aber noch etwas skeptisch, ob sich eine solche Anschaffung lohnt:
(1) Kein allzu großer Abstand zwischen 44×33 als “gecropptes Mittelformat” und 36×24 meiner aktuellen Vollformatkamera.
(2) Eine derzeit meines Wissens nach doch noch sehr bescheidene Objektivpalette.
(3) Der halbe Kleinwagen ist ja für die Pentax schon weg. Warum also nicht den Rest des Kleinwagens drauflegen für eine Hasselblad, die noch in ganz andere Sensordimensionen entführt?
(4) Was machen wir denn anderersits mit dem Mittelformat? Bilder mit 1000 Pixel langer Kante ins Internet stellen?
Ich meine mich zu erinnern, daß Du auch mit einer 1Ds Mark II lostigern wolltest. Wie war denn Dein Eindruck davon?
Das Mittelformat im Internet nicht wirklich zum Tragen kommt, ist in Anbetracht der geringen Auflösung für das Web natürlich klar. Es geht mir ja auch um das Drucken im Großformat.
Ja, die 1DsMKIII hatte ich auch dabei. Dazu kommt bald noch ein weitere Artikel, wenn von Interesse. Immerhin hat die Kamera ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel
Sie ist schon etwas älter, gewiß – das Alte muß aber nicht schlecht sein. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat die 5D Mark II im Vergleich zur 1Ds MK III eine etwas “aufgebohrte” Funktionalität bei identischer Sensor- (Vollformat) und Prozessordimensionierung, und das zu einem deutlich günstigeren Preis. Die 1Ds MK IV hingegen ist, wie Du sicher weißt, schon wieder “gecroppt”.
Und ja, auf Deine Eindrücke und Bilder von der “Einser” im Vergleich zum Mittelformat bin ich außerordentlich gespannt! Genau über diesen Vergleich hatte ich unlängst mit Rolf Walther, meinem Mainzer Lehrer und Mentor, intensiv diskutiert (er begeistert, ich skeptisch).
Begeistert vom Mittelformat oder von der Canon?!
Er (Rolf) begeistert von der “Pentax als kleines Mittelformat”, nachdem er uns jahrelang mit “Canon-Vollformat und Zeiss-Objektive, die Nonplusultra-Kombination” zugetextet hat …
Wie Du in meinem Gastartikel sahst, erlaube ich mir trotz allem, was ich bei ihm lernen konnte (und immer noch kann), manchmal eine eigene Meinung …
Ich habe die Pentax nun seit > 6 Monaten und habe auf den Kleinwagen verzichtet
Warum? Ich brauche nicht die Auflösung aber die künstliche Schärfe und die häufigen Probleme mit der richtigne Schärfe bei meiner Canon 5DII haben mich fast in den Wahnsinn getrieben. Die einzige Linse welche perfekte Schärfe zeigte war das 135/2. Selbst das neue 70-200/2.8 war nicht das was ich von 2200€ erwartet habe. Calumet machte mir ein tolles Angebot für die Nikon D3, 14-24 + 24-70. Nach meinen einfachen Tests mit erstklassigen Stativ überzeugte mich die Schärfe nicht wirklich. Dann machte ich den Fehler (für meinen Geldbeutel) und lieh mir die 645D. Ab diesem Moment sah ich was es heißt nicht mehr über Schärfe nachdenken zu müssen. Sie ist so vorhanden, wie man sich das wünscht. Nicht durch SW verkünstelt sondern einfach nur angenehm scharf. Nun habe ich ein paar alte Linsen (manuell / AF) via ebay besorgt – weitere werden kommen – und fotografiere ohne über Technik nachdenken zu müssen. Canon hat mich eher verrückt gemacht. Immer neue updates und am Ende doch nicht so perfekt wie ich es erhofft habe. UND: ja, ich fotografiere langsamer und mache weniger Fotos- Aber es hilft mich zu konzentrieren. UND was wirklich geil ist, man kann wie bei Google Earth in die Fotos reinzoomen und sieht Details die einen nur erfreuen lassen. Mein Fazit: wenn man auf Auflösung und Schärfe nicht verzichten möchte und die nötigen Objektive dafür braucht, die auch imstande sind diese Auflöung durch das Glas zu bringen, dann hat man für 12-14T€ ein Equipment das einen nicht im Stich läßt.
Ich würde ja gerne ein paar PEF / JPG irgendwohin stellen, aber ich habe keine Seite um es hochzuladen.
Apropos Zeiss: in München bei einem Händler war mal eine Roadshow mit mehreren Herstellern. Dort wurde mir erklärt, das man weiß, dass weder Canon (noch Nikon) in der Lage ist die 21/24Mpx aufzulösen. Die meisten L-Linsen lösen bei max. 16-18Mpx ordentlich auf. Zeiss soll da wohl deutlich (?) besser sein. Keine Ahnung ob das so stimmt. Verglichen mit der 645D kann man jedenfalls sehen, was es bedeutet, wenn das Objektiv die mögliche Auflösung auch durch das Glas läßt. Das alles ist sehr subjektiv, ich kann nichts belegen. Aber es ist deutlich sichtbar!
Die Pentax ist eine tolle Kamera – keine Frage. In Sachen Schärfe hatte ich mir meinen anderen günstigeren DSLRs aber keine Probleme. Natürlich kommt die Schärfe auch von den vielen Details, die die Pentax abbilden kann.
Im Übrigen würde ich keine manuellen AF Objektive an der Pentax verwenden. Sie verfügt ja nicht über eine passende Mattscheibe mit Schnittbildindikator. So ist das fokussieren meiner Meinung nach immer auch Geduldsspiel.
Ich benutze das alte manuelle 35er und 120er Macro. Für die Scharfstellung benutze ich den AF Indikator – okay nur der mittlere funktioniert in diesem Modus. Aber das Sucherbild ist so klar und groß, dass ich problemlos nach Sicht präzise scharf stellen kann. Eine neue Mattscheibe steht schon auf meinem Plan – ist momentar nicht verfügbar.
Schön dass du weniger / keine Probleme mit der Schärfe hast. Ich ja nun auch nicht mehr
Hey!
Wäre es möglich, das eine oder andere RAW als DL zu bekommen?
Würde gerne selbst mal testen, gucken und staunen! :)
Ich werde mal schauen, ob ich eine passende Aufnahme finde. Werde ich dann hier im Beitrag zur Verfügung stellen.
Dass die Langzeitbelichtungen so lange dauern, liegt nicht an der Speicherzeit, sondern daran, dass immer noch ein gleichlanges “Dunkelbild” aufgenommen wird, welches dann vom ersten Bild subtrahiert wird, um das thermische Rauschen zu verringern. Es könnte sein, dass man das im Menü ausschalten kann.
Ich weiß! Aus diesem Grund hatte ich ja geschrieben, dass ich die Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung abgeschaltet habe. Trotzdem bliebt die Länge der Speicherzeit gleich!!