Fotografie, Unterwegs

Ein Nachmittag in Brooklyn – New York City

4. Oktober 2012

Meine erste und sicherlich nicht letzte Reise nach NYC ist zwar schon ein paar Wochen her und mittlerweile habe ich meine favorisierten Aufnahmen fast vollständig bearbeitet. Dennoch möchte ich in diesem Extra-Beitrag meinen kurzen, aber doch intensiven Aufenhalt in Brooklyn schildern.

Diese in meinen Augen relativ seltene Erfahrung hat mir Sven Krohn ermöglicht, der mir nicht nur seine Bleibe für meinen allerersten Aufenthalt in der Stadt, die niemals schläft, zur Verfügung gestellt, sondern mich auch auf eine Block-Party ins tiefe Brooklyn mitgenommen hatte. Einigen von euch wird Brooklyn sicherlich aus eine Vielzahl von US-Filmen bekannt sein – wie beispielsweise Motive/Filmszenen auf der die überirdisch fahrende U-Bahn zu sehen ist. Ich weiß nicht mehr wo wir ausgestiegen sind, aber mein erster Eindruck war… Krass, dass kenne ich sonst nur aus Filmen. Auch sonst scheint dort irgendwie die Zeit stehen geblieben, fern ab von Chrysler, Empire und Rockefeller. Es hat mich ein wenig an Aufnahmen aus den 60er erinnert. Einzig die modernen Fahrzeuge sind der Hinweis, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden. Hier und da faucht zwar noch ein dicker alter Acht-Zylinder vorbei, aber die neuen Modelle sind eindeutig in der Überzahl. Ich ärgere mich gerade an dieser Stelle, dass ich keine Aufnahmen der Spritschlucker vergangener Tage gemacht habe…

Naja…In schnellen Schritten suchten wir die Adresse von Svens Bekannten. Ein paar Ecken weiter sehen wir schon von weitem wie ein paar wildparkende Autos die Zufahrt einer Seitenstraße gesperrt haben. Dort muss es sein – eine Block-Party. Ich denke mir nur, dass sollte sich jemand mal in Deutschland trauen… Das gäbe vielleicht einen Aufschrei der Nachbarn! Hier scheint es niemand zu stören… Warum auch, man kann ja auch die nächste Straße nehmen und fährt zwei/dreimal um den Block – fertig! Wir sind jedenfalls richtig, wir biegen in die Seitenstraße ein und plötzlich beschleicht mich ein sehr befremdliches Gefühl. Neben Sven als einziger Europäer fühle ich mich irgendwie als Fremdkörper. Wir gehen die Straße entlang auf der Suche nach dem Haus seines Bekannten. Ich frage Sven, welche Hausnummer? Er sagt:“keine Ahnung, der wird uns schon erkennen“! Letzteres bezweifle ich auch nicht… dennoch ein unbehagliches Gefühl. Immerhin gab es letzte Nacht in der Nähe eine Schießerei. Minuten um Minuten vergingen. Nichts passiert, gefühlt schauen uns 100 Augenpaare an, verfolgen unsere Bewegungen. Ich kann mir nicht helfen, aber wohl fühle ich mich nicht. Dann endlich kommt ein fröhlicher und scheinbar gut gelaunter Mann auf uns zu. Kann man ihm auch nicht verübeln, bei 30 Grad und blauen Himmel. Er streckt uns die Hand entgegen und begrüßt uns und genau in diesem Moment fühle ich mir erleichtert. Ich schaue mich um und werde von anderen auf der Straße angelächelt – jener, deren Blicke mich vorher nicht wahrgenommen hatten. Ein angenehmes und zugleich beruhigendes Gefühl.

Vorsorglich hatte ich meine Kamera mit genommen und wir fragten ob wir ein paar Fotos machen können. Ich konnte mir diese Gelegenheit einfach nicht entgehen, denn wo sonst kann ich für meine Streetfotografie üben… Am Straßenrand sah es so aus, als wurden vermutlich samtlich vorhandene Barbecue-Grills der ganze Straße aufgebaut. Überall qualmte und bruzelte es aus selbstgebauten Gasgrills. Manche glichen einem alten Ölfass, andere wiederum riesigen Metallschalen, die wahrscheinlich genug Essen für eine zwanzigköpfige Familie aufnehmen konnte. Wie dem auch sei, ich zog also mit meiner Kamera los und versuchte die Stimmung einzufangen. Für mich sonst eher unüblich habe ich doch öfters auf den Auslöser gedrückt, da sich Situationen und Motive unerwartet und sehr spontan ergeben haben. Alle Aufnahmen sind mit der Nikon D800* entstanden. Wahlweise kam entweder das 35mm f1.8 DX* oder das 85mm f1.8 AF-D* zum Einsatz.

Nach knapp 2-3 Stunden war die ganze Sache wieder vorbei. Wir packten unsere Sachen ein und zogen von dannen. Bevor wir in die nächste Straßen einbogen schaute ich nochmal zurück und sagte innerlich danke für diese Erfahrung und den Eindrücken, die ich jetzt mit nach Hause nehmen kann.

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9 Kommentare

  • Antwort Michael W. 4. Oktober 2012 um 09:30

    Brooklyn ist ein wunderbarer Stadtteil und immer wieder eine Erfahrung wert. War selbst schon zweimal dort, da Freunde von uns da wohnen. Brooklyn teilt sich selbst mehrmals auf. Die Russen, Italiener, Spanier, Chinesen etc. haben alle ihre eigenen Strassen bzw. Viertel. Unsere Freunde selbst sind Russen und daher kannst Du dir vorstellen wo wir waren 😉 Man warnte uns nur davor, nicht die Metro Station in Brooklyn zu verpassen, denn ein paar Stationen weiter kommt schon die Bronx und da sollten wir auf keinen Fall landen, wenn es Dunkel wird 😉

    Ansonsten sind die Leute in Brooklyn sehr hilfsbereit und nett. Wir hatten nie schlechte Erfahrungen gemacht und selbst als wir anhand einer Karte versuchten, die nächste Metro Station zu finden, kamen uns gleich mehrere Leute zur Hilfe. Sowas würde einem in Deutschland nie passieren.

    Micha

  • Antwort Christian 4. Oktober 2012 um 09:37

    Moin Ronny,

    ein wirklich schöner Bericht, der einem Lust auf mehr von der Stadt und dem Stadtteil macht 🙂 … dazu noch die Bilder … sehr nice!
    Wie du so schön von vergangener Zeit schreibst, finde ich insbesondere im Bild mit dem Hydranten wunderbar widergespiegelt … mein persönlicher Favorit.

    Gruß
    Christian

  • Antwort Jan Meier 4. Oktober 2012 um 14:24

    Und mein´s ist das mit dem Jungen der den nassen Waschlappen so freundlich hält. :ahh
    Hat er getroffen? :confused

  • Antwort Fotografie Nancy Ebert 5. Oktober 2012 um 09:12

    Sehr coole Bilder, Ronny! Ich will nach New York! Jetzt! 🙂 und auch Bilder machen. Liebe Grüße aus Köln, Nancy

  • Antwort lichtbildwerkerin 14. Oktober 2012 um 23:55

    Nett geschrieben und gut fotografiert! NY’s Strassen bieten eine unglaubliche Fülle an Motiven, die schon darüber im Bild funktionieren, dass sie meist fremd und zugleich so vertraut wirken. Jedenfalls für uns daheimgebliebene 😉

    • Antwort BlogTimes 15. Oktober 2012 um 00:04

      Stimmt und dennoch, wenn man dann davor steht – ganz anders…

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