Fotografie, Nachgedacht

Ein paar Gedanken zur Straßenfotografie…

29. Juni 2012

Ende letztens Jahres hatte mich schon einmal mit dem Thema befasst, allerdings mehr mit der rechtlichen, als mit der fotografischen Seite. Warum, nun ganz einfach erklärt, es ist eben Deutschland mit seinen Vorschriften und Gesetzen, die das Genre Straßenfotografie/Streetphotography für mich uninteressant machen. Zumal man befürchten muss, dass man irgendwann vielleicht verklagt werden könnte, sofern eine Person abgebildet wurde, deren Einverständnis nicht eingeholt wurde.

Nun, bin ich seit zwei Monaten in Nordamerika und ich muss sagen, endlich kann ich mich der Staßenfotografie widmen, so wie ich es möchte. Bitte versteht mich nicht falsch, ich finde das Recht am eigenen Bild durchaus schützenswert, allerdings nicht um jeden Preis und damit meine ich den künstlerischen Anspruch, der hinter ambitionierter Straßenfotografie steckt. Was wären übrigens die damaligen Größen der Streetfotografie, wenn es das „Recht am eigenen Bild“ so in unserem heutigen Ausmaß gegeben hätte. Ich glaube nicht, dass wir heute diese Zeitdokumente in Museen, Galerien betrachten könnten, die meiner Meinung nach auch immer ein Stück (Foto)Geschichte schreiben. Aus diesem Grund, also um der Geschichte wegen, gehen wir auch ins Museum oder in die Galerie, oder nicht?

Auch wenn ich selbst der Landschaftsfotografie mit all ihren Facetten zugetan bin. Egal ob es die Natur oder die Urbanität ist, so finde ich nichts nachhaltiger (sorry, blödes Wort) als die Straßenfotografie. Hier werden Situationen, Augenblicke eingefangen, die auch noch in Jahrzehnten interessant sind. Natürlich hängt das auch immer von einzelnen Bild und vom Fotografen ab, wie er sich mit diesem Thema fotografisch auseinander setzt. Betrachtet man aber den Grundgedanken dahinter, so wird einem schnell die Faszination an diesem Fotogenre klar.

Ok, vielleicht stehe mit dieser Meinung auch alleine da, aber ich persönlich werde neben der Landschaftsfotografie vermehrt in Richtung Street gehen. Ob das auch klappt, weiß ich noch nicht, denn dieser Bereich ist für mich Neuland. Sicherlich trägt der Standort Amerika zu einem nicht unerheblichen Teil dazu bei hier erfolgreich zu sein. Ich hoffe mal nicht, dass ich schon zu stark in der Landschaftsfotografie eingeschlossen bin und den Blick für die Situationen verloren habe.

Die ersten Aufnahmen habt ihr nun schon gesehen und ebenso erkannt, dass ich mich vermehrt der Farbfotografie widme. Bisher musste ich mich nicht entscheiden, ob ich meine Aufnahmen in S/W bearbeite oder nicht. Das war die letzten Jahre mit vereinzelten Ausnahmen immer Schwarzweiß. Doch seit kurzen habe ich für mich die Farbfotografie entdeckt, nicht das quietschbunte Zeug, sondern eher der Stil wie das Einleitungsfoto zum Beitrag. Allerding fällt mit dieser Entscheidungsprozess in Richtung Farbe zu gehen während und nach der Bildbearbeitung noch schwer. Im Moment bearbeite ich daher die Bilder, sofern das Motiv es zulässt in S/W und in Farbe. Dann schaue ich mir die Bilder an und finde auch die S/W Versionen faszinierend. Diese werde ich aber vorerst nicht veröffentlichen, da ich nichts schlimmer finde, als ein und das selbe Bild mit unterschiedlichen Bearbeitungstilen zu zeigen oder gar zu verkaufen. Ich denke mir hier, wenn sich schon der Fotograf nicht für eine Version entscheiden kann, wie soll es dann bitte schön der Käufer können.

Mist, jetzt bin ich doch vom eigentlichen Thema ein wenig abgekommen. Wie schaut es eigentlich bei euch mit der Straßenfotografie so aus. Ich hatte zwar schon einmal gefragt, aber vielleicht hat sich ja eure Meinung zum Thema geändert. Mich würde auch mal interessieren, wie ihr allgemein gesehen zur Straßenfotografie steht!?

Hier mal ein kurzer Überblick aus dem Bereich Street/Urban… Viel ist es noch nicht – wird aber langsam!
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10 Kommentare

  • Antwort Herr Ärmel 29. Juni 2012 um 09:29

    Unter anderem durch deinen Blog wurde ich dazu angeregt, mich mit dem Thema weitergehend auseinanderzusetzen. Ich habe in der Stadt fotografieren gelernt, da ist „StrassenFotografie“ ja fast zwangsläufig das Thema. In meinem Blog habe ich dazu auch schon geschrieben und Fotos gezeigt.
    Der Stand der Dinge: 1. Ich suche noch immer nach einer klaren Definition des Begriffs StrassenFotografie. 2. Bilde ich den Menschen im urbanen Umfeld ab oder kommen im urbanen Umfeld zwangsläufig auch Menschen vor – also: steht der Mensch im Mittelpunkt oder ist er lediglich Staffage?
    Die beiden Extreme, zwischen denen sich für mich die StrassenFotografie derzeit bewegt, sind z.B. Bruce Gilden und Wim Wenders. Gilden finde ich mittlerweile unerträglich undistanziert (um nicht deutlicher zu werden) und Wenders lehnt für sich jegliche Form der fotografischen Respektlosigkeit rundweg ab. Ich empfehle jedem Interessierten das Buch: „Einmal“ von Wim Wenders und besonders die Einleitung darin. (Jede Menge feiner Fotos sind da auch zu sehen).
    Wie du siehst, ist das Thema bei mir virulent. Da ich aber mein neues Stativ bekommen habe, gehts jetzt eh erstmal raus in die Landschaften.

    ein schönes Wochenende wünscht – Herr Ärmel

    • Antwort BlogTimes 29. Juni 2012 um 12:04

      Ich selbst möchte mich gar nicht festlegen, ob der Mensch im Mittelpunkt steht oder ob er nur Beiwerk ist. Beides ist für mich Straßenfotografie. Für mich zählt mehr die Situation bei der ich den Menschen mit auf das Foto nehme. Das muss eben passen. Erklären kann ich das nicht, es ist mehr so ein Gefühl. Ehrlich gesagt möchte ich mir selbst auch nicht so viele Gedanken darüber machen….dann wirds am Ende nichts!

      • Antwort Herr Ärmel 29. Juni 2012 um 12:51

        Für mich ist Fotografie halt mehr als die Technik oder einfach draufhalten, was es bei dir ja auch nicht zu sein scheint.
        Ich habe mich auch intensiv mit der historischen und ästhetischen Seite der Fotografie beschäftigt. Und was „zuviele Gedanken“ betrifft, da stimme ich dir voll zu.

  • Antwort Ralf 29. Juni 2012 um 10:49

    Das ist ein sehr guter Beitrag!

    Irgendwie besteht ein riesiges Missverhältnis zwischen knipsenden Hääädie.Benutzern, die sich einen Dreck um jegliche (Persönlichkeits-) Rechte scheren und dem Verbot nicht nur bei Menschen(-Beiwerk!) und sogar bestimmten Gebäuden die Kamera „aus“ zu lassen. Es ist schon symptomatisch, dass ein Foto, mit dem ich mich an einem Wettbewerb beteiligte, in Schweden entstand…

    Um die Freude an unbeschwerter Bildmacherei nicht zu verlieren habe ich mich – wenn Zeit ist – ein bisschen auf Retro „eingeschossen“ Unverfängliche Motive zu suchen, die nicht nur aus den 1950er/1960er Jahren sind, sondern die auch im damaligen Stil abzulichten, bzw. gezielt zu verfremden.

    Ein kleines bisschen gehst du ja auch in diese Richtung: man nehme eine D800 und fotografiere dann wie (quadratisches) „Mittelformat“ mit Vignettierungen wie bei einem 50 mm Superweitwinkel auf der Hasselblad 😉 Bevorzugt IM AUSLAND! Mir gefällt es, und ich teile deine Ansichten!

    Ralf

  • Antwort Werner 30. Juni 2012 um 18:50

    Danke für den wirklich guten Artikel (er macht nachdenklich – und die tollen Bilder!
    Ich bin als Laie großer Fan von Aufnahmen, die Szenen des Alltags mit und ohne Menschen auf den Straßen festhalten: Gerade auzch aus den genannten Gründen, weil diese Fotos ein Stück Zeitgeschichte darstellen. Dabei gehen mir aber auch die Handy-Knipser auf den Senkel, die respektlos alles knipsen, was ihnen vor die Nase läuft.
    Fotografie von Szenen mit Menschen im Alltag -so jedenfalls denke ich – hat immer auch etwas mit dem Respekt und der Wertschätzung den Abgelichteten gegenüber zu tun. Emphatie und Symphatie sind wohl auch der Schlüssel, um gute Streetfotos zu machen. Diese Aspekte spiegeln sich in guten Fotos.

  • Antwort elmensch 30. Juni 2012 um 21:31

    Toller Beitrag, vielen Dank für die ausführlichen Infos

  • Antwort achisto 1. Juli 2012 um 17:12

    Du sprichst mir in einem Belang aus dem Herzen: dass die Streetfotografie so schwer ist in Deutschland bzw. im Grunde unmöglich. Bei einem Bild wie den Menschen, die im Regen über die Straße stürmen, ist es nicht möglich, zu fragen, ob man fotografieren darf, da macht man das Foto und gut ist – zumal ein vorher fragen und dann die Situation stellen für mich definitiv KEINE Streetfotografie mehr ist, das ist eben das was es ist, gestellt. Egal wie gut es an die Wahrheit heran reicht.

    Ich habe vor einiger Zeit auch recht stark Streetfotografie betrieben und war begeistert von den „Emotionen“ und „besonderen Momenten“, die man auf der Straße entdeckt. In ganz alltäglichen Situationen und dort, wo man als normaler Mensch nicht hinguckt, finden sich Dinge, die eines Fotos würdig sind. Da aber alles in Deutschland entstand, sind diese Fotos eben nur teil einer privaten Sammlung – nicht alles muss veröffentlicht werden, auch wenn ich es vielleicht gerne würde, so habe ich für mich etwas Besonderes zum Anschauen und werde auf jeden Fall weitermachen.

  • Antwort simonnickel 23. Juli 2012 um 00:35

    Finde deine Bilder sehr beeindruckend. Wenn ich in letzter Zeit irgendwo Street lese klicke ich meist gelangweilt weiter. Nur weil es SW ist und auf einer Straße mit Menschen gemacht wurde denken viele es wäre eine tolle Situation, dann ist auch noch der Ausschnitt total unausgewogen und der Hintergrund vollkommen egal. Bei deinen Fotos merkt man den Landschaftsfotografen, die Szene ist perfekt abgestimmt und technisch alles einwandfrei umgesetzt. Mir gefällt der Farbstil dieser Bilder echt gut, sehr stimmungsvoll!

    • Antwort BlogTimes 23. Juli 2012 um 02:07

      Danke Dir, Simon. Ja, Street sind nicht nur Situationen, sondern auch Emotionen… Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass gelingt mir auch nicht immer.

  • Antwort Markus Thoma 10. Januar 2016 um 21:56

    Ich war im letzten Mai in Leipzig unterwegs um mich dort bewusst der Streetfotografie zu nähern. Die Rechtslage in Deutschland sitzt dabei zwar schon immer sehr im Nacken, allerdings habe ich mich oft bemüht die Fotos in den meisten Fällen clean zu halten.

    Der Gedanke, eine Stimmung / Emotionen auszudrücken, ohne dass man überhaupt jemanden erkennt hat auch irgendwo seinen Reiz. Es sind für mich eigentlich zwei Arten der Streetfotografie. Entstanden ist diese kleine Broschüre: https://www.behance.net/gallery/30267815/The-individual-and-society

    Allgemein ist aber auch dieses Gefühl, das man beim Auslösen bei einer Streetfotografie Session hat nicht zu vergleichen mit einem normalen Porträtshooting. Man will einfach immer schnell und unbemerkt sein, um den Moment nicht durch seine Anwesenheit zu „verfälschen“… das Gegenteil wäre jedoch auch spannend, wenn man beobachten würde, wie sich Leute verändern wenn sie merken, fotografiert zu werden. Jedenfalls ein sehr spannender Bereich.
    Gruß,
    Markus

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