Auch wenn ich mich erst seit ein paar Monaten mit der Großformat Fotografie beschäftige, so gibt es vielleicht den einen oder anderen unter Euch, der sich mit dem Gedanken trägt ins Großformat einzusteigen und noch ein paar Equipment-Tipps sucht. Da es ermüdend ist, soviel Text auf einmal zu lesen, werde ich daraus wohl eine kleine Artikelreihe machen. Mehr als zwei vielleicht drei werden es aber auf keinen Fall.

Angefangen von der Idee bis hin zur ersten Aufnahme hat sich der Kauf meiner Ausrüstung hat sich über Monate hinweggezogen. Hauptgrund war vor allem die zeitaufwendige Recherche was genau benötigt wird, was sinnvoll ist usw… den es gilt auf unzählige Dinge zu achten. Selbst Kleinigkeiten, wie der Durchmesser der Objektivplatte spielt eine Rolle. Natürlich sollte auch das Preis/Leistungsverhältnis passen und welche Anlaufstellen für den Kauf in Frage kommen.

Die Kamera:
Ich habe mich für eine klassische Laufbodenkamera entschieden, die man zusammenklappen kann. Für mich waren Gewicht und Funktionalität entscheidend. Ich wollte auf keinen Fall einen großen Alu- oder Holzklotz mit mir rumschleppen. Im Rennen waren die Hersteller Toyo und die China-Fabrikate wie Shen Hao und Chamonix. Es gab noch ein paar andere Hersteller, dessen Namen ich allerdings vergessen habe. Im Grund sind die auch unwichtig, denn entschieden habe ich mich letzten Endes für die Chamonix, die direkt aus China geliefert wird. Sie wird entweder aus kanadischen Ahorn oder aus Walnuss-Holz gefertigt. Das macht die Kamera im Gegensatz zu ihren Aluminum-Pendant wesentlich leichter. Knapp 1400 Gramm wiegt sie ohne Objektiv und damit zählt sie zu den leichtesten 4x5inch Kamera auf dem Markt.

In Sachen Einstellmöglichkeiten habe ich darauf geachtet, dass die Kamera über die gängigsten Verstellwege verfügt. Rise, Fall, Swing, Shift und Tilt. Das alles lässt sich über die Front- und Heckstandarte einstellen. Einzig Rise und Fall lässt sich Hinten nicht verstellen (also das nach oben und unten schieben). Das ist aber für meine Zwecke nicht erforderlich. Wichtig sind aber der Balgen und die Objektive, die damit verwendet werden können. Der Universelle Balgen der Chamonix beispielsweise reicht von 52mm bis 392mm Brennweite. Das bedeutet, dass ihr auch bei sehr weitwinkligen Objektive keinen speziellen WW-Balgen verwenden müsst. Grundsätzlich sollte die Kamera über ein Graflok-Back verfügen. Diese Abmessungen erlauben euch auch die Verwendung von Rollfilm-Kassetten und digitalen Rückteilen, auch wenn letzteres sicherlich eine nicht ganz günstige Angelegenheit sein dürfte.

Gebrauchte Laufbodenkameras finden sich hauptsächlich auf Ebay. Vor dem Kauf sollte man sich allerdings vergewissern, wie alt die Kamera ist, wie oft sie genutzt wurde, sind alle Verstellwege leichtgängig. Ganz wichtig, ist der Balgen dicht. Lassen sich ohne Probleme auch weitwinklige Objektive nutzen. Das Grundglas sollte über eine Fresnel-Linse verfügen. Diese gewährleistet eine bessere Ausleuchtung über das gesamte Einstellbild. Ohne Fresnel-Linse ist immer eine Vignettierung des Motivs auf dem Grundglas (Einstellbild) zu sehen. Von dem Kauf einen Prismen-Suchers rate ich ab. Zwar erscheint das Bild dann richtig herum, allerdings schlucken diese riesigen Teile bis zu zwei Blenden Licht. Zudem wird die ganze Fokussierungs-Geschichte auch erschwert, da man das Teil für die Fokuslupe immer wieder abnehmen muss. Besser ist hier das klassische Einstelltuch.

Das Objektiv:
Nun, genau wie bei unseren digitalen Kameras, finden sich auch zahlreiche Objektivhersteller für das Großformat. Allerdings mit einem entscheidenen Vorteil. Es können so ziemlich alle Großformat-Objektive verwendet werden, unabhängig des Herstellers. Hier kommt es nämlich auf den Verschluss an. Dieser sitz am Objektiv und nach dessen Durchmesser richtet sich die Größe des Lochs der Objektivplatte. Hier gibt es verschiedene Verschlusshersteller. In der Regel ist dieser auch beim Kauf eines Objektives dabei und wird beispielsweise mit Copal 0, 1 oder 3 bezeichnet. Die Zahl steht dabei für den Durchmessers den Verschluss. Copal 0 steht für 35mm. Beim Kauf von Objektivplatten, wenn nicht schon dabei, müsst ihr also immer angeben für welchen Verschluss ihr die Platte benötigt. Unterschiedlich Brennweiten haben übrigens auch verschiedene Verschlüsse. So kann es gut sein, dass ein 150mm (Normalobjektiv) einen Copal 0 Verschluss verwendert, ein 210er aufgrund der Größe einen Copal 1. Hier braucht ihr dann verschiedene Objektivplatten. Ich kenne nicht alle Großformat -Objektivhersteller, aber die gängigsten wie Fuji, Nikon, Sinar, Rodenstock, Scheider, Voigtländer und Zeis. Dennoch war es keine Leichtigkeit, den für mich richtigen Hersteller zu finden. Unzählige Objektivtests und Beispielbilder habe ich durchforstet bis ich letzten Endes meinen Objektiv-Hersteller gefunden habe. Wichtig für mich ist neben der Abbildungsleistung auch das Preis/Leistungsverhältnis und hier hat mich Rodenstock einfach überzeugt. In den USA ist der Markt an gebrauchten Rodenstock-Objektiven sehr groß, auch abseits von Ebay und Co. Natürlich muss man bei einem Kauf in Übersee noch die Einfuhrsteuer in Deutschland beachten. Trotzdem hab ich die Erfahrung gemacht, dass sich der Kauf durchaus lohnt, auch einfach vor dem Hintergrund, dass der Markt in den Staaten viel größer ist. Empfehlen kann ich hier Keh.com und Igorcamera.com. Bei beiden habe ich schon bestellt und nur beste Erfahrung damit gemacht.

Abschließende noch etwas zum Thema Bildkreis. Wer bis dato mit Digitalkameras unterwegs war, hat wahrscheinlich nicht nie etwas von dem Bildkreis gehört. Die Größe dieses Kreises entscheidet im Grunde bis zum welchem Negativformat ihr das Großformat-Objektiv  ohne Probleme verwenden könnt. Mein 150mm Rodenstock hat einen Bildkreis von 231mm und kann bis zum Format 4x5inch verwendet werden. Für größeres Negativformat ist dieses Objektiv nicht geeignet, da es hier zur Vignettierung kommt. Damit ihr mit eurer Objektiv-Entscheidung nicht allein gelassen werdet, geben die Hersteller diese Informationen natürlich immer mit an. Je größer beispielsweise der Bildkreis ist, desto größer sind natürlich auch die Verstellmöglichkeiten beim empfohlenen Negativformat ohne dass es zur Abschattung kommt.

Im nächsten Teil gehts dann um Planfilmkassetten, Filme und Zubehör…

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17 Antworten : “Equipment fürs Großformat…”

  1. Jürgen sagt:

    Hallo Ronny,

    danke für den Tip mit Igorcamera, kannte ich noch nicht. Noch eine Frage zum Bildkreis, reichen die 231mm bei deinem Rodenstock um alle Verstellmöglichkeiten an der Chamonix zu nutzen ohne Abschattungen?

    Gruß aus Barcelona
    Jürgen

    • Die 231mm Bildkreis hat mein 150mm und das reicht mir dicke. Das 75mm hat nur 195mm und auch hier hatte ich keine bisher keine Probleme. Man muss aber auch dazu sagen, dass hier immer mit der Arbeitsblende von f22 gearbeitet wird. Wenn man offenblendig fotografiere möchte, hat man natürlich weniger Spielraum in Sachen Verstellmöglichekeit.

      Wenn dir der Bildkreis nicht ausreicht, gibt es noch spezielle Objektive wie das Apo-Sironar-W (Rodenstock) oder die XL-Reihe von Schneider. Diese sind mir ehrlich gesagt zu teuer…

    • Das reicht problemlos. Bei 4×5″ hast du einen Bildkreis von etwa 150mm den du brauchst um das Bildformat komplett auszuleuchten. Die 4×5″ Chamonix (zumindest ist das bei meiner 45N1 so) hat 45mm maximalen Verstellweg nach oben (bzw. 30 nach unten). Das kommt man dann bei 195mm raus, selbst wenn man dann zusätzlich noch indirekt shiftet, hat man Reserven.

    • Jürgen sagt:

      super, danke euch beiden für die Info :-)

      Saludos
      Jürgen

  2. Noch ein paar Bemerkungen meinerseits: Solange man die Standarten kippen kann (also bei schräggestelltem Laufboden wieder senkrecht ausrichten), lässt sich damit indirekt shiften. Einfach den Laufboden schräg nach vorne oder hinten stellen, beide Standarten wieder senkrecht ausrichten und voila. Wobei es zugegebenermassen einfacher ist, nur die Standarte zu verschieben. Manchmal braucht man aber mehr Shiftweg oder so…
    Schreibt bitte nicht Grundglas. Das ist eine 1:1 Übersetzung aus dem englischen, die nicht wirklich schön ist. Es heisst einfach Mattscheibe.
    Bei den Objektiven ist es (fast) egal, was man kauft, richtige Gurken gibts in dem Markt kaum. Wichtig ist, das man speziell im Weitwinkelbereich darauf achtet, Objektive zu kaufen, die 4×5″ (plus ein bischen) auch wirklich ausleuchten, da es dort eine ganze Menge Linsen gibt, die für 6×9 Kameras gerechnet sind.

  3. Eine schöne Seite mit einer ganzen Menge interesssanter Informationen (aber in englisch) ist: http://www.largeformatphotography.info/
    Da gibts im unteren Bereich irgendwo auch Tabellen (für die entsprechenden Formate) mit den wichtigsten Daten der gängigsten Objektive (http://www.largeformatphotography.info/lenses/). Auch sehr hilfreich.

  4. Schön zu hören, dass es immer wieder Interessierte gibt, die sich mit Großformat jenseits von Digital auseinandersetzen.

    Mittlerweile werden ja selbst Linhof Technika zu Schleuderpreisen angeboten und ehrlich gesagt würde ich eine gebrauchte Technika oder Sinar P2 immer einem Chamonix-Import aus China vorziehen. Gerade Sinar Kameras waren Arbeitstiere, die Fotografen oft Jahrzehntelang in Gebrauch hatten und die an Verstellmöglichkeiten nichts zu wünschen übrig lassen. Bei der P2 wackelt nix und jede Verstellung läuft ruhig und genau.. Und mit einer Linhof Technika zu knipsen war immer schon toll und die Kamera sieht zudem zeitlos schick aus ; )

    • Die Sinar P2 ist aber nicht unbedingt für den Außeneinsatz vorgesehen. Die ist schon sehr unpraktisch…. Eine gebrauchte Technika kostet genauso viel wie eine Chamonix… Hmm, also da bevorzuge ich lieber die neue Kamera.

    • Jürgen sagt:

      Nicht zu vergessen, daß die Technika fast doppelt soviel wiegt (2,6kg), und hier liegt der entschiedene Vorteil der Chamonix, zumindest wenn man plant die auch oft ausserhalb der eigenen 4 Wände zu nutzen.

      Aber klar, ohne Frage eine tolle Kamera und zeitlos schön.

      Jürgen

    • Ich habe eine Sinar F2 eine Weile genutzt, aber damit die eigenen vier Wände zu verlassen war immer ziemlich aufwändig. Und die günstigen Linhofs (gibts sowas überhaupt?) haben deutliche Einschränkungen bei der Verwendung von kurzen Weitwinkeln (das geht schon bei 90mm los), da man dann ohne zusätzliche Hilfsmittel praktisch keine Verstellungen mehr hat. Da helfen dann die Mastertechnika oder die Technika 2000, aber die sind preislich erheblich teurer. Mechanisch sind die Teile schon schön, keine Frage.

  5. Eine F2 ist aber auch nicht zu vergleichen mit einer P2, da liegen Welten dazwischen. Sicher, die P2 ist schwer und unhandlich, aber wenn die Schärfeebene oder Verstellungen eingestellt sind mit dem Feintrieb, dann verstellt sich da nix mehr. Und gerade der Feintrieb ist ne tolle Sache und supergenau. Sicher, eine Mastertechnika ist teurer und ist weit fummeliger als die Chamonix, sieht aber auch “etwas” besser aus ; )
    Letztlich ist das doch immer ein Kompromiss in Bezug auf Handlichkeit, Gewicht und Liebe zur Kamera. Ist man zu Fuß unterwegs verflucht man ja schon jedes Objektiv, dass man dann doch nicht braucht…

  6. Ich liebäugle ja mit der Chamonix 45F1. Weiß jemand, ob diese auch mit aufgestecktem Objektiv zusammenklappbar ist?

    • Mit aufgestecktem Objektiv ist die Kamera nicht zusammenklappbar. Das ist aber auch keine große Sache. Immerhin gibt es ja nur Objektivplatten und kein Bajonetverschluss.

      • Stimmt schon, sollte i.d.R. nur ein kurzer Handgriff sein.

        Noch eine weitere Frage, nimmst Du belichtete Planfilme nach einem erfolgreichen Fototag aus den Kassetten um diese zB. für den nächsten Tag neu zu beschicken?
        Auf längeren Reisen dürfte das ja unvermeidlich werden oder?

      • Ich habe fünf Kassetten – also max. Platz für 10 Filme. Weniger Kassetten würde ich nicht unbedingt empfehlen, da man so auch unterschiedliche Filmtypen verwenden kann. Mehr allerdings auch nicht – muss ja alles geschleppt werden, außer man hat einen Scherpa :-)

        Für den Filmwechsel nutze ich ein portables Wechselzelt von Calumet http://www.calumetphoto.com/eng/product/calumet_changing_room/rm1000
        Ob der allerdings in Deutschland auch erhältlich ist weiß ich nicht. Es war jedenfalls nicht einfach dieses Teil zu finden. Es gibt zwar noch Alternative Hersteller, aber die liegen preislich einfach weit über diesen.

      • Das Calumet-Wechselzelt habe ich hier zum halbwegs akzeptablen Preis gekauft:

        http://www.ebay.de/itm/161044147142?ssPageName=STRK:MEWNX:IT&_trksid=p3984.m1439.l2649

        Alternativ könnte man natürlich auch einen normalen Wechselsack nehmen und die Utensilien in einen flachen, an einer Seite offenen Karton stellen. Dadurch erreicht man auch eine etwas bessere “Handfreiheit”.

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