Equipment, Fotografie, Testberichte

Erfahrungsbericht mit dem Vanguard Nivelo 245BK

11. März 2013

Mein „Equipmentester“ Nils hatte die Tage mal wieder ein Stativ unter die Lupe genommen. Der Test fand bereits im Dezember statt und kommt jetzt mit leichter Verspätung zu Euch. Vanguard war so nett uns ein Nivelo 245BK* zum Testen zu schicken. Die technischen Daten können sich durchaus sehen lassen. Bin gespannt, wie es sich letzten Endes tatsächlich schlagen wird.

  • Höhe: 1,61 m (mit ausgefahrener Mittelsäule)
  • Traglast: 3 kg
  • Zusammengefaltet: 37 cm
  • Gewicht: 1,14 kg
  • Material: Aluminium und Kunststoff
  • Straßenpreis: Um die 100 Euro

Also erstmal das Stativ auspacken und die Beine ausfahren – wirklich gut. Es macht nicht nur einen hochwertigen Eindruck, sondern fühlt sich durch eine gute Verarbeitung auch so an. Die Verschlüsse und Auszüge funktionieren einwandfrei – mein persönlicher Test kann also starten. Doch bevor es sich den realen Bedingungen stellen muss, habe ich es mir zu Hause etwas genauer angesehen. Durch Drehen am Ende der Stativbeine kann lößt man die Arretierung aller Verschlüsse auf einmal. Das ist eine clevere Idee, die einem eine menge Zeit spart, sollte es mal schnell gehen. Ein wenig Ernüchterung kam kurz darauf , als das Stativ vor mir stand. Etwas rumgewackelt und drauf rumgedrückt und plötzlich verbiegen sich die Beine leicht aber dennoch sichtbar nach aussen! So etwas hab ich selbst bei Einsteiger Stativen noch nicht gesehen. Auch wenn das Stativ für kleinere Kameras ausgelegt ist, gerade bei leichten Druck muss ein Stativ einen Standfesten Eindruck machen. Das ist ein einfacher Test den jeder Stativkäufer als erstes ausprobiert, in der Regel noch im Laden vor dem Kauf. Der erste gute Eindruck war also etwas gedämpft und die Spannung wie sich das Stativ im realen Einsatz schlägt stieg.

Vanguard Nivelo 245BK - Enten

Das Stativ sollte sich jetzt im Alltag beweisen. Also hab ich es seitlich an den Rucksack geschnallt und es einen Tag durch die Gegend getragen. Mein Lowepro Pro Trekker* ist für größere Stative ausgelegt und das kleine Vanguard passt locker an die Rucksack-Seite. Das Wetter war nicht sehr einladend und als einzige Vögel waren Enten zu finden. Auch wenn diese mit etwas Futter (Artgerechtes bitte) ganz schnell Deine Freunde werden, Motive für ein Stativ sind sie nicht – also verblieb es den ganzen Tag über am Rucksack. Zu meiner Verwunderung stellte ich allerdings nach meiner Rückkehr fest, dass sich ein Stativbein verzogen hatte. Die obere Plattform, welche die Mittelsäule hält, ist aus Kunststoff. Ein Bein lief nicht mehr gerade nach unten, sondern hing leicht zur Seite weg. Hmm, dass sollte eigentlich nicht sein, vorallem da es noch nicht einmal zum Einsatz kam. Dennoch konnten die Beine nach wie vor teleskopartig ohne Probleme ausgezogen werden. Vielleicht ist das auch nur ein Einzelfall..

Ein paar Tage später ging es zur Carl Zeiss Vogelstation in Wedel, die direkt an der Elbe liegt. Der Plan war zunächst die Vögel zu beobachten und dann das Stativ am/im Wasser testen. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass die Station den Tag geschlossen hatte. Egal, wenn wir schon mal hier sind, gehen wir eben zum Wasser. Doch wie der Zufall so spielt, war gerade Niedrigwasser, sodass das Ufer mehr aus Schlamm statt aus Wasser bestand. Wir wollten die Zeit aber nicht ungenutzt lassen, also Stativ aufgebaut und eine Canon 1D Mark IV mit der Schnellwechselplatte versehen und drauf geschnallt. Die 1er von Canon ist natürlich nicht ganz die Zielgruppe des Stativs, liegt aber immerhin noch im angegebenen Tragegewicht. Das ganze Geschichte war eine ziemlich wackelige Angelegenheit und ist nicht wirklich zu empfehlen. Man sollte auf jeden Fall in Reichtweite bleiben und es zumindest mit dieser Kombination nicht unbeaufsichtigt lassen. Zum Größenvergleich seht ihr ein Foto mit einem erwachsenen Gitzo aus der 3er Serie daneben. Beim Abbau ist mir dann aufgefallen, das der zuvor gelobte Verschluss einen kleinen Nachteil hat. Der unterste Verschluss steht zwangsweise auf dem Boden und wird somit standortabhängig immer etwas dreckig, so dass man stets am schmutzigen Verschluss drehen muss.

Vanguard Nivelo 245BK - Vanguard

Vanguard Nivelo 245BK - Groessen Vergleich

Der Kopf ist mit dem Stativ fest verbundenen und kann daher nicht ausgetauscht werden, ist bei „Reisestativen“ aber oft anzutreffen. Er verfügt über einen Schnellverschluss mit herstellerspezifischer Wechselplatte. Nichts mit Arca-Swiss… Die Schraube in der Wechselplatte hat einen kleinen klappbaren Bügel, mit der man sie ohne Werkzeug, Schlüssel oder Münze festziehen kann. Der Kopf ist aus Kunststoff gefertigt. Gerade bei häufiger Benutzung, bei kaltem Wetter und auf Langlebigkeit hab ich persönlich mit diesem Material keine guten Erfahrungen gemacht. Hier fehlt mir allerdings ein Langzeittest um über dessen Haltbarkeit wirklich aussagefähig zu sein. Bei der Benutzung fällt auf, dass ihm eine Schwenkrichtung fehlt. Er kann 360° um die eigene Achse gedreht werden und schwenkt wie gesagt nur in eine Richtung. Vergleichbar mit einem Neiger. Der Kopf kann mich in der Handhabung leider nicht ganz überzeugen. Das Stativ wird übrigens mit einer Tragetasche geliefert, welche aber eher ein einfacher Tragebeutel ist – quasi so wie der typische Turnbeutel. Auch wenn die Konkurrenz teilweise deutlich mehr liefert, so sollte man auch die Kirche im Dorf lassen – es handelt sich ja nur um eine Transporttasche

Vanguard Nivelo 245BK - StativKopf

Mein Fazit: Vanguard hat mit dem Nivelo 245BK ein schönes kompaktes Stativ gebaut, das sich klein zusammen falten und gut mitnehmen lässt. Der erste sehr gute Eindruck wird ein wenig durch die Wackeligkeit, die instabile Plastikplattform und den schwachen Kopf getrübt. Ich gebe zu, dass es für das Stativ doch relativ schwere Testbedingungen waren und mein eher Outdoor orientierter Einsatzzweck nicht ganz der Zielgruppe entspricht. Auch die verwendete Kamerakombination ist natürlich nicht auf ein Reisestativ dieser Größe ausgelegt. Daher kann ich das Stativ nur für kleinere DSLRs in empfehlen. Wenn es etwas rauher zur Sache geht, ist das Stativ leider schnell überfordert. Für Outdoor-Einsätze, Langzeitbelichtungen und Nachtfotografie würde ich es bei Verwendung eine schweren Kamera-Objektiv Kombination eher nicht empfehlen. Den Haupteinsatzzweck sehe ich für das Stativ eindeutig auf Reisen, gerade wenn es auf die Größe ankommt und das Alltags-Stativ zu Hause bleiben muss.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit dem Vanguard Nivelo 245BK gemacht oder weitere Empfehlungen für die Reise?

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7 Kommentare

  • Antwort Polichronis Moutevelidis 14. März 2013 um 00:15

    Das Thema um die Stative ist auch bei uns leider eine fast unendliche Geschichte, denn ein wirklich richtig gutes Stativ, was allem standhält und vor allem länger als 2 Jahre in unserem Besitz bleibt, bis es in die ewigen Jagdgründe übergeht gibt es scheinbar gar nicht mehr 🙂
    Von der Verarbeitung und dünnen Beinchen her macht das Stativ jetzt nicht gerade den besten Eindruck, dazu kommt der sehr günstige Preis und euer Fazit 🙂 Thema wird für uns dieses Jahr entweder ein starkes Manfrotto oder eben ein Cullmann sein, aber wir werden sehen !!
    Schöner Artikel allemal !!!

    • Antwort BlogTimes 14. März 2013 um 00:20

      Die „dünnen“ Beinchen sind bei einem Reisestativ ja normal. Wir hätten uns nur ein wenig mehr Standhaftigkeit gewünscht. Wobei man auch hier die Kirche im Dorf lassen muss. Es ist bei dieser Art von Stativen immer ein Gratwanderung zwischen Gewicht und Material.

  • Antwort Polichronis Moutevelidis 14. März 2013 um 22:20

    Habt ihr selbst Erfahrung mit Manfrotto ? Ich denke, nach wie vor sind das noch immer die besten Stative, die man bekommt.

    • Antwort BlogTimes 14. März 2013 um 22:54

      Erfahrung mit Manfrotto haben wir schon, aber die Besten sind das nicht…. Lässt sich auch immer schwer beurteilen, denn es kommt ganz auf den Verwendungszweck an.

  • Antwort NilsZ 15. März 2013 um 13:23

    Hi,

    Manfrotto bietet ein sehr großes Spektrum an Stativen, da ist alles dabei.
    Ich kann die 055er Serie durchaus empfehlen. Bei Manfrotto muss
    man sich halt alles einzeln zusammen kaufen, andere Spikefüsse z.B. oder eine
    Tasche. Wenn man sich dann den hohen Preis eines Gitzos anschaut und
    das mitgelieferte Zubehör – ist der höhere Gitzo Preis schon sehr viel angeglichener.

    Ansonsten laufen die Stative von RRS (Realy right Stuff) grad den Gitzos den Rang ab,
    wir reden hier aber auch von um die 1.000 eur Stative! Da tut es das empfohlene
    055er Manfrotto aus Alu für 150,- oder die Carbon Version für 320,- schon sehr sehr gut.
    Auch im professionellen Bereich.

  • Antwort Polichronis Moutevelidis 16. März 2013 um 08:25

    Ich benötige das Manfrotto, oder auch natürlich jegliches andere Stativ zum Einsatz im Studio bei der Produktfotografie. Es ist unheimlich schwer für das Studio ein Stativ zu finden, was schwer genug ist, dass es sich keinen Milimeter bewegt und bei dem die Produkte dann auf Dauer und bei längeren Aufnahmesitzungen wandern. Es sind nur Nuancen, aber in PS muss man die Produkte dann trotzdem wieder anordnen. Mein damaliger Assistent hatte ein Stativ, was so schwer wie ein Hubwagen war, sich aber auch keinen Millimeter bewegt hat 🙂 Sowas bekommt man heute gar nicht mehr. Für den Outdooreinsatz und für Aufnahmen in der Natur muss ich aber nun mal schauen, wie stark unser altes Stativ durchhält, eventuell nehmen wir es nach Fuerte Ventura mit.

  • Antwort Ulla Ginter 20. März 2013 um 15:24

    Schade, dass das Stativ immer wieder die Schwachstelle einer Kamera ist. Mit der heutigen Technik sollte es doch möglich sein da was zu machen :/

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