Fotografie, Interviews

Mac Oller – Es dreht sich alles ums Licht

13. Januar 2012

Es ist mal wieder an der Zeit für ein neues Interview. Zu Gast ist Mac Oller – seines Zeichen Fotograf aus Polen mit Schwerpunkt Urban- und Architekturfotografie.

Wie viele andere Fotografen, habe ich Maciej über Facebook gefunden und da ich selbst ein Fan von Langzeitbelichtungen bin, sind mir seine Arbeiten sofort aufgefallen. Auch wenn er sich zunächst mit der S/W Fotografie beschäftigte, so hat er sich jetzt der Farb-Langzeitbelichtung verschrieben. Diese Zeichnen sich in meinen Augen durch einen einheitlichen, schlichten Bildstil aus, denn persönlich sehr mag. Für mich ist das echte Fine Art Fotografie.

„Es dreht sich alles ums Licht“ Mac Oller

Ich wollte mehr über seinen fotografischen Werdegang wissen und so habe ich Maciej im Rahmen eines Interviews die nachfolgenden Fragen gestellt.

BlogTimes: Auf Deiner Webseite steht, dass Du Dir das Fotografieren selbst beigebracht hast. Wie wurde eigentlich Dein Interesse an der Fotografie geweckt?

Mac Oller: Ja, vollkommen richtig. Ich habe weder eine künstlerische noch eine fotografische Ausbildung genossen. Mein Vater war während der 80er und 90er Jahre ein begeisterter Amateur Fotograf und so verbrachte ich ein Teil meiner Kindheit quasi in der Dunkelkammer. Das verlor sich aber mit der Zeit und erst Jahre später fand ich wieder zur Fotografie zurück. Genau genommen bei einer Bergtour. Damals allerdings hatte ich nur eine kleine digitale Kompaktkamera dabei, mit der ich die Berglandschaft festzuhalten versuchte. Wieder zurück und mit neuem Elan für die Fotografie,  habe ich mir die unterschiedlichsten Fotografiewebseiten  im Internet angeschaut und eine Vielzahl Aufnahmen gefunden, die mich derart fasziniert haben, dass ich mich seitdem ernsthaft mit der Fotografie beschäftige.

BlogTimes: Als Fan der schwarzweiß Fotografie, sind mir Deine hervorragende Aufnahmen sofort aufgefallen. Du beschäftigst fast ausschließlich mit Langzeitbelichtungen und ebenso so wich mit dem quadratischen Format zur Präsentation. Gibt es einen besonderen Grund dafür?
Mac Oller: Vielen Dank. Ich denke, das quadratische Format ist das natürlichste Format für meinen Bildstil. Quadrate wirken perfekt ausbalanciert und unterstützen die Komposition meiner minimalistischen Aufnahmen. So erreiche ich eine harmonische Bildwirkung. Die S/W Konvertierung hilft den Blick des Betrachters auf die Formen, Schatten und Lichter zu reduzieren. Langzeitbelichtungen haben für mich den „Wow Faktor“ und erzeugen eine etwas unwirkliche Stimmung, die mich einfach fasziniert. Im Übrigen haben mich auch die Arbeiten von Michael Kenna und Davon Fokos inspiriert – zwei Meister in Sachen Langzeitbelichtung und  schwarzweiß.

BlogTimes: Wie wichtig ist Dir die digitale Bildbearbeitung für deine Aufnahmen. Verräts du ein klein wenig über Deine Arbeitsweise.
Mac Oller: Im Grunde genommen dreht sich alles ums Licht. Licht ist der Hauptbestandteil in jedem Foto. Ohne Licht gibt es quasi kein Foto! Erst danach kommt die Bearbeitung – egal ob digital oder in der Dunkelkammer. Ich selbst arbeite  ausschließlich digital, denn diese Technik gibt mir den Freiraum, denn ich für die Bearbeitung benötige und das bei verhältnismäßig wenig Platz – ist ja nur der Computer. Wenn ich gutes Ausgangsmaterial habe, dann sind oft nur eine kleine Änderungen notwendig. Nach der S/W Konvertierung arbeite ich vorwiegend mit verschiedenen Kontrastebenen, Masken und Kurven oder aber ich überblende zwei unterscheidliche S/W Konvertierungen des gleichen Bildes um mehr Dynamik in der Aufnahme zu erreichen. Hier kommen dann verschiedene Filter – Rot Filter für mehr Kontrast in den Wolken, Blau Filter für helles, seidiges Wasser.

BlogTimes: Deine Serie „nowwhere“ ist in meinen Augen wirkliche Fine Art Fotografie. Was gefällt Dir an diesem Bildstil?
Mac Oller: Vielen Dank. Immer mehr Fotografen interessieren sich für die  S/W Fotografie, besonders für Langzeitbelichtungen im quadratischen Format. Es wird immer schwieriger etwas besonders und einzigartiges mit diesem Bildstil zu erschaffen.  Aus diesem Grund habe ich mich für die Langzeitbelichtungen in Farbe entschieden und nutze zudem alle Bildformate und nicht nur das Quadratische. Allerdings sind diese Langzeitbelichtungen um einiges schwieriger. Man benötigt immer die gleichen, perfekten Lichtverhältnisse für diesen einheitlichen Look.

BlogTimes: Wo findest Du Deine fotografischen Hotspots – ausschließlich in Polen oder auch im Ausland?
Mac Oller: Die meisten Aufnahmen sind in Polen entstanden. Einige auch in Kroationen, aber eigentlich mag ich dieses „südländische Licht“ nicht so sehr. Im Frühjahr 2012 werde ich daher ein paar Tage in Südengland verbringen. Dafür kannst Du mir schon einmal viel Glück für die Lichtverhältnisse wünschen….

BlogTimes: Planst Du derzeit neue Projekte?
Mac Oller: Ja, in der Tat. Ich arbeite derzeit an einer Dokumentation, die sich „Tricity Nightscapes“ nennt. Tricity bezeichnet die urbane Umgebung von drei polnischen Städten: Gdańsk, Gdynia and Sopot. Inspiriert für meine Arbeit, hat mich die Serie „Neontigers“ von Peter Bialobrzeski. Außerdem steht noch eine Reise nach Asien an, sobald die nötigen finanziellen dafür zur Verfügung stehen.

BlogTimes: Ich habe Dich via Facebook gefunden – Spielt Social Media eine große Rolle für Dich oder benutzt Du es nur um Deine Werke zu präsentieren?
Mac Oller: Eigentlich nur um meine Werke zu zeigen und mit den „Fans“ zu kommunizieren.

BlogTimes: Abschließend möchte ich Dir noch die 4 W-Fragen stellen. Welches war Dein schönstes Erlebnis beim Fotografieren? Was, Wen oder Wo würdest Du gerne mal fotografieren?
Mac Oller: Das schönste Erlebnis sind die Fotos nach einer anstrengenden Foto-Woche! Wie schon gesagt, ich möchte gerne verschiedene asiatische Metropolen fotografieren, besonders interesieren mich Hong Kong, Tokyo und Shanghai. Aber mich reizen auch eine Vielzahl europäischer Städte und neben der urbanen Fotografie interessieren mich auch Aufnahmen der Küstenlinien. Zu diesem Zweck werde ich bereits im Frühjahr nach England reisen. Im Grund habe ich unzählige Ideen, die ich umsetzen möchte. Hierbei limitieren mich alledings nur die Zeit und die finziellen Mittel.

Lieber Mac vielen Dank für dieses tolle Gespräch. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und Spaß an Deinen Arbeiten und freue mich auf Deine New Yorker Sichtweise.  Zu sehen sind seine Aufnahmen auf www.macoller.com oder auf Facebook – > www.facebook.com/leszczynskiphoto

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5 Kommentare

  • Antwort Simon 13. Januar 2012 um 18:19

    Schönes Interview! Klasse Bilder! Der Stil ähnelt Stéphane Suisse, aber die Bilder sind viel minimalistischer gehalten.

  • Antwort Mazzel 13. Januar 2012 um 19:48

    Vielen Dank für das super Interview! Tolle Bilder gerade für Fans der S/W Fotografie 🙂

  • Antwort hiacynta jelen 14. Januar 2012 um 17:41

    Tolles Interview, ich habe Maciej auch schon seit längerem auf meinem Schirm und freue mich umso mehr, dieses Interview mit ihm zu lesen.
    Interessant ist auch seine Technik bei der Bildbearbeitung, zwei unterschiedliche s/w Ebenen übereinander zu legen, klingt sehr interessant und werde ich sicherlich mal ausprobieren.

    schöne grüße

  • Antwort KPK 15. Januar 2012 um 17:43

    Klasse Interview, großartige Bilder!

  • Antwort jens 16. Januar 2012 um 11:26

    klasse! den mann hatte ich auch bereits gefeatured. auf die idee zu einem interview kam nich nicht. aber dafür gibts ja dich. 😉

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