Am Sonntag war ich in der noch bis April dauernden Retroperspektive von Saul Leiter in den Hamburger Deichtorhallen. Der in New York lebende 88 jährige Fotograf zeigt hier eine Vielzahl seiner Aufnahmen, aus frühen 50zigern bis hin ins neue Jahrtausend. Absolut sehenswert und wer gerade in Hamburg ist und sich zudem für Fotografie begeistert – keines Falls verpassen. 

Die Ausstellung kam für mich quasi zur rechten Zeit, denn ich bin fasziniert von den Farbaufnahmen aus den 50er und 60er Jahren. Im Grunde hat es auch etwas mit der damaligen Zeit und dem Wechsel von der S/W zur Farbfotografie zu tun. Das Medium Farbe war zumindest Anfang der 50er Jahre gewissermaßen noch Neuland. Die wenigsten konnten sich Farbfilme leisten und noch weniger sie auch entwickeln. Für den ernsthaften Fotografen galt SW-Fotografie als Heilige Kuh, Farbfotografie wurde als “billige Effekthascherei” angesehen. Diesem Umstand ist es auch zu Schulden, dass zu dieser Zeit vergleichsweise wenig künstlerisch arbeitende Fotografen die Farbfotografie einsetzten. Diejenigen, die es trotzdem taten, sind die, die man jetzt in Büchern und Ausstellungen sieht, beispielweise William Eggleston, Stephen Shore, Ernst Haas, Fred Herzog u.v.m. und nun eben auch Saul Leiter. Sie setzten dieses Stilmittel vorwiegend in der Streetfotografie ein und erstellten dadurch Fotografien, die mittlerweile zum Zeitdokument geworden sind. In Deutschland gibt es auch einige Fotografen die zu jener Zeit mit Farbe experimentierten u.a. Arthur von Schwertführer (1891-1967).

Ich mag den Charme der alten Aufnahmen, was natürlich an den Motiven, aber auch an den Farben liegt. Die alten Autos, die Kleidung der Menschen, der Blick in die Kameras als diese noch skeptisch oder auch bewundert wurden. Am Meisten faszinieren mich Aufnahmen aus New York und Paris. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht warum, aber die Straßenszenen haben für mich etwas Echtes. Nichts ist gestellt, die Fotos sind auch mal unscharf, die Menschen lassen sich fotografieren und schlagen einen nicht irgendwelche Regenschirme um die Ohren, weil sie nicht fotografiert werden wollen. Manchmal habe ich bei den Fotos das Gefühl, dass es ihnen entweder egal war oder dass sie es unheimlich gefreut hat, fotografiert zu werden.

Ok, ok genug philosophiert…. Ich war die Tage mal in München und habe mich dort mit Frank Lava, einem alten Freund getroffen. Schon seit Jahren sammelt er Fotografien, quasi aus der ganzen Welt und natürlich auch die von mir favorisierten 50er und 60er Jahre aus New York. Ein paar “Modern Prints” davon habe ich nun mit nach Hamburg nehmen können. Diese befinden sich noch in ihrer Schutzhülle und warten nun darauf gerahmt zu werden.  Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber freue. Schon lange wollte ich mir solche Fotografien zulegen, aber originale Vintage-Prints sind nicht erschwinglich und authorisierte Modern Prints eine gute Alternative.

Die Aufnahmen stammen aus den frühen 60er Jahren und zeigen Straßenszenen in New York City – eine auch aus Paris der gleichen Zeit. Fotografiert wurden sie von dem deutsch-österreichischen Fotografen und Kameramann Arthur von Schwertführer (1891-1967). Sein fotografischer Nachlass wird in Teilen von Frank Lava betreut.

Wer mehr über Arthur von Schwerführer wissen möchte, dem empfehle ich die Webseite von Frank Lava www.franklava.de oder auf dessen Facebook Page. Hier findet ihr natürlich auch noch weitere Aufnahmen aus früheren Jahren.

Gibt es auch unter Euch BlogTimes Lesern, Fans von alten Fotografien, womöglich auch aus den  50er und 60er Jahren? Habt ihr vielleicht sogar ein paar davon bei Euch an den Wänden hängen?


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3 Antworten : “Faszination Fotografie der 50er und 60er Jahre”

  1. Dieter Fröhling sagt:

    Eher weniger. Jedoch gibt es da einen Band von Rene Burri. Aus dieser Zeit Fotografien (heut Street) gemacht in Deutschland. Ein sehr vielschichtiges Portfolio an Bildern (aus einem Geteiltem Land) was einiges über die Befindlichkeit aussagt. Da gibt es doch sicherlich auch andere die Bildbände aus dieser Zeit haben.

  2. Ich kenne die von Dir erwähnten Fotografen nicht und möchte da auch keine Vergleiche anstellen. Wenn Du aber nach Fotografen der 50er und 60er Jahre fragst, darf meines Erachtens W. Eugene Smith nicht fehlen – für mich einer der “Götter der Streetfotografie”. Wenn Du Dir seine Bilder anschaust, springt Dich das Leben in all seinen Facetten an; Du wirst gefühlsmäßig in die Szenen hineingezogen und stehst mittendrin …

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  1. Kaffeetasse #16: Front-/Backfokus bei Objektiven, Teamwork mit Lightroom - ISO125.DE - [...] Yorker East Village aufnimmt. Ronny von BlogTimes war übrigens schon dort und hat daraufhin einen lesenswerten Artikel zu Fotografie ...

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