Interviews

Fotograf Michael Gelfert im Interview

22. Juni 2010

Es ist wieder einmal an der Zeit Euch ein Fotografen-Interview zu präsentieren.

Mein heutiger Gast heißt Michael Gelfert, ein professioneller Fashion-Fotograf aus Darmstadt. Eigentlich ist er mehr als „nur“ ein Fotograf.  Als Autor von „Fashion-Fotografie“ gewährt er seinen Lesern neben der Tätigkeit als Fotograf auch einen umfassenden Einblick in die fotografische Welt der Mode und Models und zeigt anhand von Praxisbeispielen wie man mit dieser Herausforderung umgeht.

Zusätzlich bietet er interessierten Fotografen die Möglichkeit der Teilnahme an  Workshops rund um Beauty-, Fashion und People Fotografie.  Im  Gegensatz zu Workshops, bei denen sich die Teilnehmer eher passiv verhalten, werden sie hier eingebunden und nehmen aktiv am Shooting teil.

Wer neben diesem Interview mehr über Michael und seine Arbeit erfahren will, der sollte seiner Webseite oder seinem Blog Licht(in)former einen Besuch abstatten.

 

Mein stärkste Waffe sind meine Lichtformer, nicht mein Photoshop. Michael Gelfert


BT: Wie ist Dein Interesse an der Fotografie geweckt worden?

Michael Gelfert: Ich erinnere mich dunkel daran, daß eine Filmszene meine Sicht auf die Fotografie verändert hat. Vorher dachte ich immer „auf den Knopf drücken kann doch jeder“. Es war für mich ein rein technischer Vorgang.

Durch den Film wurde mir nun klar, wie leicht man den Blick auf die vermeintliche Realität beeinflussen kann durch Licht, Ausschnitt und Perspektive.

BT: Hast Du schon immer digital fotografiert?

Michael Gelfert: Nein. Ich habe mir noch während meiner Schulzeit von meinem Vater eine umfangreiche Praktika-Ausrüstung auf längere Zeit geliehen (inzwischen hat er sie wieder). Der nur sehr einfache Belichtungsmesser und meine eigene Entwicklung bezgl. Foto-Wissen trieben mich später dazu, eine aktuellere, eigene Kamera zu kaufen. Auch die war noch analog – die tolle Canon EOS 30 mit augengesteuertem Autofokus (hey, Canon, den will ich wieder!!!). Zu digital bin ich für meine (technikaffinen) Verhältnisse relativ spät umgestiegen.

BT: Was für eine Kamera verwendest Du und warum hast Du Dich für diese Kamera entschieden?

Michael Gelfert: Ich habe schon die verschiedensten Kameras verwendet – Nikon, Canon und dig. Mittelformat. Ich besitze selbst Canon-Kameras. Das hat noch „historische“ Gründe, ich habe analog mit Canon gearbeitet und meinen Ausrüstungspark mit in die digitale Welt genommen.

Seit einiger Zeit arbeite ich mit einem Vollformat-Modell als Hauptkamera, denn für meine Fashion-Aufnahmen verwende ich oft Weitwinkel – und: mein Lieblingsobjektiv für Beauty findet daran wieder mehr Einsatz. Davon abgesehen ist die Kamera aber meist das, wovon die Qualität eines Fotos am wenigsten abhängt. Für Schärfe sorgen die richtigen Objektive, den wichtigsten Batzen an Qualität aber machen der Fotograf, das Motiv und das Licht aus.

BT: Wie wichtig ist Dir die digitale Bildbearbeitung bei Deinen Aufnahmen?

Michael Gelfert: Mein Job ist es, schon bei der Aufnahme alles richtig zu machen. Wenn ich das mal versaue, muß ich mein eigenes Versagen mit Photoshop korrigieren. Das wichtigste ist und bleibt die Aufnahme (und alles, was damit zusammenhängt). Darauf lege ich viel Wert.  Farbkorrekturen, Korrekturen des Kontrastes und der Helligkeit sehe ich nicht als Bearbeitungen an. Das wurde analog beim Negativ/Dia und beim Abzug ebenfalls IMMER gemacht (oft schon automatisch).

Besonders verschiedene Methoden der Kontrastbeeinflussung machen oft einen wirklich gewaltigen Unterschied. Was „echte“ Bearbeitung angeht arbeite ich heute gern mit Farblooks und nutze klassische Retusche. Ich bin aber immer primär Photograph, nicht Bildbearbeiter. Montagen kommen bei mir sehr selten vor. Mein stärkste Waffe sind meine Lichtformer, nicht mein Photoshop.

BlT: Welcher Themenbereich fasziniert Dich mehr – Beauty-, oder Fashion-Fotografie?

Michael Gelfert: Beides hat seine eigene Faszination. Ich finde, die Modefotografie bietet etwas mehr kreativen Spielraum, aber ich arbeite gerne wechselweise in beiden Bereichen, um die Kreativität am Leben und durch Abwechslung den Spaß an beiden Gebieten zu erhalten. Ich arbeite auch in anderen Bereichen (wie Portrait, Glamour und Interieurs), Mode & Beauty sind aber meine beiden Schwerpunkte.

Ich finde es jedoch schade, daß viele Leute mißverstehen, worum es bei diesen beiden Sujets geht. Fashion-Aufnahmen sind nicht einfach „Fotos, von Leuten, die was anhaben“ und Beauty heißt nicht „Portraits von schönen Menschen“. Beide sind „kommerzielle“ Fotografie, sollen also immer ein Produkt verkaufen oder den Betrachter in Richtung eines Produktes beeinflussen. Es geht nicht um die Darstellung des Models als Person – anders als bei Portraits. Das verlangt eine gänzlich andere Sichtweise auf das Fotoshooting.

BlogTimes: Bist Du der typische „Studiofotograf“ oder zieht es Dich auch nach draußen?

Michael Gelfert: Studio und Indoor-Locations haben weniger Risiken und Variablen bei Lichtführung und Wetter. 😉 Draussen muß die Location auch „stimmen“, einfach ins Rapsfeld stellen ruiniert jedes Bild – wenn’s nicht perfekt zum Rest passt und wohldurchdacht ist.

Deshalb ist ein Outdoorshooting sehr viel aufwendiger zu organisieren, und dadurch in der Regel auch deutlich teurer für den Kunden. Man sieht mich also öfter im Studio, aber nicht ausschließlich.

BT: Du bietest Fotografie-Workshops an – Was erwartet den Teilnehmer?

Michael Gelfert: Außer den individuellen Zweier-Coachings, bei denen die Teilnehmer maßgeblich bei Termin und Themen mitreden können, habe ich Workshops bisher sehr unregelmäßig angeboten.  Ich bin ganz aktuell aber in Gesprächen mit mehreren Anbietern im süddeutschen Raum – da kommt also bald mehr. Den Teilnehmer erwartet sehr aktives Lernen mit viel Humor und auch einigem an Selbstironie. Ich lege viel Wert auf technisches Verständnis, aber immer nur mit praktischer Relevanz. Deshalb werden die Teilnehmer auch aktiv in den Workshop eingebunden.

Wenn man das technische Wissen hat, fehlt nur noch das, was meine Mutter gern rät: „Mit Gefühl“.

BT: Welches war Dein schönstes Erlebnis beim Fotografieren?

Michael Gelfert: Ich lebe für die Fotografie, deshalb: Immer das nächste Shooting und das nächste Bild.

BT: Was, Wen oder Wo würdest Du gerne mal fotografieren?

Michael Gelfert: Vielleicht nicht Fotografieren, aber sehr gern Kennenlernen würde ich Karl Lagerfeld. Vielleicht habe ich ja noch mal das Glück… Fotografieren würde ich gern solch außergewöhnliche Persönlichkeiten mit innerem Strahlen wie den Dalei Lama, Muhammad Ali, Barack Obama, Nelson Mandela, Kofi Annan oder – wenn sie nicht viel zu früh verstorben wären – Aaliyah und Michael Jackson. Auch wenn sie alle nicht viel mit Mode zu tun haben. Aber gäbe DAS nicht ne Ausstellung?

BT: Kannt Du Dir ein Leben ohne Kamera vorstellen?

Michael Gelfert: Das wäre wie ein Leben ohne Hände! – Nein, meine Kamera ist Teil meiner Selbst und Verlängerung meines Körpers. Ich wünschte mir nur, ich könnte meine Augen direkt als Kamera verwenden…

BlogTimes: Welche Aufnahme aus deinem Portolio favorisierst Du und warum?

Michael Gelfert: Die Frage ist echt schwer. Jedes Bild ist wie ein Kind von mir. Da gibt es auch welche, wo man’s versaut hat (die sind nicht lange im Portfolio) und andere, die einfach jeder mag – aber man liebt sie doch alle irgendwie. Ich kann also nicht nur eines alleine auswählen. Besonders hänge ich aber wohl an den Bildern, die viel Aufwand erforderten oder mit deren Entstehung besondere Geschichten verbunden sind.

Da gibt es zum Beispiel eine Aufnahme, deren Idee mich lange nicht losgelassen hat, sodaß ich 3 Shootings dafür gemacht habe. Eines zum grundsätzlichen Testen der Idee und der technischen Bedürfnisse als „Trockenübung“ ohne großen Anspruch. Das zweite war das eigentliche Shooting, um das Foto dann für einen Wettbewerb einzureichen. Das Ergbebnis war gut, hatte aber immer ein paar Aspekte, die mich gestört haben.  Der dritte Anlauf zu dieser Idee hat den Weg in eine Ausgabe der Zeitschrift „ProfiFoto“ und in mein Buch „Fashion-Fotografie“ gefunden.

Dort kann man auch detailliert nachlesen, wie und warum wir das ganze so umgesetzt haben. Aber ich könnte noch mind. ein halbes Dutzend weiterer Geschichten zu Bildern erzählen…

BT: Profi,- oder Amateurfotograf – Wird es auch in Zunkunft einen Unterschied geben?

Michael Gelfert: Da ist die Frage, wie man Profi und Amateur denn (schon heute) definiert. Nach meiner Begriffs-Auffassung wird es immer Unterschiede geben: Mindestens den einen, das der Profi vom Fotografieren leben muß und will. Aber leider werden die Profis durch unwirtschaftliches Handeln vieler Amateure wohl immer weniger werden.

Ich danke für dieses sehr interessante Interview und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg in Deinem Werdegang. Hier gehts zum Portfolio.

Ein Aufruf an alle hobby-, amateur-, semiprofessionelle- oder professionelle Fotografen. Wenn auch Ihr ein sehenswertes Portfolio aufweisen könnt, dann meldet Euch einfach bei mir. Eines ist sicher, wir wollen doch alle, dass unsere Arbeiten bekannter werden.

Euer Namen mit Link zu Euren Portfolio und einer kleinen Beschreibung über Euch an folgende Mailadresse: interview(at)blogtimes.info.

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