Interviews

Fotograf Sven Fennema im Interview

22. August 2010

Das Letzte Interview über einen Fotografen und dessen Portfolio-Vorstellung ist bereits einige Zeit her. Umso mehr freue ich mich heute, Euch den Fotografen und seit kurzem Bildband-Autor Sven Fenneman vorzustellen.

Zu seinen fotografischen Schwerpunkten zählen  zum einen die moderne Architektur und die damit verbundene Herausforderung, Orte, Gebäude einfach anders zu sehen und festzuhalten, zum anderen das Fotografieren verlassener Orte. Letzteres bietet dem Betrachter die Möglichkeit die damalige Atmosphäre zu spüren und sich mit der Geschichte auseinander zu setzen.

In diesem Zusammenhang arbeitete er in den letzten Wochen und Monaten mit Fotografen-Kollege  Björn Pretzel an einem Gemeinschaftsbuch-Projekt, welches nun seinen Abschluss erfährt. „Anderswelten – Ästhetik eines Untergangs“ entführt Euch in das Reich der vergessenen Orte und des Verborgenen. Dieser künstlerisch-fotografierte Bildband mit seinem über 200 Seiten erzählt Euch die Geschichte der damaligen Zeit und die damit verbunden Schicksale um sie noch einmal für die heutige Zeit zum Leben zu erwecken.

Das Buch, welches von seltman+söhne verlegt wird, kann bereits online erworben werden. Die offizielle Buchvorstellung+Vernissage findet am 18.09.2010 im Kulturhafen Krefeld statt – Eintritt frei!


Ich versuche ein Bauwerk nicht einfach nur einzufangen, sondern vielmehr es als Werkzeug zu benutzenSven Fennema


BlogTimes: Wie ist Dein Interesse an der Fotografie geweckt worden?

Sven Fennema: Zur anspruchsvollen Fotografie bin ich eigentlich erst durch die Bildbearbeitung gekommen. Ohne „höheres“ Ziel habe ich damals schon immer für Fotomontagen oder Webdesign mit Bildern zu tun gehabt. Da das Material hierfür ja auch irgendwoher kommen muss habe ich irgendwann den Zeitpunkt genutzt als Einsteiger DSLR-Kameras qualitativ gut und erschwinglich wurden. Nach meinen ersten Gehversuchen mit der 400D wurde mir aber schnell klar das mich dieses Thema viel mehr begeistert, als ich es jemals zuvor gedacht hätte. So wurde die Fotografie sehr schnell ein wichtiger Teil meines Lebens und ist heute nicht mehr wegzudenken.

BlogTimes: Was für eine Kamera verwendest Du und warum hast Du Dich für diese Kamera entschieden?

Sven Fennema: Seit Dezember 2009 fotografiere ich mit einer EOS 7D, die mich nach wie vor begeistert. Zunächst war ich hin und hergerissen ob ich den Schritt auf das Vollformat wagen sollte, als die 7D angekündigt wurde war für mich die Sache allerdings klar. Hier hat Canon sich meiner Meinung nach wirklich selbst übertroffen und liefert eine beeindruckende Qualität, und dazu ein wunderbar abgestimmtes Feature Set. Die Haptik der Kamera ist ideal und selbst bei hohen ISO Werten liefert sie noch tolle Bilder. Gerade weil ich viel in lichtkritischen Situation arbeite war dies für mich ein wichtiger Punkt – Auch um nun z.B. in manchen Situationen auf das Stativ verzichten zu können wo früher an Freihand nicht zu denken war. Auch die Belichtungsmessfelder so wie der große Sucher mit Gitter helfen mir sehr beim fotografieren.

BlogTimes: Hast Du schon immer digital fotografiert?

Sven Fennema: Als Jugendlicher habe ich zwar mal eine Analogkamera gehabt, für die anspruchsvolle Fotografie bin ich aber sofort in die digitale Welt eingestiegen. Allerdings würde ich sagen das es auch viele Vorteile mit sich bringt, wenn man aus der analogen Welt kommt. Man ist vorweg gewöhnt sich mehr Zeit und Bewusstsein für die Einstellungen und auch die Menge der Aufnahmen zu nehmen – Ich musste dies erst mit der Zeit lernen.

BlogTimes: Wie wichtig ist Dir die digitale Bildbearbeitung bei Deinen Aufnahmen?

Sven Fennema: Dies kann bei mir sehr unterschiedlich sein. Da ich damit sozusagen groß geworden bin habe ich natürlich das Verständnis, die heute gegebenen Möglichkeiten auch einzusetzen. Allerdings steht für mich eine gute Fotografie schon im Mittelpunkt, schon alleine weil man sich viel Arbeit ersparen kann. Allerdings habe ich oft im Kopf bereits eine genaue Vorstellung vom späteren Bild, die ich nur mithilfe von der Bearbeitung umsetzen kann. Ich würde sagen ein großer Teil meiner Bilder sind schon stark geprägt von einer digitalen Handschrift, manche jedoch habe ich kaum angefasst – Dies kommt auf viele Faktoren an.

BlogTimes: Was fasziniert dich an der Architekturfotografie?

Sven Fennema: Vor allem das Architektur so unterschiedlich wirken kann und so vieles darstellen kann. Gerade aus verschiedenen Augen entstehen oft völlig verschiedene Eindrücke. Außerdem ist für mich vor allem die moderne Architektur immer eine Herausforderung eine eigene Sichtweise zu finden. Ich versuche ein Bauwerk nicht einfach nur einzufangen, sondern vielmehr es als Werkzeug zu benutzen, um mit seinen Linien und Formen völlig neue Ansichten entstehen zu lassen. Architektur kann rein durch die Optik bestechen, man kann jedoch genauso konzeptionell arbeiten und eine tiefere Thematik verwirklichen.

BlogTimes: Welches war Dein schönstes Erlebnis beim Fotografieren?

Sven Fennema: Von einem speziellen könnte ich hier jetzt nicht berichten, aber die schönsten Erlebnisse beim Fotografieren sind eigentlich die Momente in einen besonders verlassenen Ort einzutauchen. Ich weiß noch nicht was mich erwartet, was für Geschichten der Ort erzählt, was für eine Stimmung herrscht – Einige Touren (wie zB. die alte Gruft, die psychiatrische Anstalt in Italien oder auch das Märchenschloss das mitten im Wald plötzlich auftaucht) bleiben wirklich tief in Erinnerung und unvergesslich.

BlogTimes: Gab es einen Moment in dem Du die Kamera gerne dabei gehabt hättest?

Sven Fennema: Oh da gibt es unzählige Momente. Meine Augen schweifen geradezu unentwegt durch die Gegend und suchen nach Motiven, ich habe mir also schon oft gewünscht meine Bilder direkt mit der Netzhaut einfangen zu können.

BlogTimes: Was, Wen oder Wo würdest Du gerne mal fotografieren?

Sven Fennema: Die Liste könnte lang werden, alleine in der maroden Welt gibt es Ziele dich ich wahnsinnig gerne einmal ansteuern würde, aber auch in der modernen – Ich stelle es mir zum Beispiel faszinierend vor mal die eindrucksvolle Architektur von Dubai zu fotografieren.

BlogTimes: Kannst Du Dir ein Leben ohne Kamera vorstellen?

Sven Fennema: Nein, das ist völlig ausgeschlossen, sie ist ein Teil von mir!

BlogTimes: Welches ist Deine Lieblingsaufnahme und warum?

Sven Fennema: Ich glaube meine Lieblingsaufnahme ist „the old vinery“ von einem einzigartigen verlassenen Weingut im Tessin, nahe der italienischen Grenze. Es war ein warmer Sommertag und die Stimmung in diesem Gemäuer war einfach fesselnd und schön, vor allem die blutroten vom Verfall gezeichneten Wände haben mich einfach gepackt und sind einzigartig.

BlogTimes: Profi,- oder Amateurfotograf – Wird es auch in Zukunft einen Unterschied geben?

Sven Fennema: Den wird es vermutlich immer geben, aber viel mehr würde ich sagen der Amateurfotograf wird es immer „schwer“ haben vergleichbar angesehen zu werden (natürlich abhängig von wem) – Aber ich denke dafür erhällt der Amateur seine Passion die so einigen Profis verloren geht.

Ich danke für dieses sehr interessante Interview und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg in Deinem Werdegang. Hier gehts zum Portfolio.

Ein Aufruf an alle hobby-, amateur-, semiprofessionelle- oder professionelle Fotografen. Wenn auch Ihr ein sehenswertes Portfolio aufweisen könnt, dann meldet Euch einfach bei mir. Eines ist sicher, wir wollen doch alle, dass unsere Arbeiten bekannter werden.

Euer Namen mit Link zu Euren Portfolio und einer kleinen Beschreibung über Euch an folgende Mailadresse: interview(at)blogtimes.info.

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2 Kommentare

  • Antwort wecand 25. August 2010 um 13:05

    Schöner Beitrag, der großteils auch meine Sichtweisen widerspeigelt.
    Ich habe mir mal dein Portfolio angeschaut, Sven, erstaunlich wieviel Parallelen es doch gibt, und doch interpretiert jeder die gleiche Architektur irgendwie anders.
    Gefällt mir sehr. Schade, dass du nicht bei Flickr zufinden bist.

    VG
    Andi

  • Antwort Frank 25. Februar 2011 um 14:20

    Ich kann das Buch von Sven & Björn jedem Empfehlen der sich auch nur annähernd mit Urban Exploration befasst.
    Sven zeigt die Locations in der ihm ganz eigenen Art.
    Obwohl ich selber auch schon einen Teil der Locations besucht und fotografiert habe, staune ich immer wieder über „seine“ Interpretation des Ortes. 😉

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