Interviews

Fotografen Portfolio – Jürgen Josting

31. Mai 2010

Bei der heutigen Fotografen-Vorstellung dreht sich alles um das Thema Akt-Fotografie.

Ich freue mich, Euch das Interview mit Jürgen Josting zu präsentieren. Jürgen ist, wie er sich selbst bezeichnet, freischaffender Fotokünstler. Wer jetzt Aufnahmen aus einschlägigen Magazinen erwartet, der ist hier falsch.

Als ich zum ersten Mal die Aufnahmen von Jürgen gesehen habe, dachte ich: „Hmm, sehr interessanter Stil“. Sein Fotos bestechen nicht durch perfekt in Szene gesetzte makellose Körper schöner Frauen. Nein, sie zeigen zwar schöne Frauen, aber der Bildaussage steht hier im Vordergrund und damit meine ich nicht die pure Nackheit. Sie zeigen Emotion, Gefühl aber vorallem strahlen sie Sinnlichkeit aus.  Diese Wirkung wird zum einen durch den Einsatz des vorhandenen Lichts und durch seinen „analogen“ Bearbeitungstil erzielt. Mehr über Jürgen und seine Fotografie erfahrt Ihr auf seiner Webseite: JJosting Fotografie. Übrigens findet Ihr dort nicht nur Aktaufnahmen…

 

Entscheidend ist die Kommunikation mit der Person vor der Kamera, denn nur wenn man „auf einer Wellenlänge“ ist, wird das Ergebnis optimal. Jürgen Josting


BlogTimes: Wie ist Dein Interesse an der Fotografie geweckt worden?

Jürgen Josting: Ganz einfach: Durch die Fotos in den Zeitschriften, wie z.B. dem Playboy. Bei denen dachte ich damals ganz naiv „Hey, das kannst Du doch auch einmal probieren!“ Auch die Fotografien von Helmut Newton, Michel Comte, Anton Corbijn und Ellen von Unwerth haben mich beeinflusst.

Daraufhin habe ich mir meine erste Kamera gekauft und erst einmal in der Natur Bäume, Schwäne etc. fotografiert und parallel alle Fotomagazine und -bücher verschlungen. Nach einiger Zeit habe ich dann mit Frauen aus dem Bekanntenkreis Portraitfotos und zum Teil auch Aktfotos geschossen.

Gleichzeitig habe ich Mädchen auf der Straße meine Visitenkarte gegeben und so nach und nach ein kleines Portfolio mehr oder weniger gelungener Fotografien zusammengestellt. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen (Model-) Agenturen habe ich viele Fotoproduktionen mit Profi- und Amateur-Models gemacht.

BlogTimes: Was für eine Kamera verwendest Du und warum hast Du Dich für diese Kamera entschieden?

Jürgen Josting: Aktuell verwende ich hauptsächlich, aber nicht immer, eine CANON EOS 40d mit zwei Objekten, dem 17-40/F4 und dem 100er Makro. Die Entscheidung zu dieser Kamera kam daher, dass, als ich mit digitaler Fotografie angefangen habe im Jahre 2004, Canon technisch (und preislich) vorneweg war.

Lichtstarke Objektive waren für mich immer wichtig, da ich viel available Light fotografiere. Vor zwei Jahren habe ich dann aus einer Laune heraus mein 1.4/50er verkauft und festgestellt, dass es auch ohne geht. Gerade das 17-40 finde ich richtig gut, den die Schärfentiefe ist bei offener Blende schmal, ohne „zu schmal“ zu sein.

Wenn man mit 40mm Brennweite fotografiert, ist das so änlich wie mit einem 80er an einer Mittelformatkamera. Und das 100er Makro ist einfach nur scharf! Ich bin ein bisschen der Minimalist und möchte auch gar nicht mehr an Equipment haben. Bei vielen Shoots nehme ich nicht mal meine Fototasche mit, sondern packe die Kamera und etwas Zubehör in meinen Rucksack.

BlogTimes: Hast Du schon immer digital fotografiert?

Jürgen Josting: Bis 2004 habe ich analog mit verschiedenen NIKON SLRs fotografiert. Auch eine Mittelformatkamera von Mamiya hatte ich schon.

Der Übergang zum Digitalen war (wie wohl bei vielen Fotografen) fließend: Die erste Digitalkamera, die ich mir gekauft habe, war eine Kompaktkamera von Olympus. Danach kam eine EOS 300d und 20d. Beide habe ich extrem viel genutzt, weit über die von Canon „angedachten“ Verschlussauslösungen von zwanzig- bis dreißigtausend hinaus.

Beide Kameras sind denn auch nach zwei bzw. drei Jahren im Einsatz kaputt gegangen.

BlogTimes: Wie wichtig ist Dir die digitale Bildbearbeitung bei Deinen Aufnahmen?

Jürgen Josting: Es kommt auf das Endergebnis an! Es gibt Fotos, an denen ist einiges retuschiert, und es gibt viele Fotos, an denen ist nicht viel mehr gemacht worden als eine Kontraständerung. Völlig ohne Bildbearbeitung geht es meiner Meinung nach nicht wirklich, denn die Fotos aus der Kamera sehen mir zu „leblos“ aus.

Speziell die Rohdaten (RAWs) sind nur Ausgangsmaterial, das noch einer Überarbeitung bedarf. Die meisten Bearbeitungen (Ausschnitte, Kontrast, SW etc.) und auch die Bildverwaltung mache ich mit Adobe Lightroom. Von diesem Programm bin ich wirklich sehr begeistert. Oder frei nach Loriot: „Ein Leben ohne Lightroom ist möglich, aber sinnlos“.

BlogTimes: Welche Themenbereiche faszinieren Dich in der Fotografie?

Jürgen Josting: Prinzipiell alles, was mit Menschen zu tun hat! Speziell Akt- und Portraitfotografie. Ich selber spreche bei meinen Aktfotos lieber von erotischer Fotografie, weil ich damit einen Unterschied machen möchte zu der klassischen Aktfotografie, in der es in erster Linie um Körperformen und „das Spiel mit Licht und Schatten“ geht.

Inspirieren lasse ich mich oft von Fashionfotos aus Frauen- und Männermode-Magazinen. Die klassischen Männermagazine à la Playboy, FHM, etc. haben manchmal auch gute Bildstrecken, meist sehen mir die Bilder aber zu durchgeplant aus und auch die Models gucken oft so nach dem Motto „mache ich das jetzt auch richtig..?“.

BlogTimes: Welches war Dein schönstes Erlebnis beim Fotografieren?

Jürgen Josting: Das ist schwierig zu beantworten, denn es gab schon sehr viele interessante Shootings. Natürlich ist es für mich immer noch ein schönes Erlebnis, wenn ich jemanden vor der Kamera habe, die das gewisse Etwas hat.

Ansonsten, ich mache ja auch Musikfotografie, war das Shooting mit der Reggae-Band „Steel Pulse“ das tollste Erlebnis. Reggae höre ich schon seit bald 30 Jahren, und Steel Pulse seit ca 1984. Bei denen wollte ich früher immer Bassist sein. Und jetzt haben die Fotos von mir auf ihrer Website…

BlogTimes: Gab es einen Moment in dem Du die Kamera gerne dabei gehabt hättest?

Jürgen Josting: Nein. Ich habe eigentlich nie eine Kamera dabei, denn dann bin ich pausenlos „im Stress“ mit der Motivsuche. Nur wenn ich unterwegs bin ist immer eine Kamera dabei. Städte wie Berlin und Paris sind halt immer „fotogen“.

Bei jedem Fotoshooting gibt es auch Momente, wo man mit der Kamera nicht schnell genug ist. Z.B. wenn die Person vor der Kamera sich bewegt oder einen Gesichtsausdruck hat, den man nicht nachstellen kann ohne, dass er gekünstelt wirkt…

BlogTimes: Was, Wen oder Wo würdest Du gerne mal fotografieren?

Jürgen Josting: Frösche im Regenwald ist immer meine Standardantwort. Im Ernst, das wäre sicher ganz anders als ein Modelshooting. Viel weniger Hektik, mehr suchen und warten, dass ein „Model“ vorbeikommt bzw. überhaupt zu finden ist.

Zwei Frauen fallen mir spontan ein, sie ich gerne mal fotografieren würde: Monica Bellucci und Scarlett Johansson. Beides sehr starke, aber zugleich auch sehr feminine Frauen. Ich fürchte aber, dass beiden meine Fotos etwas zu „gewagt“ sein würden…

BlogTimes: Kannt Du Dir ein Leben ohne Kamera vorstellen?

Jürgen Josting: Nein, überhaupt nicht. Fotograf ist ja für mich nicht einfach ein Beruf, sondern so etwas wie eine Lebensweise. Und auch die Fototechnik allgemein finde ich sehr interessant. Ich glaube z.B., dass es in einigen Jahren keine SLRs mit Reflexspiegel mehr zu kaufen gibt. Der Trend scheint ja genau dahin zu gehen.

BlogTimes: Welches ist Deine Lieblingsaufnahme und warum?

Jürgen Josting: Eine absolute Lieblingsaufnahme habe ich nicht. Es gibt Aufnahmen, die mir auch nach Jahren noch gut gefallen. Das von mir ausgewählte Foto ist zur Zeit mein Favorit, weil es schnörkellos und ohne großen Aufwand entstanden ist. Ansonsten sind immer die noch nicht gemachten Fotos die besten.

BlogTimes: Profi,- oder Amateurfotograf – Wird es auch in Zunkunft einen Unterschied geben?

Jürgen Josting: Ja, ich denke schon. Denn das hat ja nichts mit der fotografischen Qualität zu tun, sondern es hängt damit zusammen, ob man damit sein Geld verdient oder nicht. Die Grenzen „verwischen“ im Zeitalter von Internetbildagenturen natürlich.

Und viele Amateure machen genauso gute, wenn nicht bessere Aufnahmen als manche Profis. Entscheidender bei einem Fotografen ist dessen individuelle Bildsprache.

Ich danke für dieses sehr interessante Interview und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg in Deinem Werdegang. Hier gehts zum Portfolio.

Ein Aufruf an alle hobby-, amateur-, semiprofessionelle- oder professionelle Fotografen. Wenn auch Ihr ein sehenswertes Portfolio aufweisen könnt, dann meldet Euch einfach bei mir. Eines ist sicher, wir wollen doch alle, dass unsere Arbeiten bekannter werden.

Euer Namen mit Link zu Euren Portfolio und einer kleinen Beschreibung über Euch an folgende Mailadresse: interview(at)blogtimes.info.

Vielleicht interessiert dich das hier auch...

Keine Kommentare

Kommentar verfassen