Den 1. Mai beginne ich heute mir einem neuen Interview auf BlogTimes. Mein heutiger Gast kommt aus der nördlichsten Ecke Deutschlands – von der schönen Insel Sylt.
Fotograf Ronny Behnert, dessen Fokus auf der Landschaft,- und Architekturfotografie liegt zeigt mit seinen Aufnahmen einmal mehr, was Fotografie heisst.
Bei der Betrachtung seiner Werke fällt sofort auf, dass diese geplant und wohlüberlegt sind. Vorallem die Landschaftsaufnahmen laden den Betrachter zum Verweilen ein und lassen Ihn während dessen entspannen. Man könnte sagen, ein Urlaub für die Sinne.
Nicht nur seine Landschaftsaufnahmen überzeugen, gleiches gilt für die Architekturaufnahmen. Auch hier zeigt der Fotograf seine Kreativität im Bild durch Perspektive und Fototechnik.
Das Interview könnte Ihr hier auf BlogTimes lesen, das gesamtes Portfolio findet Ihr auf der Webseite www.bewegungsunschaerfe.de
Ich liebe es außergewöhnliche Strukturen und Oberflächen festzuhalten oder durch Langzeitaufnahmen verschwinden zu lassen um diesem Zauber ein neues Gesicht zu geben. Ronny Behnert
BlogTimes: Wie ist Dein Interesse an der Fotografie geweckt worden?
Ronny Behnert: Ich habe mich schon immer sehr auf visuelle Reize konzentriert und habe schon früh angefangen zu zeichnen. Von eigenständigen Zeichnungen, über Comics zu diversen Wandgemälden habe ich versucht mich zu entwickeln und auszudrücken.
Da ich im Laufe der Zeit allerdings eine Blockade im Kopf aufbaute, die verhinderte mich weiter auf zeichnerischem Wege zu verwirklichen, begann ich im Jahr 2007 mit einer herkömmlichen Digitalkamera herum zu experimentieren. Schnell war klar, dass dies mein Weg sein wird den ich so schnell nicht mehr verlassen möchte. Ich fing an mir diverses Equipment zu besorgen, Ideen zu sammeln und vor Allem mich auf meine Umwelt einzulassen.
Für mich wurde klar, dass das was man nicht sieht weitaus bedeutender sein kann, und auch soll, als das was man sofort erblickt.
BlogTimes: Was für eine Kamera verwendest Du und warum hast Du Dich für diese Kamera entschieden?
Ronny Behnert: Ich habe mich schon früh für die Firma Canon entschieden. Dies allerdings eher aus unbedarften Gründen, da mir die Technik, bzw. die Marke der Kamera nie sehr wichtig war. Im Bereich der Spiegelreflexkameras habe ich analog mit der Canon EOS 300 begonnen. Für mich war es toll den aufregenden Moment zu erfassen in dem man seine Fotos endlich in den Händen halten kann. Um mich aber schneller und gezielter weiter zu entwickeln bin ich zur digitalen Fotografie gewechselt.
Eine EOS 300D stand für mich in einem gesunden Verhältnis zu meinen Anforderungen. Seit mittlerweile zwei Jahren nutze ich die EOS 40D, mit der ich sehr zufrieden bin. Jedoch hat mich die analoge Seite der Fotografie nie richtig losgelassen. Anfang des Jahres hat es mich wieder gepackt und ich habe mir eine analoge Kamera zugelegt. Seither leistet mir auch eine Kiev88 treue Dienste. Dieser Moment der Spannung, wenn der Auslöser gedrückt wird ist schwer zu beschreiben.
Auf mich wirkt es wie eine völlig andere Art der Ausdrucksweise. Es ist schön auch die Erfahrung zu machen, dass die Kamera nur das Werkzeug ist, das man bedient und nicht der ausschlaggebende Faktor für ein gutes Foto ist.
BlogTimes: Wie wichtig ist Dir die digitale Bildbearbeitung bei Deinen Aufnahmen?
Ronny Behnert: Um meinen Stil zu finden war mir die digitale Bearbeitung der Aufnahmen immer sehr wichtig. Schon allein um die Fotos in Grautöne zu konvertieren ist die Bearbeitung unabdingbar.
Genauso unverzichtbar sind für mich Funktionen wie das entzerren von Linien und das betonen von Kontrasten. Verfremdungen, „Umbauten“ oder sonstige digitale Verzerrungen der Wirklichkeit sind allerdings weniger das was ich unter Fotografie verstehe. Für mich ist das Motiv der Originalaufnahme entscheidend welches ich, so wie ich es aufgenommen habe, auch auf dem Foto präsentieren möchte.
Allerdings ist das nur mein Stil, der sich somit weniger der „Digi-Art“ widmet, die ebenfalls einen wichtigen Teil der Visualisierung darstellt. Bearbeitungen am Foto rechtfertigen für mich somit einen gewissen Stil, den der Autor dadurch zu finden oder zu verstärken vermag.
BlogTimes: Welche Themenbereiche faszinieren Dich in der Fotografie?
Ronny Behnert: Meine Interessensgebiete gliedern sich auf in Landschaftsaufnahmen und Architekturfotos. Da ich auf Sylt lebe bietet sich Ersteres geradezu an. Immer wieder bin ich begeistert von der Formenvielfalt, die Mutter Natur zu erschaffen vermag. Ich liebe es außergewöhnliche Strukturen und Oberflächen festzuhalten oder durch Langzeitaufnahmen verschwinden zu lassen um diesem Zauber ein neues Gesicht zu geben.
Für mich spielt eine gewisse Ruhe und Ordnung in meinen Fotos eine sehr wichtige Rolle. Weniger kann oft mehr sein und ich versuche oft durch immer minimalistischere, genau angeordnete Bildelemente, eine gewisse Spannung in meine Arbeiten zu bekommen.
Außerdem mag ich es mit Lichtern und Schatten zu spielen und völlig neue Sichtweisen zu entdecken. Da ich aber auch ein großer Fan der modernen und strengen Architektur bin arbeite ich gern in diesem Bereich. Dabei fasziniert mich vor allem die Präzision, die man an den Tag legen muss um diese exakten Linien fein und sauber im Foto festzuhalten. Kalte, glatte Stein- und Glasfassaden üben auf mich einen besonderen Reiz aus.
BlogTimes: Welches war Dein schönstes Erlebnis beim Fotografieren?
Ronny Behnert: Schöne Erlebnisse beim Fotografieren, an die man sich gern zurück erinnert, erlebt man als Fotograf häufig. Man möchte einen bestimmten Moment oder das gerade vorhandene Licht genauso festhalten, wie man es gerade wahrnimmt. Man steht unter Strom, wird euphorisch; fast hektisch. Allein das ist schon ein Erlebnis.
Viel intensiver und eindringlicher waren für mich aber die Momente in denen ich mich zurücklehnen konnte. Ich erinnere mich gern an Augenblicke, kurz vor Sonnenaufgang, in denen ich am Strand den Kabelauslöser in der Hand hielt um die Langzeitaufnahmen zu fertigen.
Für mich waren diese Momente wie Meditation. Man lauschte nur dem leichten Plätschern der Wellen und den Möwen im Hintergrund. Menschen waren weit und breit nicht zu sehen und langsam, Stück für Stück, kroch die Morgensonne über die Dünen. Das sind die Momente die ich als besonders wertvoll erachte und nie wieder vergessen möchte.
BlogTimes: Gab es einen Moment in dem Du die Kamera gerne dabei gehabt hättest?
Ronny Behnert: Das sind die kleinen Schattenseiten, die man ab und an in Kauf nimmt. Wenn ich ohne Kamera unterwegs bin dann sind die Schlüsselmomente bei mir meist skurile, abstrakte Wolkenformationen oder das ganz besondere Licht. Momente, die man so schnell nicht mehr wieder sieht sind Momente in denen man sich wünscht man hätte die Kamera zur Hand um sie einzufangen.
Da es mir aber unmöglich ist ständig mit meiner Kamera den Alltag zu erleben bleiben immer noch die Erinnerungen an die schönen Anblicke und die Hoffnung beim nächsten Mal mehr Glück zu haben.
BlogTimes: Was, Wen oder Wo würdest Du gerne mal fotografieren?
Ronny Behnert: Kurz und knapp: New York und Island. Schon bevor ich begonnen habe die Welt auf Fotos zu bannen haben mich diese Orte am meisten fasziniert. An New York reizt mich der Trubel, die Hektik, die Architektur und die vielen Formen, Farben und Bewegungen die auf einen einwirken. Ich könnte mir eine Serie vorstellen in der ich die Stadt in vielen alltäglichen aber außergewöhnlichen Geschehnissen 24 Stunden lang portraitiere.
Für meine Landschaftsaufnahmen ist Island wie geschaffen. Wenn ich Fotos entdecke auf denen die vielen verschlungenen Strukturen zu sehen sind, die die Isländischen Landschaften wie keine anderen prägen, überkommt mich das dringende Gefühl, sie auf meine Art festzuhalten zu wollen. Auf mich wirkt Island wie eine verzauberte Inselwelt in die man eintauchen kann um Dinge zu sehen die man nirgendwo anders erlebt.
Einen Traum durfte ich mir 2009 mit einer Parisreise erfüllen. Diese Stadt hat mich fotografisch so sehr erfüllt, dass ich Paris auf alle Fälle wieder besuchen werde.
BlogTimes: Kannst Du Dir ein Leben ohne Kamera vorstellen?
Ronny Behnert: Nicht mehr.
BlogTimes: Welches ist Deine Lieblingsaufnahme und warum?
Ronny Behnert: Eine Frage, die mir oft gestellt wird. Bis jetzt ist es noch immer „Rainman“, da ich darin viel entdecke. Ich kann mich noch genau an den Abend erinnern als das Foto entstanden ist. Der Himmel war bewölkt als ich im Berliner Regierungsviertel eingetroffen bin. Als ich die Kamera aufgebaut habe fing es aus heiterem Himmel an zu schütten. Ein Gewitter brach los und ich musste mich beeilen.
Ich hatte eine genaue Vorstellung von dem Foto, das ich schießen wollte, also kauerte ich unter meinem Regenschirm, dicht an die Kamera gepresst und wartete auf den richtigen Moment. Es war stürmisch und kalt, als der „Rainman“ endlich auftauchte.
Ich wartete die Position ab und hoffte, dass er nicht kurz vorher abbog um einen anderen Weg zu nehmen. Ein paar Sekunden später hatte ich die Aufnahme im Kasten und konnte wieder ins Trockene flüchten. Auf mich wirkt die Aufnahme so still und ruhig, aber trotzdem imposant durch die strenge Architektur.
Auf dem Foto ist nur schwer zu erahnen mit welchem nassen und stürmischen Wetter ich dort zu kämpfen hatte, und gerade das übt den Reiz auf mich aus.
BlogTimes: Profi,- oder Amateurfotograf – Wird es auch in Zukunft einen Unterschied geben?
Ronny Behnert: Über dieses Thema mache ich mir wenig Gedanken, da ich meinen Weg gehen möchte ohne mich einengen zu lassen. Die Grenze vom Amateur- zum Profifotografen verschwimmt regelrecht, so dass ich mir da selbst kein Urteil erlauben möchte.
Mittlerweile arbeite ich u.a. als freier Fotograf für die Kieler Nachrichten, kann einige anerkannte Referenzen aufweisen und habe gerade erst meinen neuesten Fotokalender „Maritime Time Art – Sylt 2011“ auf den Markt gebracht. Was noch kommen wird steht in den Sternen, doch bin ich offen für alles.
Fotos sind für mich ein wichtiger Teil meines Lebens geworden und so lange ich mich damit beschäftigen darf und mir die Gelegenheit geboten wird neue Dinge zu erschaffen bin ich glücklich. Ich mache Fotos, weil sie mir sagen wer ich bin.
Vielen Dank für die Möglichkeit dieses Interview geben zu dürfen.
Ich danke für dieses sehr interessante Interview und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg in Deinem Werdegang. Hier gehts zum Portfolio.
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