Fotografie, Nachgedacht

Fotografie, Kunst – Ausdrucksform der Massen!?

25. Juli 2011

Bereits seit ein paar Monaten befindet sich dieser Artikel (…eigentlich nur der Titel) in meinem Entwurfsordner, aber erst heute schreibe ich ihn.

Warum erst jetzt? Die Frage kann ich ehrlicherweise gar nicht beantworten. Manchmal, da schießt mir plötzlich ein Gedanke in den Kopf. Es sind eigentlich immer nur Phrasen, wie der Titel hier. Schnell schreib ich ihn auf, bevor ich ihn wieder vergesse. Den Text dazu, so denke ich mir, kommt irgendwann später – manchmal aber auch nie…

An dieser Stelle müsste ich eigentlich dem Stilpiraten für seinen Beitrag „Das Leben, die Arbeit und der Teufel“ danken, denn dieser ist es letzten Endes gewesen, der mich für die nächsten Zeilen inspiriert hat. Hört sich vielleicht etwas melancholisch an – ist aber so!

Jeder von uns kennt die Anfänge der Fotografie, von schweren Großbildkameras mit ihren Platten, die man in mühevoller Handarbeit belichtet, entwickelt und aufs Papier gebracht hat. Zu jener Zeit war die Fotografie allerdings auch nur denjenigen vorbehalten, die es sich leisten konnten. Somit auch keine „Massenbewegung“. Mit der Arä des Kleinbildfilms fing die Revolution an und hat durch die Digitalkameras bis heute nicht aufgehört.  Ich verurteile das auch nicht, denn ich profitiere ja selbst davon. Ich bin auch kein absoluter Verfechter davon, dass nur die analoge Fotografie die „Richtige“ ist.  Hey, Leute wir leben im 21. Jahrhundert – Das Zeitalter der digitalen Kameras.

Dennoch kann ich mich leider nicht davon frei machen, dass durch diese Revolution die Fotografie irgendwie zur Ausdrucksform der Massen geworden ist. Das soll in keinster Weise negativ klingen, denn auch ich bin wie gesagt einer davon…Wir laden jeden Tag unzählige Bilder auf verschiedenste Plattformen um diese dann anschließend der Welt zu präsentieren. Gar keine Frage, es sind tolle Werke dabei… doch ist das noch die Fotografie, mit dem man auch das Wort Kunst verbinden kann, oder sind es einfach nur schöne Bilder? Ist es Kunst, etwas derartig abstrakt zu fotografieren und zu bearbeiten, dass wir es zum Schluss nicht mehr erkennen können? Ist es Kunst, weil andere sagen, dass es Kunst ist oder weil es Wikipedia erklären kann…? Sch.. verdammt, was ist eigentlich Kunst? Ich seh schon, ich schweife ab…sorry!

Was bedeutet die digitale Fotografie heute eigentlich für den einzelnen Fotografen. Ich meine, man muss sich einfach behaupten, mehr als man sich in früheren Zeiten vorstellen konnte um ganz oben mitzuspielen – Wie auch beim Stilpiraten, passt hier wunderbar der Beitrag von Patrick – „Machen und nicht rumheulen„! Bekannte haben vor einiger Zeit zu mir gesagt, dass sie gerne mal eine Ausstellung mit meinen Bilder realisieren würden und ob ich dafür auch etwas „Künstlerisches“ im Portfolio hätte. Heute sowie damals weiß ich darauf keine Antwort… die Ausstellung kam übrigens nie zustande. Da war er wieder – indirekt und ganz plötzlich, der Hinweis zur Ausdrucksform der Massen, denn in ihren Augen hatte ich wohl offenbar keine „künstlerischen“ Arbeiten.

Gerade eben hab ich mir hier noch den Kopf über Fotografie, Kunst usw… beschäftigt. In der Hoffnung ich finde eventuell beim Schreiben die Lösung… und wisst ihr was ich habe sie gefunden. Ich mach so weiter und geb mein Bestes, um vielleicht auch einmal ganz vorne mitzuspielen und hierbei ist es mir egal, ob meine Fotografie künstlerisch ist oder eben nicht!

Was bedeutet für Euch die Fotografie? Ist sie Kunst und wenn ja, wie und woran definiert ihr sie?….. oder gibt es vielleicht auch gar keine Antwort auf die Frage?

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8 Kommentare

  • Antwort Nina 25. Juli 2011 um 20:25

    sehen wir es mal von einer anderen seite. malerei ist kunst für die massen. jeder kann sich im schnöden möbelhaus irgendeinen sonnenblumen van gogh kunstdruck kaufen und hat dann ein (im original) gemaltes bild im flur hängen. den meisten ist „malerei“ im eigentlichen kunstsinne also schnurz. es dient der atmosphäre, raumdeko, etc. aber manche menschen fühlen sich von gemälden berührt, schwärmen für bestimmte stile, haben einen bestimmten maler, den sie besonders mögen. es gibt also konsumenten und liebhaber. obwohl es ein massenmarkt ist. fotografie ist doch ähnlich. jeder kann sich ein foto in die wohnung hängen, egal welcher güte. obs ne urlaubserinnerung ist oder die raumdeko von ikea. für manche bedeutet es aber mehr, so wie für uns. alles ist ein massenphänomen. aber man kann die konsumenten von den fans, den enthusiasten, den liebhabern, den kennern, etc unterscheiden. ausdrücken kann man mit fotografie vieles, aber nicht jeden wird fotografie beeindrucken oder berühren. und so findet jeder seine eigenen nischen in diesen massenmärkten. voll toll:)

    • Antwort BlogTimes 25. Juli 2011 um 20:29

      Hallo Nina,
      danke für deinen Kommentar. Richtig, Fotografie ist offenbar für jeden etwas Individuelles…

  • Antwort Dr. Thomas Brotzler 29. Juli 2011 um 08:09

    Ein interessantes Thema, leider (bisher) nur nicht so heftig diskutiert wie Dein zeitnaher Artikel zu den spiegellosen Kameras …

    Die Fotografie ist ja breit verankert, vom Dokumentations- und Illustrationszweck über die Erinnerungsfunktion bis hin zur persönlichen Umsetzung des Gesehenen. Letzteres entspräche auch meinem Verständnis eines schöpferischen sive künstlerischen Prozesses.

    Über die Kunstwürdigkeit der Fotografie wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts heftig gestritten. Solche Diskussionen scheinen auch immer wieder einmal aufzutauchen bzw. nötig zu werden – typischerweise bei Paradigmenwechseln, wie etwa jetzt beim breiten Einzug der Digitalfotografie.

    Und immer wieder finden sich dabei „Gralshüter des Wissens und Könnens“, die sich vor einer Verwässerung, Nivellierung bzw. Profanisierung fürchten. Aber diese Sorgen scheinen mir übertrieben – die Kunst der Kalligraphie ging nicht mit dem Buchdruck verloren, die der Gestaltung nicht mit der ubiquitären Verfügbarkeit von Mini-Layout-Programmen wie Word.

    Auch im Bereich der Fotografie bleibt im digitalen Zeitalter mehr als genug Platz für eine künstlerische Annäherung. Wer eine solche sucht, wird auch fündig werden – so meine Überzeugung. Ob und inwiefern der Kunstbetrieb bzw. die Allgemeinheit es goutieren kann oder nicht, sei allerdings dahingestellt …

    • Antwort BlogTimes 29. Juli 2011 um 09:51

      Da gebe ich dir recht. Wie heißt es so schön – Die Zeit wird es zeigen…

      • Antwort Dr. Thomas Brotzler 29. Juli 2011 um 14:22

        Zitat: „Die Zeit wird es zeigen“

        Daß der Kunstbetrieb in gefühlten zwei bis drei Generationen darüber befindet, was überdauernde Gültigkeit behält, ist zum einen unbestritten und juckt mich zum anderen (mangels Erlebensperspektive) überhaupt nicht …

        Es ging bei Deinem Beitrag offensichtlich auch um etwas anderes, nämlich um den Anspruch der fotografischen Kunstschöpfung im Zeitalter der Massenfotografie, also den Gegenwartsbezug – right?

        Ich folge diesem Anspruch durchaus – wobei ich die Schöpfungshöhe daran festmache, daß sich im ausgestellten Werk eine eigene(n) Sichtweise, Überlegungen und Empfindungen darstellt und dem Betrachter vermittelt.

        In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine künstlerisch-fotografische Begehung eines Handwerkbetriebs, die dann in eine Ausstellung vor Ort mündete. Es war schon eine Herausforderung, sich in solcher Weise einem Publikum von Handwerkern und deren Klientel zu stellen. Als die versammelten Veranstalter und Laudatoren dann die „Fotografie … als eine dem Handwerk nahestehende Kunstform“ bezeichneten, mußte ich schon ein wenig grinsen. Aber wenn es Akzeptanz schafft und Brücken baut, bin ich da gerne pragmatisch …

        http://www.brotzler-fineart.de/index.php?seite=4100_details&ausstellung=muehlacker_201105

  • Antwort Claudia Arndt 2. Oktober 2011 um 21:41

    Ja, Fotografie ist wohl heute durchaus eine „Kunst“ der Massen, aber ich persönlich bin froh, dass sich durch die digitale Fotografie so viel verändert hat. Ich habe mit meiner analogen Kamera nicht annähernd so viel fotografiert bzw. experimentiert. Und ich hätte sonst sicherlich niemals ein einziges Foto verkauft.
    Ob ein Foto Kunst ist oder nicht, liegt wohl aber meist im Auge des Betrachters.

  • Antwort Andrep 31. Oktober 2012 um 20:30

    Ich stimme zu, Fotografie ist für jeden etwas Individuelles

  • Antwort Reinhard Kuchenbäcker 29. Januar 2014 um 21:46

    Ich habe erst vor kurzem angefangen zu Fotografieren. Und zwar mit dem Ansatz künstlerisch Aktiv zu sein. Schon nach relativ kurzer Zeit (4 Wochen) habe ich jetzt den Eindruck, eine gewisse Differenz zwischen meiner Knipserei und „Kunst“ zu verspüren. Aber das ist, zumindest für mich, ein sehr großer Anreiz. Ich laufe ständig zu bereits fotografierten Motiven zurück und Versuche es besser zu machen. Mache mir Gedanken, wo und wie ich ein wirklich gutes Bild hinbekomme, ohne dabei irgend etwas originalgetreu abbilden zu wollen. Auf http://www.online-photo-gallery.com sieht man eine kleine Auswahl meiner ersten dilettantischen Versuche.
    Aber nichts-desto-trotz ist Fotografie aus meiner Sicht eine künstlerische Ausdrucksform für Alle, was ja letztendlich die Frage ist. Und auf meinem Weg durch’s Internet sind mir schon unzählige, wirklich bemerkenswerte fotografische Kunstwerke über den Weg gelaufen. Man mag gar nicht glauben, was für g… Fotos die Leute machen.

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