Fotografie, Nachgedacht

Fotografien brauchen Aufmerksamkeit

5. Mai 2014

Man könnte den Beitragstitel auch mit „Die Schnelllebigkeit der Fotos im Internet kotzt mich an….“Auch wenn ich verschiedene Online Präsenzen im Internet für meine Aufnahmen pflege, finde ich die Offline Präsentation viel wichtiger. Es geht mir hier einfach ums Anfassen und sei es nur visuell mit den Augen.

Mir ist schon klar, dass gerade für Fotografen kein Weg an einer Online Präsenz vorbeiführt. In meinen Augen wird hier aber viel zu viel Zeit investiert und die Offline Präsenz vernachlässigt. Kein Retina oder 4K Display kann einem die Haptik und das Gefühl vom fertigen Print, Rahmen oder Kaschierung nehmen. Gerade Facebook und Co machen es uns nicht einfach und verlangen quasi jeden Tag nach neuen Fotos ansonsten verschwindet man von der Timeline seiner Fans. Die Schnelllebigkeit nervt mich her… Ein flüchtiger Blick auf eine gerahmte Aufnahme in der Wohnung beim vorbeigehen, bereitet mir immer wieder ein Gefühl die Aufnahme neu zu entdecken, obwohl ich doch eigentlich kennen müsste. Immerhin habe ich es  fotografiert, bearbeitet, gerahmt usw… Ich hatte sie nicht nur zig Mal im Computer in meinen virtuellen Händen, sondern auch bei der anschließenden physischen Berabeitung. Eigentlich müsste die Aufnahme doch mit der Zeit langweilig werden. Wird es aber nicht… Es ist ein Gefühl!

Dagegen empfinde ich das Betrachten der Aufnahmen am Computer langweilig, ja manchmal überlege ich sogar ob ich diese oder jene Aufnahmen einfach löschen sollte. Ich wollte es genau wissen und ließ ein paar Aufnahmen drucken. Das erste Mal als ich die fertigen Prints in den Händen hielt – Sehr geil….. Im Computer bääähh, nur langweilig.

Ich hab das Gefühl die virtuelle Welt will uns jeden Tag unter Druck setzten, den geneigten Lesern etwas neues, am besten unverbrauchtes zu präsentieren. Natürlich kann ich mich nicht davor verschließen mach ich auch nicht, nur poste ich schon seit langen nicht mehr jeden Tag ein neues Foto. Hätte ich ehrlich gesagt auch nicht zur Verfügung… Mein Archiv unbearbeiteter Aufnahmen ist zwar noch gefüllt, aber ich brauche die Muße um eine Aufnahme zu bearbeiten. Ich bin mir durchausbewusst, dass ich mit dieser Einstellung den einen oder anderen FB-Fans verliere. Ist mir aber egal, denn wenn man nicht auf neue Beiträge warten will oder kann, dann ist hier wohl auch kein ehrliches Interesse vorhanden. Die Offline Präsentation, also das zeigen seiner Aufnahmen abseits der virtuellen Welt bietet mir den persönlichen Kontakt und das vielleicht daraus entstehende Gespräche zeigt mir warum man sich jemand für diese oder jene Aufnahme interessiert. Es entsteht eine Beziehung und das nicht nur zum Bild.

Fotografien brauchen Aufmerksamkeit, denn nur dann können sie sich entwickeln und reifen. Online dauert das im bestenfalls ein paar Stunden. Jeder haut sein Like rein, vielleicht noch einen kurzen Kommentar und dann geht’s weiter zum nächsten. Ein Gespräch über die Fotografie kann sich so gar nicht entwickeln. Die Entstehungsgeschichte nicht mit dem Bild verbinden.  Ich könnte zwar diese Zeilen als Bildbeschreibung aufschreiben, aber der Leser würde niemals die Gestik und auch mein Euphorie über diese Aufnahme verstehen weil er es nicht erlebt hat.

Mein erster Schritt zur Aufmerksamkeit ist, ausdrucken und aufhängen. Sei es in den eigenen vier Wänden oder auch bei Freunden. Besucht Kunstmessen und Festivals. Nehmt an Portfolio Sichtungen teil. Dadurch macht ihr Kontakte in die Offline Welt. Es werden sicherlich nicht unbedingt potenzielle Käufer sein, aber vielleicht ergibt sich über diese Kontakte wieder etwas. Ein andere Möglichkeit ist, selbst als Aussteller auf kleinen lokalen Kunstbörsen mitzuwirken usw… Achja und vergesst dabei die Präsentation der eigenen Aufnahmen nicht. Ein normal ausgedrucktes Fotopapier reicht nicht. Lasst euch was einfallen, seit kreativ. So stecht ihr aus der Masse heraus. Ein technisch und künsterlish perfekte Aufnahme wirkt ohne die richtige Präsentation einfach nur langweilig.

Noch was kleines zum Schluss. Auf einer meiner letzten Ausstellung habe ich den Unterschied zwischen Online und Offline am meisten gespürt. Facebook Follower sind meistens selbst Fotografen, Offline Besucher sind Interessenten und potenzielle Käufer. Vergesst das nicht!!!

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15 Kommentare

  • Antwort ruedi 5. Mai 2014 um 13:24

    ronny, da ist viel wahres drin. allerdings werden auch einige gedanken deutlich, wo für mein empfinden dinge durcheinandergehen. das ist für mich natürlich und nachvollziehbar, liest sich dann aber doch störend für den, der in seiner vita schon mit diesen sachen durch ist, oder unverständlich für den, der es noch nicht erlebt hat.
    die art, wie du dich um den wert deiner online-präsenz scherst, finde ich sehr nachvollziehbar, denn siehe da, wir stecken viel zeit dort hinein und erwarten auch ein resultat, auch wenn wir das zu anfang kaum zugeben wollen. amüsant, wie du sagst, dass du durch dieses statement bestimmt auch follower verlierst. dazu gratuliere ich, denn emanzipation von viel-likerei und follower-beobachtung ist bestimmt ein schritt zur menschwerdung.
    dann sind tatsächlich noch gute tipps drin, was die nachhaltigkeit einiger bilder im stream der geschichte angeht. aber auch das ist natürlich eine erfahrung, die jeder selbstreflektive mensch hoffentlich schnell macht. dass die steigende menge an output allerorten keineswegs zur verzweiflung anreizen soll, sondern dass das feedback, das man vor dem echten bild bekommt, von menschen, die sich genau dieses und kein anderes für länger in die wohnung hängen wollen, dass hier ein anderer wert beigemessen wird, als er je von einem (oder 1000) fb-likes kommen kann. und dass sich somit bei genauerem betrachten mit einiger erfahrung die austauscherei über netzwerke komplett relativiert. dass es vielleicht dazu dient, die zu finden, denen die eigenen werke etwas bedeuten, dass dieses finden aber teuer erkauft wird mit einem haufen von egozentrikern, die ja nur auf sich selbst aufmerksam machen wollen (obacht, ich nehme mich da keineswegs aus, denn die erste interessensbekundung kommt ja wahrscheinlich oft aus dem impetus, sich neue jagdgründe zu erschließen. schön ist aber der moment danach, wo du merkst, dass du dir eine ganz respektable sammlung an menschen, fans, mitstreitern, kontroversen diskutanten und manchmal sogar freunden herangesammelt hast.
    alle diese kriese gehen in der adoleszenz der social media aktivitäten gern durcheinander, was aber nicht heißt, das nichts davon übrig bleibt. ganz im gegenteil.
    und doch kommen wir wieder zu diesem ruhigen moment vor dem richtigen bild, wo wir innehalten und langsam begreifen, warum wir das alles machen und wo der unterschied ist zu dem klappern und aufmerksamkeit-zollen und -heischen. das ist ein sehr ruhiger moment, meist ganz für dich allein. er ist das alles wert.

  • Antwort Martin 5. Mai 2014 um 14:50

    Sehr gut geschrieben.
    Auf Facebook poste ich mittlerweile kein einziges Foto mehr, weil es mehr frustriert als Freude macht.
    Ich gehe immer mehr dazu über meine Fotos auf Papier zu bringen. Zwar keine Fineart-Prints, aber schon ein einfacher matter Abzug erzeugt mitunter mehr Wertigkeit als alles Digitale.
    Ab und an ein Fotobuch als Jahresrückblick. So werden aus Dateien haptische Erlebnisse.

  • Antwort Jürgen 5. Mai 2014 um 19:23

    Gut zu wissen, dass es Leidensgenossen gibt. Ich habe schon vor Ewigkeiten aufgehört Fotos online zu stellen nachdem ich ein paar mal mit ansehen durfte wie meine auf einem kalibriertem System bearbeiteten Fotos als JPG auf minderwertigen Monitoren dargestellt werden, und das obwohl meine Nachbearbeitung sich noch in Grenzen hält und sich am PC eigentlich auf die Klassiker die ich auch im Nasslabor anwende beschränkt. Die Wertigkeit und Anmut eines guten Prints ist einfach immer noch das ultimative Ziel in der Fotografie und für mich durch nichts zu ersetzen.

    Jürgen

  • Antwort Chris 5. Mai 2014 um 20:21

    Danke fürs Wachrütteln. Ich selber erwische mich. Viel zu viele Bilder fürs Netz zu machen und immer weniger Prints in den Händen zu halten. Das wird sich nun ändern. 🙂

  • Antwort felix 6. Mai 2014 um 15:00

    Oh wie wahr!

    Wie gerne würde ich einige meiner Bilder auf einem hochwertigem Medium in der Hand halten. Leider bin ich als Student da doch etwas knapp bei Kasse und andere Dinge haben Vorrang. Nichts-desto-trotz hat das Fotografieren zwei Seiten der Medaille. Zum einen der Vorgang des Fotografierens, der für mich ein Ereignis ist, bei dem ich Ruhe habe und meine ganze Konzentration dem Bild/Motiv gilt.
    Auf der anderen Seite ist das Resultat, dass nach der Veredelung mit Lightroom gerne betrachtet werden möchte. Wie du schon schreibst kommen doch Emotionen – selbst beim flüchtigen Betrachtens – hoch und bei genauerer Betrachtung entdeckt man das eine oder andere Detail.

    Um ehrlich zu sein hatte ich kürzlich wieder das Verlangen etwas auszudrucken und du hast es mit diesem Beitrag gestärkt. Mal sehen ob das klappt :yes

  • Antwort Daniel 7. Mai 2014 um 10:32

    Das stimmt schon, aber es ist auch eine einfache Möglichkeit seine Bilder einem großen Publikum zu zeigen.

  • Antwort WELS #04 - Migu 9. Mai 2014 um 15:20

    […] Fotografien brauchen Aufmerksamkeit Online vs Offline […]

  • Antwort Frank 10. Mai 2014 um 08:55

    Guter Artikel, steckt einiges an Wahrheit drin und stimmt mich gerade nachdenklich. Ich persönlich lasse zwar noch viele Bilder entwickeln und klebe sie dann in Fotoalben aber wenn ich ehrlich bin erfahren sie dann auch nicht die Aufmerksamkeit die ihnen gebührt. Schön ist aber, dass mann sie immer dann raus ziehen kann wenn Lust und Laune hat, auch ohne einen PC an zu schmeissen.
    Ein Bild in einem Fotoalbum oder an der Wand mag ich lieber als ein vergrabenes auf einer Festplatte.

  • Antwort Jörg 29. Mai 2014 um 15:41

    Ich habe den Artikel erst jetzt entdeckt und voller Interesse gelesen. Er gefällt mir sehr gut und ich finde die Diskrepanz zwischen den „Mühen“ der Aufnahme und der Zeit, die man sich am Ende nimmt, das Bild zu betrachten ist in der heutigen Zeit viel zu hoch. Da hilft ein Druck oder auch eine Ausbelichtung dabei, sich deutlich länger mit dem Bild zu beschäftigen und macht auch tausendmal mehr Freude, als ein weiteres Bild in der Onlinegalerie.

  • Antwort Pascal 1. Juni 2014 um 08:54

    Hast du das Bild im Beitrag selbst gerahmt? Oder bestellt? Wenn ja wo?

  • Antwort Freya 12. Juni 2014 um 16:27

    Fotografiere selber seit 6 Jahren und fast jedes Bild hat seinen Platz an meine Fotowand gefunden 🙂 Habe gerade ene tolle Fotokulisse im Norden von italien :love

  • Antwort diana de saxe 4. Juli 2014 um 20:53

    Danke für diesen Beitrag! 🙂 Das hat mich dazu gebracht, ein paar meiner Festplattenleichen auszudrucken (3 davon 40×60) und an die Wand zu hängen. Und was soll ich sagen – ich freue mich jeden Tag aufs Neue darüber, wenn ich daran vorbei gehe und mein Blick darauf fällt. Und es macht mich ein klitzekleines bißchen stolz. Und es treibt mich an, die Kamera wieder und wieder in die Hand zu nehmen.
    Mit den ganzen Likes und Kommentaren der OnlineCommunities habe ich das nie so intensiv festgestellt.
    Danke Dir!

    Diana.

  • Antwort Die letzte Tour... | BlogTimes - Fotografieblog 5. August 2014 um 14:11

    […] Jahr beginnen. Ich möchte mich verstärkt auf die Großformatfotografie, die Herstellung von Prints, Portfolien und dessen finale Präsentation konzentrieren. Auch das Offline Marketing im Bereich […]

  • Antwort Das war mein Jahr 2014 | BlogTimes - Fotografieblog 28. Januar 2015 um 04:35

    […] wird fünf Jahre und ich freue mich über viel Zuspruch meiner Leser. Ich schreibe über Fotografien und die Aufmerksamkeit, die sie benötigen. Auch Monate später bin ich immer noch der Meinung und lasse mehr Aufnahmen […]

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