Fotografie, Mitgemacht

Fotowettbewerbe – Auch nicht mehr das, was sie mal waren…

3. Oktober 2013

International Photography Awards - Ronny Ritschel

Ich sitze gerade in meinem Hotelzimmer in Dresden und in ein paar Stunden geht der nächste Workshop los. Genug Zeit noch einen kleinen Beitrag zu schreiben und zwar über ein Thema, was mich eigentlich schon länger beschäftigt – Fotowettbewerbe und damit meine ich nicht die for-free Teile, bei denen man ne Kompakte gewinnen kann.

Es geht vielmehr um die Bezahl-Wettbewerbe ala Prix de la Photographie de Paris oder International Photography Awards usw… Gibt ja unendliche viele von denen. Bis dato fand ich diese Wettbewerbe gerade im Hinblick für die eigenen Referenzen immer interessant. Auch sind die Teilnahmebedingungen transparent und nicht mit irgendwelchen komischen Nutzungsrechten Dritter durchsiebt.

Beim letzten Wettbewerb (International Photography Awards – IPA) habe ich mit sieben Einzelaufnahmen teilgenommen und dabei einen zweiten Platz in der Kategorie Architektur und sechs sogenannte Honorable Mention (HM) erhalten. Mit über 15.000 Aufnahmen aus über 100 Länder ist er einer der Wettbewerbe mit der größten Nutzerreichweite. Keine Frage, ich freue mich wie ein Schnitzel über den zweiten Platz aber die Vergabe der HMs hat mich nachdenklich gemacht. Vergeben wurden nämlich tausende, genau genommen ca. 9000 in den übergeordneten Kategorieren PRO und AMATEUR. Immerhin sind das zwei Drittel des gesamten Teilnahmefeldes. Das wiederum finde ich, macht den ganzen Wettbewerbs-Gedanken doch zu nichte. Ursprünglich dachte ich immer – Wow, ne HM! Sehr geil. Jetzt denke ich, dass ist rausgeschmissenes Geld.

Was bringt mir ein Wettbewerb, bei dem zwei Drittel der eingereichten Aufnahmen mit Auszeichnungen gewürdigt werden. Wo ist denn da der Wettbewerbs-Gedanke und kann man das dann noch als Erfolg kennzeichnen?? Also ich weiß nicht, ich werde zukünftig beim IPA nicht mehr teilnehmen. Bei so vielen Auszeichnungen ist doch auch die Nutzung als  zukünftige Referenzen hinfällig, oder nicht?

Wer von Euch hat eigentlich mal an Bezahl-Wettbewerben teilgenommen und wie seht ihr das ganze? Ach, ich wünsche euch noch einen schönen 3. Oktober!

 

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16 Kommentare

  • Antwort MatzeK 3. Oktober 2013 um 09:13

    Krass da hast du ja ordentlich Kohle reingesteckt! Glaub 1 Bild kostet 50 Euro?
    Da liegt auch meine persönliche Schmerzgrenze für die Teilnahmegebühren für einen Wettbewerb.
    Ein Bild werde ich da nächstes Jahr einreichen. Ansonsten konzentriere ich mich eher auf die kostenfreien wie Sony etc.

    • Antwort BlogTimes 3. Oktober 2013 um 09:36

      Ganz soviel kostet es nicht. Ich glaube es liegt bei um die 20 Dollar pro Bild. Trotzdem ne menge Kohle – recht hast.

  • Antwort Fabian S. 3. Oktober 2013 um 09:58

    Scheint wohl eine Methode zu sein, um die Leute bei der Stange zu halten. In Wahrheit untergräbt es jedoch bloß die eigentliche Wettbewerbsidee und führt offensichtlich zum Gegenteil. Finde es immer schade, wenn eine bekannte Präsenzplattform das eigene Potenzial verspielt, indem es seine größte Kompetenz abgibt – Authentizität.

    Habe selbst aber noch nicht an solchen Wettbewerben teilgenommen.

  • Antwort Dieter Fröhling 3. Oktober 2013 um 14:17

    Ist für mich immer auch eine Überlegung, was steckt man rein und was bekommt man dafür.

    Ist es ein wie auch immer qualifiziertes Feedback oder dann doch die Freude (das man gewonnen hat ODER das man NICHT DIESEN PREIS gewonnen hat).

    In jedem Falle sollte ein „wo stehe ich“ doch herausspringen.

    Aber ist das denn überhaupt Sinn und Zweck mancher Veranstaltungen?

    • Antwort BlogTimes 3. Oktober 2013 um 21:14

      Ich hatte diesen Wettbewerb eigentlich immer gewählt aufgrund der qualifizierten Jury. Jetzt, nachdem ich weiß, dass sie mehr als zwei Drittel der eingereichten Aufnahmen auszeichnen, zweifle ich stark an deren Qualifizierung!!

  • Antwort Torsten 3. Oktober 2013 um 16:56

    Hab bei den IPA dieses Jahr das erste Mal teilgenommen. Allerdings schickte ich eine „Serie“ mit 5 Bildern ein – war günstiger als einzelne, aber auch nur 1 Chance was „zu erreichen“. Hab mich natürlich gefreut, das ich eine HM bekommen habe > aber wie du auch geschrieben hast, ist es schon ein wenig komisch, dass soooooviele diese „Auszeichnung“ bekommen haben. Ich überlege mir schon, ob ich das nächste Mal nochmals mitmache…bleib dann lieber bei Sony, Glanzlichter, Trierenberg und Co…..

  • Antwort KPK 4. Oktober 2013 um 09:12

    Nun, wir hatten ja schon einen kleinen Austausch zu dieser Thematik und Du weißt, dass ich die ganze Angelegenheit genauso kritisch sehe wie Du.

    Man kann ja mal versuchen überschlagsweise auszurechnen, was IPA und Prix de la Photographie (sind ja beide vom selben Veranstalter (!!!) – sh. Impressum auf den entsprechenden Websites) durch die Einreichungsgebühren so einnehmen. Da kommt man zusammen schon auf sehr ordentliche sechstellige Beträge! Auch abzüglich der Preisgelder, ggf. Vergütungen für bezahlte Juroren und den Ausgaben für Veranstaltungen und Kataloge bleibt da ganz zweifellos ein hübsches Sümmchen übrig.
    Gute Geschäftsidee mit feinem Gewinn. Aus dieser Sicht ist da ja nichts dran auszusetzen, denn jeder macht ja freiwillig mit.

    Aus fotografischer Sicht, oder aus der Sicht, was solch ein „Wettbewerb“ (ja, das muss schon in Anführungszeichen sein) an tatsächlicher Bedeutung in Sachen Renommee hat, tun sich da doch viele Fragezeichen und Zweifel auf.
    Sicher ist eine Platzierung unter den Top 3 der jeweiligen Kategorien etwas durchaus Beachtenswertes, aber tausende HMs sind einfach nur Blendwerk und Lockmittel, sich einen „kleinen Titel“ einfach zu kaufen. Funktioniert ja i.d.R. ganz easy.
    Das hat aber alles mit Qualität der Fotografien und mit seriöser Jurierung nicht mehr viel zu tun. Ein Juror einer solchen Veranstaltung hat letztlich in einer öffentlichen Veranstaltung erzählt wie das abläuft und dass den Juroren bei der Masse der Bilder durchschnittlich 4 SEKUNDEN pro Bild zur Verfügung stehen, um das alles zu bewältigen. Kann man das „Jurieren“ nennen? Sicher nicht.
    Auch der hochgelobte Trierenberg Super Circuit oder der Al-Thani-Wettbewerb sind genau solche Geldmaschinen. Klar, ich bin trotzdem stolz auf meine Goldmedaillen, die ich da gewonnen habe. Aus dem Wust von fast 90.000 Einreichungen wahrgenommen und ausgezeichnet worden zu sein ist ja nicht Nichts. Aber auch hier werden die HMs mit dem Kübel ausgeschüttet, um auch die Teilnahme (sprich Kasse machen) im nächsten Jahr sicher zu stellen.

    Meine persönliche Konsequenz: ab 2014 keine weitere Teilnahme an digitalen Massenwettbewerben, sondern Fokussierung auf Wettbewerbe, wo überwiegend in Papierform eingereicht wird, wo Fach-Juries sich die nötige Zeit nehmen, die eingereichten Bilder ausführlich zu würdigen und zu bewerten.
    Das sind hier in Deutschland eine Reihe von nationalen aber auch international ausgeschriebenen Wettbewerben, von denen oftmals im Nachhinein auch Juryberichte veröffentlicht werden und bei denen i.d.R. nur eine begrenzte Anzahl von Preisen und HMs/Urkunden ausgegeben werden. Bei einigen (z.B. beim nur alle zwei Jahre durchgeführten Schwarz-weiß-Wettbewerb „Emscherbruchpokal“) kann man sicher stolzer auf eine „Annahme“ (Foto wird in der Ausstellung gezeigt) sein, als auf eine HM bei einem der o.g. „Wettbewerbe“.

    In diesem Sinne,
    Gruß,
    KPK

    • Antwort BlogTimes 4. Oktober 2013 um 09:27

      Danke für deinen Kommentar. Bestätigt nur noch meinen Verdacht der Gelddruckerrei. Kannst du denn ein paar internationale und nationale Wettbewerbe, die sich den lohnen?

      • Antwort KPK 4. Oktober 2013 um 10:03

        Die Bedeutung des Begriffs „Lohnen“ muss letztendlich jeder für sich selbst ausloten. Der DVF (Deutsche Verband für Fotografie, http://dvf-fotografie.de) und seine Landesverbände veranstaltet in jedem Jahr einige beachtenswerte Wettbewerbe und gibt sein Patronat für nicht selbst veranstaltete Wettbewerbe. Hier sollte man einfach mal auf der DVF-Seite nachschauen, ob einem da etwas zu passe kommt. Die Wettbewerbe sind z.T. themenbezogen, oftmals aber auch frei bezüglich des Themas. Einige sind frei für alle Fotografen, andere setzten eine DVF-Mitgliedschaft voraus. Der „Emscherbruchpokal“ als reiner s/w-Wettbewerb mit Papierbildern wird m.W. sorgfältig juriert. International waren mir bislang auch nur die hier schon genannten Wettbewerbe bekannt, es gibt aber sicher noch viel mehr. Was da wirklich empfehlenswert ist, kann ich nicht sagen.

        Jeder sollte sich sowieso fragen, was er mit einer Wettbewerbsteilnahme erreichen will. Wettbewerbsfotografie und künstlerisch ausgerichtete Fotografie sind oftmals zwei unterschiedliche Welten, auch wenn es sicher Schnittmengen gibt. In der Wettbewerbsfotografie dominiert aber doch das überwiegend plakative, schnell ins Auge springende, um die Juries überhaupt erst einmal an das Foto „zu binden“. Sitzt dort eine Jury mit gut ausgebildeten Leuten, optimalerweise selbst Fotografen, Galeristen oder Leute mit einer künstlerischen Ausbildung, dann spielen auch Bildgestaltung, technische Ausarbeitung (Bildqualität) und (nicht unterzubewerten) eine gute Präsentation der Einreichung (Papierqualität, Passepartoutzuschnitt etc.) eine Rolle, um ein gutes Ranking zu erreichen.

        Will man aber seinen eigenen künstlerischen Weg verfeinern, dann sind Wettbewerbe eher hinderlich. Hier spielt dann der direkte Austausch mit anderen Künstlern oder mit „Größen“ aus der Kunstszene oder die Teilnahme an ganz speziellen Kunstprojekten (wie z.B. Pixelprojekt Ruhrgebiet, http://www.pixelprojekt-ruhrgebiet.de/) eine wichtigere Rolle als Wettbewerbsteilnahmen.

        Oh ja, hier kann man schön viel und lange weiterdiskutieren … 🙂

        Gruß,
        KPK

  • Antwort KPK 7. Oktober 2013 um 12:29

    Oh jeh, oh jeh, offensichtlich hab‘ ich mich mit meiner positiven Eischätzung bezüglich des DVF ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt:

    http://www.dvf-fotografie.de/news/news-anzeigen/article/dvf-praesident-legt-sein-amt-nieder.html

    und

    http://photoscala.de/node/34103/pdf

    und

    http://rheker.wordpress.com/category/photographie/ethische-probleme/

    Ich enthalte mich dazu jetzt jeglicher weiterer Einschätzung.

    Gruß,
    KPK

    • Antwort BlogTimes 9. Oktober 2013 um 18:08

      Scheint wohl doch nicht so einfach zu sein…. 🙂

  • Antwort Stephan [PFK] 10. Oktober 2013 um 12:30

    Gratulation zum zweiten Platz!

    Von „bezahl“ Fotowettbewerben habe ich bis jetzt immer die Finger gelassen. Einfach aus dem Grund da ich dem Modell dieser Fotowettbewerbe generell etwas kritisch gegneüberstehe. Meinung Meinung hängen Wettbewerben sehr stark vom Teilnehmerfeld und dem Geschmack der Jury ab. Die oben angeführten „Ein Juror hat 4 Sekunden pro Bild“ bestätigen da nur mein Vorurteil. Wenn man es schafft ein Thema so umzusetzen das es auffällt und aus dem Teilnehmerkreis heraussticht dann hat man gute Karten. Dafür fehlt mir leider etwas das Händchen.

    Trotzdem der zweite Platz ist der Zweite Platz!
    (da ist es egal ob 1/3 der Teilnehmer eine HM bekommen).

    Gruss Stephan

  • Antwort browserFruits Oktober #2 › kwerfeldein - Fotografie Magazin 13. Oktober 2013 um 10:01

    […] Ronny Ritschel hat schlechte Erfahrungen mit Fotowettbewerben gemacht und schreibt […]

  • Antwort L.Stenzel 18. Oktober 2013 um 10:49

    Die HMs sind in der Tat relativ wertlos, wenn sie gleich zu tausenden innerhalb eines einzigen Wettbewerbs „verschleudert“ werden. Der zweite Platz ist aber doch unabhänig davon eine grandiose Referenz.
    Ich weiß nicht, ob dich die vielen HMs so stören sollten. Klar ist es schade, dass es zu viele gibt um sie als einzigartige Referenz zu benutzen, aber schränkt dich das ein? Die Qualität deiner Bilder hat damit nichts zu tun. Und wenn sich ein paar andere Leute über eine eher wertlose HM freuen, dann lass ihnen doch den Spaß und konzentrier dich aufs Siegertreppchen 😉 Hat ja diesmal auch ganz gut geklappt!

  • Antwort Silvio @ K-H 1. November 2013 um 01:46

    Also die HMs scheinen für die einfach die Bilder zu sein, die nicht ganz schrecklich sind, zumindest klingt es nach den Zahlen so. Vermutlich ein Anreiz für alle Fotografen doch nochmal mitzumachen und für mich ein Mitgrund nicht bei Bezahlwettbewerben mitzumachen.

    Noch ein Grund ist sicher, dass meine Fotos vermutlich meistens nicht dem Massengeschmack entsprechen.

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