Nachgedacht

Gastautoren Anfrage – Unseriös!?

22. Februar 2010

Vor kurzem erhielt ich per Mail einen Gastautoren-Anfrage. Grundsätzlich bin ich gegenüber solcher Anfragen positiv eingestellt. Die jetztige allerdings verfolgte offensichtlich eine ganz andere Strategie. Linktausch – und wie man es nicht machen sollte!

Am 15.02.2010 erhielt ich per Mail eine Gastautoren-Anfrage über einen Artikel, der sich mit der Fotografie beschäftigen soll. Allerdings passten schon mal zwei Dinge nicht zusammen. Erstens bekam ich die Mail an meine alte Blogadresse, die schon seit Mai 2009 nicht mehr weitergepflegt wird. Die Adresse ist zwar noch aktiv, der letzte Blogeintrag dient allerdings nur als Weiterleitung auf Blogtimes (muss ich jetzt mal plattmachen!).  Zweitens, die….. Ach, besser ich zitiere die Mails.

„Ich möchte auf Ihrer Internetseite einen Artikel zum Thema Fotografie / Fotografieren veröffentlichen, der zu Ihrer Homepage passt. Sie können mir auch das Thema vorschlagen. Wäre das möglich? Wenn ja, dann schicke Ich ihnen den Artikel, damit Sie entscheiden, ob sich er zu der Veröffentlichung eignet. Ich möchte nur, dass drin im Artikel (unter einem Wort oder einer kurzen Phrase) ein mit dem Artikelthema verbundener Link zu der entsprechenden Kategorie bei markt.de steht. Auf diese Art und Weise erhalten Sie einen  Artikel ganz kostenlos und ich werde diese Seite durch Bookmark-Services und Foren  weiter empfehlen..

Ich werde für die Antwort dankbar sein.

Mit freundlichen Grüßen
Magdalena Hoffmann“

Wie jetzt?! Ich soll auch noch das Thema vorschlagen. Na, dann kann ich den Artikel ja gleich selber schreiben… Ich dachte mir allerdings, schreibe ich mal zurück und mal schauen was als Antwort kommt. Ich habe also folgendes geschrieben.

„Sehr geehrte Frau Hoffmann,

wie sie vielleicht auf der Internetseite bemerkt haben, wird diese seit Mai 2009 nicht mehr weiter geführt und verweist mit dem letzten Beitrag auf meinen neuen Blog. Schicken Sie mir doch einen Auszug ihres Artikel und ich werde Ihnen nach Prüfung mitteilen, ob er zu meiner Webseite passt.

Mit freundlichen Grüßen“

Für mich war die Sache erledigt, denn ich hatte nicht mehr mit einer Antwort gerechnet und war mir schon sicher, dass ich sicherlich keinen Artikel schreiben werde (sollte  dennoch ein Artikel eintreffen). Doch ich sollte mich irren. Heute erhielt ich die Mail mit besagtem Artikel. Hier nur ein kleiner Auszug, denn ganzen Text müsste man fünfmal lesen, um ihn zu verstehen.

Fotos kann man auch gegen das Sonnenlicht machen, man muss nur ein Objekt wählen, das ganz oder teilweise das auf uns fallende Licht verdeckt. Man muss auf das direkte, starke Licht aufpassen! Dies kann die Funktionen des Fotoapparats stören. Auch sollte der Fotografierende es vermeiden, direkt in die Sonne zu schauen. In solch einem Licht kann man zwei Arten von Fotos machen. Die erste Möglichkeit ist ohne Blitzlampe – dann wird das Objekt ohne Details sichtbar, nur als Silhouette. Die zweite Variante – mit der Lampe – wird die Struktur des Objekts zeigen. Dann können wir zu Hause am Rechner entscheiden, welcher Effekt uns am besten gefällt, oder vielleicht beide…

In der Winterzeit werden in der Natur viele Farben versteckt. Das zwingt den Fotografierenden, über die Komposition und ihre Elemente nachzudenken, also darüber was in der schwarz-weißen Fotografie immer zu beachten ist: die Linie und Gestalt, die uns Bäume oder ihre Kronen anbieten. Aber die Linien bringen uns nichts Interessantes, wenn sie zu den Bildrahmen parallel sind. Viel interessanter sind die schrägen, gebogenen Linien, die in einer Ecke beginnen und in der Nähe des Hauptmotivs enden.

Die viereckige oder quadratische Fläche auf dem viereckigen oder quadratischem Bild ist überhaupt nicht interessant. Es ist besser in den Motiven nach einem Dreieck zu suchen, den man in das Bild so komponieren soll, dass es eine Spannung erweckt.

Kann man ernsthaft glauben, dieser Artikel könnte einen interessieren und was ist das überhaupt für ein Deutsch. Liest sich wie ne schlechte Online-Übersetzung. Im ersten nicht veröffentlichen Abschnitt ist übrigens der besagte Link zum Kleinanzeigenportal Markt.de gesetzt.  Diese ganze Aufwand, nur um an einen Backlink zu gelangen?  Ehrlich, mir wäre das zu doof…

Der eine oder andere fragt sich vielleicht, warum ich diesen Artikel geschrieben haben. Nun, mich würde interessieren, ob ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht habt? Muss im Übrigen nichts mit dem Thema Fotografie zu tun haben.

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12 Kommentare

  • Antwort Omori 22. Februar 2010 um 19:37

    Solche Anfragen habe ich glücklicherweise noch nicht bekommen. Ich weiß aber, dass es Leute (Studenten, Hausfrauen, …) gibt, die für wenige Cent pro Wort Texte verfassen. Und sowas kommt dann offensichtlich dabei heraus …..

    Google mal nach „Textservice“, da findest Du diese Leute …

    Gruß Michael

    • Antwort BlogTimes 22. Februar 2010 um 20:00

      Hallo Michael,

      das mit dem „Textservice“ kannte ich noch gar nicht!?

  • Antwort Jo 22. Februar 2010 um 20:18

    Sehr erfolgreich waren sie mit dieser Masche offensichtlich noch nicht; mittels Google kann ich den Text jedenfalls nicht finden. Dabei weist er einzigartige Passagen auf…: „Ich werde für die Antwort dankbar sein“! 😉

    • Antwort BlogTimes 22. Februar 2010 um 21:42

      Grüß Dich,

      hatte auch schon versucht einige Passagen zu googlen. Leider ohne Erfolg. Dennoch bin ich mir sicher, dass die Texte irgendwo rauskopiert sind.

  • Antwort Dirk 23. Februar 2010 um 00:22

    Och, das ist doch schon fast seriös – ich glaube sogar, der „Autor“ hat sich irgendein Einsteiger-Buch genommen, einen Text über Gegenlicht-Aufnahmen gewählt und Satz für Satz in eigenen Worten neu formuliert. Da zeigt sich leider, dass die Annahme, schreiben könne jeder, der die Grundschule absolviert hat, ein Irrtum ist.

    Ich habe aber schon lustigere Angebote bekommen: Ein mir nicht näher bekanntes Unternehmen bot mir an, auf regelmäßiger Basis von einem eigenen „Redaktionsteam“ Texte für mich erstellen zu lassen. Kostenlos, nur gegen Backlinks. Die wollten allerdings die Themen selbst bestimmen, der Schwerpunkt sollte auf „Versicherungen und Finanzen“ liegen (es ging in dem Angebot ausdrücklich um meine Foto-Website). Über die inhaltliche Qualität kann ich nichts sagen, ich habe die E-Mail unbeantwortet gelassen.

    • Antwort BlogTimes 23. Februar 2010 um 16:15

      Ich finde auch, dass solche Angebot immer total unpersönlich sind. Die interessieren sich überhaupt nicht für den Inhalt oder das Thema einer Seite. Hauptsache kostenlose Backlinks abstauben.

  • Antwort Nina 24. Februar 2010 um 17:42

    „Die viereckige oder quadratische Fläche auf dem viereckigen oder quadratischem Bild ist überhaupt nicht interessant.“

    hmmmm… wieder was gelernt 🙂

  • Antwort frau-doktor 12. März 2010 um 11:51

    solche anfragen erhalte ich auch gelegentlich. die oben erwähnte kollegin war ebenfalls dabei. das wandert bei mir direkt in den papierkorb. dabei habe ich durchaus verständis, wenn man beim bekannt machen der eigenen seite auch andere wege geht. nur leider wird das (zu) oft auf die billige tour versucht …

    • Antwort BlogTimes 12. März 2010 um 12:44

      Wenn es für die eigene Seite ist – OK. Aber in diesem Fall handelte es sich klar um eine Textschreiberin, die für irgendwelche Portale (hauptsächlich Werbkataloge) Texte mit entsprechenden Verlinken an den Mann/Frau bringen will.

      Gruß und danke für den Kommentar!

  • Antwort Stephan [PFK] 11. August 2013 um 14:21

    Ich bin beim Stöbern in dem Blog auf diesen etwas älteren Artikel gestossen, muß aber sagen das ich ihn sehr interessant gefunden habe.
    Selber bin ich von derartigen Anfragen bis jetzt verschont geblieben. Finde das vorgehen aber schon sehr deist.
    Würde mich interessieren ob 3 Jahre nach dem Vorfall immer noch die selbe Masche versucht wird.

    Gruß
    Stephan

    • Antwort BlogTimes 11. August 2013 um 16:38

      Immer noch so.. bekomme fast jede Woche Anfragen.

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