Fotografie, Testberichte

Hanvon Grafiktabletts – Der Test für die Digitale Fotografie

16. April 2010

Vor einigen Wochen erhielt ich die Hanvon Grafiktabletts von der Firma Papyrus, die für Deutschland den Vertrieb übernimmt. Die für den Test zur Verfügung gestellten Modelle reichen vom Einsteiger Grafiktablett Rollick 0604 über das Art Master 0806 bis zum LCD/LED Display Tablett SenTIP 1201W.

Wie schon in meinem Einführungsartikel geht es bei diesem Test nicht um die Überprüfung der vom Hersteller gemachten technischen Angaben, sondern rein um die Handhabung und die Bedienbarkeit für die Bildbearbeitung der Digitalen Fotografie.

Wer bis jetzt ein Grafiktablett für die Bildbearbeitung gesucht hat, der ist bei der Recherche fast immer auf Wacom gestoßen. Seit fast 20 Jahren ist Wacom auf dem Markt der Tabletts nicht mehr wegzudenken. Allerdings belebt eine Konkurrenz bekanntlich das Geschäft und so möchte sich der chinesische Hersteller Hanvon ebenfalls  auf diesen Markt etablieren.

Der nachfolgende Test soll über Optik/Ausstattung, Installation, Konfigurier – und Bedienbarkeit Aufschluss geben und so zu einem objektiven Testergebnis führen. Bei diesem Test werden alle drei Geräte beschrieben, sofern nicht explizit eine bestimmte Eigenschaft der einzelnen Tabletts hervorgehoben wird.

Optik/Ausstattung:
Alle drei Geräte, angefangen vom Einsteiger Grafiktablett Hanvon Rollick 0604 über das Art Master 0806 bis hin zum LCD/LED Display Tablett SenTIP 1201W sind sehr ansprechend und hochwertig gestaltet. Dieser gefällige Eindruck wird durch die leicht glänzende Oberfläche beim Rollick und Art Master zusätzlich unterstützt.

Das Gehäuse des SenTIP ist im Gegensatz zu der zur „glossy“ Displayfläche eher matt gehalten, was sich aber positiv auf den optischen Eindruck auswirkt. Alle drei Geräte weisen ein gute bis sehr gute Verarbeitung auf und stehen den Grafiktabletts anderer Hersteller in nichts nach.

Zur Ausstattung gehört ein batterieloser Stift (Art Master wird mit 2 Stiften ausgeliefert), welcher bis auf das Einsteiger-Tablett, Rollick  ausbalanciert wirkt und gut in der Hand liegt. Der Stift für das Einsteiger-Tablett ist weniger ansprechend gestaltet und aufgrund der glatten Oberfläche für längeren Arbeit nur bedingt geeignet. Für für den Fall der abgenutzten Stiftspitzen wurde  in den Stifthalter der Art Master und SenTIP ein Spitzenspender integriert, welcher 10 Wechselspitzen beinhaltet.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es noch. Die Stifte haben nur eine Taste, die leider nicht konfigurierbar ist. Hier hätte ich mir eine zweite Taste für effektiveres Arbeiten in den Bildbearbeitungsprogrammen gewünscht. Nach neuen Informationen von Hanvon, erhalten die kommenden Stifte der neuen Tabletts zwei konfigurierbare Tasten!

Die Geräte sind mit fingerempfindliche Berührungsstreifen und -Schnelltasten ausgestattet. Letztere lassen sich individuell über das Konfigurationsmenü einstellen und belegen. Auf die  Beschriftung der Schnelltasten (außer Rollick 0604) wurde wahrscheinlich aufgrund der intuitiven Bedienung verzichtet, was sich aber nicht als Nachteil auswirkt.

Im Lieferumfang aller drei Geräte befindet sich neben den  Softwaretreibern, die mit allen Windows+Mac Betriebsystem kompatibel sind, auch eine Tablettsoftware und eine 30 Tage Testversion des Bildbearbeitungsprogramm Corel Paint Shop Pro X2.

Die Tablettsoftware beinhaltet:
PenSign: Benutzer können mit PenSign Unterschriften unter Microsoft-Office-Dokumente setzten, die genauso aussehen wie einen Unterschrift auf Papier
PenMail: Das Programm enthält eine Handschriftenerkennung für Outlook-Express oder Windows Mail, so dass Benutzer problemlos handschriftliche Nachrichten versenden können
PenMark: Benutzer können Objekte auf dem Bildschirm oder Bilder markieren, sämtliche Kommentare, Markierungen und Anmerkungen können gespeichert werden.
WhiteBoard: Über einen Projektor oder einem Monitor können Benutzer auf einer elektronischen Markierungstafel schreiben, Objekte bearbeiten und zeichnen.

Anschluss/Installation:
Die Tabletts Rollick und Art Master werden über einen USB-Anschluss direkt an den Rechner angeschlossen. Einzig das SenTip muss durch das Berührungsempfindliche Display an ein mitgeliefertes externes Geräte angeschlossen werden, welches die Bild- und Steuerungsignale per USB und DVI-Anschluss an den Computer überträgt.

Die Installation der Treiber dauert für alle Geräte je nach Rechnerleistung nur wenige Augenblicke. Die Minimalanforderungen betragen 256MB Arbeitsspeicher und 200MB freien Festplattenspeicher. Unterstützt werden alle führenden Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop, Lightroom, Gimp etc… Nach Abschluss der Installation befindet sich der Programmeintrag in der Systemteuerung. Über diesen ist die individuelle Konfiguration des jeweiligen Tabletts möglich. Hier kann der Benutzer neben der Stifteinstellung (Druckempfindlichkeit und Doppelklick-Geschwindigkeit) und der Tastenbelegung auch die aktive Arbeitsfläche auf den jeweiligen Monitor abstimmen. Zusätzlich kann man im Konfigurationsmenü des SenTip die Anzeigeeinstellung für den  Haupt- und Zweitmonitor einstellen.

Wie Ihr sehen könnt ist das Menü zwar sehr spartanisch gehalten, erfüllt allerdings voll und ganz seinen Zweck.

Bedienbarkeit
Allen voran sei gesagt. Wer derzeit ein Grafiktablett eines anderen Herstellers benutzt, wird sich auf jeden Fall neu eingewöhnen müssen. Das ist aber ganz normal, denn die Ergonomie des Tabletts und das Gewicht des Stiftes ist zweifelsohne nicht gleich. Aus der Testerfahrung kann ich aber sagen, dass geht sehr schnell.

Der Stift liegt bei allen getesteten Geräten gut in der Hand. Durch die 1024 Druckstufen (bei allen Geräten), eine Auflösung von max. 5.080 Linien pro Inch (4000 beim Rollick) und einer maximale Übertragungsrate von 220 Punkten (200 Punkte beim Rollick) pro Sekunde ist ein genaues und detailiertes Arbeiten am Bildmaterial möglich. Wichtige Funktionen wie Stempeln, Radieren, Abwedeln und Nachbelichten lassen sich punktgenau einsetzen und wohldosiert verteilen. Der Sensorstreifen (Zoomfunktion) ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig und gerade Anfänger brauchen ein wenig Fingerspitzengefühl um zum richtigen Zoomwert zu gelangen. Von den 4 Sensortasten lassen sich 3 frei konfigurieren, die obere Taste ist fest für die Funktion des Radiergummi belegt, was sich aber nicht unbedingt als störend erweißt – Radiergummi braucht man immer.

Durch die ebenfalls konfigurierbare aktive Arbeitsfläche kann der Ausschnitt des Monitors individuell festgelegt (Nur bei großen Tabletts zu empfehlen) werden. Diese Möglichkeit ist insoweit interessant, da mit abnehmender Größe der Bedienoberfläche die Geschwindigkeit der Zeigerbewegung zunimmt. Die Geschwindigkeit nimmt zwar nicht wirklich zu, denn es wird nur der Weg der Handbewegung verringert, was aber für die Bearbeitung der digitalen Aufnahmen von Vorteil ist. Zeichner hingegen würden sehr wahrscheinlich die ganze Fläche benötigen.

Das LCD/LED Display Tablett SenTip bietet dem Fotografen/Bildbearbeiter die Möglichkeit die Aufnahmen direkt auf der 12 Zoll (WXGA 1280×800) Arbeitsfläche zu bearbeiten. Um ein farbechtes Abbild auf dem Monitor des Tabletts zu erzeugen, habe ich über ein Menü welches durch das angeschlossene externe Gerät gesteuert wird, den Monitor mit einem Eye ONE Display 2 kalibriert.

Eingestellt können neben den Parametern Helligkeit und Kontrast auch die einzelnen RGB-Kanäle.

Wichtig: Das Geräte sollte unbedingt kalibriert werden, denn wie oft üblich sind die Werkseinstellungen für die digitale Fotografie nicht zu gebrauchen – das Testexemplar hatte vor der Kalibrierung einen leichten blaustich.

Der Vorteil des SenTIP gegenüber den „normalen“ Grafiktabletts, ist in jedem Fall das berührungsempfindliche 12 Zoll Display. Für mich war est erstmals ein völlig neues Arbeitsgefühl, obwohl ich schon einige Zeit mit Grafiktabletts arbeite. Durch die direkten Auswirkungen des Stifts, kann man sehr effektiv aber vorallem intuitiv arbeiten.

Natürlich ist man bei einer Größe von 12 Zoll, was den Bildbearbeitungbereich angeht, ein wenig eingeschränkt. Mit Hilfe der Zoommöglickeit wird dieses kleine Manko reduziert. Im Übrigen sind nach neuen Informationen für Nachfolgeräte aus diesem Bereich Versionen bis 22 Zoll Dislplaygröße vorgesehen. Ähnliche Modelle kennt man bereits von Wacom.

Fazit:
Alle drei Testexemplare, angefangen vom Einsteiger Hanvon Rollick 0604 (ca.55 Euro) über das Art Master 0806 (ca. 145 Euro) bis hin zum Display Tablet SenTIP 1201W (ca. 680 Euro) machen einen hochwertigen Eindruck und das nicht nur bei den inneren Werten. Die Stifte liegen gut in der Hand und sorgen für ein angenehmes Arbeiten. Die matte aktive Arbeitsfläche (Rollick und Art Master) unterstützt dieses angenehme Zeichengefühl. Gebrauchte Stiftspitzen können durch die zahlreichen vorhandenen Ersatzspitzen ausgetauscht werden. Wie schon im Testbericht geschrieben, vermisse ich bei den jetzigen Stiften 2 konfigurierbare, statt 2 nicht einstellbare Tasten. Dieser Kritikpunkt wurde allerdings für die Nachfolgestifte schon berücksichtigt und so wird es bei den kommenden Stiften zwei konfigurierbare Tasten geben.

Im Gegensatz zum Wacom Bamboo und Bamboo Fun  ist bereits das Einsteiger Tablett Rollick mit 1024 Druckstufen ausgestattet und verfügt über eine Auflösung von 4000 Linien. Die somit fast doppelte Druckstufenanzahl wirkt sich positiv auf die Bearbeitung von Details in der digitalen Aufnahme aus.

Punkten kann das Art Master 0806 durch seine große einstellbare aktive Arbeitsfläche (ca. 20cm x 15cm) und neben den 1024 Druckstufen durch die hohe Auflösung von 5080 Linien. Das Display Tablett SenTip überzeugt durch die kalibrierbare Monitorarbeitsfläche und ermöglicht so eine intuitive Bildbearbeitung.

Alles in allem kann man sagen, dass sich alle drei Geräte ihr Daseinsberechtigung in der digitalen Fotografie verdient haben. Somit bekommen alle eine klare BlogTimes-Kaufempfehlung.


Anbei findet Ihr noch weitere Informationen über die Tabletts, die Ihr als PDF-File runterladen könnt.

Hanvon Grafiktabletts – Übersicht
Hanvon Grafiktabletts – Technische Details

Erwerben könnt Ihr die Grafiktabletts unter anderem über den Online-Vertrieb der Papyrus-GmbH. Neben den Kauf von Vorführgeräten werden die derzeitigen Modelle sogar günster als bei Amazon.de angeboten.

BlogTimes Anmerkung:
Hanvon wird mit einem Stand auf der Photokina im September 2010 in Köln vertreten sein. Sofern Ihr den Kauf eines Grafiktabletts in Erwägung zieht – hier könnt Ihr die Geräte testen.

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3 Kommentare

  • Antwort Tweets that mention Hanvon Grafiktabletts - Der Test für die Digitale Fotografie | BlogTimes - Fotografieblog -- Topsy.com 16. April 2010 um 17:00

    [MARKED AS SPAM BY ANTISPAM BEE]
    […] This post was mentioned on Twitter by Ronny, BlogTimes. BlogTimes said: Hanvon – Grafiktabletts TEST http://bit.ly/cXyh0c […]

  • Antwort Hanvon Grafiktabletts - Test | BlogTimes - Fotografieblog 16. April 2010 um 17:09

    […] vom 16.04.2010: Der Testbericht ist fertig und kann hier gelesen werden. Freue mich über Kommentare und […]

  • Antwort Hanvon Art Master III Grafiktablet - TEST | BlogTimes - Fotografieblog 9. Juli 2010 um 19:34

    […] einiger Zeit gab es bereits einen großen Test über 3 Geräte des neuen Grafiktablett-Herstellers blogtimes. info Ich bin gespannt wie das […]

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