Fotografie, Unterwegs

HELLisheiði – Reisetagbuch Island Tag 9

15. Mai 2011

Nach, einem erzwungenermaßen, entspannten Tag auf der Halbinsel Langanes haben wir uns um 06:30 auf den Weg zum 250 km entfernten Berufjörður, im Osten Islands, gemacht.

Der Morgen wurde etwas getrübt, da die Katze meines Freundes gestorben ist. Mit diesem Gefühl stieg ich ins Auto und hoffte mich mit den Geschehnissen des Tages ablenken zu können.

Nach einem gemütlichen Weg auf der asphaltierten Küstenstraße kamen wir auf eine der wenigen unbefestigten Straßen des Landes, die nach eigener Erfahrung unberechenbar sein können. Zu Beginn der Straßeführung kreuzten wir ein Schild mit dem Hinweis darauf, dass diese Straße nicht befahrbar sein könnte. Man solle sich per Telefon erkundigen ob die Straße frei ist. Wir ahnten nichts Gutes, riefen an und erhielten, dank modernster Sprachcomputertechnik, keine Antwort auf unsere Frage. Wir beschlossen uns auf den Weg zu machen und das Risiko einzugehen, um nicht zurück fahren und dadurch einen größeren Umweg in Kauf zu nehmen. Das erste Straßenschild, welches uns begegnete, machte uns nicht gerade Mut. KILL stand dort geschrieben – Wahrscheinlich eine Herberge oder ein Fluss.

Die ersten 10 km der Strecke verliefen ohne Schwierigkeiten aber als wir sahen wo uns die „Straße“ hinführte wurde uns schon mulmig. Die Streckenführung führte erst leicht bergauf dann später in Serpentinen mindestens 14% nach oben. Das alles war für unseren Wagen und Ronny Ritschel als Fahrer noch kein Problem – Erst als der erste Schnee auf der Straße lag und wir anfingen hin und her zu rutschen kamen wir mächtig ins Schwitzen. Die Serpentinen schlängelten sich weiter durch die Bergkette Hellisheiði und als wir langsam um die nächste Kurve fuhren trauten wir unseren Augen kaum. Ein Lkw stand mitten auf der schmalen Spur im Schnee zwischen Felswand und tiefem Abgrund. Der Anhänger wurde so geparkt, dass nur noch Zentimeter fehlten um ihn in den Abgrund zu schicken. Wir vermuteten, dass sich ein wagemutiger Fahrer etwas überschätzt hat die enge Serpentinenstraße zu nehmen und musste einsehen, dass er nicht mehr vor und zurück kam.

Wir quetschten uns mit unserem kleinen 4×4 Antrieb rechts am LKW vorbei in der Hoffnung, dass wir ihn nicht streifen würden und ihm den letzten Schubs geben um ihn in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Wir kamen vorbei und mussten immer in Bewegung bleiben um nicht im Schnee stecken zu bleiben. Das Auto schlitterte in den Kurven auf der schmalen Straße hin und her und wir hofften nur, dass wir den Gipfel bald erreichen würden um wieder herabfahren zu können. HELLisheiði machte ihrem Namen alle Ehre.

Nach ein paar weiteren Rutschpartien haben wir endlich den Gipfel erreicht und wussten, dass das Schlimmste überstanden war. Die Aussicht konnten wir jedoch nicht genießen, da wir schon von weitem sahen was auf uns zu kam um herunter zu fahren. Weitere enge Kurven den Abgrund entlang. Ich krallte mich im Wagen fest und hoffte nur, dass wir heil unten ankamen. Ronny Ritschel gab sein Bestes und wir erreichten unter lautem Stöhnen den Fuß des Berges. Nicht nochmal dachten wir uns. Wir fuhren weiter und beschlossen spontan zum Hengifoss zu fahren – mit 118 m Fallhöhe einer der höchsten Wasserfälle des Landes.

Unsere Muskelkraft in den Beinen wurde wieder gefragt, als wir den Aufstieg zum Hengifoss antraten. 2,5 km ging es fast ausschließlich steil bergauf, aber am Ende wurden wir wieder für unsere Mühe belohnt. Ein schmaler aber langer Wasserfall schoss vor unseren Augen 118 m von den dunkelbraunen bis schwarzen Klippen aus Basaltstein herab und erzeugte eine wunderbare Gischtkrone am unteren Ende. Wir waren fast allein und genossen die Ruhe.

Mittlerweile beginne ich zu glauben, dass sich in jedem Wasserfall, in jedem Fels und in jedem See oder Stein eine Seele befindet. Island ist ein merkwürdiger, mystischer Ort, dem man alles zutrauen kann. Die Existenz diverser Wesen und Seelen ist vielleicht nicht bewiesen, aber es wurde auch nicht bewiesen, dass es sie nicht gibt.

Mit diesem Satz beende ich meinen heutigen Bericht und wünsche Euch eine wunderschöne Nacht.

Viele Grüße aus dem beeindruckenden Island.

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1 Kommentar

  • Antwort Ilona 17. Mai 2011 um 17:00

    Das ist toll, Ronny, eine mitreißende Tagebuchseite! :love

    LG Ilona

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