Interviews

Ich sah einen Bericht über Peter Lindbergh und wusste danach, dass ich eine Kamera brauche…

12. Juni 2011

Das sind die Worte des Porträtfotografen Frank Neu und der Beginn einer Leidenschaft für die Fotografie.

Frank Neu lebt in Neunkirchen an der Saar und widmet sich neben der Musik seinem größten Hobby, der Fotografie. Alles begann quasi schon im Kindesalter, als seine Mutter einmal in sein Kinder-Fotoalbum schrieb „Du hast Dir immer lieber Fotos angeschaut, als mit Deinen Autos zu spielen“. Dann vor ca. 22 Jahren schaute sich Frank im Abendprogramm einen Bericht über Peter Lindbergh an. Danach war es offensichtlich um ihn und der Fotografie geschehen.

 

Ich sah einen Bericht über Peter Lindbergh und wusste danach, dass ich eine Kamera brauche… Frank Neu


Schöner, finde ich, kann man seine zukünftige Leidenschaft für die Fotografie nicht entwickeln. Seit mittlerweile 4 Jahren beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit der Porträtfotografie. Durch seine Serie [reflection²] und [in time²], wurde ich auf ihn aufmerksam. Die Porträts, welche fast ausschließlich Frauen zeigen, bestechen nicht nur durch das bloße Motiv, sondern vorwiegend durch die Bildaussage. Die Bilder ermöglichen dem Betrachter einen nach meinem Empfinden sehr hohen Interpretationsspielraum.

Im Rahmen eines Interviews habe ich Frank ein paar Fragen gestellt und hier sind die Antworten.

BlogTimes: Themenschwerpunkt ist bei Dir die Portraitfotografie. Was fasziniert Dich daran?
Frank Neu: Den Moment mit einem Menschen einzufangen, etwas von seinem Charakter festzuhalten und das sich der Portraitierte darauf auch noch in Jahren selbst erkennt.

BlogTimes: Dein Portfolio umfasst auschließlich Aufnahmen von Frauen – Gibt es hierfür einen besonderen Grund?
Frank Neu: Mein Portfolio umfasst auch Männer, nur die meisten zieren sich, wenn es darum geht, sich vor die Kamera zu stellen. Es ist einfacher, Frauen zu fotografieren, vielleicht weil es eher in der Natur der Frau liegt, sich darzustellen. Jedoch muss man auch da sehr unterscheiden, ob es natürlich wirkt oder ob es gestellt aussieht.

BlogTimes: Wie hast Du all diese sehr attraktiven Frauen für Deine Art der Porträtfotografie gefunden und begeistert?
Frank Neu: Das Internet war anfangs eine große Hilfe. Durch diverse Fotoseiten fand ich Kontakte zu den Models. Heute läuft viel über Anfragen und Weiterempfehlungen. Aber auch real oder über den Freundeskreis und Bekannte findet man viele interessante Persönlichkeiten.

BlogTimes: Fotografierst Du analog oder digital?
Frank Neu: Meine allererste, eigene Kamera war eine Polaroid 1000, danach eine analoge, kompakte von Nikon und seit dem bin ich der Marke treu geblieben. Der Umstieg aufs digitale kam dann etwa 2006 mit einer Nikon D40, die ich mir kaufte um einfach mal wieder ne Spiegelreflex zu besitzen.

So langsam zeichnet sich aber wieder der Umstieg aufs Analoge ab. Derzeit ist meine Lieblingskamera eine  Polaroid SX70. Analoge Fotografie hat einfach mehr Wärme, gerade wenn es um Portraits geht.

BlogTimes: Wie wichtig ist Dir die digitale Bildbearbeitung?
Frank Neu: Früher war sie mir wichtiger als heute. Das hat vielleicht auch etwas mit meiner eigenen Entwicklung zu tun. Heute nutze ich sie, um meinen Fotos die Tonung zu geben, die mir zusagt.

BlogTimes: Ich habe Dich via Facebook gefunden – Welche Rolle spielt Social Media für Dich als Fotograf?
Frank Neu: Facebook finde ich nach wie vor noch immer eine gute Seite. Dadurch hab ich wesentlich mehr Fotografen/innen kennengelernt, als über all die anderen Fotoseiten in den letzten Jahren, auf denen man sich meist nie  privat unterhalten hat. Ansonsten würde ich für den Moment zum Thema Social Media sagen, dass ich nur ca 20 Prozent meiner Fotos  ins Internet stelle. Mit der Zeit wird man müde und verliert den Überblick bei all den vielen Fotoseiten.

BlogTimes: Meine persönlichen Favoriten unter Deinen Aufnahmen finde ich bei [ reflection² ] – Warum und wie bist Du auf das Stilmittel „Fensterscheibe“ gekommen?
Frank Neu:
Ehrlich gesagt, es war eine spontane Idee, die ich eigentlich nie umsetzen wollte, weil es schon jede Menge Fensterbilder gibt. Danach kam der Gedanke auf, dass ich es nie gesehen habe, dass es immer das gleiche Fenster war. Genau so wie der Blick aus dem Fenster täglich eine Geschichte erzählen kann, war mein Gedanke, lass den Blick „In“ das Fenster auch Geschichten erzählen.

Irgend wann einmal, wenn ich die [ reflection² ] Serie beendet habe, hoffe ich auch, dass sie eine Geschichte erzählt haben.

BlogTimes: Welches war Dein schönstes Erlebnis beim Fotografieren?
Frank Neu:
Das ist schwer es auf einen Moment oder ein Foto zu reduzieren. Vor Jahren waren wir in Dänemark im Urlaub und es war solch ein Tag mit 30 Grad Hitze im Schatten, als ich den Entschluss fasste, dass ich jetzt unbedingt Menschen in ihrer Küche fotografieren will. Diese Offenheit, als ich damals bei  wildfremden Menschen an der Haustür klingelte und ihnen meine Idee erzählte und sie sich tatsächlich darauf einließen hatte schon etwas tolles. Das gäbe es hier in Deutschland wohl nur sehr selten!

BlogTimes: Was, Wen oder Wo würdest Du gerne mal fotografieren?
Frank Neu: Helmut Schmidt! Ich habe schon seit Jahren den Gedanken im Kopf, dass ich diesen Mann gerne ins Quadrat setzen möchte. Rauchend, Kaffee trinkend an seinem Schreibtisch im Gegenlicht und in schwarz/weiß.

BlogTimes: Hast Du einen Favoriten aus Deinem Portfolio und warum?
Frank Neu: Primär fällt mir immer ein Foto ein, dass eigentlich während einer Auftragsarbeit für ein Kleider Geschäft entstand. Ich setzte das Model damals auf eine Holztreppe und wußte, dass ich fortan nur noch Portraits machen wollte. Der Moment als dieses Foto entstand war mir damals wichtiger, als das Oberteil, das ich eigentlich fotografieren sollte.

BlogTimes: Welchen Tip kannst Du angehenden Porträtfotografen mit dem auf dem Weg geben?
Frank Neu:  Vielleicht den, dass sie sich nicht so sehr daran orientieren sollen, was sie im Internet sehen.  Natürlich auch, dass man sich besser mal Bücher von Fotografen kauft oder ausleiht, als sich diese 0815 „Wie lerne ich Portraitfotografie“ Bücher zuzulegen. Ausstellungen sich auch mehr als hilfreich, damit man echte Originale sieht und keine digitalen Internetfotos, die bei weitem nicht die Kraft eines echten Fotos haben.

Ich danke für dieses sehr interessante Interview und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg in Deinem fotografischen Werdegang. Das Portfolio von Frank findet ihr auf seiner Webseite: soulmining.de oder ihr folgt ihm auf Facebook.

Vielleicht interessiert dich das hier auch...

8 Kommentare

  • Antwort Lars 12. Juni 2011 um 19:32

    lustig, bin vorhin erst zufällig über seine fotos bei flickr gestolpert und war sehr beeindruckt. und jetzt finde ich das interview mit ihm in meinem feedreader. sehr cool!

  • Antwort Ronny Behnert 12. Juni 2011 um 19:39

    Ein tolles Interview Ronny. Franks Arbeiten mag ich sehr, so dass ich mich darauf schon gefreut habe.

  • Antwort Teezeit 12. Juni 2011 um 22:11

    Hätte ich die Bilder von Peter Lindbergh früher gesehen, hätte ich mir auch eine Kamera gekauft. Aber nicht, um seine teilweise unscharfen Bilder nachzumachen… (Sorry – ich mag ihn und seine Bilder absolut nicht.)

    Die Fotos von Frank neu gefallen mir dafür umso besser.

  • Antwort Robert Scholz 13. Juni 2011 um 10:37

    sehr schön … gute „frühstückslektüre²“

  • Antwort Timo 13. Juni 2011 um 10:42

    Guten Morgen, 🙂

    ein wunderschönes Interview mit so viel Tiefe, wie ich finde.
    Frank macht echt wunderbare Bilder. Einfach anders, persönlich und ebenso mit Tiefgang. Mag ich! Danke für dieses Interview, hat mich über meine Fotos wieder neu nachdenken lassen.

    Viele Grüße,
    Timo

  • Antwort kay 15. Juni 2011 um 11:55

    sehr schöner artikel!

  • Antwort KPK 30. August 2011 um 13:52

    Mag die Fotos von Frank Neu auch sehr. Prima Interview, Danke dafür!

  • Antwort Rückblick 2011 – Was dieses Jahr so alles passiert ist... | BlogTimes - Fotografieblog 21. Dezember 2011 um 10:36

    […] auf Trap hälst. Nach langer Zeit gibt es auf BlogTimes mal wieder eine Fotografen-Vorstellung. Frank Neu hatte ich schon länger auf dem Schirm, weil ich seine Porträtfotografie absolut geil […]

  • Kommentar verfassen