Fotografie

Ist doch egal, was andere denken…

29. Mai 2011

… wenn oder was ihr gerade fotografiert.

Folgende Szene:
Der Akku ist aufgeladen, die Speicherkarte ist formatiert, das Wetter passt – also Zeit mal wieder eine kleine Fototour zu unternehmen. Ich gehe also durch die Straßen, sehe hier da ein Fotomotiv, doch was mache ich? Ich traue mich nicht die Kamera aus der Tasche zu nehmen. Stattdessen bleibe ich stehen und schaue mich um ob jemand in der Nähe ist, der mich beim Fotografieren beobachten könnte? Ich denke mir, wenn ich jetzt meine Kamera aus der Tasche nehme, fragen sich bestimmt die Leute was ich hier fotografieren will? Ich zögere und merke förmlich, wie sich die Blicke der anderen in meinen Hinterkopf bohren – Hmm, was der hier wohl fotografieren will, höre ich die Anderen. Ich werde unruhig, gehe weiter und ärgere mich, dass ich mir mehr Gedanken darüber mache, was die anderen von mir denken aber ich kann einfach kein Foto aufnehmen, wenn mir jemand zuschaut…

So oder so ähnlich habe ich mich in der Vergangenheit gefühlt, wenn ich mit meiner Kamera unterwegs war.  Mittlerweile ist es mir egal, was die Anderen über mich denken. Wenn ich zudem noch mit meinem Stativ bei bestem Licht unterwegs bin, kann ich die Verwunderung förmlich in den Gesichtern lesen. Im Übrigen ist dieser Gedanke, gerade bei Fotografie-Einsteiger offensichtlich weit verbreitet, wie man in diversen Berichten und Beiträgen anderen Fotografieblogs lesen kann.

Woher diese „Angst“ kommt, kann ich zwar nicht erklären, aber durch den selbstbewussten Umgang mit der Kamera kann man sie auf ein Mindestmaß beschränken oder gar komplett beseitigen. Ich konnte den Gedanken zum einen aus meinem Kopf verbannen, indem ich über einen längeren Zeitraum sehr viel fotografiert habe und zum anderen sehr oft zu Zweit unterwegs war. Gerade durch Letzteres fühlt man sich wohler und selbstbewusster und erst recht, wenn die zweite Person auch eine Kameraausrüstung bei sich hat.

Was ist mit Euch, hattet oder habt ihr ein ähnliches Gefühl beim Fotografieren? Wenn ja, wie geht ihr damit um, oder wie seit ihr es los geworden?

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33 Kommentare

  • Antwort Von der Angst vor dem Motiv | mm-creative Von der Angst vor dem Motiv | design oder nicht sein… 29. Mai 2011 um 17:34

    […] laß ich folgenden Artikel: “Ist doch egal. was andere denken“[1] auf  ”BlogTimes.info” und fühlte mich sofort ertappt. Ertappt mit dem […]

  • Antwort Reiner 29. Mai 2011 um 17:40

    Früher ist es mir genauso ergangen. Man muss die Angst überwinden, dann geht es von mal zu mal leichter!
    Frei nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt´s sich völlig ungeniert. :lol

  • Antwort Bodo 29. Mai 2011 um 17:51

    Schöner Artikel, geht mir leider immer noch so das ich mich erst einmal umschaue und prüfe wer so da ist, konnte das bisher nicht ablegen. Erst wenn die Luft rein ist wird die Kamera herausgeholt und gefeuert. Heute am See war es besonders schwierig da dort wo ich fotografieren wollte ein Pärchen FKK gemacht hatte. Ich wollte aber unbedingt dort fotografieren und habe kein einziges mal in die Richtung des Pärchens geschaut geschweige den direkten Augenkontakt gesucht. Ich meine was werden die wohl denken wenn ich die Kamera auspacke, ein Spanner, ein Perverser etc.

    Ich bin aber auch schon von einer sehr dummen Person bedroht worden weil ich ein paar Blaumeisen fotografiert habe und man hat mir auf untersten Niveau mit Schlägen gedroht, das war wenig angenehm.

    Gruss

    • Antwort BlogTimes 30. Mai 2011 um 16:47

      Das mit dem FKK Pärchen ist natürlich irgendwie blöd. Kann mir sehr gut vorstellen, dass man sofort als Spanner verdächtigt wird! Was musst Du auch dort fotografieren 🙂

  • Antwort Silke 29. Mai 2011 um 18:19

    Ich habe das Gefühl auch manchmal. Bei einem Motiv ist es da, bei einem anderen keine Spur davon. Manchmal mache ich ein Bild aus einer unbgegründeten Angst nicht, ein anderes Mal hocke ich mich 15 Minuten vor einen Teich mitten im Kurpark und fotografiere Schwäne. Und es stehen fünf Senioren hinter mir, die alle Kommentare abgeben und – es stört mich nicht!

    Ich hab keine Ahnung, warum ich manchmal Scheu habe und manchmal nicht. Ich kann mich für ein Motiv in den Dreck schmeißen und ein anderes Mal habe ich eine totale Blockade und ärgere mich danach über das verpasste Motiv..

    Bescheuert, oder? :argh

  • Antwort Dario 29. Mai 2011 um 20:47

    Ja das kenne ich, manchmal als Überwinder, manchmal als Scheiterer.

    Im Stadtpark merkt man ja auch, wenn die Leute stehen bleiben, um zu beobachten was und wie man genau fotografiert. In solchen Situationen dann nicht zu drücken, wenn die Komposition nicht passt, obwohl „alle“ rundum auf den Klick warten, echte Mutprobe – also nur was für „echte Männer“. :8

  • Antwort n1Ls 29. Mai 2011 um 21:11

    Ich kenne das nur zu gut, aber mir ist es mittlerweile echt komplett egal.
    Selbst in einer befüllten Fußgängerzone. Wenn du dein Motiv gefunden hast, das Wetter genial ist – einfach machen.

  • Antwort Peter 29. Mai 2011 um 23:04

    Ein Abend lang Fotografieren mit Stativ in Las Vegas vor 15 Jahren hat mich von dieser Phobie geheilt;-) Unglaublich wie viel Leute mich gebeten haben einen Film zu wechseln (ja das gab es damals noch…), mir Fachfragen gestellt haben oder einfach nur ins Gespräch kommen wollten. Rückfälle gibt es aber auch mit Mitte 40 immer noch wenn irgendwas an der Technik nicht funktioniert, die Sonne langsam untergeht und ein angetrunkener Passant mich zum Thema analoge oder digitale Fotografie, was ist besser anlabert. Da ging dann neulich gar nichts mehr und ich war nur gestresst und konnte kein gescheites Bild mehr machen. Naja, wenns schlimmer wird fliege ich einfach mal wieder zur Therapie nach Las Vegas…

  • Antwort ThilliMilli 30. Mai 2011 um 09:05

    Rausnehmen, zielen, abdrücken.

    Bin da recht entspannt. Eigentlich ist es doch eher schön, Motive zu sehen, die andere nicht sehen. Und dann am Ende des Tages sich wundern / freuen, dass Szenen aufs Papier (ok, den Bildschirm) gebannt werden, die sie so nicht gesehen haben.

    Das nennt sich dann Bestätigung. Mein privates Umfeld lässt mich inzwischen einfach machen. Um Fremde kümmere ich mich nicht wirklich. Da ich in einer Großstadt lebe, sehe ich diese Menschen meist sowieso nicht wieder.

  • Antwort Jo 30. Mai 2011 um 12:04

    @ThilliMilli: Da sagst du was. So ähnlich sagte es auch Henri Cartier-Bresson… „Photography is like archery: Aim right, shoot quickly, duck out.“

    Das Problem des „unguten Gefühles“ kenne ich überhaupt nicht. Es sei denn, ich halte irgendwo bewußt drauf, wo ich eigentlich hätte die Kamera wegnehmen sollen. 😉

  • Antwort Markus 30. Mai 2011 um 15:46

    Die Probleme des unwohlseins hatte ich auch zu Anfang, doch mitlerweile intressiert es mich nicht mehr, ob andere was sagen oder was Sie über mich denken. Anders sieht es natürlich auf Fotos mit Personen aus, den ich möchte ja auch nicht einfach, ohne meine Einwilligung, fotografiert werden.

    • Antwort BlogTimes 30. Mai 2011 um 16:26

      Was die Fotografie von Personen angeht hast du natürlich recht. Allerdings wird wohl über kurz oder lang die Streetfotografie darunter leiden.

  • Antwort Thomas Brotzler 30. Mai 2011 um 21:12

    Wieder einmal ein sehr spannendes Thema!

    Sowohl bei der Landschafts- wie auch der Streetfotografie bin ich sehr stark fokussiert. Ich wende zur Einstimmung meine Aufmerksamkeit nach innen (und schotte mich vorübergehend auch gegenüber den Außenzeizen ab), um die Ausgangsbasis meiner Gedanken und Empfindungen wahrzunehmen. Erst wenn dies für mich soweit geklärt und bereinigt ist, kann ich die nun geschärften Sinne wieder nach außen richten. Dann fühle ich mich mit dem Motiv verbunden und offen gegenüber dem Potential an Szenen und Empfindungen. Je stärker diese innere Haltung ausgeprägt ist, desto besser erscheint mir jener Brückenschlag zwischen „innerem und äußeren Bild“ zu gelingen.

    Das klingt jetzt alles vielleicht etwas abstrakt …

    Vielleicht hilft noch der Hinweis, daß es einiges mit meditativen Praktiken bzw. Techniken des Autogenen Trainings zu tun hat, die mir durch meinen Erstberuf als Psychotherapeut geläufig sind. Und äußere Störungen – um auf das Thema zurückzukommen – kann ich in dieser sehr konzentrierten Haltung überhaupt nicht leiden. Dann gibt es (1) eine freundliche Bitte, mich in Ruhe arbeiten zu lassen, (2) eine Visitenkarte und (3) einen Hinweis auf meine Workshops …

    • Antwort BlogTimes 30. Mai 2011 um 21:40

      Du schreibst, dass du zur Einstimmung deine Aufmerksamkeit nach Innen wendest. Ok, bei der Landschaftsfotografie verstehe ich das. Die Motive laufen ja nicht weg. Wie machst Du das denn bei der Streetfotografie? Die Motive kommen und gehen…., oder bereitest du dich grundsätzlich vor der Fotografie wie beschrieben vor? Interessant finde ich den Ansatz allemal!

      • Antwort Thomas Brotzler 30. Mai 2011 um 22:06

        Lieber Ronny, auf Deine Frage hin: ja, grundsätzlich immer bei der Fotografie … bei der Streetfotografie gibt es – wie Du anmerkst – das Phänomen der szenischen Flüchtigkeit. Das kenne ich durchaus: wie oft meinen wir, jenen „entscheidenden Augenblick“ im Sinne eines Henri Cartier-Bresson gesehen, aber nicht eingefangen zu haben. Das bringt aber m. E. nichts und demotiviert nur. Um dieser Falle zu entgehen, halte ich es gerne wie Edouard Boubat: „Jeder schreitet auf das Bild zu, das er in sich trägt.“ Praktisch ausgedrückt verwende ich bei der Streetfotografie gerne eine „Framing-Technik“ – ich suche also zunächst nach einer statischen Szene, die zugleich interesant und kompositorisch stimmig ist (wie Du mit Deinem Tunnelbild) und dann warte ich auf den „durchhuschenden Menschen“, der diese Szenerie zum Leben erweckt. Siehe auch das beigelegte Beispiel aus meiner Lensbaby-Serie „Über Leben i der Stadt“

        • Antwort BlogTimes 31. Mai 2011 um 21:42

          Danke an dieser Stelle für deine profunden Kommentare – by the way – Gefällt mir sehr gut die Aufnahme!

  • Antwort Schelter 30. Mai 2011 um 23:24

    Hallo Ronny,

    ich glaube es ist genau diese Einstellung, warum Fotografen in D-land so ungern gesehen sind… in keinem anderen Land hab ich eine so ablehnende Haltung gesehen, wie hier…
    Wenn Fotografen sich nicht benehmen würden, als ob sie da was illegales oder schmuddeliges tun, würde es wahrscheinlich auch niemanden stören!
    Ich für meinen Teil habe die Erfahrung gemacht, je selbstverständlicher ich an die Sache rangehe, umso weniger Störungen habe ich! Klar gibt es mal ein Paar Leute denen das nicht passt, aber dann bitte ich sie höflich weg zu gehen, und das Bild mit ihrer Visage nicht zu verschandeln, und schon hat sich das Thema erledigt 😉

    • Antwort BlogTimes 30. Mai 2011 um 23:59

      Den letzten Satz unterschreibe ich voll….. 🙂

  • Antwort Jo 31. Mai 2011 um 08:12

    Freundlich und nett sein ist das A und O. Ihr wisst doch, ein Lächeln ist der kürzeste Weg zwischen zwei (oder mehr) Menschen… klappt zu 99%.

  • Antwort Thomas Wilden 31. Mai 2011 um 11:57

    hallo zusammen,

    also mir ist echt echt egal was andere denken, …

    wenn ich fotografiere, fokussiere (no pun intended) ich mich total auf mein motiv, blende mich quasi total aus meinem umfeld aus und nehme nur noch selektiv wahr was in meinem sucher vor sich geht, bzw was das anvisierte Motiv macht, wenn ich die kamera nicht vor dem auge habe.

    alles andere wäre ja auch eher selbstdarstellung, aber eine interessante idee des „wie seh ich mich selbst, wie sehen mich andere“-Gedankens.

    daß andere sich was bei meinem tun denken, merk ich dann wenn es hinter mir klickt, oder noch ärgerlicher irgendein touri-knipser plötzlich vor mir steht, um „mein“ bild zu machen, meine szene zu ruinieren, mein model zu vertreiben, …

    was denk ich mir dann ? die denken offenbar nicht selber, kopieren bloß, daß was andere forografen ge“sehen“ (haben).

    und ich selber ? beobachte gerne mal andre fotografen, vesuche zu sehen, was diese sehen um auf neue und/oder andere betrachtungsweisen zu kommen, oft seh ich aber nix oder es war dein leider doch wieder der best point of view, also der eine spot von dem allein man das „beste“ bild eines motivs/einer situation machen kann :-), auch ok, dann bestätigt es einen, was aber noch lange nicht heisst, daß ich dieses bild dann auch wirklich mache.

    und zum guten schluß, ich denke die kamera gibt einem einen „freibrief“, eine berechtigung da zu sein wo man ist und das zu tun was man macht in einer situation, insbesondere für introvertierte oder meschenscheue Charaktere eben ein Mittel sich die Welt zu erschliessen und aus sich herauszugehen. Ein Kontakt- und Kommunikationsmittel, nicht nur auf Reisen sondern auch in Deutschland.

    Wobei ich leider auch zugeben muß, daß Deutschland ein schwieriges Pflaster für Fotografie geworden ist, rechtlich, privatspäremässig und was (Un-)Freundlickeit angeht leider sowieso.

    Genug der Worte…

    Liebe Grüße

    Thomas Wilden
    Koblenz

    Ein guter Artikel, den ich gerne kommentiert & verlinkt habe !

    • Antwort Thomas Brotzler 31. Mai 2011 um 21:14

      Zitat: „wenn ich fotografiere, fokussiere (no pun intended) ich mich total auf mein motiv, blende mich quasi total aus meinem umfeld aus und nehme nur noch selektiv wahr was in meinem sucher vor sich geht, bzw was das anvisierte Motiv macht“

      In jener inneren Fokussierung, um nicht zu sagen einer Art vorübergehenden Autismus‘ scheinen unsere Ansätze durchaus ähnlich.

      Zitat: „eine berechtigung da zu sein wo man ist und das zu tun was man macht in einer situation, insbesondere für introvertierte oder meschenscheue Charaktere eben ein Mittel sich die Welt zu erschliessen und aus sich herauszugehen“

      Das Homo-faber-Motiv – wie der Protagonist also nach der Bruchlandung des Flugzeugs die Versehrten fotografiert bzw. filmt. Es hat durchaus seine Berechtigung, aber auch seine Abgründe …

      • Antwort Thomas 1. Juni 2011 um 10:57

        hi again,

        da ich meine kommentare eher spontan reintippe, bitte ich die legasthenisch anmutenden tipfehler zu entschuldigen.

        wenn autismus bedeuten soll, daß man sich auf sein motiv einlässt, und versucht diesem angemessen das „beste“ bild zu machen, stimm ich dir da zu, denn daß geht m.E. nur wenn man sich 100% darauf einlässt.

        homo-faber hab ich leider aus meinem deutsch-grundkurs am gymnasium komplett verdrängt (der lehrer war schuld 😉

        wenn du aber andeuten möchtest, es ginge um sensationsgier liegst du leider verkehrt. mein gedanke bezog sich eher darauf, daß die kamera im positiven sinne ein mittel ist das kommunikation ermöglicht, also ein konstruktives miteinander (heute leicht dank kamera-display) und nicht eine jäger-opfer mentalität, das „abschiessen“ der beute, …

        es zielte darauf ab, daß andere kommentatoren darauf hinweisen, sie hätten hemmungen die kamera herauszunehmen und in eine situation hineinzugehen, auf menschen zuzugehen,…

        • Antwort Thomas Brotzler 1. Juni 2011 um 12:50

          Nein, Sensationsgier wollte ich unserem Tun nicht unterstellen, und dies war auch nicht die Intention des Protagonisten in Homo faber – besonders in der kongenialen Verfilmung des Stoffs durch Schlöndorff wird m. E. deutlich, wie sehr er die Kamera als Brücke zur Welt bzw. „Übersetzungshilfe“ braucht. Allerdings besteht ja Interpretationsfreiheit seitens der Umgebung. Wir können also nicht ausschließen, daß andere uns das, was wir aus innerer Überzeugung tun (ein für uns stimmiges Bild der Welt festzuhalten) nicht negativ (Schaulust, Kaltherzigkeit, …) auslegen – wenn wir selbst aber von der Richtigkeit und Dringlichkeit unseres Tuns überzeugt sind, werden wir damit wohl leben können …

  • Antwort zzipp 4. Juni 2011 um 13:11

    Ich kenne es ganz genauso, wie du es beschreibst. Nur leider bin ich nicht so weit wie du und tue mich manchmal immernoch sehr „schwer“. Besonders wenn andere Menschen auf dem Bild sind..

    Grüße
    Dennis

    • Antwort BlogTimes 4. Juni 2011 um 13:21

      Besonders wenn andere Menschen auf dem Bild sind…

      Leider hat das natürlich auch etwas mit dem Recht am eigenen Bild zu tun! Bin mal gespannt, was über kurz oder lang aus der Streetfotografie wird.

      • Antwort Thomas Brotzler 4. Juni 2011 um 15:10

        Betrachten wir die rechtliche Seite im Ländervergleich: in den USA ist die Kunstfreiheit derart hochgesetzt, daß nicht einmal ein Rabbiner mit religiös begründetem Bilderverbot sich vor Gericht gegen eine Abbildung wehren kann (vielleicht kennt Ihr den Fall); hierzulande gilt hingegen „keine wiedererkennbare Abbildung in Gruppen unter sieben Leuten, außer bei vorliegender Einwilligung, am besten schriftlich“.

        Wenn man unser derzeitiges Rechtsverständnis anlegen würde, könnten sämtliche namhaften Streetfotografen (angefangen bei HCM) die Mehrzahl ihrer Werke schlichtweg einstampfen …

        Aber trotzdem möchte ich die Streetfotografie hierzulande nicht für tot erklären – sie war über die letzten zwei Jahre immerhin mein Arbeits- und Ausstellungsschwerpunkt, ohne daß ich juristische Scherereien hatte.

        Es gibt m. E. sehr wohl Mittel und Wege, die rechtlichen Hürden zu überwinden und „aus der Not eine Tugend“ i. S. der künstlerischen Darstellung zu machen. Ich meine damit nicht, Passanten mit Model-release-Formularen heimzusuchen. Das ist genauso unrealistisch wie eine vorauslaufende Nachfrage, welche die Spontanität der Situation zerstört (anders wie die nachträglche Einwilligung). Ich meine damit eher, mit Anschnitten, Rückenpartien oder Bewegungsunschärfe zu arbeiten. Auch die Verwendung des Lensbaby-Objektivs mit seiner selektiven Schärfe und relativ geringen Abbildungsleistung kann hierbei m. E. helfen.

        • Antwort Thomas 6. Juni 2011 um 11:27

          hi,

          daß mit den gruppen ist wohl eher eine volksweisheit, woher hast du die zahl „7“ dabei ? dazu gibts einen artikel bei „recht-am bild“ einem juristenblog was sich mit fotorecht-themen befasst (link müßte ich raussuchen).

          bildtechnisch gesehen sind zur zeit die street-blogs voll mit schatten-bildern, also s/w abgebildeter mensch im hohen kontrast schwarz zugelaufen, und auf dem boden, der wand, … der zugehörige schatten.

          street, ja interesant, leider die rechtliche debatte (mal wieder). rein praktisch gesehen „wo kein kläger, da …“ und die schriftform benötigt man ja wegen der beweisbarkeit, und nicht weil der/die abgebildete durch sein verhalten hat erkennen lassen, daß er stillschweigend seine zustimmung gegeben hat .-)

          letzen endes ist die veröffentlichung des bildes das problem, nicht die erstellung.

          manch eine(r) lässt sich gerne fotografieren, wenn er anschliessend ein bild davon bekommt, evtl aber nicht wenn er befürchten muß ungefragt auf w-k-w, fb, und sonst weiß wo zu landen …

          kommunikation eben mit worten, mit gesten, durch sein verhalten, …

          und wer lässt sich schon gerne seine seele klauen … 🙂

          LG
          Thomas

          • Thomas Brotzler 6. Juni 2011 um 13:18

            Zitat: „das mit den gruppen ist wohl eher eine volksweisheit, woher hast du die zahl 7 dabei?“

            Ich komme ja nicht vom Journalismus, sondern von der Kunst her zur Fotografie. Durch meine Ausstellungen habe ich viel Kontakt zu Zeitungen und die „magische Sieben“ ist mir seitens verschiedener Redakteure immer wieder bestätigt worden.

            Zitat: „letzen endes ist die veröffentlichung des bildes das problem, nicht die erstellung.“

            Aber ja, genau über die Verwertung und Veröffentlichung sprechen wir hier – ich bin ausstellender Künstler und möchte dem posthumen Ruf möglichst schon zu Lebzeiten etwas vorgreifen.

            Zitat: „bildtechnisch gesehen sind zur zeit die street-blogs voll mit schatten-bildern, also s/w abgebildeter mensch im hohen kontrast schwarz zugelaufen, und auf dem boden, der wand, … der zugehörige schatten.“

            Korrekte Feststellung, und man könnte diesem „Streetstil“ mitlerweile schon etwas Abgelutschtes zusprechen. Gleichwohl möchte ich diesen streetfotografischen Mainstream auch verteidigen, denn es geht dabei nach meiner Auffassung weniger um eine Porträtierung Einzelner als vielmehr um eine Thematisierung atmosphärischer bzw. psychologisch-sozialer Sachverhalte – Provokation ist hierbei Programm. Meine oben eingestellte Arbeit trägt etwa den Titel „Kinderbetreuung“ und gehört zur Serie „Über Leben in der Stadt“ …

  • Antwort Folge 11 – Street Photography und Wolkendienste | Der Foto-Podcast - web-done.de - Podcast Fotografie Canon Nikon 14. Juni 2011 um 18:24

    […] – Street Photography und wie Ihr euch motivieren könnt, Blogeintrag […]

  • Antwort Ocean 22. November 2011 um 19:24

    Meist habe ich das am Anfang einer Tour. Sobald ich die ersten Motive geschossen habe, verschwindet das „Unwohlsein“. Dann lasse ich die Kamera auch meist wie ein Tourist in der Hand oder umgehängt…..
    Wenn ich mit mehreren Leuten unterwegs bin, kommen noft Kommentare wie “ Ah…schon wieder ein Kurs von der VHS“ oder “ die lernen gerade fotografieren“ oder auch “ wo kommen die wohl her „, aber ich finde das eher witzig…..

    Ocean

  • Antwort Benjamin 25. November 2011 um 10:06

    Echt toller Artikel.
    Ich habe da auch immer noch Probleme einfach die Cam rauszuholen und in einer Menschenmenge drauf los zu fotografieren. Geholfen haben da bei mir eigentlich die 3 Hochzeiten, welche ich begleiten durfte. Denn mit einer Kamera in einer stillen Kirche wirst du ganz schnell zum Hauptdarsteller. Wenn man dann auch noch im Gang vor dem Brautpaar dank seiner glatten Ledersohlen fast auf die Nuss fällt weil man meint man müsste rückwärts laufen richten sich ALLE Blicke auf dich. :ahh Nach dem Moment musste ich erstmal 2 Minuten den verlorenen Mut wieder einsammeln :lol

    Trotz diesen Erfahrungen und mittlerweile schon 5 Jahren SLR in der Hand erwische ich immer wieder selbst dabei zu zögern. Heute Morgen am Frankfurter Hauptbahnhof war es das beste Beispiel. Meist mache ich das Foto, habe aber dann keine Ruhe dabei, bin aufgeregt und versaue den Moment. -22-

    Tja, ich muss noch lernen.
    Aber zum Glück bin ich damit nicht alleine wie ich hier lese

    Gruß

    Benjamin
    @leckermojito

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