Fotografie, Unterwegs

L wie Langanes (oder Langeweile) – Reisetagebuch Island Tag 7

13. Mai 2011

Der Tag der Weiterfahrt ist gekommen und wir verlassen Reykjahlið in Richtung Nord-Osten. Die Halbinsel Langanes ist unser Ziel.

Vorbei an den Schwefelseen von Hverir ging es zuerst zum energiereichsten Wasserfall Europas, dem Dettifoss. Über 30 km Feld- und Schotterweg vorbei an skurilen Gesteinsformationen, die typisch für diese Gegend sind, haben wir zurück gelegt um zum Dettifoss zu kommen. Bei jedem Knall eines großen Steines gegen den Autounterboden kamen wir ins Schwitzen und hofften, dass nichts beschädigt wurde.

Entlohnt wurden wir aber auch heute wieder mit einem absolut überraschendem Blick. Am Parkplatz angekommen konnte man den Dettifoss schon von Weitem rauschen hören. Hinter den vielen Felsplateaus konnte man die Gischt aufsteigen sehen und wir fühlten uns als wartete Dettifoss wie ein großes Monster auf uns um uns bei der Ankunft zu verschlingen. Es war menschenleer und wir liefen oberhalb der steilen Felsklippen des Flusses Jökulsá á Fjöllum entlang. Schon bald sahen wir das Ungetüm Dettifoss, das seine Wassermassen, in einer Breite von 100 Metern, 45 Meter in die Tiefe stürzen lässt. Die Wassermassen die an uns vorbeischossen ergossen sich unterhalb des Wasserfalls in einen brodelnden Hexenkessel, der der Meter hohe Gischtberge aufsteigen ließ. Das andere Ufer des Flusses konnte man zeitweise nur erahnen. Wir packten mit großer Sorgfalt das Kameraequipment aus und passten auf, dass wir nicht auf den großen Felsen stolperten und womöglich ins Wasser fielen. Fotografisch ist dieser Wasserfall ein absoluter Höhepunkt.

Mit dem Gedanken, dass dieser Wasserfall nichts mehr toppen könnte machten wir uns auf den 1,4 km Marsch zum Selfoss, der etwas niedriger sein sollte. Über Stock und Stein vorbei an Meter hohen Felsklippen und brüchigen Wänden mussten wir auch hier aufpassen, dass wir nicht hinab in das eiskalte Wasser stürzten.

Nach dem kurzen Marsch sahen wir von Weiten den Selfoss mit seinem Hauptarm und seinen vielen kleinen Nebenarmen, die sich halbkreisförmig in den Jökulsà á Fjöllum erstreckten. Meiner Meinung nach ist dieser Wasserfall sogar noch etwas schöner als der Dettifoss. Die vielen kleinen Seitenarme lassen den Selfoss wesentlich filigraner, fast liebreizend, erscheinen während der Dettifoss grob und rau daher kommt. Beide Wasserfälle haben ihren Reiz und haben mir sehr imponiert. Diese Urgewalt, die sich immer weiter in die Berge frisst, übt eine ungeheure Faszination auf mich aus. Man möchte meinen, Selfoss und Dettifoss hätten eine Seele.

Fotografisch vollkommen entlohnt setzten wir unsere Fahrt fort. Über einige Feldwege fahrend nahmen wir wahr, dass die Umgebung um uns herum verlassener und einsamer wurde. Nebel zog auf und wir fuhren durch eine karge, ebene Landschaft, die durchsetzt war mit vielen kleinen spitzen Felsformationen, die weiter hinten im Nebel verschwanden. Man könnte meinen, man befand sich in einer Elfenstadt, dessen Häuser aus spitzen, kleinen Steinburgen bestanden. Später verschwanden auch die Elfenburgen und es gab nichts außer Weite, die im Nebel verschwand. Langanes hieß uns mit einem dicken Grauschleier willkommen und so beeilten wir uns um in unsere Unterkunft zu gelangen. Im letzten Ort Þorshöfn erledigten wir die letzten Einkäufe und kurz darauf erreichten wir unsere Herberge, in der wir den Abend im hauseigenen Whirlpool auf der Terrasse des Hauses ausklingen lassen werden.

Island hat mich heute wieder einmal mit ein paar Höhepunkten überrascht und ich kann mich nur wiederholen. Island ist wunderschön. Morgen wird Euch Ronny Ritschel von seinen Impressionen von Langanes berichten.

Seid gespannt.

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