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Mit der 110A Conversion in New York – Unterwegs mit dem roten Beast

4. Mai 2015

Eigentlich müsste im Betreff auch noch der Stilpirat hinein – den habe ich nämlich letzte Woche in New York zusammen mit seinem untergebenen treuen Retoucher Josh Terlinden getroffen. Natürlich war das alles zufällig und auch nicht geplant – quatsch, logisch war das geplant, den man läuft sich ja nicht mal zufällig in der Millionenstadt über den Weg.

Egal, was wir dort zusammen gemacht haben, das bleibt erstmal unser Geheimnis, genauso wie das DIY Objektiv, welches der gute Pirat genutzt hat um sein neues Logbuch zu füllen. Ich kann euch allen schon mal sagen. Wer das Teil (also das Buch) nicht kauft, ist selbst schuld. Die Aufnahmen sind einfach der Hammer und ich muss hier ehrlich gestehen, dass diese mich ganz schön neidisch gemacht haben. Allerdings gönne ich das keinem mehr als Steffen – er weiß warum!

Im Gegensatz zum meinem ersten Besuch war ich dieses Mal mit meiner besseren Hälfte in New York und auch wenn ich Steffens tellergroße Blasen nach ganzen 3 Wochen nicht teilen musste, so waren wir dennoch jeden Tag mindestens 20Km zu Fuss unterwegs. New York muss man sich einfach erlaufen, auch wenn die 30 Doller für die Metrokarte gut investiert sind – das Netz ist trotzdem irgendwie scheiße. Da gibts Local, Express Züge und an Wochenenden und zu Nachtzeiten ist wieder alles anders. Da kann es schon mal vorkommen, dass du auf einen Zug wartest und dich wunderst das am gegenüberliegenden Gleis im 10 Minutentakt gehalten wird. Beim Blick auf einem verstaubten Zettel, der an einer der vielen Gusseisernen Säulen klebt, wird dir schnell klar, das heute hier kein Zug mehr kommen wird. Die vielen Abkürzungen, Zahlen und Nummern wohin die Züge eigentlich fahren, machen es einem auch nicht gerade leichter herauszufinden, wo man eigentlich hin muss. Naja, der New Yorker Tourist kennt das ja…

2012 war mein erstes Mal und darauf hatte ich mich gut vorbereitet. Hauptsächlich mit der D800 und einem Stativ bewaffnet zog ich durch die Stadt und hatte damals bereits nach wenigen Tagen das Gefühl, dass New York keine leichte Aufgabe sein würde. Vom fotografischen Standpunkt gesehen, ist NYC einfach too much. Fotomotive erwarten dich an jeder noch so kleinen Ecke. Diese allerdings auch dementsprechend umzusetzen ist jedes Mal eine Herausforderung.

Der Stilpirat hat es bereits in seinem aktuellen Beitrag bestens formuliert. Wie begegnest du einer Stadt, die schon tausende Mal fotografisch festgehalten wurde…. Ehrlich gesagt, gar nicht. Du kannst dich nur treiben lassen. New York ist urbane Fotografie par excellance und du musst auf alles und nichts vorbereitet sein.

Stile ändern sich und so ließ ich mein Stativ daheim und auch die D800, die während der gesamten Woche fast ausschließlich im gepolsterten Fotorucksack schlummerte und wartete geweckt zu werden. Stadt dessen kam meine Polaroid Kamera zu ihrem ersten Einsatz überhaupt. Einzig zwei Testaufnahmen hatte ich vorher gemacht um zu überprüfen ob der Verschluss und auch der manuelle Fokus richtig funktioniert. Beides tat ihren Dienst und so baumelte die Kamera aus 1952 an meinen 60 Jahre später erfundenen Tragegurt von Custom SLR und ließ sich durch New York tragen.

Ich wusste, dass die Kamera früher oder später auf den Straßen oder Fotogeschäften ein Gespräch auslösen würde. So kam es auch, als wir im Superstore B&H waren und einen ebenso 4×5 begeisterten Enthusiasten und Mitarbeiter trafen, der schon immer mal so eine 110A Conversion sehen wollte. Wir sprachen über die Kamera, den analogen Film – eben das typische Fotografiegquatsche. Er holte seine Kollegen und dieser holte weitere. So kam es, dass ich von staunenden Augen umringt war….Ich denke, der Floh in den Ohren saß tief – so zumindest mein Eindruck, als wir kurz vor Ladenschluss zur Kasse stürmten um meine vorher bestellten Planfilme zu bezahlen. Würde mich nicht wundern, wenn demächst ein weiteres Beast die New Yorker Straßen unsicher macht.

Neben Schwarzweiss (TMax 100* und Ilford FP4*) hatte ich noch Porta 400*, Ektar 100* und meinen geliebten, leider sehr teueren, Diafilm Provia 100F*dabei. Eigentlich ist ja Diafilm den anderen ja weit unterlegen, aber ich mag einfach das Ergebnis ein quasi fertig Bild in den Händen zu halten. Wie ihr seht, hatte ich genügend Auswahl zur Verfügung. Die Filme sind bereits alle entwickelt aber noch nicht gescannt – dauert bei mir immer etwas länger.

Genau 18 Planfilme liegen nun vor mir, manche Motive habe ich sicherheitshalber doppelt aufgenommen. Wenn am Ende 5 Aufnahmen herauskommen, habe ich mein selbst gestecktes Ziel erreicht. Ich sage immer, auch wenn ich mit der Digitalen unterwegs bin. Was du in 20 Bildern nicht erzählen kannst, kannst du auch nicht mit 100. Es war auch das erste Mal, dass ich die D800 nicht vermisst habe und muss zugeben, dass ich sie immer weniger einsetze. Wer mich kennt, der weiß das ich keiner dieser IchMachJetztAufAnalogHipster bin. Mir gehts allein um den Aufnahmprozess und der ist nun mal ein anderer. Für ein Buch wird es nicht reichen, allerdings für großformatige Drucke an der Wand. Film lebt und wird es wohl auch in Zukunft sein.

Aufgenommen mit der Polaroid 110A (125mm Festbrennweite). Erstes Bild ist ein Kodak Portra 400 und die zweite Aufnahme is ein Dia Film (Fuji Provia 100)

Queensboro-Bridge---4x5-USA-2015-final

Picture Taken - NYC,* 2015

Brookly - NYC,* 2015

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9 Kommentare

  • Antwort Jens 4. Mai 2015 um 20:05

    Ich hatte es ja schon geahnt und du hast es mir dann auch bestätigt…..coole Sache.
    Die Bilder vom Stilpirat sind echt eine Augenweide. Der Look begeistert mich total. Nun bin mal auf deine Aufnahmen gespannt. Wie du selber sagst,wird es nicht allzuviel geben. Aber genau das begeistert mich immer bei dir. Deine Herangehensweise,deine Ansichten und dann die konsequente Umsetzung.
    Also ich bin gespannt….schätze mal so Spätsommer /Herbst 😉 …..schau eh öfters rein.
    VG Jens

    • Antwort BlogTimes 5. Mai 2015 um 00:57

      Danke Dir Jens… Es folgen bald noch mehr Bildchen!

  • Antwort Micha 4. Mai 2015 um 21:47

    an Film kommt einfach nichts anderes ran! Klasse Bilder. Ich liebe die Farben und den Look!

  • Antwort Christian 5. Mai 2015 um 10:33

    Mir ist schon klar, dass es sehr schwierig ist eine Stadt fofografisch so festzuhalten, dass man einen neuen Blickwinkel erspäht. Deshalb gefallen mir deine Fotos – und die vom Stilpiraten sehr. Jeder mit seiner Sicht – und mit seinen Mitteln. Es liegt aber gerade beim Steffen Böttcher sicher auch an der Nachbearbeitung – oder war es der Umtriebige Herr Terlinden ? 😉
    Aber: Das ewige ‚Entschleunigen‘ geht mir am Ar… vorbei. Sorry – aber wenn’s denn nur am ‚Look‘ liegt – das kann man entsprechend bearbeiten. Nachdem man nun seine Dunkelkammer am Rechner hat, kann ich den Hype um die analoge Fotografie nicht nachvollziehen. Entweder bin ich zu alt für diesen Scheiß – oder gefühlstot 😉
    LG Christian

    • Antwort BlogTimes 5. Mai 2015 um 13:58

      Das ewige Entschleunigen ist mir auch total egal und hatte das auch schon mal hier und da verwurstet. Mir geht es allein um den Aufnahmeprozess als Ganzes und nicht zwingend um einen Look. Ich gebe Dir recht, dass man vieles am Rechner simulieren kann, alles jedoch nicht 😉

  • Antwort Micharl 5. Mai 2015 um 17:43

    Verstehe nicht, was du an den Stilpirat Bildern findest. Sind mMn vom Motiv und Bildgestaltung durchschnittlich. Das Einzig besondere sind die matschigen Farben und die Unschärfe.

    Des Kaisers neue Kleider ?

    • Antwort BlogTimes 5. Mai 2015 um 20:17

      Was hast du denn zu bieten, dass du der Meinung bist seine Aufnahmen sind durchschnittlich!? Zudem müsstest du ja einen Vergleich zu „besseren“ und „schlechteren“ Bildern haben…

  • Antwort Stefan W. Wolf 18. Mai 2015 um 09:33

    Echt starke Bilder, gefallen mir.
    Was ich noch schöner finde, an diesem sonnigen Montag? Das blogtimes wieder online ist! 🙂

    Guten Start in die Woche & Grüße
    Stefan

    • Antwort BlogTimes 18. Mai 2015 um 22:54

      Danke Dir Stefan und ja, es freut mich auch, dass er wieder online ist! Schneller ist er auch noch 🙂

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