Fotografie, Nachgedacht

Motiv- und Ideenleere in der Fotografie

2. Dezember 2012


Van Carrier Parkplatz – Jan Sieg Photography | 

Kürzlich, genauer gesagt von ein paar Tagen erhielt ich eine Mail von Jan, in dem er mir seine seit Wochen und Monaten mangelnde Motiv- und Ideenleere fürs Fotografieren schilderte und fragte wie ich und vor allem die BlogTimes Leser sich auf das Fotografieren langfristig motivieren können. 

Ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken. Hier seine Mail an mich…

„Mich würde mal interessieren wie Du und vor allem Deine Leser sich in Bezug aufs Fotografieren langfristig motivieren. Jeder kennt es, dass es mal einen Leerlauf gibt in dem man keine Lust zum Fotografieren hat bzw. keine Motivideen hat. Wie kommt man aus diesem Sumpf wieder heraus? Ich zum Beispiel habe seit einigen Wochen und Monaten eine extrem mangelnde Motivation mich fürs Fotografieren zu begeistern. In der Regel habe ich zwar immer Bock rauszugehen, weiß dann aber meistens nicht wo hin, lande dann irgendwo wo schon Tausend Fotos entstanden sind und fahre genervt wieder nach Hause. Ich bewundere diejenigen, die immer wieder spektakuläre Bilder mit nach Hause nehmen.  Als Beispiel für den Hamburger Raum die Fotografen von „Michel und Elbe“ sowie „prachtvoll.de“ 

Schon klar, dass man sein Motiv nicht findet sondern sehen muss, den besonderen Augenblick festhalten, Perspektive, Licht, Wetter etc….alles spielt eine Rolle. Mich plagt momentan einfach das Problem, dass in Hamburg schon fast alles „abgefrühstückt“ ist. In der Vergangenheit hatte ich da mehr Motivation und konnte mich intensiver begeistern, so dass  gerne mal alle Speicherkarten voll werden und man Stunden an der Bildbearbeitung sitzt (was ich ja auch so sehr daran liebe). 

Was machen Deine Leser wenn sie in diesem Loch sind? Kamera einfach weglegen und was anderes tun? Andere, neue Themen ausprobieren? Ich zum Beispiel habe meine große Passion im Hafen gefunden, alles vom Containerschiff, den Hafenschleppern bis hin zum Containerterminal. Das Überwiegend in Schwarz-Weiß. Ich bin kein Foto-Gott, habe aber Spaß daran und bin von einigen (nicht allen) meiner Bilder sehr überzeugt – Das ist die Hauptsache. Aber auch der Hafen hat, was öffentlich frei zugängliche Bereiche betrifft seine Grenzen und ich möchte mal behaupten, dass ich schon so ziemlich überall gewesen bin wo man legal hinkommt.

Naja, vielleicht ist das ja ein Gedankenanschwung dass Du da einen Artikel drüber schreibst, ich persönlich würde mich sehr über ein wenig Hilfestellung zu diesem Thema freuen…“

Also lieber Jan,

mit diesem Gefühl der Motiv- und Ideenleere fürs Fotografieren bist du definitiv nicht alleine. Ich behaupte sogar, dass jeder von uns das schon mal durchgemacht hat und es auch immer wieder kommen wird. Du schreibst, dass du andere Fotografen bewunderst, die immer wieder mit spektakulären Bilder nach Hause kommen? Genau hier liegt schon mal die Krux – die heutige Fotografie. Durch die Myriaden von Möglichkeiten, wie man heute seine Aufnahmen der Öffentlichkeit zugänglich machen kann, wird man förmlich erschlagen von der massiven Anzahl sehr guter Bilder. Das bedeutet, dass man sich unbewusst diesen Zwang immer neue Bilder zu produzieren zu müssen quasi unterwirft. Ich kann hier auch aus eigener Erfahrung sprechen. Hin und wieder gingen auch mir die Motivideen verloren. War zwar unterwegs mit der Kamera, aber kam mit keinem einzigen Foto nach Hause. Über einen längeren Zeitraum kann das durchaus frustrierend sein.

Ich habe mir dann überlegt, wie ich aus dieser Ideenleere herauskomme. Die Motivation war, wie auch bei Dir vonhanden, nur an Ideen fehlte es eben. Ich persönlich halte nichts davon die Kamera in den Schrank zu stellen, denn ich bezweifle das mich plötzlich nach ein paar Wochen/Monaten unzählige Ideen überfallen. Andere Themen auszuprobieren ist sicherlich eine Möglichkeit, aber ehrlich gesagt mache ich das nicht. Vielmehr habe ich gezielt danach gesucht, was mich für meine Art der Fotografie auf Motivideen bringen könnte. Fotoreisen war mich mich der Schlüssel. Ich kann mich besser für Motive und somit Ideen begeistern, wenn ich unterwegs bin, also nicht dort fotografiere wo ich wohne. Für andere mag das nicht gelten, aber auf meinen Fotoreisen kann ich mich vollständig aufs Fotografieren konzentrieren und habe keine anderen, ablenkenden Gedanken im Kopf.

Zwischen den Fotoreisen kümmern ich mich um die anschließende Bearbeitung der Aufnahmen. Diejenigen unter euch die mich kennen, wissen das dies schon mal eine Zeit lang dauern kann. Zwangsweise wandert dann natürlich die Kamera in den Schrank aber eben nicht aus Gründen der Ideenleere sondern, weil ich sie zu diesem Zeitpunkt nicht benötige. Außerdem nutze ich die Zeit mich auf die nächste Reise vorzubereiten. Wo will ich hin? Was möchte ich fotografieren? Was soll mit den Fotografien im Nachgang passieren (Kalenderprojekte oder ähnliches…). Gemeinschaftsprojekt Ja oder Nein? Hier gibt es dann so einiges, was mich beschäftigt. Das ist wie gesagt meine Art mit der Ideensuche umzugehen und erinnert mich gerade daran die Vorbereitungen für die nächsten Reisen zu treffen…

PS: Mir gefallen übrigens deine Aufnahmen besser als die in deiner Mail erwähnten Fotografen…

Die Frage möchte ich natürlich auch an meine BlogTimes Leser richten. Kennt Ihr das Gefühl? Welche Vorschläge habt Ihr um aus dem Ideenloch hervorzukommen? Auf Eure Antworten bin ich schon gespannt, denn ich bin mir sicher, dass Sie nicht nur Jan helfen könnten….

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6 Kommentare

  • Antwort Werner 2. Dezember 2012 um 16:10

    Das Thema „Motivation“ ist ebenso alt wie die Kunst selbst. Das „Ideenloch“ überfällt wohl jeden Künstler -den Maler, den Schriftsteller den Bildhauer und eben auch den Fotografen – und gehört zur Kreativität wie die Kamera zum Foto.

    Bei mir hilft immer wieder der Austausch, das Gespräch mit anderen (Fotografen), das Beschäftigen mit Fotografie (Bücher, Netz, Blogs etc) und sicherlich auch der „Kick“ durch neue Impulse in Literatur und anderen Medien. Ganz wichtig ist für mich auch, mich nicht durch die „Myriaden“ von guten Fotos im Netz hemmen zu lassen, sondern mein „eigenes Ding“ zu machen. Das hilft mir immer wieder, neue Motive und Motivation zu finden.

  • Antwort Matthias Schroeter 2. Dezember 2012 um 18:37

    Man sollte diese phase ganz entspannt angehen. denn das problem ist „das anoeden des bekannten“ bzw. das gewoehnlich gesehende. es ist einfach eine verschleisserscheinung.

    Wichtig ist, sich anderen dingen zu widmen die mit der fotografie nichts zu tun haben und auch diesen druck bzw. die spannung ein motiv zu finden loslassen.

    wenn du eine freundin hast, hab doch mal wieder richtig guten sex, ansonsten such dir was nettes 😉

    fahr mal in regionen die anders sind als das was du „taeglich“ siehst… zb. in die berge oder in wald und vergiss die kamera, die brauchst du nicht.

    besorg dir ein paar spannende hoerspiele oder musik die dich entspannt und die phantasie anregt.

    betaetige dich sportlich, fahr Rad oder geh in einen sportverein. yoga ist klasse, da macht man was fuern koerper und sieht wenn man glueck hat ein paar nette sportliche maedels (falls du keine freundin hast).

    mach also sachen die dich in eine regelmaessigkeit bringen die diese phase bereichern.

    wenn du das geschaft hast, lass es ruhig angehen. besuch ein paar fotografen die nicht aus deiner umgebung kommen, die du vllcht schon immer mal treffen wolltest. schau dir dein portfolio an und bewertes es streng, suche die aufnahmen die „schlecht“ sind und versuche sie zu verbessern. im grunde einfach wieder „kreativ“ warm werden. lass dich auf ausstellungen sehen und organisiere selber eine.

    besuche die orte mit der kamera die du dir ohne angesehen hast, spannende orte die vllcht vorher von deinem bisherigen portfolio abweichen. Mach ein paar fotos ohne den anspruch haben zu muessen ein top schuss zu haben.

    dann wird sich das ganze schon wieder steigern… die ganzen taetigkeiten die dich in dieser leerphase bereichert haben solltest du beibehalten, sie werden dich sicher in zukunft inspirieren und einen ausgleich schaffen 😉

  • Antwort Jürgen B. 3. Dezember 2012 um 16:25

    Wie ich das kenne! Man läuft durch die Gegend und sieht – nichts. Der Biß ist weg. Und ganz schlimm: irgendwann schleicht sich die Frage ein: Warum fortogtrafiere ich eigentlich?
    In so einer Gefühlslage ist mir neulich folgendes passiert: Lustlos wie ich war habe ich einfach die Kamera zu Hause gelassen. Meiner Frau hat´s gefallen – sie hatte meine ungeteilte Aufmerksamkeit.
    Aber dann sah ich plötzlich Motive. Und dann noch eine fotogene Situation. Und noch ein Motiv… Und ich hatte keine Kamera dabei! Das war noch ärgerlicher als keine Bildidee zu haben.
    Aber dann fiel mir ein, daß mein Smartphone angeblich eine ganz ordentliche Kamera hat. In der Not frißt der Teufel Fliegen. Aber was als Notlösung begann entwickelte sich zu einer faszinierenden neuen Art zu fotografieren. „PhoneArt“ beschäftigt mich nun schon mit wachsender Begeisterung seit einigen Monaten.
    Also Jan, das wird schon wieder.

  • Antwort JOLOMY 5. Dezember 2012 um 16:17

    Fotografin Lisette Model 1983: „Fotografiere niemals etwas, das dich nicht interessiert!“

    V I C E V E R S A . . .

  • Antwort Christian Ahrens 7. Dezember 2012 um 22:06

    Hi,

    die meisten versuchen, spektakuläre Einzelfotos von herausragenden Motiven zu machen. Das ist nett, aber eigentlich unnötig. Denn diese Bilder gibt es schon.

    Wenn Du etwas weitergehen willst: fotografiere echte Themen. Dinge, die Dich bewegen, die Dir wirklich etwas bedeuten.

    Fotografiere nicht die AIDA im Hafen. Das ist banal. Fotografiere das Thema „Fernweh“ oder „Reisen“ oder „Sehnsucht“. Betrachte Dein Projekt als visuelle Forschungsreise. Sei formal und inhaltlich mutig. Vergiss die Sprüche vom „perfekten Foto“. Mach Dich frei von technischen Ansprüchen. Nimm Dich ernst als Künstler. Dann hast Du keine Probleme mehr.

    VG
    Christian

    http://www.christianahrens.de/blog

  • Antwort Alex 10. Dezember 2012 um 11:07

    Hallo zusammen,

    mir ist es ähnlich ergangen wie Deinem Leser. Man hat Bock zu fotografieren, aber was?!?
    Zusammen mit meinem Kollegen Jörg haben wir uns dann gegenseitig „Fotoaufgaben“ gestellt, also ein Thema, das jeder nach belieben interpretieren konnte. Das Ganze läuft noch bis Jahresende, aber für nächstes Jahr haben wir uns eine Fortsetzung ausgedacht; etwas ausgefeilter und durchdachter.
    Mittlerweile sind es außer Jörg und mir schon 3 Weitere, die 2013 dabei sind.
    Wer Interesse hat, bzw. wem’s ähnlich geht, kann gerne vorbeikucken und mitmachen.

    Jeder Teilnehmer ist willkommen!

    Gruß,

    Alex

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