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Papier ist nicht gleich Papier

24. Dezember 2015

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im Vergleich

Ein wenig müde, doch überglücklich liegen nun die ersten 4 Lebenswochen meines Sohnes hinter mir. Zeit also mal wieder einen Beitrag zu schreiben.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich ein Päckchen von Hahnemühle erhalten. Und was war drin? Natürlich Papier, verschiedene Sorten in Din A3. Eine gute Größe, mit der sich wenigstens auch etwas anfangen lässt.  Neben Photo Rag Bright White, fanden sich auch etliche Bögen vom German Etching sowie vom neuen Baryta Satin darin. Mein bisheriges genutztes Epson Hot Press Bright White als Rollenpapier habe ich als Referenzpapier genutzt. Ursprünglich wollte ich noch weitere Papiere andere Hersteller dagegen antreten lassen, doch leider warte ich noch immer auf deren Antwort.

Dann vergleich ich sie eben untereinander. Gedruckt wurde alles mit dem neuen Epson SureColor SC-P800 und seinen Ultra HD Tinten, sowohl als Glossy und Matt. Um eines schon vorwegzunehmen. Es gibt Unterschiede – weniger in der Druckqualität. Die ist bei allen Papier überragend. Dafür aber in der Empfindlichkeit der Papiere. Hierbei spielt es auch eine Rolle ob die Aufnahmen in S/W oder Farbe gedruckt werden. Gerade bei Motiven, bei dem der Schwarzanteil sehr hoch ist, reagieren diese Stellen äußert empfindlich auf mechanische Einwirkungen und sei es nur dass ein anderes Papier versehentlich den bedruckten Bereich berührt.

Im Grunde genommen kann man diesen Ausdruck dann sofort wegschmeißen. Enttäuscht hat mich hier mein Epson Papier. Bei Farbaufnahmen erreiche ich ein fabelhaftes Ergebnis, doch bei S/W und hier meine gerade bei den erwähnten sehr dunklen Druckbereichen – total überempfindlich. Nun fasse ich die Drucke mit Baumwollhandschuhe an um sie möglichst schonend zu behandeln. Auch ist es ganz normal, dass hin und wieder ein Staubkorn auf dem Bild landet, bevor man es beispielsweise Einrahmen möchte. Wenn der Blasebalg nicht ausreicht muss eben ein Pinsel oder Tuch ran und bäääng schon ist es passiert und man hat leichte Streifen in den Schwarzbereichen. Mit den Hahnemühle Papieren ist mir das nicht passiert. Das Photo Rag Bright White hat eine ähnliche Oberfläche wie das Epson Paper, aber hier kommt es zu keinerlei Streifen, wenn man mal über diese Dunklen Stellen streicht – auch wenn es nur versehentlich ist!

Ich kann nur spekulieren, aber vielleicht liegt es am Tintenauftrag. Das schwarz in den dunklen Bereich liegt gemessen an der Zonenskala zwischen 0 und 1 – also extrem schwarz, keine sichtbaren Details in den Schatten. Es kann gut sein, dass sich die Tinte beim Epson Papier mehr auf der Oberfläche befindet und weniger in das Papier einzieht. Keine Ahnung!

Bis zu diesem Drucktest war ich eigentlich immer gegen Papiere, welche über eine sichtbare Textur verfügt. Ich empfand das Bild nicht „clean“ genug. Jetzt konnte ich mich zum ersten Mal vom Gegenteil überzeugen lassen. Wow, German Etching schaut schon mächtig gut aus, egal ob es sich um Farbaufnahmen oder S/W handelt. Beide Drucke wirken sehr edel auf dem Papier. Tolles Zeug! Ich bin ein Fan von matten Papieren, dennoch wollte ich sehen wie sich das neue Fineart Baryta Satin anfühlt. Aus meinen Dunkelkammerzeiten kann mich noch gut daran erinnern, wie aufwendig Baryta Abzüge zu erstellen sind und behandelt werden müssen. Meine Fresse, war das ein Haufen Arbeit. Auch wenn ich jetzt vielleicht Äpfel mit Birnen vergleiche, so fühlt sich das neue Baryta Papier für den Tintenstrahldrucker unheimlich „echt“ an. Es verfügt über die Baryta typische Struktur und auch der Glanz, der sich in der Dunkelkammer nur mit Hilfe der Trockenpresse und entspechenden Fotomaterialen erzeugen ließe. Das alles gehört mit dem Hahnemühle Papier der Vergangenheit an. Einfach in den Drucker legen und zack-bum, heraus kommt ein super Print.

Bei dem ganzen herumgedrucke (Ha, Wortspiel) ist mit noch eines aufgefallen. Das hat nun weniger mit dem Druck zu tun, sondern vielmehr mit der Aufbereitung der Aufnahme. Wenn es sich nicht gerade um ne Hochzeit handelt, bearbeite ich alle meine Aufnahmen in der Regel mit der Photoshop. Habt ihr schon mal etwas von Clipping gehört? Wenn nicht, das ist quasi das Ausbrechen der Farben bei Verläufen und sieht einfach nur sch… aust. Ich arbeite sehr viel mit Gradationen, vor allem um mehr „Feel“ in die Aufnahme zu legen und Tonwertabrisse kann ich gar nicht gebrauchen, denn diese erscheinen auch auf dem finalen Ausdruck. Besonders aufgefallen ist mir das bei meinen Digitalaufnahmen. Bearbeite ich manchen stellen ein wenig zu intensiv, gehts gleich ins Klipping über. Wie beispielsweise im Himmel bei der Aufnahme „Frozen History IIV zu sehen. Jetzt habe ich diese Aufnahme auch auf 4×5 Planfilm belichtet und siehe da nicht, nicht mal ein Anschein von Tonwertabrissen. Außer ich übertreibe es mit der Bearbeitung.

Erstaunt hat mich das dennoch ein wenig. Ich bin eigentlich immer davon ausgegangen, das die heute digitaltechnik doch mindestens genauso gut, wenn nicht besser mit dem Dynamikumfang umgehen kann!? Aus Erfahrung weiß ich, dass hier viel möglich ist und bisher ist mir das auch nie aufgefallen. Ich werde das einfach mal im Auge behalten, denn im Moment kann ich dafür keine Erklärung finden.

Mein Fazit zu den Papieren und dem Drucken „daheim“. Mit den neuen HD-Tinten und den aktuellen Papieren erspare ich mir den Weg in die Dunkelkammer. Die Ergebnisse sind in der Regel überragend. Die gesparte Zeit kann ich jetzt gut gern in andere Projekte investieren. Auch die Kosten halten sich in Grenzen. Ich habe den Drucker im August erworben und eigentlich schon einiges gedruckt und noch immer nutze ich die originalen Druckerpatronen, die bei der Lieferung dabei waren. Das ist schon ein sehr gutes Ergebniss, wenn man bedenkt, dass diese in der Regel nur zu 60-70 Prozent gefüllt sind.

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichEpson und Hahnemühle Papiere

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichHahnmühle Photo Rag Bright White

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichHahnmühle German Etching

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichHahnemühle German Etching – Vergrößerung

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichHahnemühle Fine Art Baryta Satin

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichEpson Hot Press Bright White

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BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichEpson Hot Press Bright White

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichAnaloge Großformataufnahme – Kontrastreiche Details in den Felsformationen.

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichDigitale Aufnahme (D800) – Identische Bildbearbeitung – Kontrastärmere Details in den Felsen.

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichEpson Hot Press Bright White – Schwarzweiss Druck – Banding in den Grautönen der digitalen Aufnahme

BlogTimes - Hahnmühle und Epson im VergleichEpson Hot Press Bright White – Kein Banding – Analoge Großformataufnahme

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12 Kommentare

  • Antwort Johannes 24. Dezember 2015 um 10:42

    Hallo Ronny,

    erst mal: HERZLICHE GRATULATION zur Geburt deines Sohnes! Find ich großartig.

    Das mit der Müdigkeit ist halt so eine Sache… Seit ich selbst auch Kinder habe, ist sie leider zu einer Dauerbegleiterin geworden. Aber vielleicht meisterst du das ja wesentlich besser als ich? ;D

    Zurück zum eigentlichen Thema: Manchmal reizt es mich auch, mir einen eigenen Drucker anzuschaffen. Aber im nächsten Moment frage ich mich: Lohnt sich das wirklich? Wenn man die Fotografie nicht – so wie du – professionell ausübt, sondern rein zum Spaß?

    Oder anders gefragt: Hast du schon mal durchgerechnet, was dich zum Beispiel ein A3-Druck im Schnitt kostet? Wenn man alles (Drucker, Papier, Tinte, etc.) mit einkalkuliert? Mir ist klar, dass man mit einem eigenen Drucker auch wesentlich mehr Kontrolle über den gesamten Druckprozess hat. Wenn man aber nicht das letzte Quentchen an Qualität herausholen muss/möchte: Kann man mit dem Geld, das man sich für die Anschaffung spart, nicht sehr lange seine Bilder bei einem Dienstleister ausarbeiten lassen?

    Würde mich sehr interessieren, wie du über diese Fragen denkst…

    LG,
    Johannes

    • Antwort BlogTimes 24. Dezember 2015 um 14:34

      Danke dir :)… Das mit der Müdigkeit geht eigentlich im Moment.

      Vor dem Kauf des Druckers habe ich mir natürlich ausgerechnet ob sich ein Kauf lohnen würde. Bezieht man seine Berechnung nur auf den Druckpreis, dann sage ich ja. Gerade der Print mit Fine Art Papieren ist beim Dienstleister wesentlich teurer. Allerdings muss man hier auch die Größe um Auge behalten. Kleine Drucke bis 20×30 empfinde ich beim Dienstleister überproportional teuer. Die größeren dagegen haben ein gutes Preis/Leistungsverhältnis. Entscheidend bei der Anschaffung ist meiner Meinung viel mehr die tatsächliche Druckauflage. Es sollte schon regelmäßig gedruckt werden, da ansonsten die Köpfe immer gereinigt werden müssen und das kostet Tinte um somit Geld. Würde ich nicht noch zusätzlich den Drucker für meine Vorlagen für den Siebdruck verwenden, würde sich der Drucker auch nicht richtig lohnen, zumindest nicht von der Druckauflage. Meine Resin Werke sind alle Ausbelichtungen.

  • Antwort Johannes 24. Dezember 2015 um 10:43

    PS. Frohe Weihnachten!! 🙂

  • Antwort Jörg 24. Dezember 2015 um 12:56

    Hey Ronny,

    erstmal frohe Weihnachten Dir und Deiner Familie. Der Artikel ist gelungen und sehr interessant. Was mich aber umgehauen hat, ist der Unterschied der zwischen der analogen und digitalen Aufnahme der Felsen auftritt. Analog ist dramatisch plastischer als das Bild der digitalen Nikon. Das wirkt einfach nur „platt“, sowohl im allgemeinen Eindruck, als auch in den Tonwerten. Das das selbst so deutlich auf en kleinen Bildern hier im Blog zu sehen ist, erstaunt mich massiv. Hast Du da eventuell andere Bearbeitungen angewendet?

    LG
    Jörg

    • Antwort BlogTimes 24. Dezember 2015 um 14:21

      Danke, Frohe Weihnachten :)). In der Tat, hatte mich das auch sehr gewundert. Gerade im Druck wirken die analogen Aufnahmen viel plastischer. Die Bearbeitung war die gleiche. Einzig, ich musste mehr stempeln aufgrund der Staubflecken, die durch das Scannen entstanden sind.

      • Antwort hannes cmarits 4. Januar 2016 um 13:00

        Wow. Stimmt, ist wirklich krass, bzw. sehr beeindruckend was im analogen Bild steckt.
        Liegt wohl auch an dem „Sensorformat“, oder besser an der Auflösung.
        Die Auflösung der 5×4 ist sicher um einiges größer als die 36MPixel, oder?.
        Interresant wäre auch ein Vergleich von SLR und DSLR.
        Aber ja das 5×4 ist ein WOW.

        P.S. ein gutes neues Jahr!! Und nochmals meinen Glückwunsch zum neuen Kanadier. 🙂

        • Antwort BlogTimes 7. Januar 2016 um 06:39

          Hallo Hannes,
          ja schon krass, was das analoge Bild so drauf hat. Immerhin reden wir hier von bis zu 100 Megepixel. Mit der SLR brauchst du in meinen Augen gar nicht anfangen. In Sachen Qualität ist hier die DSLR deutlich überlegen. Interessant wird es erst am analogem Mittelformat. Danke Dir. Dir auch

  • Antwort Jürgen 24. Dezember 2015 um 17:05

    Hallo Ronny,

    erstmal Glückwunsch zur Geburt deines Sohnes, und natürlich ein Frohes Fest für dein ganze Familie.

    Deine Erfahrungen mit dem Clipping bei digitalen Aufnahmen habe ich auch schon gemacht. Das hat auch nur indirekt mit dem Dynamikumfang selbst zu tun, Tonwertabrisse gehen bei analogem Material deutlich „smoother“ von statten als bei digital wo die Tonwerte direkt komplett abreissen, gerade bei S/W wird das sehr deutlich. Eine Leica Monochrom kommt dem ganzen schon deutlich näher, ebenso Sigmas Foveon Sensor, speziell im Druck, aber auch hier sind die Unterschiede noch immer sichtbar im direktem Vergleich zur analogen Aufnahme, auch wenn die Unterschiede am Bildschirm so erstmal nicht direkt auszumachen waren.

    Deine Erfahrungen mit dem Epson kommen mir gerade übrigens sehr gelegen, stehe auch kurz vor einer Anschaffung eines Druckers für meine Farbsachen (s/w bleibt in der Dunkelkammer).

    Liebe Grüße aus Barcelona
    Jürgen

  • Antwort mathematikos 26. Dezember 2015 um 21:41

    tja, der vergleich zwischen analog und digi anhand der felsbilder ist nicht ohne.
    sehr aufschlußreich, aber das problem ist unter professionals bekannt.
    vielleicht holt die prozessor- und sensortechnik noch etwas auf?
    servus,
    werner aus der hochsteiermark/Österreich

  • Antwort Ilona 2. August 2016 um 16:43

    gesehen? der Beitrag wurde kopiert und geklaut!

    http://www.canonspiegelreflexkameras.de/2016/08/02/papier-ist-nicht-gleich-papier/

    • Antwort BlogTimes 23. August 2016 um 04:36

      Danke Dir. Hatte es mir die Tage mal angeschaut – leider ist sie jetzt wieder geschlossen. Wie hattest du denn diesen doppelten Beitrag gefunden?
      Viele Grüße
      Ronny

  • Antwort Lieblingsbild 16. November 2017 um 10:24

    Bis jetzt habe ich Hahnenmühle noch nicht ausprobiert, da ich ebenfalls ein Fan von mattem Papier bin. Aber wenn du so begeistert davon bist, obwohl auch du eher mattes Papier bevorzugst, dann werde ich es auch mal testen 🙂

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