Fotografie

Schwarzweiß oder Farbe – eine Frage der Bildwirkung?

17. August 2011

Zu analogen Zeiten musste man sich noch vor dem Auslösen der Kamera entscheiden, ob man einen schwarzweiß- oder einen Farbfilm einlegt. Durch den Einsatz von Digitalkameras wird uns heute diese Entscheidung weitesgehend abgenommen, denn wir können mit Hilfe der Bildbearbeitung ja nachträglich bestimmen, ob wir dem Bild die Farbe belassen oder es auf schwarzweiß reduzieren.

In meinem Einleitungstext habe ich bewusst das Wort „weitesgehend“ in Verbindung mit der Digitalkamera verwendet. Warum? Nun ich selbst stelle mir vor dem Betätigen des Auslösers und auch vor der Wahl des Bearbeitungstils grundsätzlich die Frage, ob der Bildinhalt besser für Schwarzweiß oder für Farbe geeignet ist. Was bringt mir eine Farbfotografie von einer kalten, nebligen Novemberlandschaft, wenn ich mit der S/W  Bearbeitung eine bessere Bildwirkung erzielen könnte? Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mir diese Entscheidungen vor dem Aulösen nicht immer gelingen. Auch in der nachträglichen Bildbearbeitung bin ich mir manchmal über die Wirkung nicht ganz sicher, besonders wenn das Motiv sowohl für S/W als für Farbe geeignet ist. Hier heißt es für mich dann testen!

Wenn ich mich jetzt fragt, woran ich eine später S/W Bearbeitung fest mache, dann würde ich sagen, dass für mich der gesamte Bildeindruck zählt. Flaue kontrastarme Langzeitbelichtungen können genauso gut in Schwarzweiss wirken, wie kontrastreiche mit Wolken versehene „Kurzzeitbelichtungen“. Anders verhält es sich meiner Meinung nach mit der Farb-Bildbearbeitung. Ich sags mal so, wo keine Farbe vorhanden ist, kann auch keine hingezaubert werden. Bestes Beispiel ist wie oben schon geschrieben eine kalte, neblige Novemberlandschaft.

Natürlich könnte man jetzt noch weitere Anhaltspunkte für die Entscheidung S/W oder Farbe aufzählen, aber im Großen und Ganzen kommt es ganz auf die Bildwirkung an. Was will ich zum Ausdruck bringen? Auf was soll sich der Blick des Betrachters richten?  Wirkt das Motiv mit Farbe zu überladen? Findet der Betrachter keinen festen Punkt, weil das Foto nur „Grautöne“ aufweist? usw….

Diesen Beitrag nehme ich daher mal zum Anlass und frage euch, was ihr für eine Art der Bildbearbeitung überwiegend bevorzugt? Mit Absicht habe hier nicht 50/50 oder ähnliches zur Vorgabe gemacht, da dies wahrscheinlich Jeder wählen würde. Ich mach mal den Vortritt und sage überwiegend schwarzweiß, weil ich den Betrachter so besser durch das Bild lenken kann, ohne dass er sich in der Farbe verliert!

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Über das „Warum“ in Form eines Kommentars würde ich mich ebenfalls freuen.

Einen Tipp habe ich noch für euch. Wenn ihr euch keine Entscheidung hinsichtlich einer S/W- oder Farbbearbeitung abringen könnt, dann bearbeitet die Aufnahme sowohl in Farbe als auch in S/W und lasst das Bild einige Tage im Ordner ruhen. Danach schaut ihr euch die zwei Bilder nochmals an, denn oft ist es so, dass einem die Entscheidung dann viel leichter fällt. Grund ist, dann man durch das viele „draufstarren“ förmlich blind wird, was die Bildwirkung betrifft. Nach ein paar Tagen Pause, nehmt ihr die Bilder dann wieder bewusster wahr.

Hier mal zwei Versionen eines Bild, welches mir persönlich ausdrucksstärker in Farbe erscheint und auch besser gefällt. Wie ihr seht, habe ich nix gegen Farbe einzuwenden….

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21 Kommentare

  • Antwort n1Ls 17. August 2011 um 22:09

    Schwierig – vor der Frage stand ich selbst schon oft.
    Beim ersten Bild würde ich definitiv zu s/w tendieren.
    Bei den anderen könnte ich mich wohl selbst auch nicht entscheiden ; )

  • Antwort lichtbildwerkerin 17. August 2011 um 23:31

    Ich mag meistens die Abwesenheit von Farbe in meinen Bildern. Also s/w. Aber meine Motivation ist anders. Ich habe schon als Kind Fotografien geliebt und die waren immer s/w. Später gab es auch Farbfotos, aber mit einem gehörigen Qualitätsverlust. Und „künstlerisch“ kamen immer die Fotos aus der s/w-Ecke daher. Ich mag Fotobildbände mit s/w Fotografien. Ich habe früher Bilder gezeichnet, d. h. auf weißem Papier mit Bleistift. Ich mag Kontraste, ich mag wenig Farbe, auch in meinem Kleiderschrank. Ich mag Reduzierung. Und es gibt nur selten Bilder, die ich farbig besser finde, als die s/w-Variante. Das hat also ganz viel mit meinem Empfinden für Farbe zu tun und -für mich- nur wenig mit der Bildwirkung im Allgemeinen. Wenn ich mir meine Favoriten auf 500px ansehe, wird das noch deutlicher: Ich mag also Architekturfotos klar und farbig, alles andere gern in s/w und weniger klar. Das ist mein Gefühl für Bilder.

    • Antwort BlogTimes 18. August 2011 um 06:54

      Danke für deine Einschätzung zum Thema…

  • Antwort Felix 18. August 2011 um 01:09

    Bei dem Bild mit der Tanke ist war es definitiv die richtige Entscheidung, die Farbe bestehen zu lassen. Die blassen und weichen Blautöne vom Himmel, gespiegelt in der eher harten Straße keilen wunderbar die rote Zapfsäule zwischen sich ein und erzeugen so einen tollen Kontrast und einen klaren Blickfang.

    • Antwort BlogTimes 18. August 2011 um 06:55

      Genau das war meine Absicht… Ergo richtige Entscheidung! 🙂

  • Antwort Fred 18. August 2011 um 07:53

    Definitiv SW, das muß ich mich nicht mit dem theoretischen Kram wie Farbmanagment auseinandersetzen.
    Ist bei mir immer vom Motiv abhängig und eine Frage des ‚Bauchgefühls‘.

  • Antwort ThilliMilli 18. August 2011 um 09:25

    Das Tankstellenbild ist mMn in Farbe deutlich besser. Der Bearbeitungsstil gefällt mir hier sehr.

    Magst Du etwas dazu sage, was Du bei dem Bild gemacht hast? Vor allem in Bezug auf die Farbgebung. Entsättigung erscheint mir klar, eine selektive Farbanpassung auch (aber welche Farben in welchem Umfang?) – und was noch?

    • Antwort BlogTimes 18. August 2011 um 10:26

      Klar, warum nicht. Werde das Bild mal in einem der nächsten Beiträge verwursten….

      • Antwort ThilliMilli 18. August 2011 um 18:36

        Klasse, das würde mich sehr freuen. Lass Dir nicht zu viel Zeit 😉

  • Antwort wecand 18. August 2011 um 09:42

    Bei mir ist ähnlich wie bei dir Ronny. Oft weiß ich schon vor der Aufnahme, dass das Ergebnis SW wird. Allerdings passiert es auch, dass ich fest der Überzeugung bin das Motiv sich besser in Farbe eignet, bei der Entwicklung aber feststelle, dass es so unruhig ist und deshalb eine SW Version vergleiche.
    Wenn ich mein Stream anschaue, dann dürften die bunten Bilder noch überwiegen, weil auf Flickr quasi meine ganze fotografische Entwicklung chronologisch abgebildet ist. Zur Zeit rückt SW mehr und mehr in den Vordergrund.

  • Antwort Olaf 18. August 2011 um 13:11

    Farbe kann durchaus ein bildwichtiger Bestandteil sein (s. http://www.flickr.com/photos/disselkoetter/6015336019/). Hier wirkt ein s/w dann meist öde.

    Doch im allgemeinen geht es um die dargestellte Situation oder auch die Linienführung bei Architektur. Da empfinde ich Farbe meist als Ablenkung. Entsättigung kann da manchmal helfen, doch s/w ist meinst ausdrucksstärker.

    Genauso würde ich die beiden obigen Fotos auch behandeln. Das Hamburg-Foto lebt von seiner Strukur, also s/w.

    Die rote Tanksäule wirk nur in Farbe, da sie sich hier von der Umgebung abhebt. In der s/w-Version wirkt das Bild, trotz des schön dunklen Himmels links, wie gewollt und nicht gekonnt. 🙂

  • Antwort Jürgen B. 18. August 2011 um 13:37

    Farbe ist immer dann überflüssig, wenn sie zur Bildwirkung und Aussage nichts beiträgt.
    Das ist eine kluge Aussage, an die ich mich selber leider nicht immer halte, so dass ich oben wider besseres Wissen den Button „Farbe“ drücken mußte. Im Grunde genommen ist Farbe in Porträts und in reduzierten, grafischen Bildern meistens Überflüssig. Oder sie stört sogar die Bildwirkung. Ich bin immer wieder erstaunt, daß selbst Landschaftsaufnahmen in SW besser wirken als in Farbe. Das Problem ist allerdings, bei Landschaften oder anderen Bildern mit vielen Details die unterschiedlichen Farben (insbesondere die Grüntöne) sauber in unterschiedbare adäquate Tonwerte zu übersetzen. Aber zum Glück gibt es ja Nik Software ;>))

  • Antwort Dr. Thomas Brotzler 18. August 2011 um 21:20

    Ich möchte gerne am Beitrag von lichtbildwerkerin hinsichtlich der künstlerischen Herkunft anknüpfen – die meine liegt in der Analogfotografie und Dunkelkammerpanscherei und noch viel mehr im Bereich der Grafik und des Drucks. Insofern war ich seit meiner Jugend (schon eine Weile her) auf die strukturelle und kompositorische Ebene geeicht bzw. auf die Notwendigkeit der Übersetzung des Gesehenen ins Gestaltete. Dieser Zugang mag mühsam erscheinen; er belohnt aber insofern, daß gar nicht erst die Illusion entsteht, sich auf die bloße Abbildung beschränken zu können.

    Und heute? Ich greife das Stichwort „Übersetzung des Gesehenen ins Gestaltete“ auf, denn diese phantastische Möglichkeit bietet auch die Schwarzweißfotografie, sie öffnet gestalterische Interpretationsräume und initiiert einen kreativen Prozeß. Der Verzicht auf Farben ist für mich somit kein Verlust …

    „Aber, aber“, höre ich Dich (Ronny) jetzt einwenden, da ich Dir zum ersten Wettbewerb „etwas Farbiges auf den Tresen klatschte“ … nun, das gehört zu meinem experimentellen Portfolio und mag auch auf künftige Entwicklung verweisen. Für das Alltagsgeschäft meiner Ausstellungen und Workshops (und tief im Herzen) bin und bleieb ich überzeugter „monochromer Fine-Art-Fotograf“, noch dazu etwas altmodisch mit meinem Spleen, auch mit mittlerweile digitaler Ausrüstung das Bild analog anmuten zu lassen …

    • Antwort BlogTimes 18. August 2011 um 22:34

      mein aber, aber hast du wohl schon gehört… Allerdings Ich finde ich es gut zu „experimentieren“, keine Frage!

  • Antwort Frank 20. August 2011 um 01:44

    Die Frage SW oder Farbe entscheide ich bei Landschaftsfotos oft erst am Bildschirm, bei Portraits im Studio muß ich mich bei vielen Motiven schon vor der Aufnahme entscheiden, denn ein SW Foto bedarf einer ganz anderen Lichtführung als ein Farbfoto.

  • Antwort Michael 23. August 2011 um 20:32

    Bei mir kommt es darauf an, welches Motiv ich fotografiert habe und welche Aussage ich mit dem Bild vermitteln möchte. Bei den obigen Bildern fällt mir bei dem Ersten die Wahl schwer, wobei ich eigentlich zu s/w tendiere. Das zweite Bild ist für mich eindeutig ein Fall für die Farbe, da dadurch der Kontrast der Zapfsäule zum Rest des Bildes hervorgehoben wird. In s/w verschwindet die Zapfsäule vor dem Hintergrund.

  • Antwort Manuel 2. September 2011 um 14:14

    Das kommt bei mir immer stark auf das Bild drauf an. Bei manchen gefallen mir die schwarz-weißen besser, bei anderen wiederum die farbigen. Ich gucke mir meine Bilder meist in beiden Varianten an und entscheide dann, welche mir eher zsuagt.

    • Antwort Annika 25. April 2012 um 13:20

      Mache ich genauso – es hängt ausschließlich vom Bildtypen ab, welche Variante am besten zu ihm passt: ob Farbe, schwarz-weiß oder gar Sepia.

      Das Bild mit der Tankstelle oben sieht in Farbe deutlich besserer aus als das schwarz-weiße. In mir wirkt es ein Gefühl von Ferne und Einsamkeit.. Aber mir gefällt’s!

  • Antwort Rückblick 2011 – Was dieses Jahr so alles passiert ist... | BlogTimes - Fotografieblog 21. Dezember 2011 um 10:14

    […] Schwarzweiß-Fotografie ist auch noch ein Thema in diesen Monat und außerdem wurde ich bei zwei internationalen […]

  • Antwort Juergen 22. Mai 2013 um 09:43

    Hallo,

    ich habe eine Krücke zur Entscheidung, bereits beim Erstellen des Bildes entdeckt.
    Die Krücke heißt X100. Hier kann man durch den Sucher das Bild in s/w komponieren. Hier können auch Farbfilter simuliert werden.

    Arbeite aber erst seit ein paar Tagen mit der Kamera. :yes

    VG

  • Antwort Saskia 11. Februar 2015 um 16:42

    Ich finde schwarz weiß ist oft für viele Motive sowas wie die leichte Wahl, der einfache Effekt, denn viele nicht so besondere Motive werden in schwarz weiß doch noch brauchbar. Ich persönlich finde aber oft schwarz weiß einfach schicker und dezenter, auch wenn natürlich auch mehr Kälte im Bild ist als bei farbenfrohen Bildern.

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