Fotografie, Unterwegs

Südengland – pay and display

24. Januar 2012

So, nun hat mich Hamburg wieder. Nach einem kurzem Abstecher nach Südengland bin ich wieder zurück in der Hansestadt und es ist wie es ist – kalt und regnerisch. Dagegen wars in England der reinste Sommer mit Temperaturen zwischen 6-12 Grad. Im Gepäck habe ich nun eine Reihe von Aufnahmen, die jetzt auf die Entwicklung  warten. Wie ich mich kenne, wird das wohl eine ganze Weile in Anspruch nehmen.

Eine knappe Woche war ich mit Fotobuddy Nils in Südengland unterwegs. Während ich gerade an diesem Artikel schreibe, dürfte er noch irgendwo in Schottland auf Fototour sein. Viel Erfolg an dieser Stelle. Aufgrund der relativ knapp bemessenen Zeit von einer Woche hatten wir uns bereits im Vorfeld Gedanken über die fotografischen Hotspots gemacht. Im Grunde haben wir auch alles geschafft, was wir uns vorgestellt hatten, aber mit den Entfernungs/Zeitverhältnis hatten wir uns total überschätzt. Oft waren die Orte nur durch einspurige, extrem kurvenreiche Straßen zu erreichen. Hinzu kam noch der Linksverkehr, der es nicht unbedingt leichter machte.

Es war mein erster Ausflug auf die Insel und ich bin echt positiv überrascht, sowohl von der Gastfreundlichkeit als auch von der echt beindruckenden Landschaft. Gerade die Küstenstreifen sind ein Mekka für Landschaftsfotografen. Doch die haben es auch in sich. Ohne gute Ausrüstung und hier meine ich nicht unbedingt das Kameraequipment wird man schnell an seine Grenzen geführt. So geht es unheimlich schnell, dass man plötzlich kein Handyempfang hat um vieleicht im Notfall Hilfe zu rufen, oder daß man nach einem echt wunderschönen Sonnenuntergang den Heimweg nicht mehr findet, da es bereits so brutal dunkel ist, dass man seine eigene Hand vor Augen nicht mehr sieht. Aber wir hatten ja vorgesorgt, zumindest mit einer Erste Hilfe Tasche (die ich des öfteren im Hotel vergessen habe) und einer Stirnlampe. Gerade mit der Stirnlampe kam ich mir zunächst recht dämlich vor, aber letzten Endes war das Teil wirklich Gold wert und ich fühlte mich wie ein Abenteurer auf … naja, lassen wir das.  Zum Einsatz kam übrigens eine Fenix HP11. Krasses Teil, mit dem Ding wurde die Nacht zum Tag und das auf sagenhafte 150 Meter. Weil wir gerade von Ausrüstung sprechen, ohne Wander/Bergschuhe würde ich euch diese Tour ebenfalls nicht empfehlen.

…. Als wir in Heathrow gelandet sind, ging es direkt zur Mietwagenfirma. Den Wagen hatte ich zuvor über den ADAC Mietwagen Service für SIXT gebucht, denn hier wurde der Selbstbehalt gleich auf Null reduziert, was normal nicht üblich ist. So mussten wir uns wenigstes keine Sorgen machen und hätten den Wagen auch in den Graben setzen können. Nun, wir waren als bei dieser netten, gutausehenden Mietwagenkundenberaterin, die uns gleich erstmal ein Upgrade verpasst hat. Zwar wussten wir nicht warum, war uns aber auch egal. Wir bekamen einen Chevy Cruzer mit gerade mal 100 Meilen auf dem Tacho. Am Ende waren es übrigens 1000 Meilen mehr und danach sah er nicht mehr wie neu aus – war nur extrem dreckig!

Auf dem Weg zur ersten Unterkunft (B&B übers Internet gebucht) nach Lyme Regis haben wir noch einen Abstecher nach Stonehenge gemacht. Also irgendwie hatte ich mir Stonehenge mystischer vorgestellt. Das war es aber so ganz und gar nicht. Stonehenge liegt quasi zwischen zwischen zwei Straßen auf einem relativ kleinen Feld. Einmal im Kreis um Stonehenge herumzulaufen war uns dennoch ganze 7 Pfund wert – jeder! Von dort aus ging es dann weiter ins knapp 73 Meilen entfernte Lyme Regis. Ich kann euch wirklich sagen, die kleinen Fischerdörfer/Städte sind einfach nur wunderschön, aber in der Hochsaison möchte ich da nicht hin. Da müssen sich ja tausende tummeln. Was uns übrigens überall aufgefallen ist „Pay and Display“. Man muss wirklich überall bezahlen… Selbst am Arsch der Welt, wo auf einem Fussballfeld großen Parkplatz unser Auto mutterseelenallein stand. Immer brav das Parkticket ziehen und ins Auto legen (Pay and Display), sonst zahlt man 60-70Pfund Strafe. Bereits auf dem Weg zu den Parkplätzen wird man mit diesen scheiß Hinweisschilder des bezahlens belästigt….

Unsere Fotoreise führte uns noch zu folgenden Orten – Hartland Point – Clevedon – Portland – Teigmouth  – Durdle Door – Lulworth Cove – Corve Castle –  Mupe Bay – Kimmeridge Bay und Swanage. Gerade die Orte Hartland PointPentax 645D mit 35mm und Mupe Bay sind so unwirklich, faszinierend und gefährlich zu gleich, dass diese auf keiner Fototour fehlen sollten. Wer den recht anstrengenden Weg von Lulworth Cove in Richtung Mupe Bay nicht scheut, der sollte sich vorher entwender beim M.O.D (Ministery of Defense) oder direkt an den Tafeln beim Parkplatz Lulworth Cove über den Zugang zu diesem Küstenstreifen infomieren. Der Steilküstenabschnitt liegt mitten auf einem Panzertruppenübungsplatz und ist außer ein paar Wochen im Jahr immer nur an den Wochenenden frei zugänglich. Man sollte aber zwingend auf den Wegen bleiben und nix anfassen…

Im Grunde könnte ich noch mehr schreiben, aber dann würden mir wahrscheinlich die Finger abfallen. Aber eine Geschichte habe ich noch für Euch. Kimmeridge Bay ist bekannt für seine Gesteinsformationen, die in die Bucht hineinragen und bei Ebbe und einer Langzeitbelichtung eines sau-cooles Bild abgeben. Um aber dieses Bild zu bekommen, muss man schon ein paar Meter auf diesen Platten gehen. Das Problem ist nur, dass diese Teile so verdammt scheiß glatt sind, dass man höllisch aufpassen muß. Um nicht auf die Fresse zu fliegen, hatte ich mein Vanguard Stativ kurzerhand zum Krückstock umfunktioniert, indem ich einfach die Spikes aus den Stativfüßen gedreht habe um mich dann wie ein alter Mann langsam zu meinem Fotostandpunkt zu schleichen. Mit der Zeit kamen noch weitere Fotografen, die sich allerdings nicht getrauten weiter vor zu gehen. Für den einen wäre es allerdings besser gewesen… Ich war gerade wieder von meinem „Plattenausflug“ zurück, als dessen Kamera mit Stativ durch einen starken Windzug umgeweht wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er aber gerade mit seinem Fotorucksack beschäftigt, sodass er die Kamera nicht auffangen konnte. Unglücklicherweise hatte er sie direkt von einer relativ großen, tiefen Pfütze aufgebaut. Nur noch das Stativ ragte aus dem Wasser, die Kamera dagegen war völlig abgetaucht. Er schaut mich an, ich sage „Shit“ – er auch und zieht das Ding, triefend vor Wasser aus der Pfütze. Dieses Bild werde ich nicht vergessen…. ich mußte mich echt zusammenreisen um nicht lauthals loszulachen. Es war für ihn alles andere als komisch, aber die Situation brachte es einfach mit sich. Eigentlich hatte er die totale Arschkarte gezogen. Erst standen wir auf der Platte vor ihm und machten genüßlich unsere Aufnahmen und dann als für ihn der Weg zum Foto frei war, kippt das Teil komplett ins Wasser… Oh, Mann!

Also wenn Ihr Fragen zur Tour habt, nur zu! Die Aufnahmen im Beitrag sind übrigens mit der Mittelformat Pentax 645 und 35mm Objektiv entstanden…

Update vom 20.07.2012:
Damit der Beitrag nicht ganz so viel Text hat, hier noch ein paar Aufnahmen, die während dieser Fotoreise entstanden sind. Neben der Pentax hatte ich auch noch eine Canon 1Ds MkIII im Einsatz. Ach, übrigens hier findet ihr noch ein paar Aufnahmen von Nils, denn ich war ja auf der Fotoreise nicht allein unterwegs -> England, die Zweite
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21 Kommentare

  • Antwort Dieter Fröhling 24. Januar 2012 um 21:53

    Netter Bericht. Könnte gern länger sein. Und ein traumhaftes Bild hast Du mitgebracht.

  • Antwort lichtbildwerkerin 24. Januar 2012 um 22:02

    Du bist ein echter Abenteurer 🙂 Hat sich aber gelohnt, denn die Bilder sind wunderschön! Ich werde eines Tages ganz sicher auch die Küsten Englands erforschen, aber ich wäre nicht so wagemutig. Ich stelle mir Stonehenge auch immer gewaltig vor und, dass ich dort fast ganz allein wäre. Dem ist wohl nicht so 😉

    Darf ich auch mal meckern? Ich bin es gewohnt, dass Links sinnvoll sind, im Sinne von mehr Information oder Umleitung auf eine Quelle. Diese sinnlosen Auto-Amazon-Links stehlen mir meine Zeit und ärgern mich. Muss das sein? Schöner wären Links, die z. B. zu einer Google-Ansicht von Durdle Door geführt hätten. Sorry.

    • Antwort BlogTimes 24. Januar 2012 um 22:06

      Hmm, eigentlich sollten die Auto-Amazon Links nicht mehr angezeigt werden… Hatte das eigentlich abgestellt!? Sobald die restlichen Aufnahmen fertig sind, will ich diese zum jeweiligen Bild verlinken.

    • Antwort Frank 25. Januar 2012 um 01:33

      Jetzt hatte ich mich bei dem Link von Lichtbildwerkerin auf die GE Ansicht gefreut und bekomme stattdessen ein Taschenbuch via Amazon empfohlen …. :yes
      Zum sehr interessanten Bericht habe bei facebook gepostet.
      Die Britts sind wirklich gesegnet mit atemberaubenden Küstenlandschaften.

    • Antwort Frank 25. Januar 2012 um 18:31

      War auch nicht böse gemeint, fand es nur lustig, das bei deinem Link auch gleich wieder die Amazone zuschlug. :lol

  • Antwort Liane 24. Januar 2012 um 22:10

    Hallo Ronny,
    super Bericht. Ich würde gerne einmal nach Südengland. Schottland hingegen kann ich wärmsten empfehlen 🙂
    Naja und auf die kommenden Fotos bin ich gespannt!
    Liane

    • Antwort BlogTimes 24. Januar 2012 um 22:13

      Ja, Schottland muss ich auch nochmal hin…

  • Antwort Enrico 24. Januar 2012 um 22:35

    Netter Bericht da bekommt man glatt Lust auf die Insel.

  • Antwort Bianca 25. Januar 2012 um 06:51

    Zwei wunderschöne Fotos mit einem tollen Look! Wenn mich in letzter Zeit Bilder beeindruckt haben, war das fast immer Mittelformat, hm… Bin ein bisschen neidisch – auf die Mittelformat-Kamera und die schöne Reise :8

  • Antwort Christina 25. Januar 2012 um 13:07

    Klingt nach einem wirklich tollen Auflug den ihr da hattet. Und die Bilder die du mitgebracht hast lassen einen richtig neidisch werden.

    Sehr schön! Mir gefällt besonders das letzte Bild.

    VG Christina

  • Antwort Eric 25. Januar 2012 um 16:29

    Schöner Artikel. An Ausflügen auf die Insel hat mich schon immer dieses Klischee mit der erst zahlen dann gucken abzock Mentalität gestört. Vielleicht ändert sich ja meine Meinung dazu noch mal, aber solang fahre ich lieber nach Norwegen oder Schweden, da sind sie wirklich gastfreundlich und wollen nicht an jeder Ecke Kohle für gucken.

  • Antwort Christian 25. Januar 2012 um 17:47

    Die Fotos machen Appetit auf mehr, lass Dir nicht zu lange Zeit mit dem Bearbeiten 😉
    Das mit Stonehenge wusste ich. Ich war zwar noch nie da, aber selbst in den Dokumentationen darüber war ich schon immer über diesen Anblick enttäuscht. Da kann ich mir auch Überreste der Frankfurter Stadtmauer anschauen, das vermittelt das gleiche Feeling.^^

    • Antwort BlogTimes 25. Januar 2012 um 18:03

      Hahaha, genau das trifft es wohl am Besten… Ach, ich werde mich mit der Bearbeitung beeilen!

  • Antwort Der Vanguard UpRise 48 - Kleiner Testbericht | BlogTimes - Fotografieblog 17. Februar 2012 um 18:48

    […] könnt ihr euch noch erinnern. Vor ein paar Wochen war ich auf Fotoreise in Südengland unterwegs und wurde hierfür mit Kameras und Fotozubehör ausgestattet. Unter anderem auch mit […]

  • Antwort Jens 19. Februar 2012 um 11:43

    Schöner Bericht und die Bilder sind echt der Hammer und machen neidisch 😉 Würd mich freuen, mehr von den Bildern zu sehen!

    • Antwort BlogTimes 19. Februar 2012 um 11:48

      …. Danke Dir… Ich arbeite dran 🙂

  • Antwort Toni 1. März 2012 um 12:49

    Der Bericht ist interessant und ausführlich. Die Bilder sind ein Traum ! Ich kann mich nicht an ihnen satt sehen. Kompliment 🙂

  • Antwort England die ZWEITE! | BlogTimes - Fotografieblog 24. März 2012 um 17:54

    […] ein paar Zeilen für BlogTimes zu schreiben. Wie ihr wisst, waren wir Anfang dieses Jahr in England auf Fotoreise – das erinnert mich daran, dass ich gerade mal vier Aufnahmen davon bearbeitet habe.. Oh man, […]

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