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Bären

Fotografie, Unterwegs

Auf Bärenjagd in Finnland

11. August 2012

Da es jetzt langsam mit dem Buch in die Endphase geht, ist es im Moment auf BlogTimes sehr ruhig. Daher freue ich mich ganz besonders, dass Nils die Zeit gefunden hat, ein paar Eindrücke seiner letzten Finnland-Reise aufzuschreiben. Ich denke, Finnland ist gerade für Landschafts- und Tierliebhaber fotografisch sehr interessant. Wer von den BlogTimes Lesern war eigentlich schon mal in Finnland?

Nach langer Zeit sollte es dieses Jahr mal wieder soweit sein die Verwandschaft in Finnland zu besuchen. Von Helsinki ging es weiter nach Oulu und von dort nach Kemi. Das es in Finnland Bären gibt, wusste ich. Über das Internet bin ich auf das Naturschutzgebiet Martinselkonen im Osten von Finnland gestoßen. Die Tiere sind wild und leben vollkommen frei. Hier gibt es ein familiengeführtes Wildzentrum, welches verschiedene Aktivitäten anbietet – Ausflüge zum Beerensammeln, Wandern, Tierebeobachtungen und einiges mehr. Für das Beobachten von Bären gibt es eine große Hütte für ca 10 Personen und zwei kleinere. Per Email hatte ich im Vorraus eine kleine Hütte für zwei reserviert.

Am Abend vorher wurde die Strecke geplant, was sich als schwieriger wie gedacht herausstellte. Für die Strecke von unter 300 Kilometern war die TomTom Navigation der Meinung, wir bräuchten bei kürzester Strecke ca. 15 Stunden, bei schnellster Strecke ca. 6 Stunden, Google Maps wollte uns in 4 Stunden ans Ziel bringen. Die geplanten Routen hatte alle einige große Schlenker drin, daher musste die gute alte Karte aus Papier her und mühevoll wurde eine sinnvolle Strecke rausgesucht. Da wir nicht genau wussten was uns nun auf der Strecke erwartet, machten wir uns am nächsten Morgen rechtzeitig auf den Weg. Die Fahrt lief problemlos mit zwei kurzen und einer längeren Pause waren wir in unter 4 Stunden am Ziel. Auf der Fahrt begegnen einem ständig Rentiere, die am liebsten mitten auf der Straße laufen.

Wenn das Radio anfängt zu Rauschen, der Handyempfang wackelt, man seit einer halben Stunde kein weiteres Auto gesehen hat und die Sandstraßen immer kleiner werden – dann seit ihr am Ziel.

Im Wildzentrum angekommen war noch genügend Zeit sich mit anderen Besuchern zu unterhalten, eine Kleinigkeit zu essen, zu besprechen was nun alles mitgenommen werden muss und seine sieben Sachen zu packen. Der Ablauf ist folgender, man wird gegen 16:00 Uhr in die Hütte geführt und am nächsten Morgen um 7:00  wieder abgeholt. Unser Führer für den Tag war Tuumpi, ein total netter Kerl, wir konnten uns auf finnisch unterhalten, Englisch und Zeichensprache wären aber auch kein Problem gewesen. Vom Zentrum fuhren wir etwa 15 Minuten mit dem Auto in den Wald. Nun mussten wir noch ca eine halbe Stunde durch den Wald marschieren. Die einzige Regel die es gab war das der Führer immer vorraus geht, denn es kann durchaus vorkommen das man auf dem Weg schon Bären begegnet. Auf dem Boden sieht man die Fussabdrücke, die Hinterlassenschaften und an den Bäumen die Krallenspuren der Bären.

Kurz bevor wir an unserer Hütte ankammen waren in sicherer Entfernung die ersten Bären zu sehen. Die sich jedoch zurück in den Wald zogen. Eine Seite der Hütte lag zum Waldrand, nach Vorne hinnaus war ein offener Sumpf. Der Sumpf hat den Vorteil das hier kaum Bäume stehen und mehr Licht hineinfällt. Die Hütte ist recht klein gehalten, sie bietet eine Pritsche zum drauf sitzen und später zum hinlegen, eine breite Fensterbank, drei Objektiv-Öffnungen nach vorne und zu jeder Seite eine. Die Ausstattung war sehr gut, es waren einige Bohnensäcke vorhanden, ein Tarnstoffstück zur Nutzung als LensCoat und einige schwere Metallplatten auf die man seinen Kugelkopf setzen konnte. Zusätzlich hatte die Fensterbank an zwei Stellen Schlitze für einen Wimberley oder Gimbal Head. Weniger Komfort bot die Toilette in Form einer winzigen Plastikbox. Wasser, Kaffee und zwei Sandwiches waren noch inklusive. Auf dem Bild ist es die kleine, grüne Hütte im Hintergrund.

Etwa eine halbe Stunde nach dem wir in der Hütte waren, kamen die ersten Bären auf das Sumpfgebiet, um nach Futter zu suchen. Zuerst besuchte uns eine Mutter mit drei Kleinen. Nach und nach kamen ältere, größere Bären, jugendliche, weitere Jungtiere, braune und schwarze Bären vorbei. Für ca. 5 Stunden hatten wir ein wildes Treiben vor uns. Es ist fazinierend diesen großen Tieren so nah zu sein. Die Jungtiere beim Klettern zu sehen und ihr Gequietsche zu hören. Die Älteren die schon vor Anstrengung Schnaufen und wie sie sich am Baum schubbern. Kleinere Raufereien und eine deutliche Körpersprache wer der Stärke ist, waren zwischen den jugendlichen und den größeren Tieren zu beobachten. Ab ca 22:00 Uhr war kein Bär mehr zu sehen, es war noch lange hell, aber die Nacht über zeigte sich kein Tier mehr. Erst am Morgen gegen 6:00 schlich in der Ferne ein Bär vorbei. Mit den nassen Grässern und dem Nebel gab das ein schönes Bild aber leider spielte es sich zu weit weg von uns ab. Auf der Pritsche in der Hütte kam man versuchen zu schlafen, so richtig gelingen wollte es uns aber nicht, aber es reichte aus um sich fit für eine sichere Rückfahrt zu fühlen. Tuumpi holte uns pünktlich ab und verramelte die Hütte wieder. Im Wildzentrum wäre noch ein Möglichkeit für ein Frühstück gegeben, doch wir machten uns recht zügig auf den Weg.

Die Aufnahmen sind am Vollformat mit einem 70-200 f2.8 und 2x Telekonverter entstanden, was also eine maximale Brennweite von 400 mm ergab. Die 400 mm waren für mich vollkommend ausreichend. Waren die Tiere näher habe ich den Konverter rausgenommen. Die Kamera stand auf einem Kugelkopf, der wiederrum auf einer in der Hütte verfügbaren Metallplatte befestigt war. Wichtiger wie die längste, beste Brennweite empfand ich einen sicheren Umgang mit der vorhandenen Ausrüsttung. Beim Blick durchs Okular die Blende, Iso und weitere Kameraeinstellungen anzupassen, die Friktion vom Kopf schnell nachzustellen, all das kann jeder zu Hause am Ententeich üben. Das Erlebnis an sich ist traumhaft, lasst Euch nicht vom fehlenden 500mm f4 Objektiv davon abhalten.