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Fotografie, Interviews

Sandra Ludewig – Das sensible Novemberblut im Gespräch

14. Juli 2011

Der nachfolgende Beitrag stammt vom Fotografen Ronny Behnert  – freier Redakteur bei BlogTimes. Vielen Dank, für diese Entdeckung…

Sandra Ludewig habe ich schon lange auf meinem Schirm. Zuerst aufgefallen auf einer bekannten Fotoplattform bin ich im Laufe der Zeit immer wieder über ihre Fotos gestolpert, die mir immer wieder sehr imponiert haben. Sandra bewegt sich größtenteils im Bereich der Portraitfotografie, die sie mit einer ungeheuren Hingabe zu verfolgen scheint. Ihre Fotos weisen unglaublich sensible Züge auf, so dass ich heute mehr über Ihre Beweggründe und ihre Leidenschaft erfahren möchte.

Nachdem Sandra die Kunst des Tätowierens erlernt hatte, entschied sie sich für eine Ausbildung zur Fotografin. Sie wollte die Realität zeigen, die sie in der Malerei nicht gefunden hatte. Seit 2004 ist Sandra Ludewig als freie Fotografin unter anderem in Deutschland, Spanien, Gibraltar und Dänemark tätig und seit Mai diesen Jahres lebt und arbeitet sie wieder in Andalusien. Davor hat sie zweieinhalb Jahre in Berlin gelebt, eine Stadt die die Fotokünstlerin sehr inspiriert hat, die sie noch immer im Herzen trägt und die sie ihre zweite Heimat nennt. Da Sandra durch ihren Beruf sehr viel reist, führt es sie immer wieder auch dort hin. Ein Pool voller Reize und Inspirationen, den sie nicht missen möchte.

Ronny Behnert: Sandra, vielen Dank für die Zeit, die Du Dir nimmst. Ich muss gestehen, dass ich ein großer Fan Deiner Arbeiten bin, begeistert vor allem von der Intensität die jedes Deiner Fotos mit sich bringt. Gerade viele Deiner Portraitaufnahmen lassen den Betrachter fast mit der Person auf dem Foto verschmelzen. Was geht Dir selbst durch den Kopf, wenn Du auf den Auslöser drückst?

Sandra Ludewig: Lieber Ronny,

vielen Dank für Deine Mühe und Dein Interesse an meiner Arbeit. Dieses Interview freut mich sehr auch wenn ich es immer schwierig finde über mich selbst zu schreiben. Meinen künstlerischen Schwerpunkt bildet die Arbeit mit Menschen, denen ich auf ganz sensible Art und Weise ihre Emotionen entlocke. Ich bin stets auf der Suche nach neuen Facetten – an den Menschen vor der Kamera ebenso wie an mir selbst. Darüber hinaus habe ich grosse Schwierigkeiten mich zu erinnern, doch die Fotografie hilft mir dabei meine Gedanken und Erinnerungen zu sortieren.

Ronny Behnert: Seit wann bist Du schon als Fotografin tätig, bzw. wie und wann bist Du das erste Mal mit einer Kamera in Berührung gekommen?

Sandra Ludewig: Nach meiner Ausbildung habe ich mich sogleich selbstständig gemacht, wie oben schon gesagt, im Jahr 2004. Die erste Kamera bekam ich von meinem Großvater. Es war eine verstaubte, analoge Pentax, die wir auf dem Dachboden gefunden haben. An dieser Kamera habe ich lange festgehalten, und mir vermutlich später als die meisten anderen, meine erste Digitale Kamera, eine Canon 20D, gekauft. Heute fotografiere ich meistens digital, entweder mit der Canon 1Ds Mark II oder der Canon 5D Mark II. Analog fotografiere ich unter anderem mit einer Pentacon Six TL und einer Lomo-Kamera.

Ronny Behnert: Meine Anerkennung gilt vor allem einem bestimmten, sehr sinnlichen Moment, den Du gekonnt und selbstbewusst im Foto fest hälst. Den erstrebenswerten Bruchteil einer Sekunde, nach der jeder Fotograf sucht, hälst Du wunderbar in Deinen Werken fest. Wie schaffst Du es, dass Deine Modelle so unbeschwert und natürlich aussehen? Keine der Personen wirkt unglücklich oder gestellt.

Sandra Ludewig: Für meine Portraits nehme ich mir, wenn möglich, viel Zeit. Viel wichtiger als auf den Auslöser zu drücken ist, den Menschen ein Stück weit kennenzulernen. Wie er/sie sich selbst sieht, wovon er/sie träumt und was ihn/sie bewegt. Ich höre zu und nehme auf und genau das sieht man in meinen Bildern. Ein gutes Foto berührt mich. Es trifft einen Punkt bei mir und erinnert mich. Ich kann mir ein gutes Bild sehr lange anschauen, manche aber auch nur kurz weil sie mir sehr nahe gehen. Technische Aspekte spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Oft sind es die Augen die Fotografien lebendig machen, in welcher Hinsicht auch immer.

Ronny Behnert: Wer Deine Webseite besucht wird schnell feststellen, dass Du einige Referenzen vorweisen kannst und auch schon den einen oder anderen Musiker vor Deiner Linse hattest. Viele Leser wird brennend interessieren wie Du Kontakt zu diesen Modellen aufgebaut hast, bzw. wie die Künstler an Dich heran getreten sind?

Sandra Ludewig: In Sachen Eigenwerbung unternehme ich nicht wirklich viel. Ich habe eine Website und das ist eigentlich auch schon alles. Mit einigen Künstlern habe ich vorher bereits zusammengearbeitet, wie z.B Lena. Ich habe sie für Ihr Video „Touch a new day“ in Amsterdam getroffen um ein paar Fotos für das Video zu machen. Wir haben sehr gut zusammen funktioniert und die Ergebnisse haben ihr gefallen. Später kam dann die Anfrage über Universal, Lena für Ihre zweite CD zu fotografieren.

Ronny Behnert: Erst vor Kurzem bin ich auf die Musiker von Max Prosa gestoßen und auch dort habe ich Deine Fotos entdeckt. Glückwunsch auch dafür.

Sandra Ludewig: Max ist ein ganz besonderer Künstler und ein Freund. Ich habe ihn im Popcamp kennengelernt und war sofort begeistert von ihm, seinem Wesen und seiner Musik, die mich berührt. Einige Zeit später haben wir die ersten Bilder gemacht ohne auf ein bestimmtes Ziel hin zu arbeiten. Jetzt werden sie auf seinem Album und der Singleauskopplung zu sehen sein, was mich natürlich sehr freut.

Ronny Behnert: Abgesehen von Personen, hast Du aber auch einen Gefallen daran gefunden, gewisse Stillleben zu fotografieren. Auch hier erlebe ich beim Betrachten diese Unbeschwertheit und das leichte Gefühl, das mich beim Betrachten  erfüllt. Alles wirkt so, als wären diese Orte von Gott und der Welt verlassen worden, und doch steckt so viel Leben in ihnen. Welche Gedanken und Hintergründe stecken in diesen Fotografien?

Sandra Ludewig: Diese Bilder entstehen meistens ganz spontan und nebenbei auf meinen Reisen oder wenn ich einmal Zeit finde frei zu fotografieren. Sie sind meine Post-it’s, meine Erinnerungen, die oft sehr persönlich sind und von dem geleitet werden was mich bewegt.

Ronny Behnert: Unsere Leser wollen natürlich auch etwas von der technischen Seite Deiner Arbeiten wissen, obwohl ich dafür bin, dass wir diese Seite hier etwas weniger behandeln. Die Seele Deiner Fotos beeindruckt mich weitaus mehr, so dass ich beim Verweilen vollkommen vergesse, wie Du diese Fotos gemacht haben könntest. Eine der wichtigsten Fragen, die mir auf den Nägeln brennt ist, wieviel Equipment Du beim Ablichten der Personen verwendest. Benutzt Du das Dir gegebene Tageslicht oder arbeitest Du mit diversen Beleuchtungsmitteln und Reflektoren? Wieviel Arbeit steckt in Deinen Fotos?

Sandra Ludewig: Wie bereits gesagt spielt die Technik in meinen Arbeiten nur eine untergeordnete Rolle. Wenn es möglich ist arbeite ich mit Tageslicht, auch im Winter, denn nur dieses Licht hat diesen Zauber und die Wahrheit des Augenblicks in sich. Wenn ich Beleuchtung benötige, dann am liebsten Dauerlicht. Einen Blitz empfinde ich oft als Störfaktor, der wie eine Mauer zwischen mir und meinem Fotopartner wirkt. Ganz wichtig für mich sind die Objektive. Derzeit benutze ich nur Festbrennweiten, wie z.B das 50ger, 85ger und 35ger, denn die Vorliebe für diese Objektive hat auch etwas mit Wahrhaftigkeit zu tun. Mein wichtigstes technisches Geheimnis ist vermutlich, dass ich stets barfuß fotografiere. So kann ich den Raum, die Erde oder den Sand fühlen. Dann fühle ich, dass ich da bin, angekommen und real.

Ronny Behnert: Ich habe Dich vor ein paar Jahren auf einer Fotoplattform entdeckt auf der Du schon damals viele positive Resonanzen erhalten hast. Wie wichtig sind Dir solche Plattformen heute und welche Möglichkeiten nutzt Du heute um so viele Betrachter wie möglich  zu erreichen?

Sandra Ludewig: Mit der Zeit sind mir diese Plattformen immer unwichtiger geworden. Dennoch möchte ich diese Zeit nicht missen, denn ich habe viele wundervolle Menschen kennengelernt. Ich nutze sie noch immer gelegentlich, jedoch mit der Zeit immer weniger.

Ronny Behnert: Deine Referenzliste auf Deiner Netzpräsenz ist ziemlich lang, so dass man bei Dir durchaus von einer erfolgreichen Fotografin sprechen kann. Wo möchtest Du mit Deiner Fotografie allerdings noch hin? Was möchtest Du für Dich persönlich erreichen?

Sandra Ludewig: In den letzten zwei Jahren habe ich mich vor allem auf das fotografieren von Musikern spezialisiert, und darin habe ich meine Erfüllung gefunden. So kann es gern weitergehen.

Ronny Behnert: Abschließend die Frage aller Fragen. Wen würdest Du am liebsten fotografieren wollen?

Sandra Ludewig: Ganz ehrlich? Dave Gahan und Trent Reznor würde ich gerne ablichten. Im Grunde ist für mich jedoch jeder Mensch ein Popstar. Jeder hat eine schöne, faszinierende Seite, ja vielleicht sogar eine Unentdeckte. Jeder Mensch, der sich vor meine Kamera begibt, ist für mich ein Geschenk und ich liebe es Menschen zu öffnen. Da bleibt etwas in mir.

Liebe Sandra, vielen Dank für dieses tolle Gespräch. Ich wünsche Dir weiterhin so viel Erfolg und Spaß an Deinen Arbeiten. Alles Gute Dir. Zu sehen sind ihre Aufnahmen auf www.sandraludewig.com.

Hier noch ein fotografischer Teaser
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Fotografie, Unterwegs

Grímsvötn – Reisetagebuch Island Tag 16

22. Mai 2011

Gestern Abend freuten wir uns noch über einen Vulkanausbruch, der ganz in unserer Nähe statt findet und heute bangen wir schon um unseren morgigen Rückflug.

Morgens sind wir in der Frühe in Richtung Kirkjubæjarklaustur, der letzten Stadt vor dem Vatnajökull, aufgebrochen um etwas von dem Vulkan mitzubekommen, der in ca. 100 km Entfernung seine Asche spuckt. Weit kamen wir allerdings nicht. 20 km hinter Vík wurde die Asche dichter und dichter und wir beschlossen anzuhalten. Der Staub färbte die Luft braungelb und selbst die Sonne drang nur sehr schwer durch die Aschepartikel. Wir waren jetzt ca. 40 km von Kirkjubæjarklaustur entfernt und in den Nachrichten hieß es, dass dort seit dem Morgen kein Tageslicht mehr zu sehen war. Es war gespenstisch. In der hellsten Zeit des Jahres bekam man von dem Tageslicht nichts zu sehen.

Da wir keinerlei Fotos von dem Ausbruch hätten machen können beschlossen wir umzudrehen. Diese Entscheidung war unser Glück, denn wären wir weiter gefahren wäre uns der Rückweg nicht möglich gewesen, da die Straße zwischen Vík und dem Vatnajökull gesperrt wurde.

So aber fuhren wir in Richtung Westen zurück und beschlossen noch einen Abstecher zum Gullfoss und zum Strokkur, dem bekanntesten Geysir Islands, zu machen. Frohen Mutes besichtigten wir den „Goldenen Wasserfall“ und waren, wie bei fast allen Wasserfällen, wieder beeindruckt was Mutter Natur geschaffen hat. Der Gullfoss hangelt sich über zwei Stufen in eine breite Schlucht hinab. Vor ein paar Jahren wurde geplant diesen Wasserfall zu einem Staudamm umzubauen um Elektrizität zu gewinnen. Der gesunde Menschenverstand hatte aber gesiegt und der Wasserfall durfte weiter in das Tal hinab stürzen.

Ca. 10 km vom Gullfoss liegt der Strokkur, der sich im Haukadalur (Heißwassertal) befindet. Eine Reihe anderer Geysire sprühen dort eher selten Ihre Fontänen in die Luft aber der Strokkur tut dies in einem regelmäßigen Abstand von 3-5 Minuten, so dass dieser zum Publikumsmagneten mutierte. Es war faszinierend wie die Gäste darauf warteten, dass der Geysir seine Wassermassen 15 Meter in die Höhe schießt. Das 80-100°C heiße Wasser in einem Loch mit einen Durchmesser von ca. zwei Metern  wabert ein paar Minuten hin und her, zieht sich ab und an etwas zurück, dehnt sich wieder aus und urplötzlich taucht eine große Blase auf, die nach oben steigt. Mit einem lauten Prusten entlädt sich das heiße Wasser und schießt in die Höhe. Ab und an geht der Schuss aber nach hinten los und es kommt nur eine winzige Fontäne zum Vorschein. Der Strokkur ist also auch für Überraschungen gut.

Nach ein paar Stunden Autofahrt sind wir nun wieder in Grindavík angekommen, unserem Ausgangspunkt der Reise, und sinnieren über die letzten 16 Tage, die wir wirklich genossen haben. Nun heißt es langsam Abschied nehmen von dieser wunderschönen Insel, aber ich denke, dass die Zeit vollkommen ausreichend war um ein paar tolle Fotos mit nach Hause zu bringen. Ich werden Island vermissen, aber freue mich doch sehr auf mein Heim.

Island hat mir aufgrund seiner vielen Naturgewalten sehr imponiert. Das Land besteht größtenteils aus einer Landschaft in der ein einziger Schritt einen das Leben kosten kann, wenn man nicht aufpasst. Manchmal sind wir nur knapp einem Unglück entgangen aber die faszinierende Umgebung übte doch immer wieder einen Zauber auf uns aus, der uns diese Erlebnisse wieder vergessen ließ. Löcher voller Schwefelsäure, heiße Quellen und Fontänen, metertiefe Abgründe, hoher Schnee in menschenleerer Umgebung, halb eingestürzte Grotten, tiefe Gräben entstanden durch schwere Erdbeben und zu guter Letzt noch ein Vulkanausbruch. Doch auch die Schönen Dinge behalten wir in guter Erinnerung. Island, das Land der Sagen und Legenden. Das Land der Elfen und Trolle, die das Leben der Menschen hier noch immer maßgeblich beeinflussen – Ab und an, wenn man nicht damit rechnete, konnte man im Augenwinkel sogar einen Schatten vorbeihuschen sehen.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch für die Fahrkünste von Ronny Ritschel bedanken, der uns Tag für Tag über Stock und Stein gekonnt zum Ziel gebracht hat.

Meine neue Serie Ísland 2011 werde ich in Kürze auf www.bewegungsunschaerfe.de veröffentlichen. Wenn Ihr Lust habt schaut doch auch bei Facebook vorbei. www.facebook.com/haggardphotography .

Nun hoffen wir, dass der Flughafen wieder geöffnet wird und wir unser geplantes Flugzeug nach Hause nehmen können. Vielen Dank für`s mitlesen und kommentieren.

Ronny Behnert

Fotografie, Unterwegs

Sandur – Reisetagebuch Island Tag 13-14

21. Mai 2011

Ein großes „Entschuldigung“ für den gestrigen Ausfall aber der Tag wurde von uns als „Feiertag“ genutzt und wir haben einfach mal nichts getan.

Heute ging es dafür aber umso aufregender weiter. Nachdem wir unsere Unterkunft Hólmur früh morgens verlassen haben haben wir von weitem schon dicke Sandwolken gesichtet, die durch den Sturm der die ganze Nacht gewütet hat voran getrieben wurden. Uns wurde schnell klar, dass wir auf unserem Weg in Richtung Vík auch dort durch mussten. So kam es, dass wir uns kurze Zeit später in einem dichten Sandsturm befanden der in Böen stärker und schwächer wurde und unser Auto mächtig durchschüttelte. Das ohrenbetäubende Kratzen und Rieseln des Sandes und das dazukommende Windgeräusch ließen uns hoffen, dass das Auto nicht stehen blieb und uns im Stich lassen würde. Letztendlich ging aber alles gut und wir kamen nach ca. 3 Stunden Fahrt in unserer neuen Unterkunft nahe der Stadt Vík an. Anschließend machten wir uns auf den Weg die zwei größten Wasserfälle der Gegend zu besuchen. Den Skógafoss und den Seljalandfoss.

Der 60 Meter hohe Skógafoss (Waldwasserfall) liegt an einer ehemaligen Steilküste unterhalb des Eyjafjallajökull, dem berüchtigten Vulkan derdurch seine Eruptionen letztes Jahr um fast die gleiche Zeit den kompletten Flugverkehr Europas lahm gelegt hat. Es war schon beeindruckend zu diesem mächtigen Vulkan zu sehen und zu wissen, dass es in ihm noch immer kocht und brodelt. Guter Dinge schritten wir voran und hielten auch diesen Wasserfall von oben und von unten fest auch wenn uns der Sturm das Fotografieren erschwerte. Die Gischt des Wasserfalls landete immer wieder auf unseren Kameras und den Objektiven. Regelmäßiges putzen war Pflicht.

Ein paar Kilometer entfernt liegt der Seljalandfoss, der größte Wasserfall der auch von hinten erkundbar ist. Auch hier wurden wir von einer regelrechten Dusche des Wasserfalls begrüßt, da der Sturm die Wassertropfen meterweit davon trug. Die Vegetation um den Wasserfall herum verändert sich schlagartig, da die Pflanzen durch die Gischt eine lebensnotwendige Wässerung erhalten. Der Aufstieg war, wir sind es nicht anders gewohnt, rechtbeschwerlich, da das Wasser den Boden aufgeweicht hat aber es war spannend auch mal hinter die Kulissen eines Wasserfalls sehen zu dürfen.  Fotos wurden auch hier gemacht, die ihr übrigens sehr bald zu sehen bekommen werdet.

In der Nähe unserer Unterkunft befinden sich noch einige Sehenswürdigkeiten am schwarzen Sandstrand und wir hoffen sehr, dass das Wetter mitspielt um Euch weitere tolle Fotos zu präsentieren.

Viele Grüße und góða nótt.

Fotografie, Unterwegs

Góðan daginn Vatnajökull – Reisetagebuch Island Tag 11

17. Mai 2011

Früh aus den Federn haben wir uns nach unserem Frühstück auf den Weg vom Berufjörðir nach Höfn im Süden gemacht.

Mit 170 km war dies eine der kürzesten Strecken die wir absolvieren mussten und somit begonnen wir den Tag auch sehr entspannt. Der Himmel war leicht bewölkt und die letzten Rentiere, die wieder in die Berge hinauf wollten, wanderten an uns vorbei.

In unserer wundervollen Unterkunft, in der Nähe von Höfn, angekommen haben wir uns sofort auf den Weg nach Jökulsarlón gemacht, einem riesigen Gletschersee der riesige Eisberge mit sich führen soll und mit dem Meer verbunden ist. Blau schimmernd befanden sich die Eisberge eine Stunde später dann letztendlich vor uns. Die Sonne verstärkte die türkisblaue Färbung noch zusätzlich und ich empfand diese Eisgiganten als stumme Riesen, die auf dem See still ihre Runden zogen – vorangetrieben von starkem Wind, der über den See peitschte. Seehunde schauten immer wieder aus den Wellen des Sees hervor und schienen zu warten bis die Besucher verschwinden, um das Ufer als Liegefläche für sich zu nutzen.

Auf der Seeseite, unweit vom Jökulsarlón, fanden wir weitere Motive, die uns als willkommene Fotomotive dienten. Schneeweiße Eisklumpen auf schwarzem Sand, teilweise umspült von der starken Brandung, die vom Wind getrieben in Richtung Land schnellten. Wir trieben unsere Kameras durch den starken Wind und die Gischt, die sich auf unseren Objektiven wie ein klebriger Film festsetzte, an die Grenzen des Belastbaren. Auch meine Hose war völlig durchnässt – Ich fühlte mich wieder wie auf Sylt, wo ich nach jedem Fotoausflug mit nassen Hosen zurück kam weil mich die Wellen wieder erwischt hatten.

Uns war klar, dass eine ausgiebige Reinigungs- und Trocknungsaktion folgen musste, bevor wir den Weg zu unserem nächsten Ziel antreten konnten. Svartifoss – der schwarze Wasserfall am Fuße des Vatnajökull, dem weltweit größtem Gletscher außerhalb der Arktis.

Wieder hieß es Bergsteigen. Unter lautem Stöhnen und Ächzen meisterten wir den 1,4 km langen Bergaufstieg zum Svartifoss, der von oben gesehen eher unscheinbar aussieht. Nach einem kleinen Abstieg ins Tal erscheint der Wasserfall jedoch wie in einem eigenständigen Raum. Dunkelbraune bis schwarze Basaltsäulen laufen senkrecht die Felswände herab und umgeben den Wasserfall in einer art Halbkreis, so dass nur ein Weg hinein und wieder heraus führt. Viele der Säulen, die von oben nach unten laufen und aus erkalteter Lava bestehen, sind bereits ins Flussbett gefallen und lassen eine skurile, unwirkliche Landschaft entstehen. Man könnte meinen man befände sich in einer Höhle, da man fast ausschließlich von Fels umgeben ist. Die Lautstärke des Svartifoss tut sein übriges.

Jeder Aufstieg hat aber auch sein Gutes. Erstens wird man mit dem Ziel belohnt und zweites geht jeder Abstieg vom Berg herunter leichter.

Ich wünsche Euch weiterhin eine schöne Zeit und sage „Goða nótt„ von unserer heutigen Unterkunft aus, einer kleinen Schafsfarm mit vielen kleinen Lämmern, die gestreichelt werden wollen.