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Farbe

Analog, Fotografie, Großformat

330 Sekunden Belichtungszeit – Großformat geht in die zweite Runde

16. Januar 2013


[Gatineau – Quebec],*4×5-004 – CAN 2012 | Chamonix 045N-2, Rodenstock 75mm, f22, 5.30 Minuten, T-Max 100

Ja, ganz genau 5 Minuten und 30 Sekunden errechnete mein iPhone Belichtungsmesser grob für diese erste Nachtaufnahme mit einem T-MAX 100 Schwarzweiss Film und lag damit richtig. Zuvor hatte ich noch eine Farbaufnahme mit 70 Sekunden Belichtungszeit mit dem Kodak Portra 400 aufgenommen.

Zum einen sollte das meine erste Großformat Schwarzweiss Aufnahme sein und zum anderen wollte ich damit die ISO Qualität zwischen beiden Filmen vergleichen. Hintergrund ist, dass ich mit dem Gedanken spiele meine Farbaufnahmen mit dem Portra 160 von Kodak zu machen um ein feineres Korn zu bekommen. Nachteil des 160er ist laut Kodak die etwas geringere Schärfe also auch eine schwächere Farbsättigung. Auch soll der „langsame“ Film nicht so gut für Langzeitbelichtungen geeignet sein. Letzteres kann man nur in englisch sprachigen Fotoforen lesen, da Kodak selbst keine Angaben zum Langzeitbelichtungs-Verhalten gibt.

Meine allererste Großformataufnahme hab ich mit einem Portra 400 und einem ND-Filter gemacht. Diese anschießend aufgrund der bessere Bildstimmung in S/W konvertiert. Auch wenn mich die Aufnahme noch immer fasziniert, so ist in meinen Augen das Korn doch ein wenig zu stark sichtbar. Ich glaube die Konvertierung eines Farbnegativs zu einem S/W Bild sollte vielleicht nur der letzte Auswegs ein, falls man keinen S/W Film zur Hand haben sollte.

Die Nachtaufnahme hat mich allerdings in Sachen Korn wieder überzeugt. Es ist schon bemerkenswert, was der 400er Film leistet. Zum einen habe ich den Eindruck, dass er bei Langzeitbelichtungen relativ unempfindlich gegenüber Farbverschiebungen ist. Mit dem ND-Filter ist dass wieder etwas anders. Dieser erzeugt beim Negativ einen leichten Blau/Grünstich, welches sich aber durch die Tonwerkorrektur und RGB-Gradationskurve korrigieren lässt. Auch wenn der Portra 400, wie der Name schon sagt, ist erster Linie für Porträt verwendet wird, so bin ich wirklich von den Farben angetan. Im Hybriden Workflow lässt sich damit noch spielen und man kann schon sehr viel herausholen, selbst dann wenn man „nur“ einen Epson V700 für den Scan verwendet.


[Gatineau – Quebec],*4×5-003 – CAN 2012 | Chamonix 045N-2, Rodenstock 75mm, f22, 70 Sekunden, Kodak Portra 400

Natürlich stehe ich noch am Anfang meiner Großformat-Fotografie und gerade die Color-Nachtaufnahme musste ich an zwei verschiedenen Tagen wiederholen. Das erste Mal hatte ich versehentlich vergessen, dass ich schon eine Filmseite belichtet hatte – die Folge war eine absolut hässliche Doppelbelichtung. Sieht man natürlich erst nach der Entwicklung. Ich hatte zwar am besagten Tag noch eine zweite Aufnahme gemacht, diese aber mit zuviel „Tilt“ versehen, sodass der Hintergrund unscharf wurde. Auch wenn das vielleicht bei einigen Aufnahmen interessant wirken könnte, so sah es gerade bei diesem Motiv einfach sch…. aus. Aus Fehlern lernt man bekanntlich und daher habe ich penibel auf die Einstellung beim zweiten (dritten) Versuch geachtet. Hier musste ich nur die Frontstandarte ein wenig nach unten schieben („Fall“, weil ich von oben nach unten fotografiert habe) um der perspektivischen Verzerrung entgegen zu wirken.  Die richtige Belichtungszeit ist natürlich Erfahrungsache, bei mir aber im Moment eine Schätzung und ein wenig rechnen. Bisher ist mir zumindest bei der Belichtungszeit kein Fehler passiert – Dreimal auf Holz klopf!

Im Gegensatz zum Farbfilm kursieren im Netz diverse Charts für die Berechnung der Belichtungszeit von Schwarzweiss-Filmen. In meiner App (Pinhole Assist) kann ich quasi den „Schwarzschild-Effekt“ des T-Max 100 einstellen. Dieser wird dann einfach auf die gemessene Zeit hinzu addiert. Erstaunt hat mich hier, dass der iPhone Belichtungsmesser noch das vorhandene Licht messen konnte, während bei meiner D800 der Belichtungsmesser wild das Blinken angefangen und keine Zeiten ausgespuckt hat. Das liegt natürlich auch daran, dass er nur bis 30 Sekunden messen kann. Alles was drüber hinausgeht wird nicht mehr angezeigt. Hier sei allerdings noch anzumerken, dass er bereits ab 15 Sekunden Belichtungszeit rumgemeckert hat und nicht mehr exakt messen konnte. Mich stört das jetzt nicht, wollte damit nur zeigen, dass das iPhone durchaus auch diese Situation gemeistert hat.

Die Bearbeitung der analogen S/W Aufnahme ist ein wenig aufwendiger als ein digitales Pendant. Zum einen sollte man das Negativ im 24 Bit RGB Modus einscannen und nicht als 8 Bit Graustufenbild. Ich hab jetzt leider die Webseite vergessen, aber es wurde dort ausführlich erklärt warum man das machen sollte. Ich habe mir nur gemerkt, dass der Scan dann mehr Bildinformationen erhält. Auch sollte man in der anschließenden Bildbearbeitung nur den Grünkanal für die Bearbeitung verwenden. Der besitzt nämlich die größte Grundschärfe im Bild. Das habe ich getestet und auch wenn man genau hinschauen muss, es stimmt. Die weitere S/W Bearbeitung ist dann 1:1 wie auch bei meine digitalen Aufnahmen.

Ich weiß, heutzutage noch analog zu fotografieren mutet sicherlich sehr archarisch an, ganz besonders dann wenn man noch eine D800 im Petto hat.  Ich kann es nicht erklären, aber zum ersten Mal fühle ich mich selbst als Fotograf und je mehr ich mich mit dem Großformat beschäftige umso mehr verstehe ich die Fotografie…. Ich hoffe, dass klang jetzt nicht zu schwulstig.

Hier noch ein kleines Making-Of Bild…

Fotografie

Schwarzweiß oder Farbe – eine Frage der Bildwirkung?

17. August 2011

Zu analogen Zeiten musste man sich noch vor dem Auslösen der Kamera entscheiden, ob man einen schwarzweiß- oder einen Farbfilm einlegt. Durch den Einsatz von Digitalkameras wird uns heute diese Entscheidung weitesgehend abgenommen, denn wir können mit Hilfe der Bildbearbeitung ja nachträglich bestimmen, ob wir dem Bild die Farbe belassen oder es auf schwarzweiß reduzieren.

In meinem Einleitungstext habe ich bewusst das Wort „weitesgehend“ in Verbindung mit der Digitalkamera verwendet. Warum? Nun ich selbst stelle mir vor dem Betätigen des Auslösers und auch vor der Wahl des Bearbeitungstils grundsätzlich die Frage, ob der Bildinhalt besser für Schwarzweiß oder für Farbe geeignet ist. Was bringt mir eine Farbfotografie von einer kalten, nebligen Novemberlandschaft, wenn ich mit der S/W  Bearbeitung eine bessere Bildwirkung erzielen könnte? Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mir diese Entscheidungen vor dem Aulösen nicht immer gelingen. Auch in der nachträglichen Bildbearbeitung bin ich mir manchmal über die Wirkung nicht ganz sicher, besonders wenn das Motiv sowohl für S/W als für Farbe geeignet ist. Hier heißt es für mich dann testen!

Wenn ich mich jetzt fragt, woran ich eine später S/W Bearbeitung fest mache, dann würde ich sagen, dass für mich der gesamte Bildeindruck zählt. Flaue kontrastarme Langzeitbelichtungen können genauso gut in Schwarzweiss wirken, wie kontrastreiche mit Wolken versehene „Kurzzeitbelichtungen“. Anders verhält es sich meiner Meinung nach mit der Farb-Bildbearbeitung. Ich sags mal so, wo keine Farbe vorhanden ist, kann auch keine hingezaubert werden. Bestes Beispiel ist wie oben schon geschrieben eine kalte, neblige Novemberlandschaft.

Natürlich könnte man jetzt noch weitere Anhaltspunkte für die Entscheidung S/W oder Farbe aufzählen, aber im Großen und Ganzen kommt es ganz auf die Bildwirkung an. Was will ich zum Ausdruck bringen? Auf was soll sich der Blick des Betrachters richten?  Wirkt das Motiv mit Farbe zu überladen? Findet der Betrachter keinen festen Punkt, weil das Foto nur „Grautöne“ aufweist? usw….

Diesen Beitrag nehme ich daher mal zum Anlass und frage euch, was ihr für eine Art der Bildbearbeitung überwiegend bevorzugt? Mit Absicht habe hier nicht 50/50 oder ähnliches zur Vorgabe gemacht, da dies wahrscheinlich Jeder wählen würde. Ich mach mal den Vortritt und sage überwiegend schwarzweiß, weil ich den Betrachter so besser durch das Bild lenken kann, ohne dass er sich in der Farbe verliert!

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Über das „Warum“ in Form eines Kommentars würde ich mich ebenfalls freuen.

Einen Tipp habe ich noch für euch. Wenn ihr euch keine Entscheidung hinsichtlich einer S/W- oder Farbbearbeitung abringen könnt, dann bearbeitet die Aufnahme sowohl in Farbe als auch in S/W und lasst das Bild einige Tage im Ordner ruhen. Danach schaut ihr euch die zwei Bilder nochmals an, denn oft ist es so, dass einem die Entscheidung dann viel leichter fällt. Grund ist, dann man durch das viele „draufstarren“ förmlich blind wird, was die Bildwirkung betrifft. Nach ein paar Tagen Pause, nehmt ihr die Bilder dann wieder bewusster wahr.

Hier mal zwei Versionen eines Bild, welches mir persönlich ausdrucksstärker in Farbe erscheint und auch besser gefällt. Wie ihr seht, habe ich nix gegen Farbe einzuwenden….