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Iceland 2011

Fotografie, Unterwegs

Grímsvötn – Reisetagebuch Island Tag 16

22. Mai 2011

Gestern Abend freuten wir uns noch über einen Vulkanausbruch, der ganz in unserer Nähe statt findet und heute bangen wir schon um unseren morgigen Rückflug.

Morgens sind wir in der Frühe in Richtung Kirkjubæjarklaustur, der letzten Stadt vor dem Vatnajökull, aufgebrochen um etwas von dem Vulkan mitzubekommen, der in ca. 100 km Entfernung seine Asche spuckt. Weit kamen wir allerdings nicht. 20 km hinter Vík wurde die Asche dichter und dichter und wir beschlossen anzuhalten. Der Staub färbte die Luft braungelb und selbst die Sonne drang nur sehr schwer durch die Aschepartikel. Wir waren jetzt ca. 40 km von Kirkjubæjarklaustur entfernt und in den Nachrichten hieß es, dass dort seit dem Morgen kein Tageslicht mehr zu sehen war. Es war gespenstisch. In der hellsten Zeit des Jahres bekam man von dem Tageslicht nichts zu sehen.

Da wir keinerlei Fotos von dem Ausbruch hätten machen können beschlossen wir umzudrehen. Diese Entscheidung war unser Glück, denn wären wir weiter gefahren wäre uns der Rückweg nicht möglich gewesen, da die Straße zwischen Vík und dem Vatnajökull gesperrt wurde.

So aber fuhren wir in Richtung Westen zurück und beschlossen noch einen Abstecher zum Gullfoss und zum Strokkur, dem bekanntesten Geysir Islands, zu machen. Frohen Mutes besichtigten wir den „Goldenen Wasserfall“ und waren, wie bei fast allen Wasserfällen, wieder beeindruckt was Mutter Natur geschaffen hat. Der Gullfoss hangelt sich über zwei Stufen in eine breite Schlucht hinab. Vor ein paar Jahren wurde geplant diesen Wasserfall zu einem Staudamm umzubauen um Elektrizität zu gewinnen. Der gesunde Menschenverstand hatte aber gesiegt und der Wasserfall durfte weiter in das Tal hinab stürzen.

Ca. 10 km vom Gullfoss liegt der Strokkur, der sich im Haukadalur (Heißwassertal) befindet. Eine Reihe anderer Geysire sprühen dort eher selten Ihre Fontänen in die Luft aber der Strokkur tut dies in einem regelmäßigen Abstand von 3-5 Minuten, so dass dieser zum Publikumsmagneten mutierte. Es war faszinierend wie die Gäste darauf warteten, dass der Geysir seine Wassermassen 15 Meter in die Höhe schießt. Das 80-100°C heiße Wasser in einem Loch mit einen Durchmesser von ca. zwei Metern  wabert ein paar Minuten hin und her, zieht sich ab und an etwas zurück, dehnt sich wieder aus und urplötzlich taucht eine große Blase auf, die nach oben steigt. Mit einem lauten Prusten entlädt sich das heiße Wasser und schießt in die Höhe. Ab und an geht der Schuss aber nach hinten los und es kommt nur eine winzige Fontäne zum Vorschein. Der Strokkur ist also auch für Überraschungen gut.

Nach ein paar Stunden Autofahrt sind wir nun wieder in Grindavík angekommen, unserem Ausgangspunkt der Reise, und sinnieren über die letzten 16 Tage, die wir wirklich genossen haben. Nun heißt es langsam Abschied nehmen von dieser wunderschönen Insel, aber ich denke, dass die Zeit vollkommen ausreichend war um ein paar tolle Fotos mit nach Hause zu bringen. Ich werden Island vermissen, aber freue mich doch sehr auf mein Heim.

Island hat mir aufgrund seiner vielen Naturgewalten sehr imponiert. Das Land besteht größtenteils aus einer Landschaft in der ein einziger Schritt einen das Leben kosten kann, wenn man nicht aufpasst. Manchmal sind wir nur knapp einem Unglück entgangen aber die faszinierende Umgebung übte doch immer wieder einen Zauber auf uns aus, der uns diese Erlebnisse wieder vergessen ließ. Löcher voller Schwefelsäure, heiße Quellen und Fontänen, metertiefe Abgründe, hoher Schnee in menschenleerer Umgebung, halb eingestürzte Grotten, tiefe Gräben entstanden durch schwere Erdbeben und zu guter Letzt noch ein Vulkanausbruch. Doch auch die Schönen Dinge behalten wir in guter Erinnerung. Island, das Land der Sagen und Legenden. Das Land der Elfen und Trolle, die das Leben der Menschen hier noch immer maßgeblich beeinflussen – Ab und an, wenn man nicht damit rechnete, konnte man im Augenwinkel sogar einen Schatten vorbeihuschen sehen.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch für die Fahrkünste von Ronny Ritschel bedanken, der uns Tag für Tag über Stock und Stein gekonnt zum Ziel gebracht hat.

Meine neue Serie Ísland 2011 werde ich in Kürze auf www.bewegungsunschaerfe.de veröffentlichen. Wenn Ihr Lust habt schaut doch auch bei Facebook vorbei. www.facebook.com/haggardphotography .

Nun hoffen wir, dass der Flughafen wieder geöffnet wird und wir unser geplantes Flugzeug nach Hause nehmen können. Vielen Dank für`s mitlesen und kommentieren.

Ronny Behnert

Fotografie, Unterwegs

Vik – Island Reisetagbuch Tag 15 – Vulkanausbruch Grimsvötn

21. Mai 2011

Irgendwie hatte sich heute alles gegen uns verschworen, allem voran das Wetter. Bereits beim Frühstück war uns klar, dass wird heute wohl nix mit dem Black Beach, dem Felsentor, den Monoliten im Meer.

So kam es dann auch. Auf der Suche nach den für das Wetter passenden Motiven wurden wir förmlich im Stich gelassen und das obwohl wir sämtliche Möglichkeiten zu Fuß (insg. 20 Km) erkundet haben. Selbst diese Anstrengung wurde nicht belohnt. Das Wetter zeigte sich weiterhin von seiner sonnigsten Seite.

Das Problem zu dieser Jahreszeit in Island ist der Sonnenstand, der sich durch die immer länger werdenden Tage nur sehr langsam verändert. Wenn eine dichte Wolkendecke vorhanden ist, wirkt diese wie eine rießige Softbox und man hat das beste Licht, welches man sich nur wünschen kann. Im Gegenzug ist strahlender Sonnenschein extrem intensiv in Island und somit auch für modernste Kameras nur schwer zu kontrollieren.

Wir wollen uns aber nicht beschweren, noch haben wir zwei Tage bevor es nach Hause geht und diese werden wir so gut es geht nutzen. Morgen geht es daher bereits zurück zu unserem Ausgangspunkt nach Reykjavik. Auf der ca. 300 Km langen Strecke warten noch zahlreiche Orte, die es fotografisch zu erkunden gilt.

Edit vom 21.05.2011
Das Wetter hatte sich gegen Abend ein wenig gebessert, also haben wir ein zweites Mal an diesem Tag unsere Fotoausrüstung geschnappt und sind noch einmal losgezogen. Nach unserer Rückkehr wurden wir bereits von unsere Gastgeberin mit der Information über einen Vulkanausbruch überrascht. Demnach ist der in knapp 200-250KM von uns entfernte Vulkan Grimsvötn ausgebrochen. Mittlerweile ist die Aschewolke bereits 20 KM hoch und es gilt als sehr wahrscheinlich, dass in den nächsten 10-12 Stunden mit einem Gletscherlauf (rießige Wassermengen rasen in Richtung Meer) zu rechnen ist. Aus diesem Grund hat man bereits die Straßen in der Region gesperrt.

Wir werden daher unsere geplante Route nach Reykjavik dahingehend ändern, dass wir zunächst einen Abstecher in die Vulkanregion machen, natürlich sofern es möglich ist und unsere Sicherheit nicht gefährdet ist. Stay tuned….

Fotografie, Unterwegs

Sandur – Reisetagebuch Island Tag 13-14

21. Mai 2011

Ein großes „Entschuldigung“ für den gestrigen Ausfall aber der Tag wurde von uns als „Feiertag“ genutzt und wir haben einfach mal nichts getan.

Heute ging es dafür aber umso aufregender weiter. Nachdem wir unsere Unterkunft Hólmur früh morgens verlassen haben haben wir von weitem schon dicke Sandwolken gesichtet, die durch den Sturm der die ganze Nacht gewütet hat voran getrieben wurden. Uns wurde schnell klar, dass wir auf unserem Weg in Richtung Vík auch dort durch mussten. So kam es, dass wir uns kurze Zeit später in einem dichten Sandsturm befanden der in Böen stärker und schwächer wurde und unser Auto mächtig durchschüttelte. Das ohrenbetäubende Kratzen und Rieseln des Sandes und das dazukommende Windgeräusch ließen uns hoffen, dass das Auto nicht stehen blieb und uns im Stich lassen würde. Letztendlich ging aber alles gut und wir kamen nach ca. 3 Stunden Fahrt in unserer neuen Unterkunft nahe der Stadt Vík an. Anschließend machten wir uns auf den Weg die zwei größten Wasserfälle der Gegend zu besuchen. Den Skógafoss und den Seljalandfoss.

Der 60 Meter hohe Skógafoss (Waldwasserfall) liegt an einer ehemaligen Steilküste unterhalb des Eyjafjallajökull, dem berüchtigten Vulkan derdurch seine Eruptionen letztes Jahr um fast die gleiche Zeit den kompletten Flugverkehr Europas lahm gelegt hat. Es war schon beeindruckend zu diesem mächtigen Vulkan zu sehen und zu wissen, dass es in ihm noch immer kocht und brodelt. Guter Dinge schritten wir voran und hielten auch diesen Wasserfall von oben und von unten fest auch wenn uns der Sturm das Fotografieren erschwerte. Die Gischt des Wasserfalls landete immer wieder auf unseren Kameras und den Objektiven. Regelmäßiges putzen war Pflicht.

Ein paar Kilometer entfernt liegt der Seljalandfoss, der größte Wasserfall der auch von hinten erkundbar ist. Auch hier wurden wir von einer regelrechten Dusche des Wasserfalls begrüßt, da der Sturm die Wassertropfen meterweit davon trug. Die Vegetation um den Wasserfall herum verändert sich schlagartig, da die Pflanzen durch die Gischt eine lebensnotwendige Wässerung erhalten. Der Aufstieg war, wir sind es nicht anders gewohnt, rechtbeschwerlich, da das Wasser den Boden aufgeweicht hat aber es war spannend auch mal hinter die Kulissen eines Wasserfalls sehen zu dürfen.  Fotos wurden auch hier gemacht, die ihr übrigens sehr bald zu sehen bekommen werdet.

In der Nähe unserer Unterkunft befinden sich noch einige Sehenswürdigkeiten am schwarzen Sandstrand und wir hoffen sehr, dass das Wetter mitspielt um Euch weitere tolle Fotos zu präsentieren.

Viele Grüße und góða nótt.

Fotografie, Unterwegs

Gletscherlandschaft am Jökulsarlón – Island Reisetagebuch Tag 12

18. Mai 2011

Nachdem uns gestern der Sturm am Gletschersee Jökulsarlón in Schräglage gebracht hat, konnten wir heute den selbigen noch einmal in fast völliger Windstille erleben und fotografisch genießen.

Wir konnten uns somit mehr auf die Motive konzentrieren als auf das ständige Beseitigen des Salzwasserfilms auf den Objektiven.

Gerade der Gletschersee mit seinen meterhohen Eisbergen verändert sich durch das ein- und ausströmende Meerwasser nahezu zu jeder Tageszeit und bietet den Besuchern einen abwechslungsreichen Blick auf die  faszinierende Gletscherlandschaft. Wir waren wohl offensichtlich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, denn das ausströmende Gletscherwasser riss meterhohe und tonnenschwere Eisblöcke ins offene Meer, die allerdings durch die starke Brandung wieder an den schwarzen Lavastrand Jökulsar angespült wurden. Einige dieser schweren jahrhundertealten Brocken erstrahlten in ihrem typischen Eisbergblau und waren für uns zum Greifen nah. Bei solchen Anblicken muss ich fortwährend an die Urgewalten dieser Erde denken und daran wie klein und jung doch die Menschheit ist.

Während wir am Jökulsarlón noch fast völlige Windstille erleben durften, zwang uns der aufkommende sehr starke Wind ein paar Kilometer weiter eine geplante Wanderung zum Gletscherrand des Fjallsjökull wieder abzubrechen. Da wir hier zahlreiche Ausläufer des weltweit größten Gletscher außerhalb der Arktis quasi fast vor der Haustüre haben, werden wir morgen sehr wahrscheinlich einen zweiten Versuch unternehmen.

Nach mittlerweile fast 3000 gefahrenen Kilometer und zahlreichen Bergwanderungen merken wir die Reise so langsam in unseren Knochen. Aus diesem Grund werden wir den heutigen Tag entspannt in unserer Unterkunft ausklingen lassen, damit wir für die nächsten Tage noch genügend Power für den weiteren Reiseverlauf haben. Hier erwartet uns dann die Südküste mit ihren scheinbar endlosen schwarzen Lavastränden und faszinierenden Gesteinsformationen, die bis weit in das Meer hinausragen.