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Langzeitblichtung

Fotografie, Interviews, Mitgemacht

Ich so…

28. September 2014

Im Interview

Noch was kleines für den Sonntag Nachmittag. Da hab ich doch gerade gesehen, das mein, also vielmehr das stilpiratische Interview mir mir seit vorgestern online ist. Das kann ich natürlich hier nicht unerwähnt lassen.

Es war vielmehr eine Überraschungsgeschichte und überhaupt nicht geplant. Einen der Bildbearbeitungskurse meiner Tour hatte ich im Heidestudio gegeben und im Anschluss fragte mich Steffen ob ich nicht Lust auf einer Interview hätte – Ich, Warum ich fragte ich zurück? Du hattest Paul Ripke, Calvin Hollywood und jetzt willste mich? Ein gleichzeitges Oh Shit und ein Ergefühl durchzuckte mich. Klar, logisch und wann willste das machen. Morgen antwortete er! Hmm, Grmppfff, Ok und schon saß ich einen Tag später bei spätherbstlichen Sonnenschein im Garten mit auf mich gerichteten Kameras. Eigentlich extrem Müde, da ich an diesem Tag aus dem 150KM entfernten Flensburg kam und noch weitere 5 Stunden Fahrt nach Amsterdam vor mich hatte. Ich glaube, dass sieht man mir auch an. Trotzdem vielen Dank lieber Steffen, war ne geile Sache!

Viel Spaß beim Ansehen… (Achja, war mein erstes Interview dieser Art)

Fotografie, Nachgedacht

Nachtfotografie ohne Stativ…

4. Februar 2014

Special-Guest---Chicago-688-USA-2013 

Bin ich für Nachtaufaufnahmen unterwegs, darf mein Stativ nicht fehlen. Es liegt ja auf der Hand – verlängerte Belichtungszeiten erfordern nunmal ein Dreibein um verwacklungsfreie Bilder zu erreichen.

Für meine Architekturaufnahmen trifft das auch weiterhin zu, allerdings erwische ich mich hin und wieder auch ohne Stativ Nachts auf den Auslöser zu drücken. Weitwinkel, hohe ISO und eine große Blende machens möglich. Natürlich ist das nichts neues, aber die wenigsten nutzen diese Möglichkeit auch. Vielleicht ist das „ISO-Rauschen“ schuld daran – so, zumindest immer eine bekannte Ausrede. Vielleicht mag das auch für ältere Kameramodelle zutreffen, bei den Aktuellen allerdings greift dieses Argument in meinen Augen nicht mehr. Allem voran, wenn man die Bilder anschließend sowieso in S/W konvertieren möchte. ISO-Rauschen wird hier schnell zum Stilmittel.

Den großen Vorteil, den ich bei Nachtaufnahmen ohne den Einsatz einen Stativs sehen, ist auf Situationen schnell reagieren zu können ohne mich groß um den Aufbau kümmern zu müssen. Außerdem kann ein großes Stativ gerade bei Straßenszenen schnell störend auf Passanten wirken. Die fotografische Situation, oder besser gesagt die zuerwartenden Motive ändern sich schlagartig. Die meisten Menschen machen doch gleich einen großen Bogen, wenn vor ihnen ein Stativ auftaucht.

Seit ich die D800 nutze, sind so ohne die Verwendung eines Stativs ein paar Aufnahmen zustande gekommen. Das es nur so wenige sind, liegt daran, dass ich stark selektiere und sich auch nicht immer die Gelegenheit für diese Art der Aufnahmen bietet. Es muss auf jeden Fall genügend künstliches Licht vorhanden sein, ansonsten packe ich die Kamera gar nicht aus. Auch bearbeite ich nur ein RAW, wenn mir der Ausschnitt auch auf dem Kameradisplay gefällt, ansonsten lösche ich das Bild ganz. In ganz seltenen Fällen verbleibt es für „später“ auch mal im Fotoordner. Vielleicht geht mir so das eine oder andere gute Bild durch die Lappen – so what! Ich hab nunmal keinen Bock mich stundenlang durch X-Bilder zu wurschteln, die im Grunde das Gleiche zeigen.

Die nächtliche Urbane S/W Fotografie fasziniert mich im Moment stärker als die entsprechenden Szenen am Tag. Vorallem durch die Möglichkeit der Anzahl der Tonwerte in der gesamten Aufnahme. Hier macht es  nichts, wenn die Laternen, Lichter oder Reklamen etwas überzeichnet werden. Da es keine großflächigen Bereiche gibt, wie beispielsweise bei einem bedeckten Himmel tagsüber, stört es den Betrachter weniger. Zudem lassen sich somit ganz weiße und ganz schwarze Werte darstellen, was der S/W Aufnahme zuträglicher ist, als eine graue Tonwertsuppe im Himmel. Das ist meine ganz persönliche Einschätzung und ihr mögt das vielleicht auch anders sehen.

Achja und alle hier gezeigten Aufnahmen kommen so nicht aus der Kamera. Das geht auch gar nicht, weil sich erst durch die Bildberabeitung ein gleichbleibender Bearbeitungsstil entwickelt. Zum Vergleich hab ich hier mal das eine oder andere Original hineingepackt. Durchschnittlich benötige für digitale Aufnahmen 45min. Es können auch manchmal bis zu 90 Minuten sein. Das ist aber eher  selten. Zum Vergleich meiner analogen Aufnahmen hier benötig ich manchmal mehrere Stunden über 3 Tage verteilt, bis alles fertig ist. Hauptsächlich weil ich den Staub wegstempeln muss.

In der Regel verwende für diese Art der Nachtaufnahmen ISO 1000 – 2000 bei offener Blende mit dem 16-35mm von Nikon. Über die Schärfentiefe brauch ich mir keine Gedanken zu machen, denn bei Blende 4 und 16mm Brennweite ist sowieso alles scharf. Die Belichtungszeiten betragen zwischen 1/50 und 1/8 Sekunde. Dank Bildstabi und der richten Handhaltung ist das kein Problem.

Habt ihr euch schon mal an Nachtaufnahmen ohne Stativ versucht?

Look Bikes - Chicago,*668 - USA 2013

Look Bikes - Chicago,*668 - USA 2013 - Original Crop

Quarter Past Five - Chicago,*682 USA 2013

Quarter Past Five - Chicago,*682 USA 2013 - Original Crop

Flamingo---Las-Vegas-679---USA-2013

[NYPD - NYC],* 617 USA 2012

Fotografie, Nachgedacht

Minimalistik in der Fotografie…

18. Januar 2013

…bedeutet für mich, ich konzentriere mich bei einer Vielzahl meiner Aufnahmen nur auf einen einzigen Bildbestandteil und versuche diesen bestmöglich darzustellen, sodass sich der Betrachter letzten Endes hauptsächlich auch nur auf diesen Einen Bildbestandteil konzentriert.

Warum eigentlich? Was ist der Reiz? Was ist die Schwierigkeit und wie findet man solche Motive? Um euch nicht nur ein paar Zeilen trockenen Text zum Lesen zu geben, hab ich mein bisheriges Portfolio durchstöbert um euch auch ein paar visuelle Eindrucke zu verschaffen. Die Warum-Frage, nun wenn ich nicht fotografiere bin ich Betrachter, bin im Netz unterwegs, schaue mir Portfolien anderer Fotografen an. Immer dann fällt mir selbst auf, dass ich eher nach den minimalistischen Fotografien suche. Ich mag einfach die konkrete Bildaussage dahinter, denn so muss mich als Betrachter nicht durch so manches visuelle Chaos wühlen. Durch die Minimalistik sehe ich auf den ersten Blick was der Fotograf darstellen möchte. Sei es beispielsweise einsamer Steg in der Meeresbucht, am Ufer eines Sees oder aber ein einzelner Mensch, der aus der Menge heraussticht oder das einzige Lebewesen in der gesamten Aufnahme ist, das einzelne Fahrzeug auf einer einsamen Straße usw…

Was ist der Reiz dieser Art der Fotografie. Zum einen sind es Aufnahmen, die eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Zum anderen sind es im Grunde immer authentische Bilder, denn nichts ist gestellt! Gerade wenn der menschliche Aspekt in der Aufnahme vorkommt, kann man die Planung eigentlich vergessen und das macht sie so interessant für mich. Ich war letztes Jahr an der Südküste Englands unterwegs und stehe auf einer Kaimauer, etwas Abseits von meinen Fotokollegen Nils, mit dem ich die Reise unternommen hatte. Baue die Kamera auf, konzentriere mich auf die Landschaft, die Linien der Mole, das Wasser und die Wolken. Das Wetter war gerade zu prädestiniert für eine Langzeitbelichtung – für eine minimalistische Landschaftsaufnahme. Ich mache die erste Aufnahme. War eigentlich schon zufrieden und drückte sicherheitshalber noch ein zweites Mal auf den Auslöser. Ich war gerade im Begriff die Kamera wieder einzupacken, da tauchte plötzlich aus dem Nichts ein Spaziergänger auf, ging an mir vorbei in Richtung Meer, also ans Ende der Kaimauer. Da schoss es mir durch den Kopf, dass wird oder soll mein bildwichtiges Element sein. Durch die vorhergehende Langzeitbelichtung hatte ich ohne es zu wissen die Grundlage für die finale Aufnahme erschaffen. Mir blieb nicht viel Zeit, genau genommen hatte ich zwei Möglichkeiten, entweder die Person auf dem Weg hin zum Meer oder auf dessen Rückweg zu fotografieren. Da ich wusste, dass ich diese Aufnahme in die andere integrieren musste, wollte ich auch nicht das Objektiv wechseln, um die Person am Ende der Mole zu fotografieren, wie sie beispielsweise auf das Meer hinausblickt. Zu aufwendig wäre für mich die nachträgliche Bearbeitung gewesen. Ich habs nicht so mit dem Freistellen…

Um die ganze Geschichte abzukürzen. Ich verwendete eine zentel Sekunde um die Bewegung der Person darzustellen, sie aber nicht zu dominant durch eine kurze Verschlusszeit wirken zu lassen. Durch die leichte Unschärfe verbindet sie sich schön mit der Basis-Langzeitbelichtung. Heraus kommt in meinen Augen sehr minimalistische Aufnahme (auch wenn sie ursprünglich aus zwei Einzel-Bildern besteht).  Auch ohne den Aspekt Mensch wäre sie minimalistisch geblieben, doch dessen Anwesenheit verstärkt für mich diesen visuellen Eindruck.

Apropos Planung, natürlich kann ich jemanden sagen, lauf mal schnell durch Bild und vielleicht würde es der Betrachter gar nicht merken – aber letzten Endes betrüge ich damit eigentlich mich selbst, denn ich bevorzuge Authensität, auch wenn sie wie in diesem Beispiel aus zwei Einzelbildern besteht. Natürlich hatte ich in einem Art Feldversuch einem Protagonisten gesagt, er solle mal in einem bestimmten Tempo und Haltung von links nach rechts durch Bild laufen. Herausgekommen ist nichts – diese Aufnahmen habe ich nie bearbeitet. Es war einfach nicht echt und irgendwie habe ich das auf dem Bild sehen können.

Dennoch gibt es Möglichkeiten ähnliche minimalistische Motive zu finden, die sich ein wenig planen lassen. Wichtige Voraussetzung ist allerdings sehr viel Geduld und natürlich auch Glück wie beispielsweise bei der Aufnahme im Grand Central Terminal oder aber auf der Brooklyn Bridge in New York City. Für die Aufnahmen im Grand Central Terminal wartete ich schon eine halbe Stunde, hatte schon ein paar Aufnahmen gemacht, war aber nicht zufrieden damit. Es war das buchstäbliche Chaos in den Bildern. Damit wollte ich mich aber nicht begnügen. Mir lief allerdings die Zeit davon, denn ich hatte nur eine zweistündige Fotogenehmigung bekommen.  Ich beobachtete die Menge und sah die Frau, die praktisch in der Mitte stand und ebenfalls ein Foto vom Terminal machte. Das war die Gelegenheit. Ich drückte auf den Fernauslöser und belichtete 10 Sekunden – auch in der Hoffnung sie würde mindestens diese Zeit dort verweilen. So war es dann auch – der Rest ist meine S/W Bildbearbeitung.

Mindestens genauso lange habe ich beispielsweise für das NYC Taxi gebraucht, welches ich auf der Brooklyn Bridge fotografiert habe. Sven Krohn hatte mich damals begleitet und war bestimmt nicht sonderlich amused, als ich mich nach einer halben Stunde immer noch nicht vom Fleck gerührt hatte. Ich glaube ich habe vorher noch sie so viele Versuche benötigt um dieses eine Foto zu machen. Ein Dank an dieser Stelle an die Digitalfotografie. Mit meinem analogen Equipment, welches ich damals noch nicht hatte, wäre das unmöglich gewesen.

Ich mache jetzt mal lieber Schluss, obwohl ich euch noch ein paar Aufnahmenprozesse beschreiben könnte… Ich möchte euch mit dem Beitrag zeigen, dass diese Art der Vorgehensweise, also das studieren des Motivs, die Überlegung was ich Darstellen möchte und das Warten auf den richtigen Moment euch ein ganzes Stück weiter in eurer fotografischen Arbeitsweise bringen kann. Versucht doch selbst einmal durch die Stadt zu gehen und euch gezielt Motive auszusuchen, die minimalistisch wirken können. Das kann ein einzelner vorbeifahrender PKW sein, der mit einer sagen wir 20 Sekunde aufgenommen wird – ein einzelner Fahrradfahrer oder ein Passant, der gerade die Straße überquert usw…

Mich würde auch mal interessieren, wer sich schon in dieser Art der Fotografie versucht hat?