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Fotografie

Analoge Langzeitbelichtungen – So klappts auch mit den Negativen

3. Dezember 2013

Siegessäule,*4x5 - 018 GER 2013

Seit mehr als einem Jahr beschäftige ich mich jetzt nun mit dem analogen Großformat und was soll ich sagen, ich finds immer noch affengeil. Bin sogar mehr denn je fasziniert von der analogen Fotografie, als zu Beginn meiner fotografischen Karriere. Kleinbild oder gar Mittelformat finde ich dagegen nicht so spannend. Mittelformat eventuell mit der richtigen Kamera und ein paar netten Objektiven.

Wie dem auch sei, der Grund für den Artikel sind Leserfragen und daher möchte ich euch im Rahmen eines Beitrags meine Antwort geben. Im Großen und ganzen drehen sich die Fragen, wie ich denn die korrekte Belichtungszeit bei meinen analogen Langzeitbelichtungen ermittle, welche Filme und welche Hilfsmittel ich verwende. Was für den Planfilm einer Großformatkamera, gilt natürlich auch für Aufnahmen im Mittel,- oder Kleinbildformat. Daher bitte nicht daran stören, dass ich in den nächsten Zeilen immer vom Großformat sprechen werde.

Folgende Filme kommen derzeit bei mir zum Einsatz

Schwarzweiß-Negativ
Kodak T-Max 100*
Ilford FP 4 Plus* (125 Iso)

Farbnegativ
Kodak Portra 400*
Kodak Ektar 100
*

Farbdiapostiv
Fuji Velvia 100*
Fuji Provia 100F*

Gerade am Anfang steht man vor der Frage, welche Belichtungszeit ich nehmen soll, denn auch wenn die Filme unterschiedlicher nicht sein könnten, eines haben Sie gemeinsam. Die Reziproziät auch Schwarzschildeffekt genannt. Es bedeutet, dass mit zunehmender Belichtungszeit die Lichtempfindlichkeit des Filmes abnimmt. Wann diese Reziprozität beginnt, hängt vom verwendeten Film ab. Sie kann bereits bei 1 Sekunde (SW-Negative) oder aber erst bei 2 Minuten (Farbdiapositiv) zuschlagen. Wie lange die anschließende „Zusatzbelichtung“ dauert hängt ebenso vom verwendeten Film ab.

Wie ihr seht, sind hier viele Fehlerquellen möglich, die einem die analoge Aufnahme gründlich versauen könnte. Da Planfilme sehr teuer sind, wollte ich mir natürlich eine lange Try and Error Phase ersparen. Also habe ich mich auf die Suche nach Infos gemacht, doch gefunden habe ich nur sehr wenig. Hauptgrund ist, dass die Hersteller hierüber wenig Infos rausgeben, da man sie sonst zur Rechenschaft ziehen könnte, wenn es mit der Belichtungszeit doch mal nicht klappen sollte und der Film hinüber ist. Wir kennen ja alle den Fall, bei dem eine Amerikanerin ihre Katze in der Mikrowelle getrocknet hat stand ja nicht explizit in der Anleitung, dass man das nicht machen sollte. Gut, jetzt findet man einen Warnhinweis.

Tempodrom,*4x5 - 021 GER 2013

Zurück zum Thema. Die Korrektur der Belichtungszeiten sind meine ganz persönlichen Erfahrungen, mit denen ich aber immer gut gefahren bin. Bisher habe ich noch keinen Planfilm dermaßen unterbelichtet, dass er nicht zu retten gewesen wäre. Ziel einer korrekten Belichtung von analogen Bildmaterial sollte immer auf die Schatten gehen. Ist hier keine Zeichnung vorhanden, geht nichts mehr mit aufhellen. Schwarz bleibt schwarz. Dagegen sind die Lichter genügsam. Das ist auch der große Vorteil von Negativfilm. Selbst wenn auf dem Negativ zu wenig Zeichnung zu sehen ist… hier geht immer etwas. Ausnahme bilden Farbpostive. Diese sind in Sachen korrekte Belichtungszeit etwas zickig. Sie benötigen schon genauere Belichtungswerte.

Meine Faustregel bei S/W und Farbnegativen ist immer 2-4x Mal solange belichten wie ihr die ursprüngliche Belichtungszeit ermittel habt. Im Bereich von 1-5 Sekunden würde ich immer doppelt solange belichten. Das reicht hier dicke aus. Errechne ich einen Ausgangswert ab 15  Sekunden belichte ich grundsätzlich 4 mal länger. Meine längste Aufnahme kam so auf 8 Minuten, wobei der Belichtungsmesser ursprünglich 120 Sekunden angezeigt hatte.

The Gate - San Fransisco,*4x5 - 018 - USA 2013

Die „neuen“ Farbdiapositive haben wirklich excellente Belichtungseigenschaften. Hier gibt der Hersteller Fuji sogar an, dass bei Belichtungszeiten von bis zu 2 Minuten kein Schwarzschildeffekt auftritt , also auch keine Verlängerung der Belichtungszeit nötig ist. Das ist natürlich super, da man sich keine Gedanken über die korrekte Zeit machen muss. Ab zwei Minuten wird die doppelte Belichtungszeit vorgeschlagen. Mehr als 8 Minuten sollte man allerdings keine Diapositive belichten. Hier kommt es dann zu Farbschiebungen usw….

Apropos Belichtungsmesser. Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen, die keinen Belichtungsmesser ala Sekonic usw.. verwenden. Ich nutze nach wie vor mein Iphone und betrachtet man die Bilder, kann ich mich nicht beschweren. Zumal mit die passenden Iphone-App (Pinhole Assist) auch für viele Filmtypen die Reziprozität berechnet. So habe ich zumindest einen guten Anhaltspunkt für die Belichtungszeit. Erscheint mir die berechnete Zeit zu wenig, geb ich einfach noch 10-30 Sekunden dazu. Bei Belichtungen im Minutenbereich ist das der Aufnahme sowieso egal. Hauptsache nicht unterbelichten, denn absaufende Schatten im Negativmaterial ist für den Betrachter viel störender als ausfresseden Lichter sofern sie überhaupt auftreten.

Achja, bevor ich es vergesse. Bei allen Filmherstellern finden sichimmer noch passende Korrekturfilter für lange Belichtungzeiten. Ich verwende keinen Filter, auch den berühmten Centerfilter fürs Großformat nicht. Die gerade beim Weitwinkel enstehende natürlich Vignettierung nutze ich entweder als Gestaltungsmittel oder aber ich retouchiere sie in PS raus…

Ich hoffe, ich konnte dem einen oder analogen Fotografen etwas weiterhelfen. Fragen einfach in Form eines Kommentars posten. Dann haben alle Leser etwas davon.

Two Cars - San Francisco,*4x5 -- 020 USA 2013

Lights - San Francisco,*4x5 - 017 USA 2013

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Making of Bild der Siegessäule in Berlin…