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Pentax 645d

Equipment, Fotografie, Nachgedacht

Digitales Mittelformat Pentax 645D – Mehr ist mehr….

31. Januar 2012

The Cobb - Lyme Regis DorsetEin paar Tage war ich nun mit der Pentax 645D unterwegs und bin restlos begeistert. Wie ihr wisst, hatte ich die Pentax leihweise von IPS Hamburg bekommen um sie für ein Fotoprojekt zu verwenden. Trauriger Weise musste ich sie wieder abgeben…

Mein erster Eindruck ist – Hammer! Mein zweiter Eindruck – Hammer! Mein dritter Eindruck – na ihr wisst schon. Es ist einfach ne völlig andere Klasse. Ok, normalerweise fotografiere ich mit einem Crop Sensor und daher ist der Sprung natürlich noch gewaltiger als von FX auf die Pentax Sensorgröße von 33x44mm. Eine der ersten (Test) Aufnahmen habe ich noch am gleichen Tag gemacht und bereits auf dem 3″ Kameradisplay, welches in meinen Augen völlig ausreichend, konnte ich mich an den Details gar nicht satt sehen. Die Kamera wiegt schon einiges. Mit ihren knapp 1.5kg ist sie dennoch durch ihre ergonomische Bauform leicht und handlich zu bedienen. Im Grunde findet man alle Funktionen, die man auch von einer normalen DSLR kennt.

Die großer Überraschung kam dann allerdings bei der Bildbearbeitung. Sowohl in Lightroom als auch in Photoshop reagierten die Regler und Einstellungsebenen viel sensibler und ließen sich gefühlt bis ins unendliche verändern, ohne dass irgendwelche Farbverläufe abrissen oder die Lichter überstrahlten. Das kenne ich so gar nicht von meiner D300. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wo die Kamera diese Reserven her nimmt. Es war jedoch ein völlig neues Bearbeitungsgefühl. Über die Bildqualität brauchen wir eigentlich gar nicht sprechen – 40MP sagen schon alles. Eine 100 Prozent Ansicht wirkt ungefähr so, als wenn ich bei meiner Crop Kamera auf 25 Prozent gehe! Details, Details und noch mehr Details.

Dennoch gibt es auch an dieser über 10.000 Euro Kamera etwas zu meckern. Die geringe Anzahl an Autofokus Punkte ist gewöhnungsbedürftig und mir sofort aufgefallen. Obgleich andere Mittelformat-Hersteller noch weniger AF-Sensoren ihren Kamera spendieren, finde ich elf Punkte viel zu wenig, vorallem bei dieser Sensorgröße. Apropo Größe – kurze positiver Einschub –  der 98 Prozent-Sucher ähnelt eigentlich einer Panoramafensterscheibe und ist sowas von rießig. Der zweite Punkt ist die Vorschaufunktion der aufgenommen Bilder. Während es bereits bei üblichen Belichtungszeiten (z.b 0/250sek) ungefähr 2-3Sekunden dauert bis das Bild erscheint, dauert es bei Langzeitbelichtungen ab ca. 1 Minute immer knapp die doppelte Zeit bis die Aufnahmen letzten Endes auf dem Display zu sehen sind. Ok, in Anbetracht der ernormen Speichermenge sage ich ja nichts über die 2-3 Sekunden, aber die Speicherzeiten bei Langzeitbelichtungen sind gerade bei sich schnell wechselnden Licht/Wetterbedingungen einfach zu lange. Das hat mich in England um so manches Foto gebracht.

Von meiner Nikon kenne ich das Problem wenn man die Funktion „Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen“ eingeschaltet hat. Auch die Pentax verfügt über diesen Menüpunkt, dennoch konnte ich selbst bei ausgeschalteter Funktion keine Veränderung der Speicherzeiten feststellen. Das ist wirklich sehr schade, denn die Kamera ist in Sachen Bildqualität über jeden Zweifel erhaben.

Ach, da fällt mir gerade etwas ein. Als ich letztens auf BlogTimes meine Englandreise und das verwendete Equipment vorgestellt hatte, schrieb ein BlogTimes Leser folgendes: “ Hallo,wenn ich Dir nen Tipp geben darf: Nimm ein ordentliches Stativ mit. Damit meine ich eines, welches für 18kg oder mehr ausgelegt ist. Da ist mit Kugelkopf nix mehr zu machen.Fotografiere selbst digitales MF. Aufgrund der extremen Auflösung, der Detailgenauigkeit, dem großen Sensor und dem etwas anderen mechanischen Verhalten einer MF-Kamera, fallen Verwackelungsunschärfen ungleich stärker auf, selbst bei SVA. Outdoor muss das Stativ stehen wie ein Felsen. Gerade an der Küste fängt bei Wind alles schnell an zu schwingen… Viel Spaß! “ 

Lieber Eric, leider konnte ich in Anbetracht der kurzen Zeit weder ein neues Stativ, noch einen neuen Stativkopf besorgen. Zudem war ich guter Dinge, dass es auch so funktionieren sollte. Obgleich des sehr rauen Klimas an der Südküste Englands um diese Jahreszeit, wurde ich von meinem Equipment nicht im Stich gelassen. Der Kugelkopf (Vanguard SBH-100 – max 10kg) hat wunderbar gehalten und auch das Stativ (Vanguard Alta Pro 283CT – max 8kg) hat keine Zicken gemacht. Es kommt ja auch immer auf den Untergrund an und natürlich gab es Situationen, aber hier hätte selbst ein stabileres Stativ nichts mehr genützt.

Die meisten von Euch werden die hier gezeigten Aufnahmen schon kennen, aber ich komme derzeit einfach nicht zum Bearbeiten der restlichen Aufnahmen. Verzeiht es mir….

Fotografie, Unterwegs

Südengland – pay and display

24. Januar 2012

So, nun hat mich Hamburg wieder. Nach einem kurzem Abstecher nach Südengland bin ich wieder zurück in der Hansestadt und es ist wie es ist – kalt und regnerisch. Dagegen wars in England der reinste Sommer mit Temperaturen zwischen 6-12 Grad. Im Gepäck habe ich nun eine Reihe von Aufnahmen, die jetzt auf die Entwicklung  warten. Wie ich mich kenne, wird das wohl eine ganze Weile in Anspruch nehmen.

Eine knappe Woche war ich mit Fotobuddy Nils in Südengland unterwegs. Während ich gerade an diesem Artikel schreibe, dürfte er noch irgendwo in Schottland auf Fototour sein. Viel Erfolg an dieser Stelle. Aufgrund der relativ knapp bemessenen Zeit von einer Woche hatten wir uns bereits im Vorfeld Gedanken über die fotografischen Hotspots gemacht. Im Grunde haben wir auch alles geschafft, was wir uns vorgestellt hatten, aber mit den Entfernungs/Zeitverhältnis hatten wir uns total überschätzt. Oft waren die Orte nur durch einspurige, extrem kurvenreiche Straßen zu erreichen. Hinzu kam noch der Linksverkehr, der es nicht unbedingt leichter machte.

Es war mein erster Ausflug auf die Insel und ich bin echt positiv überrascht, sowohl von der Gastfreundlichkeit als auch von der echt beindruckenden Landschaft. Gerade die Küstenstreifen sind ein Mekka für Landschaftsfotografen. Doch die haben es auch in sich. Ohne gute Ausrüstung und hier meine ich nicht unbedingt das Kameraequipment wird man schnell an seine Grenzen geführt. So geht es unheimlich schnell, dass man plötzlich kein Handyempfang hat um vieleicht im Notfall Hilfe zu rufen, oder daß man nach einem echt wunderschönen Sonnenuntergang den Heimweg nicht mehr findet, da es bereits so brutal dunkel ist, dass man seine eigene Hand vor Augen nicht mehr sieht. Aber wir hatten ja vorgesorgt, zumindest mit einer Erste Hilfe Tasche (die ich des öfteren im Hotel vergessen habe) und einer Stirnlampe. Gerade mit der Stirnlampe kam ich mir zunächst recht dämlich vor, aber letzten Endes war das Teil wirklich Gold wert und ich fühlte mich wie ein Abenteurer auf … naja, lassen wir das.  Zum Einsatz kam übrigens eine Fenix HP11. Krasses Teil, mit dem Ding wurde die Nacht zum Tag und das auf sagenhafte 150 Meter. Weil wir gerade von Ausrüstung sprechen, ohne Wander/Bergschuhe würde ich euch diese Tour ebenfalls nicht empfehlen.

…. Als wir in Heathrow gelandet sind, ging es direkt zur Mietwagenfirma. Den Wagen hatte ich zuvor über den ADAC Mietwagen Service für SIXT gebucht, denn hier wurde der Selbstbehalt gleich auf Null reduziert, was normal nicht üblich ist. So mussten wir uns wenigstes keine Sorgen machen und hätten den Wagen auch in den Graben setzen können. Nun, wir waren als bei dieser netten, gutausehenden Mietwagenkundenberaterin, die uns gleich erstmal ein Upgrade verpasst hat. Zwar wussten wir nicht warum, war uns aber auch egal. Wir bekamen einen Chevy Cruzer mit gerade mal 100 Meilen auf dem Tacho. Am Ende waren es übrigens 1000 Meilen mehr und danach sah er nicht mehr wie neu aus – war nur extrem dreckig!

Auf dem Weg zur ersten Unterkunft (B&B übers Internet gebucht) nach Lyme Regis haben wir noch einen Abstecher nach Stonehenge gemacht. Also irgendwie hatte ich mir Stonehenge mystischer vorgestellt. Das war es aber so ganz und gar nicht. Stonehenge liegt quasi zwischen zwischen zwei Straßen auf einem relativ kleinen Feld. Einmal im Kreis um Stonehenge herumzulaufen war uns dennoch ganze 7 Pfund wert – jeder! Von dort aus ging es dann weiter ins knapp 73 Meilen entfernte Lyme Regis. Ich kann euch wirklich sagen, die kleinen Fischerdörfer/Städte sind einfach nur wunderschön, aber in der Hochsaison möchte ich da nicht hin. Da müssen sich ja tausende tummeln. Was uns übrigens überall aufgefallen ist „Pay and Display“. Man muss wirklich überall bezahlen… Selbst am Arsch der Welt, wo auf einem Fussballfeld großen Parkplatz unser Auto mutterseelenallein stand. Immer brav das Parkticket ziehen und ins Auto legen (Pay and Display), sonst zahlt man 60-70Pfund Strafe. Bereits auf dem Weg zu den Parkplätzen wird man mit diesen scheiß Hinweisschilder des bezahlens belästigt….

Unsere Fotoreise führte uns noch zu folgenden Orten – Hartland Point – Clevedon – Portland – Teigmouth  – Durdle Door – Lulworth Cove – Corve Castle –  Mupe Bay – Kimmeridge Bay und Swanage. Gerade die Orte Hartland PointPentax 645D mit 35mm und Mupe Bay sind so unwirklich, faszinierend und gefährlich zu gleich, dass diese auf keiner Fototour fehlen sollten. Wer den recht anstrengenden Weg von Lulworth Cove in Richtung Mupe Bay nicht scheut, der sollte sich vorher entwender beim M.O.D (Ministery of Defense) oder direkt an den Tafeln beim Parkplatz Lulworth Cove über den Zugang zu diesem Küstenstreifen infomieren. Der Steilküstenabschnitt liegt mitten auf einem Panzertruppenübungsplatz und ist außer ein paar Wochen im Jahr immer nur an den Wochenenden frei zugänglich. Man sollte aber zwingend auf den Wegen bleiben und nix anfassen…

Im Grunde könnte ich noch mehr schreiben, aber dann würden mir wahrscheinlich die Finger abfallen. Aber eine Geschichte habe ich noch für Euch. Kimmeridge Bay ist bekannt für seine Gesteinsformationen, die in die Bucht hineinragen und bei Ebbe und einer Langzeitbelichtung eines sau-cooles Bild abgeben. Um aber dieses Bild zu bekommen, muss man schon ein paar Meter auf diesen Platten gehen. Das Problem ist nur, dass diese Teile so verdammt scheiß glatt sind, dass man höllisch aufpassen muß. Um nicht auf die Fresse zu fliegen, hatte ich mein Vanguard Stativ kurzerhand zum Krückstock umfunktioniert, indem ich einfach die Spikes aus den Stativfüßen gedreht habe um mich dann wie ein alter Mann langsam zu meinem Fotostandpunkt zu schleichen. Mit der Zeit kamen noch weitere Fotografen, die sich allerdings nicht getrauten weiter vor zu gehen. Für den einen wäre es allerdings besser gewesen… Ich war gerade wieder von meinem „Plattenausflug“ zurück, als dessen Kamera mit Stativ durch einen starken Windzug umgeweht wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er aber gerade mit seinem Fotorucksack beschäftigt, sodass er die Kamera nicht auffangen konnte. Unglücklicherweise hatte er sie direkt von einer relativ großen, tiefen Pfütze aufgebaut. Nur noch das Stativ ragte aus dem Wasser, die Kamera dagegen war völlig abgetaucht. Er schaut mich an, ich sage „Shit“ – er auch und zieht das Ding, triefend vor Wasser aus der Pfütze. Dieses Bild werde ich nicht vergessen…. ich mußte mich echt zusammenreisen um nicht lauthals loszulachen. Es war für ihn alles andere als komisch, aber die Situation brachte es einfach mit sich. Eigentlich hatte er die totale Arschkarte gezogen. Erst standen wir auf der Platte vor ihm und machten genüßlich unsere Aufnahmen und dann als für ihn der Weg zum Foto frei war, kippt das Teil komplett ins Wasser… Oh, Mann!

Also wenn Ihr Fragen zur Tour habt, nur zu! Die Aufnahmen im Beitrag sind übrigens mit der Mittelformat Pentax 645 und 35mm Objektiv entstanden…

Update vom 20.07.2012:
Damit der Beitrag nicht ganz so viel Text hat, hier noch ein paar Aufnahmen, die während dieser Fotoreise entstanden sind. Neben der Pentax hatte ich auch noch eine Canon 1Ds MkIII im Einsatz. Ach, übrigens hier findet ihr noch ein paar Aufnahmen von Nils, denn ich war ja auf der Fotoreise nicht allein unterwegs -> England, die Zweite
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