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Rotes Leder, Analoger Messsucher und etwas Chrom – Polaroid 110A/B 4×5 Conversion

22. Januar 2015

Das ist meine neue Liebe Kamera… Ob sie auch zur Geliebten wird, muss sich noch rausstellen. Auf den ersten Blick kann ich schon mal sagen. Wohooooo…. aber der Reihe nach.

Ich beschäftige mich ja schon länger mit dem Großformat und auch wenn ich aktuell nicht dazu komme einen Großteil meiner Negative einzuscannen und zu bearbeiten, so schwirrt der Großformatgedanke eigentlich immer in meinem Kopf herum. Meine aktuelle 4×5 Kamera ist eine Chamonix und sie ist klein, handlich und leicht zu transportieren. Eigentlich einer der leichtesten Kameras in diesem Bereich und doch war ich immer auf der Suche nach etwas noch handlicheren. Etwas das ich vor allem auch ohne Stativ einsetzen kann. Im Großformatbereich gibt es da eigentlich nur ne Graflex mit Handgriff und die, naja die ist irgendwie auch ein Ungetüm.

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Analog, Fotografie, Großformat

4×5 inch – Analoges Großformat und mein erster Planfilm

3. November 2012

Heute, also vielmehr gestern war es endlich soweit, ich habe meine ersten zwei Planfilme vom Labor abgeholt. Oh man, ich war vielleicht aufgeregt, einerseits wie wohl die Negative aussehen würden und andererseits ob überhaupt was zu erkennen ist? Immerhin kann doch so einiges bereits bei der Aufnahme schief gehen. Allerdings war ich mir sicher, dass irgendetwas drauf sein musste, denn sonst hätte das Labor die Teile sicherlich nicht eingescannt und mich angerufen!

Kamera: Chamonix 045N-2 – Rodenstock Grandagon-N 75mm bei Blende 32 – Belichtungszeit 68 Sekunden – Kodak Portra 400 (konvertiert in S/W)

Ich konnte mich dennoch, bis ich zu Hause war, zusammenreißen und habe die Packung schließlich bei einem Käffchen geöffnet. Da kam es nun zum Vorschein – das größte Negativ was ich bis dato gesehen habe und ganz wichtig, selbst aufgenommen hatte. Es war etwas zu erkennen – Puh, Schwein gehabt. Der Film lag also schon mal richtig herum im Filmhalter. Wie einige von euch wissen, hatte ich auf einen Opferfilm fürs Film einlegen üben verzichtet, da dieser natürlich die 100 prozentige Zerstörung bedeutete. Dagegen hatte ich mit meiner Methode eine 50/50 Chance, dass ich den Film richtig eingelegt habe und bereits ein erstes brauchbares Ergebnis produzieren könnte.

Natürlich ist das nur die halbe Miete im gesamten Großformat – Aufnahmeprozess. Angefangen von der falschen Belichtungszeit über eine zu ungenaue Fokussierung bis hin zum Vergessen der richtigen Arbeitsblende sind hier sehr viele fotografische Stolpersteine zu bewältigen. Da stand ich also nun am Ufer des Ottawa Rivers mit Blick auf die Alexandra Bridge und dem kanadischen Parlament. Hier sollte also meine allererste Aufnahme mit der Dicken Berta (Chamonix 45N-2) entstehen. Ganz getreu meiner bisherigen Aufnahmen musste natürlich auch hier die Langzeitbelichtung herhalten, welche bei Filmmaterial noch zusätzliche Schwierigkeiten zu Tage fördert – die richtige Belichtungszeit, dazu später mehr. Die Ausläufer des Hurrikan Sandy waren auch hier in Kanada zu spüren, wenngleich sie sich nur durch starken Wind und grandiose Wolken zeigten. Um mir einen Eindruck des Bildausschnitts zu machen, habe ich erst mal den Sucher meiner Digicam benutzt. Hier zeigt sich wenigstens alles richtig herum. Yep, dass passt also! Nachdem ich nun die Analoge aufgebaut hatte wurde der Wind immer stärker, allerdings blieb mir nicht anderes übrig als weiterzumachen, denn die nahenen Regenwolken verhießen nichts Gutes.

Als externen Belichtungsmesser hab ich übrigens mein iPhone genutzt – ganz genau! Geholfen hat mir hier übrigens die App – Pinehole Assist, mit sich sogar verschiedene Zonen im Bild per Spot-Metering messen lassen. Ein richtige externer Belichtungsmesser ist sicherlich komfortabler und vielleicht auch genauer, allerdings mir im Moment zu teuer. Hinzu kommt außerdem, dass ich die ermittelte Belichtungszeit des Belichtungsmesser eh nicht für die Aufnahme verwenden kann. Sie dient nur der Grundlage zur Errechung der benötigten Belichtungszeit für die Aufnahme. Den Grund kennt ihr sicherlich – Der Schwarzschild-Effekt oder im englischen auch „loss of reciprocity“ genannt! Das bedeutet, dass bei sehr langen Verschlusszeiten die Lichtempfindlichkeit der Filmschicht abnimmt und man etliches an Belichtungszeit addieren muss, um auf eine richtige Belichtung zu kommen. Das fängt übrigens je nach Filmtyp bereits ab 1 Sekunde an.

Wieviel Zeit man addieren muss hängt zum einen von den sich veränderten Lichtverhältnissen während der Aufnahme ab und welchen Film man nutzt. In der Regel geben das Hersteller für ihre S/W Filme an. Das machen aber nicht alle und schon gar nicht bei Farbfilmen, so wie ich einen benutzt habe. Hier könnte es nämlich aufgrund der langen Belichtungszeit noch zu Farbverschiebungen kommen. Diese konnte ich aber bei meiner 68 Sekunden Aufnahme nicht feststellen. Bis 70 Sekunden bin ich also schon mal safe was die Farbverschiebungen beim Kodak Portra 400 angeht.  Apropos Schwarzschild-Effekt, die Macher der Pinhole App haben für S/W Filme bereits diverse Listen für die korrekte Zeit bei Langzeitbelichtungen erstellt. Für mich noch ein Grund mehr die App zu nutzen, spare ich mir zuächst die blöde Rechnerei.

Die Ausgangsbelichtungszeit betrug inkl. der Nutzung eines Graufilters 15 Sekunden. Das wäre mit einer digitalen Kamera die optimale Belichtungszeit. Da ich den – in nenne ihn mal Schwarzschild-Faktor – nicht kenne, habe ich die Belichtungszeit vervierfacht und noch ein paar extra Sekunden drauf gegeben. So bin dann auf 68 Sekunden gekommen. Wenn ihr euch jetzt fragt, warum viermal und nicht zweimal oder fünfmal soviel Zeit. Nun, das habe ich sogar. Zur Sicherheit und zur Prüfung habe ich eine weitere Aufnahme mit nur zweifacher Belichtungszeit gemacht. Diese ist zwar auch noch OK, aber für meine Verhältniss zu dunkel. Allerdings war die Wahl 4x soviel Zeit zu nutzen nur eine Intuition, die mir allerdings letzten Endes recht geben sollte.

Wer sich jetzt fragt, warum ich keinen S/W Film genutzt habe oder warum ich die Aufnahme letzten Endes konvertiert habe. Nun, zum einen habe ich im Moment keinen und zum anderen zeigt sich Dynamik und Dramatik im Bild besser in Schwarz-weiß. Im Grunde ist es wie bei meinen digitalen Aufnahmen. Auch hier verwende ich nur die Farbversion, wenn die Aufnahme auch wirklich zur Farbe passt. Dennoch hat mir das gezeigt, dass ich mir auch ein paar S/W Filme besorgen sollte. Die sind nämlich sehr viel günstiger und haben je nach Lichtempfindlichkeit noch ein feineres Korn.

Die Filmentwicklung werde ich in Zukunft immer vom Labor machen lassen. Ich habe ehrlich gesagt keinen Bock mehr mit Wasser und Chemikalien herumzupanschen. Das überlasse ich anderen. Leider muss ich derzeit auch das Scannen anderen überlassen und dass ist hier sauteuer, so dass die obige Aufnahmen nach dem Scan gerade mal 20 Megepixel hat. Das ist natürlich viel zu wenig um aus dem 4×5 Negativ die tatsächliche Qualität herauszuholen. Dennoch war ich bei der Nachbearbeitung verwerwundert wieviele Rerserven, auch wenn es kein Hi-Res Scan war, hatte. Die erste Überlegung in Sachen Scanner ist für viele der Epson V700/V750, so auch für mich, da ein Hasselblad Scanner finanziell außer Reichweite ist und ich verlässliche Stimmen gehört habe, dass dieser Scanner einfach viel zu gut ist – was die Nachbearbeitung erheblich erschwert, da jeder noch so kleine Dreck/Kratzer usw… einscannt wird. Wie dem auch sei, dieser ist sowieso außer Reichweite, sodass ich mir darüber keine Gedanken machen muss. Allerdings werde ich auch keinen Epson Scanner kaufen, sondern den Microtek ArtixScan F2/M2. Der Vorteil dieser Scanner gegenüber dem Epson ist, dass der Microtek über die Möglichkeit verfügt glaslos einzuscannen. Das bedeutet, dass die optische Einheit direkt auf das die Oberfläche des Negativs trifft und es so zu keinem Schärfe/Qualitätsverlust und auch nicht zu den bekannten Newton-Ringen kommen kann, die Glasplatten mit sich bringen können. Außerdem verfügt er noch über einen Autofokuseinheit, die immer den korrrekten Abstand zum Negativ einhält. Sobald ich das Geräte habe, gibt mehr Infos.

So, dass war es erstmal von der analogen Großformatfotografie-Front. Bis zum nächsten Abenteuer dann… – Über Kommentare hier im Blog freue ich mich natürlich, auch wenn es schon zahlreiche auf Facebook gibt!

PS: Ich habe auch eine Vergleichsaufnahme mit meiner Nikon D800 gemacht, da es mich schon interessiert wie sich ein Großformatnegativ gegenüber einer digitalen 36 Megapixel Aufnahme verhält. Dieses Bild zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu zeigen, würde sowohl dem Großformat als auch der D800 nicht gerecht werden. Hier warte ich noch bis ich einen besseren Scan von Negativ habe. Eines möchte ich aber schon mal sagen, es natürlich ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen.

PSS: Da fällt mir gerade ein, dass ich ja noch etwas vergessen habe. Ein kleiner Fehler ist mir natürlich schon passiert und zwar offensichtlich beim Einlegen des Filmes in meiner Dunkelkammer. Diesen habe ich wohl nicht ganz bis zum Anschlag hineingeschoben, sodass eigentlich viel mehr Negativ und somit viel mehr Brücke für den Vordergrund drauf gewesen wäre. Aber egal, dass lässt sich verschmerzen. Das nächste Mal weiß ich dann Bescheid.

Update vom 11.11.2012:
Nach reiflicher Überlegung und ausgiebiger Recherche wird es nun doch der Epson V700. Warum nicht der 750 Pro? Ganz klar, der einzige Unterschied besteht nur im Software-Paket. Beim 750er ist SilverFast mit dabei. Es gibt aber viele Gründe warum man diese Software nicht braucht – daher wird es nun der V700 mit entsprechendem Anti-Newton Glas.