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Workflow

Analog, Fotografie, Großformat

Großformat Negativfilm scannen – Mein Workflow

22. Mai 2013

Epson  V700

Ob man das Ganze was ich mache tatsächlich als Workflow bezeichnen kann, sei mal dahingestellt. Zumindest ist es ein fester Ablauf, dem ich zukünftig erstmal treu bleiben werde. Vor einiger Zeit hab ich mich zurückbesinnt….  Ach, Quark –  hab ich natürlich nicht. Ich wollte einfach was neues ausprobieren und was eignet sich besser als größer, höher, weiter – also das richtige Vollformat, nämlich die fetten 4x5inch Negative.

Genau diese Negative wollen nun auch verarbeitet werden, also hab ich mir dafür extra den Epson V700* angeschafft. Der Unterschied zum Epson V750 PRO* ist lediglich softwarebedingt und Silferfast brauche ich nicht. Ich hab ehrlich gesagt auch keinen Bock auf stundenlanges einstellen, scannen, prüfen, wieder einstellen, noch mehr prüfen, zwischendurch fluchen, weil die Farben nicht passen – das ist mir alles viel zu viel. Ich möchte schnell zum Ziel kommen und es sollte meinen Ansprüchen (die jetzt nicht gerade niedrig sind) genügen. Logisch kann man auch den knapp 20K teuren Imacon Scanner nehmen. Aber allein das wegstempeln des Staubs dürfte hier Wochen dauern…

Bevor mein erstes Negativ auf der Scannerfläche landete, habe ich gelesen, viel gelesen. Irgendwie scheint jeder hier sein eigene „ultimative Scan-Methoden“ gefunden zu haben. Frage mich manchmal, wieviel ich davon eigentlich wissen möchte, passt das alles in mein Hirn und kann ich mir das alles überhaupt merken. Immerhin scanne ich ja nicht jeden Tag irgendetwas ein. Das einzige was ich wirklich interessant fand, war die Tatsache S/W Negative auch mit dem RGB-Farbraum einzucannen und ausschließlich mit nur einem Kanal zu arbeiten um ein besseres Endergebnis zu erhalten. Eingescannt habe ich bisher nur S/W sowie Farbnegative. Demnächst werden dann noch ein paar Diafilme hinzukommen. Der Ablauf ist im Grunde immer gleich, außer natürlich die Umstellung im Menüpunkt der Scansoftware von S/W zu Farbe. Im übrigen nutze ich ausschließlich das mitgelieferte Programm des Herstellers. Selbst die Scanauflösung liegt bei mir immer auf 3200dpi und 24Bit. Mehr dpi machen beim V700 keinen Sinn, auch die 48Bit Tiefe schlägt sich nur in der Datenmenge nieder. Dazu gibt es im Netz auch diverse Seiten und Berichte, die hier eindeutige Vergleiche zeigen. Selbst habe ich es nicht getestet, da mir diese Berichte aussagekräftige genug waren. Außerdem möchte ich ja nicht stundenlang mit Testen verbringen.

Epson  V700 - Großformat Filmhalter

Bevor ich das Negativ in die Filmhalterung einlege, achte ich peinlichst auf den Staub. Je weniger Staub ich mit einscanne umso weniger muss ich später wegstempeln. Ich nutze für die Reinigung der Glasscheibe ein Microfasertuch und für das Negativ einen Blasebalg, welcher eigentlich für die Sensorreinigung vorgesehen ist. Das funktioniert bisher wirklich ganz gut. Anschließend wird der Preview-Scan gestartet. Dadurch kann ich sehen, ob ich mal wieder das Negativ falsch herum eingelegt habe. Zwar könnte man es nachträglich auch im Programm wieder zurückspiegeln, allerdings ist es besser es gleich richtig einzuscannen, da es doch Qualitätsunterschiede gibt, auch wenn diese auf den ersten Blick kaum sichtbar sind. Der Grund ist Oberfläche des Negativs. Es verfügt grob gesprochen über eine glänzende und extrem-glänzende Filmebene. Die Beste Qualität erzielt man, wenn nun die Ebene auf der das Licht während der Aufnahme fällt von der Scanner-Lampe erfasst wird. Durch ein kleines Symbol wird auf dem Filmhalter des Scannes nochmals darauf hingewiesen. (Ganz oben in der Ecke des Bildes). Ich starte den Preview-Scan um einen ersten Eindruck vom Scan zu erhalten um auch ggf. die Belichtungsparameter für den richtigen Scan zu konfigurieren. Nachdem Preview-Scan sollte allerdings der Haken bei „unscharp mask“ gelöscht werden, da ansonsten eine erste Schärfung durchgeführt wird. Auch lasse ich alle übrigen Einstellungsmöglichkeiten unangetastet um für die spätere Bildbearbeitung genug Reserven zu haben.

Scanner Software Epson V700

Nach dem Preview-Scan wird eine automatische Belichtungkorrektur (Auto Exposure) angewendet. In vielen Fällen kann das gut gehen, aber gerade bei meinen Langzeitbelichtung haut das nicht hin. Diese schalte ich für den Hauptscan in der Regel auch aus, da die Aufnahme sonst mit diesen Einstellungen gespeichert wird. Apropos Speicherung. Ich speichere im Tiff-Format.

Das wars eigentlich schon. Ach, ich habe doch noch etwas vergessen. Das S/W Negativ bekommt bei mir in der Nachbearbeitung eine Sonderbehandlung. Ich verwende ausschließlich den Grünkanal für die Bearbeitung der S/W Aufnahme. Dieser enthält laut vielen Meinungen den höchsten Schärfeanteil des Scans. Die anderen Kanäle schalte ich aus. Bei Verwendung des Grünkanals ändert sich zwar die visuelle Wahrnehmung des S/W Bildes, allerdings nur minimal. Das ist mir aber egal, da ich die Kontrastanpassungen und Belichtungskorrekturen sowieso lokal anwende. Da störts mich also nicht.

Hier noch das finale Bild nach getaner Arbeit.
Aufgenommen mit der Chamonix 045N-2, Rodenstock Grandagon 75mm @ f22, Belichtungszeit 300 Sekunden, ND3.0 Graufilter, T-Max 100 Negativ S/W Film
Racetrack - Death Valley,4x5 - USA

Dieser Beitrag wird vielleicht nicht alle Antworten auf eure Fragen beinhalten, aber ich wollte es eher allgemein halten. Falls es Fragen gibt, gerne über die Kommentarfunktion. So haben alle Leser etwas davon.

PS: Der Streifen auf dem Scan kommt sehr wahrscheinlich vom Filmhalter. Ich hab da wohl nicht richtig aufgepasst beim rausziehen oder reinstecken… Hmm! Auch kann man bei dieser analogen Aufnahmen sehr gut erkennen, dass ich kein Centerfilter fürs Objektiv genommen habe. Ohne diesen entsteht eine Art natürliche Vignettierung. Diese nutze ich aber sehr gerne für meine Bildstimmung.
*Amazon Link

Fotografie

Beach of Jökulsarlon – Making of

19. Juni 2011

Immer wieder erreichen mich Mails von Lesern, die  mich bitten etwas zu meinen Bildern und deren Bearbeitung zu schreiben. Dem möchte ich heute mit einer Aufnahme aus Island nachkommen.

Das Bild entstand im Mai diesen Jahres auf Island. Aufgrund der teilweisen extremen Wetterbedingungen (Sandsturm und stark aufschäumende Gischt) waren mehrere Anläufe für diese Aufnahme notwendig. Hinzu kommt, dass hier nicht immer das Gletschereis des Jökulsarlon an den Strand gespült wird und man die Wellenbewegung ebensowenig voraussagen kann. Ein bisschen Glück in der Fotografie gehört also für mich genauso dazu, wie der Auslöser zur Kamera.

Verwendete Technik:

Bevor ich zum Eigentlichen, der Bildbearbeitung komme, gibt es für die „Techniker“ unter uns noch ein paar Daten. Die Aufnahme wurde mit einer Nikon D300 und dem Nikon Objektiv 17-55mm f2,8 realisiert. Die Brennweite betrug 19mm bei einer Belichtungszeit von 1,6 Sekunden @ f 3,2. Um auf diese Zeiten zu kommen, verwendete ich zudem einen Graufilter der Stärke 3 (Verlängerung: 10 Blendenstufen). Vorrang hatte für mich hauptsächlich die Belichtungszeit von 1,6 Sekunden um die Dynamik der Wellenbewegung, wenn diese über den Strand rollen, einzufangen.  Um die gewünschte Tiefe ins Bild zu bringen, war die Brennweite von 19mm notwenig. Eine längere Brennweite hätte nicht zum gewünschten Ergebnis geführt.

Bildbearbeitung:

Das usprüngliche Foto ist natürlich in Farbe fotografiert und anschließend in S/W umgewandelt. Als Bearbeitungsprogramm kam Photoshop (Tonwertkorrektur, Gradationskurve, Vignettierung, Tonung) und Silver Efex zum Einsatz. Letzteres dient mir haupsächlich der Überprüfung der einzelnen Tonwerte mit Hilfe des integrierten Zonensystems. Natürlich kann man das auch mit Photoshop machen, allerdings finde ich die Benutzersteuerung übersichtlicher und intuitiver. Das schöne am Zonensystem ist, dass die Helligkeitsbereiche unabhängig von der eingestellten Monitorhelligkeit angezeigt werden. Das erlaubt mir einfach eine bessere Differenzierung der verschiedenen Tonwerte und somit ein nach meinem Empfinden besseres Endergebnis.

[tabs slidertype=“top tabs“] [tabcontainer] [tabtext]Tab 1[/tabtext] [tabtext]Tab 2[/tabtext] [tabtext]Tab 3[/tabtext] [tabtext]Tab 4[/tabtext] [tabtext]Tab 5[/tabtext] [tabtext]Tab 6[/tabtext] [/tabcontainer] [tabcontent] [tab]Auf dem ersten Bild seht ihr die Aufnahme als RAW-Format in ihrem unbearbeitet Zustand. Der Horizont ist schief und das Bild wirkt natürlich kontrastarm. [/tab] [tab]

Der Horizont wurde mit dem „frei transformieren“ Werkzeug in die richtige Position gezogen. Normalweise kann man das auch mit dem Distorsions-Filter erledigen, dieser schneidet mir allerdings teilweise einfach zu viel vom Bild weg.

Außerdem kann ich das Bild durch transformieren ein wenig strecken oder stauchen um so eventuell den Himmel und/oder den Vordergrund dominanter zu gestalten. Letzteres kam allerdings bei diesem Bild nicht zum Einsatz. Mit Hilfe der Funktion in S/W umwandeln wurde der erste Schritt in Richtung schwarzweiß getan. Dieser erste Schritte dient mir im Übrigen nur als grober Anhaltspunkt.

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Im ersten eigentlichen Schritt der Bildbearbeitung habe ich mich um den Vordergrund, die Wellen und den Himmel gekümmert. Mit Hilfe der Tonwertkorrektur werden alle drei Bereiche getrennt bearbeitet. Dabei fällt die Bearbeitung eher marginal aus, denn ich versuche immer durch weniger radikale Bearbeitungschritte ans Ziel zu kommen. Die Anzahl der Schritte ist mir hierbei völlig egal. Ich beschrifte die einzelnen Ebenen auch nicht. Das ist mir viel zu umständlich, zumal ich bereits nach einem fertigen Schritt alles auf eine Ebene reduziere.

Um zum gewünschten Ergebnis zu kommen, konzentriere ich mich nur auf einen einzelnen Bereich und stelle die Regler des Menüs nach meinen Wünschen ein. Danach erstelle ich eine Füllebene (schwarz) und bearbeite die Stellen (z.B. Vordergrund, Himmel und Wellen) mit einem Pinsel. Das dauert zwar immer ein wenig, aber so kann ich die Bereiche genauer gestalten.

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Kontraststeigerung des Himmels, der Wellen und des Vordergrunds mit Hilfe der Gradationskurve. Wie auch schon bei der Tonwertkorrektur, werden alle drei Bereiche getrennt bearbeitet.

Diese weitere Kontraststeigerung dient der Strukturverstärkung der Linien im Vordergrund. Um keine ausfressenden „Lichter“ zu erhalten, habe ich mit dem Zonensystem von Silver Efex die Helligkeitsverteilung überprüft und weiter angepasst. [/tab] [tab]

Über den Beschnitt eines Fotos lässt sich immer streiten. Selbst ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt das 1:1 Format wählen, oder es lieber so belassen sollte. Da es sich aber um eine Serie handelt, wurde schließlich gecropt. [/tab] [tab]

Im letzten Schritt wurden die größten Änderungen gemacht. Es wurde nochmals am Kontrast geschraubt und die Helligkeit mit Hilfe der Tonwertkorrektur und der Gradationkurve verändert. Die Überprüfung der Helligkeitsbereiche fand erneut mit Silver Efex statt. Auch hier wurde nochmals mit den Reglern „Belichtung/Konstrast“ gepielt. Anschließend wurde in Photoshop eine leichte Vignettierung erstellt und über die Aufnahme gelegt. Wie genau, erkläre ich mal in einem extra Beitrag. Das würde hier den Rahmen sprengen. Natürlich lässt sich die Vignettierung auch mit Hilfe von Silver Efex erzeugen, aber durch die manuelle Geschichte, habe ich vielmehr Einfluss auf Stärke und Lage der Vignettierung. Schließlich habe ich dem Bild noch meine übliche Tonung gegeben. Dazu wird der Farbbalance Regler (Lichter) um wenige Werte in Richtung gelb und rot verschoben. Wie stark, dass hängt immer vom subjektiven Eindruck ab. Hier kann man ruhig ein wenig experimentieren. Ein wenig blau darf natürlich auch nicht fehlen, sonst wird das Bild zu warm. Dieser Regler wird allerdings nur in den „Schatten“ verschoben. Stärke ist natürlich wieder abhängig vom Eindruck. [/tab] [/tabcontent] [/tabs]

Das wars eigentlich schon in Sachen Bearbeitung, zumindest für dieses Bild. Im Großen und Ganzen habe ich einen einheitlichen Workflow, nur die Anzahl der Schritte variiert ja nach Bildmotiv. Ich hoffe, dass dieses kurze Making of für den einen oder anderen von euch interessant war. Wer Fragen hat, nur zu!