Fotografie

Wie man ein großartiger Fotograf wird – Eine Entäuschung!?

25. Januar 2010

Wie werde ich ein großartiger Fotograf Hierbei handelt es sich um meine eigene Einschätzung und Meinung.
Durch die positive Berichterstattung wurde ich über das neue Buch von Dr. Martina Mettner  „Wie man ein großartiger Fotograf wird“ aufmerksam. Ob der Titel dem Inhalt gerecht wird und ob es sich wirklich um eine Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft handelt, gilt es herauszufinden.

Vorgeschichte:
Bis vor kurzem kannte ich die Autorin des „etwas anderen“ Buches über die Fotografie überhaupt nicht. Ich stöberte letztes Jahr nach Neuigkeiten über die Fotografie durch die Weiten des WWW und wurde durch einen Blogbeitrag auf Ihr neues Buch aufmerksam. Der Titel hörte sich einfach vielversprechend an und auch die Referenzen der Autorin (Fotofeinkost.de und mm-photoconsulting.de) machten durchweg einen sehr guten Eindruck. Also dachte ich mir, wenn einer ein Buch über die Fotografie schreiben kann, dann jemand der nicht nur Fotograf ist, sondern sich im allgemeinen mit diesem Business beschäftigt. Frei nach dem Motto „gesagt-getan“ bestellt ich das Buch.


Zum Layout:
Natürlich wusste ich bereits im Vorfeld, dass der Einband rosa ist und für meinen Geschmack nicht gerade besonders gut zu einem Fotografiebuch passt. Naja wie auch immer… über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.

Für knapp 30 Euro hätte ich allerdings schon etwas Höherwertiges erwartet. Dieser rosa gefärbte Leineneinband und die fast neongrüne Schrift sticht so dermaßen in den Augen, dass man es am liebsten gleich weg legen möchte – allerdings nur bei „warmen“ Kunstlicht (bei Tageslicht kann man sogar die Schrift erkennen!). Auch macht das knapp über 130 Seiten starke „Buch“ keinen stabilen Eindruck. Schon nach einmaligem Blättern wölben sich die Seiten. Leider findet sich das etwas unprofessionelle Layout auch im  Inneren des Buches wieder. So wurde Fließtext in Verbindung mit einem großen Buchstabenabstand verwendet; das macht ein flüssiges Lesen nicht unbedingt leichter.

Ist doch egal, werden die einen sagen. Ich aber bin der Meinung, ein professioneller Designer hätte dem Layout sehr gut getan. Im Übrigen würde man die Fotos im Buch, bis auf wenige Ausnahmen, in keinen guten Buch über Fotografie finden. Die dunklen Partien vieler Aufnahmen „saufen“ gnadenlos ab!


Zum Inhalt:
Um es kurz zu sagen: „Ich bin enttäuscht“! Ich hatte mir, allein durch das Vorwort und durch den Titel mehr versprochen als nur den Hinweis auf  „das Projekt“. Eigentlich könnte ich hier auch gleich das Fazit schreiben, denn im Großen und Ganzen dreht es sich nur um „Projekte“. Erfolgreiche Fotografen brauchen Projekte – Kreative Fotografen brauchen Projekte – Großartige Fotografen brauchen Projekte. Mal im Ernst! Für den ambitionierten (Hobby)Fotografen hat das Buch keinen Mehrwert, für den Profi schon gar nicht.  Dafür beschäftigt sich das Buch zu allgemein mit dem Thema Fotografie. Sicherlich hat die Autorin nicht ganz Unrecht mit der projektorientierten Fotografie, doch ich glaube kaum, dass dies für die Mehrheit der (Hobby)Fotografen sprechen würde.

Es ist die Rede von der Bildkomposition, weg vom goldenen Schnitt, hin zur Vorder- und Hintergrundaufteilung (ist doch nicht neu,oder?). Von der Fototechnik,die heutzutage keine Rolle mehr spielen soll. Wie bitte – hab ich hier was falsch verstanden? Fototechnik…keine Rolle? Es mag schon sein, dass Fototechnik heute jedem zugänglich ist und sie ist vielleicht auch nichts besonderes mehr. Dennoch bin ich gerade bei der Digitalfotografie darauf angewiesen. Sicherlich kann ich mit der Filmkamera auch Aufnahmen erstellen, aber ob dies wie im Buch beschrieben für den Anfänger besser ist, bezweifle ich stark. Des Weiteren erfährt man, dass vieles bereits fotografiert sei und das Einzelbild keine Chance im jetzigen Zeitalter der Fotografie hat. Auch hier bin ich der Meinung, dass selbst der Otto-Normal-Kamera-Benutzer weiß, dass alles schon zig mal fotografiert wurde. Ist das so schlimm? Gerade hier sehe ich die Herausforderung. Ich sage nur Bildwinkel variieren, Perspektiven verändern, Fototechniken ausprobieren usw.

Diese und änliche Vergleiche könnte man fast mit dem gesamten Buch anstellen. Fast, denn interessant in diesem Buch sind die letzten Seiten. Dort stellt die Autorin eines Ihrer Projekte vor und beschreibt dessen Ablauf bis hin zur Ausstellung. Den Anfang des Buchs kann ich nur Neueinsteigern in der Fotografie empfehlen.


Mein Fazit:
Wie Ihr Euch schon denken könnt, fällt es nicht besonders positiv aus. Zum einen ist das Layout sehr gewöhnungsbedürftig und zum anderen bringt der Inhalt auch Hobbyfotografen nichts Neues. Dafür ist er im fotografischen Sinn zu allgemein gehalten. Es gibt weitaus bessere Fotobücher, die Bildkomposition, Kreativität, Bildinhalt und -sprache dem angehenden Fotografen anschaulicher vermittelt. Auch bin der Meinung, dass jeder  (Hobby-ich hasse dieses Wort!)Fotograf der auch nur ein Fünkchen Ambition hat, nicht unbedingt sofort nach ein/zwei sehr guten Aufnahmen denkt, er könne damit Geld verdienen und sein Hobby zum Beruf machen. Ich glaube gerade in der heutigen Zeit, mit all den Möglichkeiten der digitalen Fotografie, ist jeder Fotograf und sei er noch so gut, realistisch was die Erfolgsaussichten betrifft.

Im Übrigen bin der Meinung, dass ich hier nichts empfehlen kann, was ich selbst nicht mehr lesen würde. Natürlich gibt es auch andere (darunter positive) Rezensionen, zu lesen hier auf Kwerfeldein.de, Noodlezphoto.com, Lapplandblog.eu, fotografr.de, schwarzbuntes.de, und auch in Magazinen wie fine art printer und ColorFoto!

In diesem Sinne
Ronny von Blogtimes

Wer es jetzt dennoch haben möchte, der kann es direkt auf der Webseite der Autorin oder über Amazon bestellen.

Martina Mettner:
Wie man ein großartiger Fotograf wird, Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft
Aarbergen 2010, 132 Seiten, 29,80 Euro.

ISBN 978-3-00-029650-5

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15 Kommentare

  • Antwort Britta Stahl 26. Januar 2010 um 16:13

    Vielen Dank für den ehrlichen Erfahrungsbericht! Nach anderen positiven Berichten war ich kurz davor, mir das Werk zuzulegen – nun nehme ich mir als neues „Projekt“ das Werk eines anderen Autoren vor 🙂

    • Antwort BlogTimes 26. Januar 2010 um 17:30

      Ich hatte mir eben sehr viel mehr von diesem Buch versprochen. Leider finden sich eben nur bekannte Tatsachen zum Thema Fotografie und das Projekt als solches.

  • Antwort Philippe Wiget 27. Januar 2010 um 09:31

    Ich habe das Buch nicht selber gelesen – danke für den Erfahrungsbericht. Auch auf fotografr.de scheint es nur mässig weg zu kommen und es scheint hier, dass ein Ansatz, wie man Fotografie-Projekte (als Künstler) angehen kann, dazu misbraucht wird, Abgrenzungen zwischen Amateur- und (richtigen) Profifotografen aufzuzeigen. Das geht meist ins leere, den diese Grenzen sind in den letzten Jahren meiner Meinung nach schlicht verschwunden. Wenn sie noch vorhanden sind, dann in den Bereichen Business und Marketing, aber nur sehr wenig beim eigentlichen fotografieren.
    Will sich die Autorin eigentlich mit diesem Buch spezifisch an Amateure oder Profis richten? Sagt sie etwas zur Zielgruppe?

    • Antwort BlogTimes 27. Januar 2010 um 17:47

      Da gebe ich Dir völlig Recht. Die Grenzen zwischen der Amateur- und Profifotografie liegen oftmals daran, wer von Beiden den Lebensunterhalt mit der Fotografie bestreitet. Zu Deiner Frage: Die Autorin möchte vornehmlich Amateur/Hobbyfotografen ansprechen. Der „Profi“ soll ebenfalls in einigen Teilen von diesem Buch profitieren – nur frage ich mich ernsthaft, wovon?

      Viele Grüße in die schöne Schweiz

  • Antwort Der Tritt in den Hintern des Fotografen » Magazin für Fotografie 27. Januar 2010 um 13:38

    […] Rezensionen gibt es bei kwerfeldein, noodlez, Lapplandblog, Blogtimes, Color Foto und bei […]

  • Antwort Philippe Wiget 27. Januar 2010 um 20:46

    Danke Ronny. Es scheint sich hier also vor allem um ein Buch zur Weiterführung alter Grabenkämpfe zu handeln. Soll mir nur nie jemand mit einem ‚zufällig‘ gelungenen Bild daher kommen;-)

  • Antwort Jo 30. Januar 2010 um 19:14

    Ich würd mir das Buch allein schon aufgrund des Titels nicht kaufen (klingt ja ganz nach „Schlank in 14 Tagen“). Es sei denn, er ist ironisch gemeint… 😉

    Gibt es irgendwo ein Portfolio von Fr. Mettner…?

    • Antwort BlogTimes 30. Januar 2010 um 23:06

      Ganz unrecht damit hast Du nicht! Das Buch wurde allerdings auch von Magazinen wie Fine art printer und ColorFoto empfohlen. Diese Empfehlung kann ich nur nicht ganz nachvollziehen. Ein Portfolio von der Autorin habe ich bis jetzt nicht gefunden. Wäre aber für jeden Tipp dankbar.

  • Antwort Tweets that mention Wie man ein großartiger Fotograf wird - Eine Entäuschung!? | BlogTimes - Fotografieblog -- Topsy.com 31. Januar 2010 um 17:34

    […] This post was mentioned on Twitter by Ronny, Lorenz Masser. Lorenz Masser said: RT @bawphotography: Wie man ein großartiger Fotograf wird – Eine Entäuschung!? http://bit.ly/9dCyH7 […]

  • Antwort Kann man ein großartiger Fotograf mit Hilfe eines Buches werden? | schwarzbuntes.de 1. Februar 2010 um 00:36

    […] auch komplett anderer Meinung sein kann: fotografr, kwerfeldein, bildwerk3, noodlez, Lapplandblog, Blogtimes, Color […]

  • Antwort Fotomontage 18. Mai 2010 um 22:58

    Besten Dank für die ehrliche Bewertung des Buches. 29,80 Euro gespart.

  • Antwort Jenny 24. September 2012 um 10:26

    Eins muss man der Autorin/Marketingteam lassen – zumindest bei Ihnen haben Sie ihr Ziel erreicht – sie haben das Buch gekauft. Der Titel und die Optik sorgt für Aufmerksamkeit und wenn jeder entprechend das Buch kauft…Ohne negative Rezensionen könnte dies sogar funktionieren…

    • Antwort BlogTimes 24. September 2012 um 13:19

      Ich würde nicht gerade behaupten, dass negative Rezensionen dazu führen, dass ein Produkt sehr oft verkauft wird!?

  • Antwort Anastasia Arrigo 4. Januar 2013 um 23:51

    Schon nur wegen dem Cover und dem „Billigen“ Titel würde ich es nicht kaufen. Klingt einfach zu sehr nach „ich habe den heiligen Gral des Fotografierens gefunden“. Nunja… Danke für die Rezension.

  • Antwort Kann man ein gro√üartiger Fotograf mit Hilfe eines Buches werden? - rn-media 27. Februar 2016 um 20:45

    […] auch komplett anderer Meinung sein kann: fotografr, kwerfeldein, bildwerk3, noodlez, Lapplandblog, Blogtimes, Color […]

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