Fotografie

Zwei Tage danach – Nikon V1 und J1

23. September 2011

Am 21. 09.2011 wurde nun offiziell das neue Nikon 1 System der Welt vorgestellt, was in Grundzügen ja bereits vorher bekannt war. Obwohl ich zu den Bloggern gehöre, die erst kürzlich von Nikon angeschrieben wurden, ob Interesse an Produktvorstellungen und Nikon-Events besteht, konnte ich bis dato keine der beiden Kameras in den Händen halten.

Aus diesen Grund setzen sich die nachfolgenden Zeilen hauptsächlich aus den Meinungen und Informationen der letzten zwei Tage zusammen, die sich derzeit im Netz wie warme Semmeln verbreiten.

Wie immer gibt es natürlich zwei Lager, einmal mehr wird es deutlich, dass die Fürsprecher unter den etablierten (was es nicht unbedingt besser macht) Fotomagazinen zu finden sind. Hier und da wird zwar auch ein bisschen gemäkelt, aber im Grund befürwortet man diese selbst ernannte bahnbrechende Entwicklung. Der aufmerksame Leser wird dies hoffentlich zu erkennen wissen, dass hier oft die Zusammenarbeit mit den Kameraherstellern im Vordergrund steht und leider nur selten die objetive Betrachtungsweise des Produkts.

Der Grundtenor bei den Foto-Bloggern geht dagegen in eine andere Richtung. In erster Linie hängt das natürlich mit den Spezifikationen der Kameras zusammen. Beide Modelle verfügen über eine Sensorgröße von 13,2 x 8,8 mm und liegen damit deutlich unter den MicroFour-Thirds Systemen (MFT) und weit weg vom APS-C Sensor Bereich. Zudem wartet Nikon mit Preisen auf, die jeden potentiellen Kompaktkamera-Käufern erst einmal abschrecken. So verlangt Nikon 600 Euro für kleinere J1 und sage und schreibe 870 Euro für die V1, jeweils mit 10-30mm Objektiv. Da bietet die Konkurrenz Fuji mit der X100, Ricoh mit der GXR und Sony mit der kommenden NEX-7 deutlich mehr für fast das gleiche Geld. Mehr auf die Technik möchte ich hier nicht eingehen, dazu gibt es bereits ausführliche Infos im Netz.

Das sich derzeit die Meinungen über Nikon eher ins Negative wenden, liegt meiner Meinung nach auch an der derzeitigen Modellpolitik. Nikon war eigentlich immer für ihren hervorragenden SLR und DLSR Markt bekannt, doch gerade  in der letzten Zeit habe ich das Gefühl, dass sie sich mehr und mehr im Kompaktkamera-Bereich bewegen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass dies sehr wahrscheinlich das Brot und Butter Geschäft ist, dennoch würde ich mir auch mal eine neue DSLR wünschen und zwar kein Modell, welches nur einen neuen Farbanstrich bekommt.

Für wen ist also die Kamera gedacht? Welche Zielgruppe verfolgt Nikon damit? Diese Fragen kamen mir bei der Produktvorstellung als erstes in den Sinn und bisher konnte ich keine Antwort finden. Der DLSR Nutzer wird diese Kamera nicht als Zweitkamera kaufen und der Kompaktkamera-Käufer muss schon einen sehr dicken Geldbeutel haben.  Es liegt ja auf der Hand, das Nikon in diesem Kamerasegment mitspielen muss, aber bitte dann doch in der gleichen Liga wie auch die anderen Hersteller.

Die Kamera wird sicherlich einige Käufer finden, aber einen Großteil der zukünftigen Kunden hat Nikon mit dieser Produktvorstellung verkrätzt und da zähle ich mich auch dazu. Lange hält bei mir der Gedanke „Wer bis jetzt auf die neuen DSLR-Modelle gewartet hat, der wird auch weiterhin warten“ nicht mehr an… Im Rahmen eines Artikels, bei dem es sich um die Objektivität von Fotografie Magazinen dreht, habe ich schon einmal eine Umfrage in Bezug auf die neuen spiegelosen Kameras gestartet. Mit dem heutigen Tag müsste  sich eigentlich die Frage ausschließlich auf das Nikon 1 System beziehen….

Weitere Blogs, die bereits dazu berichtet haben…

Jeriko, der persönlich schon mal Hand anlegen durfte…
Neunzehn72
, der es treffender nicht formulieren könnte…
Martin Hülle, der auf der Suche nach ein besseren Kompaktkamera ist…

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11 Kommentare

  • Antwort Martin Hülle - Blog 23. September 2011 um 13:36

    Tja, da passt der Satz mit x – das war wohl nix … Ich hatte gestern auch schon meinen Senf dazu gegeben. Ebenso kritisch. Zumal ich mich gerade mit der Frage plane, welche spiegellose Systemkamera oder Edelkompakte für mich am ehesten geeignet ist (http://www.martin-huelle.de/blog/?p=2990).

    • Antwort BlogTimes 23. September 2011 um 14:19

      Das sehe ich auch so… Danke für den Link zum Beitrag, nehme ihn noch als Berichterstattung über die Kameras mit auf.

  • Antwort lichtbildwerkerin 23. September 2011 um 20:29

    Tröste man sich doch mit dem Gedanken, dass Nikon sich für die (hoffentlich) extrem sorgfältige Entwicklung der neuen Profi-Geräte einfach ausreichend Zeit nimmt und die Produkte die Wartezeit wert sein werden ;-). Schön wär´s.
    Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass Nikon das Image als Vorzeigeprodukt im Profi-Bereich aufgeben will. Warum war Nikon denn so populär? Weil früher nahezu jeder Reporter und Profi-Fotograf eine Nikon um den Hals hängen hatte (wenn´s denn keine Leica war). Das wandelt sich gewaltig und mittlerweile heißt es nicht mehr: Wow, du fotografierst mit Nikon, sondern eher: Warum bist du noch nicht umgestiegen?

    • Antwort Askan Worms 24. September 2011 um 09:57

      Warum hatte denn fast jeder Reporter eine Nikon um den Hals? Die Dinger waren stabil. Optisch aber nicht besser als Canon.

      • Antwort lichtbildwerkerin 26. September 2011 um 16:49

        Ja, kann schon sein. Ich kann das nicht beurteilen, weil ich damals noch nicht fotografierte. Mir ging es um das Image…..

  • Antwort BLENDE32 24. September 2011 um 09:17

    Ich war ebenfalls sehr erstaunt über das doch arg „laienhafte“ Aufschlagen von Nikon im spiegellosen Lager.

    Im Grunde liebe ich Nikon und es war fast ein Jahrzehnt meine Marke. Aus etwas komplizierten und jetzt nicht näher erläuternden Gründen bin ich damals zu Pentax gewechselt. Hier habe ich alle Cams durchgemacht K200D, K20D, K7D, K5D und war hochzufrieden.
    Anfang diesen Jahres mußte ich mich denoch zu einen Systemwechsel entschliessen, da immer mehr Videojobs anstehen und da ist (wie Nikon leider auch) Pentax doch arg im Rückstand und so wechselte ich zum ersten Mal ins Canon-Lager.
    Auch aus dem Grund, weil mir mein Fotohändler meines Vertrauens das baldige Eintreffen der ersten spiegellosen von Canon avisiert hatten (im Hinblick auf das dann perfekte Zusammenspiel bei Videodrehs)
    Gerne wäre ich auch wieder zu Nikon gewechselt und war mir bis kurz vor meinem „Go“ nicht sicher, ob ich nicht doch besser zu Nikon wechseln sollte.
    Tja, wenn ich mir jetzt das traurige Eintreffen der 1-Serie anschaue, dann bereue ich nichts (okay, vielleicht ein wenig, nicht ins Sony-Lager gewechselt zu haben, im Hinblick auf die Alpha 77).

    Es bleibt zu hoffen, dass Canon´s erste Spiegellose mehr den gehobenen Kundengeschmack trifft.

    Wobei ich mich auch frage, warum das in unseren Augen lieblose und etwas kurzsichtige entwickeln dieser Kameraklasse bei Nikon, wie übrigens auch das der Pentax Q – Serie, wohl zustande kommt.

    Sollte es tatsächlich so sein, das vorab durch Marktforschungen sich herausgestellt haben, dass der spiegellose Markt grundsätzlich nur etwas für reine Amateure sei und hier eigentlich nur bessere Kompaktkameras mit Objektivwechelmöglichkeit gesucht/benötigt werden? (oder offeriert werden, um mit den Zusatzverkäufen an Objektiven noch Kasse zu machen?)

    Ich weiß es nicht, aber nach dem, meiner Meinung nach, bösen und albernen Fehltritt von Pentax mit der Q-Serie und dem jetzigen erscheinen der 1-Serie von Nikon, die für mich aufgrund der arg kleinen Sensoren in einer ähnlichen Minimal-Liga spielen, kommt mir so ein Verdacht auf.

    Hoffe das Canon es besser macht und die spiegellosen Kameras nicht nur im Hinblick auf den Amateurmarkt sondern auch daraufhin entwickelt, dass auch ambitionierte Fotografen gerne eine kleine leistungsstarke Kamera entweder als „immer-dabei-Lösung“ oder für spezielle Einsatzzwecke (Luftbild/Flugdrohne) suchen und diese sich dann gerne nahtlos ins vorhandene DSLR-Equipment einbinden läßt.

    Ich bin gespannt.

  • Antwort Teezeit 24. September 2011 um 11:56

    In einem englischen Forum wurde zu den Kameras sinngemäß geschrieben: „Warum wird eine Kamera als Neuerung angepriesen, wenn die Deutschen sie vor vielen Jahrzehnten mit der Leica schon erfunden haben?“

    Gut, die angesprochenen Leicas sind analoge Kameras, aber dennoch trifft es den Nagel auf den Kopf. Kommt mir irgendwie so vor, wie damals Pentax mit der 110. Eine echte analoge Spiegelreflexkamera mit Wechseloptiken im Miniformat (und zugegeben: immer noch irgendwie auch Kult), aber allein wegen des Pocket-Filmformats (daher auch der Name „110“) keine echte Alternative. (Wer die Kamera nicht kennt, hier der Link zu Wiki http://de.wikipedia.org/wiki/Pentax#Pentax_Auto_110)

    Wie Du schon erwähnt hast: andere Mütter haben in dieser Klasse wesentlich bessere Töchter, z.B. die X100

  • Antwort Kaffeetasse #3: Nikon 1 vorgestellt, Kostenlose Portraitshootings, Jim Rakete Ausstellung - - ISO125.DE 24. September 2011 um 17:01

    […] vielleicht doch besser auf die Fujifilm X10 zu warten. Auch Blogger wie Patrick von neunzehn72, Ronny von Blogtimes und Bert Stephani machen sich so Ihre Gedanken. Begeisterung konnte ich auch hier nicht […]

  • Antwort Frank 24. September 2011 um 20:58

    Warten wir mal ab wie die Qualität des Sensors in der Praxis ist, den immerhin ist der Sensor um einiges größer als der in der Coolpix P7000 und die schlägt sich für eine Edelkompakte sehr gut ( habe sie selber mal durchgetestet)!
    Nichtsdestotrotz sind die neuen Teile definitiv zu teuer ( so auch die Meinung vieler Einzelhändler).
    Den Abgesang den manche jetzt allerdings auf Nikon halten , verstehe ich nicht, hat denn ernsthaft jemand geglaubt DAS wäre Nikons langerwartete Antwort/ Ersatz für die D3, D700 und D300s!? 😕
    Die 1 er Modelle sind ein Nischenprodukt, nicht mehr und nicht weniger. :!

    Gruß Frank

  • Antwort Jürgen B. 25. September 2011 um 12:38

    Ein sehr ausführlicher Prieview/Test der J1 findet sich hier:
    http://www.imaging-resource.com/PRODS/NIKONJ1/NIKONJ1A.HTM
    Er enthält Vergleiche einschließlich Testaufnahmen zur Olympus E-PM1, Panasonic GF3, Pentax Q, Canon G12, Nikon P7000, Nikon D3100, Sony Nex C3. Damit wird auch wohl klarer, wo die J1 einzusortieren ist.

    • Antwort Frank 25. September 2011 um 22:20

      Danke für den Link, das erklärt einiges. 😉
      Mithin schlägt sich die kleine Kiste ja doch nicht so schlecht in ihrem Segment.

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